Inhalt
1. Einleitung ( was ist eine Saga ) 1
2. Die Isländersaga im Allgemeinen
2.1. Besondere Merkmale der Gattung 1
2.2. Die Tradition 4
2.3. Die Geschichtlichkeit der Isländersaga 5
3. Die Hrafnkels saga
3.1. Form und Struktur 7
3.1.1. Mord Strafe Rache 7
3.1.2. Besondere Merkmale und Interpretation 9
3.2. Forschungsinteressen
3.2.1. Die Verfasserfrage 11
3.2.2. Die Geschichtlichkeit der Hrafnkels saga 13
4. Fazit 14
1. Einleitung
Das Island des 13. Jahrhunderts ist geprägt von heftigen Kämpfen der mächtigen Familien auf der Insel. Das ist die Zeit in der auch der größte Teil der isländischen Sagaliteratur entstanden ist, mit den Isländersagas als Blüte der Sagaschreibung. Um der Frage, was denn eigentlich eine Saga ist, auf den Grund zu gehen, kann man sich zunächst einmal auf die Herkunft des Wortes beziehen. Danach bedeutet das isländische Wort saga (Mz. sögur), welches mit dem Verb segja (sagen, erzählen) verwandt ist, im Allgemeinen „Aussage, Mitteilung, Bericht“, Geschehenes, von dem man berichtet“ und damit „Geschichte“ im weitesten Sinn. Der Begriff saga sagt folg- lich noch nichts über den Inhalt oder die Gestalt eines Prosatextes aus und ist im Grunde lediglich eine Bezeichnung für ungeformte Mitteilungen oder Berichte, des Weiteren mündliche Erzählungen so wie schriftlich fixierte Werke verschiedener Art –
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ohne die moderne Unterscheidung zwischen historisch wahr und fiktiv zu treffen. Heute versteht man unter saga eine mehrere Episoden umfassende isländische Pro- saerzählung aus dem Mittelalter. Deshalb empfiehlt Kurt Schier, von „Sagaliteratur“ zu sprechen oder den Plural sögur beziehungsweise die eingedeutschte Form Sagas für die Gesamtheit der altnordischen Prosawerke zu verwenden, weil man es nicht als eine klar definierte Gattung mit bestimmten, allgemein verbindlichen Formgesetz-
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ten verstehen kann.
In der vorliegenden Arbeit werde ich auf die besonderen Merkmale der Gattung der
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Isländersaga, die nach Schier zur Sagaliteratur im engeren Sinn gehört, im Allge- meinen und ihre F orschungsinteressen, besonders auf die Frage nach ihrer G e- schichtlichkeit, eingehen. Im weiteren Verlauf werde ich diese anhand der Hrafnkels saga freysgoða verdeutlichen und diese Saga als ‚typische Isländersaga’ einordnen.
2. Die Isländersaga im Allgemeinen
2.1. Besondere Merkmale der Gattung
Die Sagas kann man nach ihrem Inhalt zu Gruppen zuordnen, welche eine weit und eine enger gefasste Einteilung ergeben. Im engeren Sinne gehören neben den Íslen- dingasögur zur Sagaliteratur zusätzliche die Konungasögur, die Fornaldarsögur, die
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Sturlunga saga und die Byskupasögur. Im Gegensatz zu den meisten Königssagas, den Bischofssagas sowie einigen Stücken der Sturlungensaga sind die Isändersagas anonym überliefert. Ihre Geschichten handeln für gewöhnlich von Isländern, folglich
1 Schier, Kurt: Sagaliteratur. Stuttgart 1979. (Sammlung Metzler 78). S.1.
2 Vgl. ebd.
3 Vgl. ebd. S.5.
4 Vgl. Schier, Kurt: Sagaliteratur. Stuttgart 1970, (Sammlung Metzler 78). S.5.
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liegt der Schauplatz vorzugsweise in Island. Möglich waren jedoch alle Gebiete in
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denen die Isländer ihre Erfahrungen gesammelt und Entdeckungen gemacht hatten. Die isländische Sagaliteratur umfasst im Großen und Ganzen etwa 35 Werke, die „das Interesse des Literarhistorikers schon deswegen [erwecken], weil [diese Litera-
tur] die einzige künstlerische Prosaliteratur des abendländischen Mittelalters ist mit einem ebenfalls einzigartigen Sprachstil und einer realistischen Darstellungsform, die
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erst in der Neuzeit ihresgleichen gefunden hat.“ Eine wichtige Fragestellung in der Sagaforschung betrifft zunächst einmal die Zeit ihrer Entstehung. Die geschilderten Ereignisse liegen in der Regel alle in der Zeit zwi- schen der Besiedelung Islands, die wahrscheinlich einige Zeit vor dem Jahr 870 be- gann, und ca. 1030, der so genannten „Sagazeit“ – söguöld genannt. Bisweilen set- zen sie jedoch auch bei den norwegischen Vorfahren von Sagapersonen ein und rei-
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chen somit etwas weiter in die Vergangenheit zurück. Die Frage nach der Entste- hung ist jedoch noch immer nicht endgültig beantwortet. Einige Forscher legen den Ursprung der Isländersaga ins 10. Jahrhundert, andere sehen ihn erst im 13. Jahr- hundert. Die ältere Forschung im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nahm an, dass alle klassischen Isländersagas bereits vor 1200 geschrieben wurden und erst nach langer Pause seien in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts und in der Zeit um
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1300 neue Isländersagas entstanden.
Bei der Untersuchung und Beurteilung nach literarischen Kriterien, kann und muss zunächst jede einzelne Isländersaga als individuelles Kunstwerk betrachtet werden. In der Tat ist für keine Isländersaga der originale Text erhalten geblieben, es sind vielmehr nur spätere Arbeiten überliefert. Gleichwohl besteht keinerlei Zweifel, dass die Isländersagas in der Form in der sie uns vorliegen, literarische Werke von unter- schiedlicher Qualität, aber mit ausgeprägten individuellen Eigenheiten sind. Es ist also nötig, bei jedem einzelnen dieser Werke nach Ort und Zeit seiner Entstehung, mutmaßlichem Verfasser, Quellen, literarischer Abhängigkeiten, Komposition,
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sprachlicher und stilistischer Gestaltung etc. zu fragen.
Um die literarischen Besonderheiten der Isländersaga zu erörtern, beginne ich zu- nächst mit der Handlung. Sie dreht sich meist um soziale Institutionen wie Ehe, Ehre und Rache, doch verfolgt jede Saga damit ein anderes Ziel. Für gewöhnlich folgt die Handlung ein und demselben Schema, dagegen wechseln die ihr zugrunde liegenden Themen und Stilebenen. So schildert ein typischer Handlungsverlauf einer Saga, wie
5 Vgl. ebd. S.34.
6 Baetke, Walter (Hrsg.): Hrafnkels saga freysgoða. Mit Einleitung, Anmerkungen und Glossar. Halle 1952. S.1.
7 Schier, Kurt: Sagaliteratur. Stuttgart 1970, S. 34.
8 Ebd. S.37f.
9 Vgl. Schier, Kurt: Sagaliteratur. Stuttgart 1979. (Sammlung Metzler 78). S.36.
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sich aus einem ursprünglich friedlichen Zustand ein Konflikt um Besitz, Ehe oder Prestige entwickelt; ein Konflikt der zu Rache und Totschlag führt, mitunter über mehrere Generationen hinweg, bis die Saga schließlich in einem erneuten Friedens-
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zustand endet.
Die Isländersagas schildern keine Landschaften und machen keinerlei Angaben über Örtlichkeiten und Schauplätze. Die Umwelt wird also vorausgesetzt, jedoch nicht mit in die Erzählung hineingearbeitet. Lediglich die Ortsnamen werden genannt. Auch wird nichts erwähnt wenn sich nicht unmittelbar ein Vorgang daran knüpft. Der Sa- gaerzähler gibt über Seelisches nur indirekt Aufschluss, er lässt uns die Menschen
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und ihr Erleben so sehen, wie wir sie auch im Leben sehen – nämlich von außen. Ich gehe nun auf die Verwendung verschiedener Stilmittel ein. So hat der scheinbar objektive Erzähler in den Isländersagas eine prägnante und deutliche Ausdruckswei-
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se. Oft tritt auch anscheinend unvermittelt ein Tempuswechsel auf. Ein gleicherma- ßen sehr wichtiges und häufig auftretendes Ausdrucksmittel ist die direkte Rede, ihr
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Anteil ist jedoch von Saga zu Saga verschieden. Die oft sehr umfangreichen Dialo- ge dienen einerseits dazu, die Personen zu charakterisieren und einen kleinen Ein- blick ins Innere der Sprecher zu geben. Auf der anderen Seite sprengen sie die Ob- jektivität des Erzählers indem sie die Möglichkeit zu subjektiven Äußerungen, Wer- tungen und auch dem Ausdruck der Gefühle bieten. Diese Dialoge enthalten jedoch nur Informationen, die für den Handlungsverlauf bedeutend sind und führen nicht zu einer Individualisierung der Personen mittels eines persönlichen Redestils oder Sozio-
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lektes.
Darüber hinaus wirken sich weitere rhetorische Mittel auf die Texte aus – beispiels- weise die Wahl einer bestimmten Perspektive, die Weite bzw. Eingrenzung des Blic k- winkels, Spannungsaufbau, Erzähltempo. Die Isländersagas zeichnen sich hinsichtlich der Frequenz dieser Stilmittel aus, sowie in der durch sie bewirkten Gesamtten-
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denz.
Die Sagas bemühen sich um einen chronologisch linearen Handlungsablauf, dennoch sind Vorrauschau - in Form von Träumen, Visionen, Prophezeiungen oder Deutung von Zeichen - und Rückblick, z.B. als Verweis auf frühere Erzählabschnitte oder Be- richte einzelner Personen von vergangenen Ereignissen möglich. Das verdeutlicht einerseits den Glauben an die Schicksalsgebundenheit, des Weiteren erfüllen sie aber auch eine wichtige Funktion bei der Strukturierung des Textes. Sie verbinden Erzäh l-
10 Baetke, Walter: Über die Entstehung der Isländersagas. Berlin/DDR 1956.
11 Ebd.
12 Vgl. Würth, Stefanie (Tübingen): Isländersagas (Íslendingasögur). S.4.
13 Vgl. Schier, Kurt: Sagaliteratur. Stuttgart 1979. (Sammlung Metzler 78). S.35.
14 Vgl. Würth, Stefanie (Tübingen): Isländersagas (Íslendingasögur). S.5.
15 Vgl. Würth, Stefanie (Tübingen): Isländersagas (Íslendingasögur). S.5.
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Henriette Maye, 2003, Die besonderen Merkmale der Gattung Íslendingasögur im Allgemeinen und anhand der Hrafnkels saga Freysgoða, Munich, GRIN Publishing GmbH
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