Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Das Wesen der Frau in der Theorie
1. Das Rätsel der Weiblichkeit - Sigmund Freud 4
2. Das Spiel mit dem Unheimlichen 5
3. Die Grenzgängerin - Julia Kristeva 8
4. Die Frau auf der Leinwand 9
III. Die Alienkönigin
1. Szenenanalyse „Expedition im fremden Raumschiff“ 10
2. Die Alienkönigin als Urmutter 13
3. Die Symbolik der Gestalt 15
IV. Die gute und die böse Mutter
1. Die Alienkönigin und ihre Brut 18
2. Szenenanalyse „Begegnung zwischen Ripley und der
Alienk önigin“ 21
V. Ende 25
VI. Literatur 27
2
I. Einleitung
„Sie begreifen immer noch nicht, womit sie es zu tun haben. Mit
einem perfekten Organismus. Nur seine Feindseligkeit übertrifft noch seine perfekte Struktur. [...] Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit, geschaffen um zu überleben, kein Gewissen beeinflusst es, es kennt keine Schuld oder Wahnvorstellungen jeglicher Art.“ 1
So beschreibt Ash, der Android - äußerlich ein Mensch, aber im Inneren eine Maschine, „Das Unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ 2 . Er erkennt die gute körperliche Angepasstheit des Wesens an seine Umwelt und begrüßt seine Verschiedenheit zum gefühlsbetonten Menschen. Ridley Scott erschuf 1979 in seinem Science Fiction Horror Film ALIEN einen fremden Rivalen für die Menschheit. Auf den feindlichen Ursprung der Alienkönigin ist der Fokus dieser Arbeit gerichtet. Sie tritt zum ersten Mal 1986 in James Camerons ALIENS als Gestalt in Erscheinung. Diese beiden Filme dienen als Grundlage für die Betrachtung der Alienkönigin. Sie ist anders, weil sie weiblich ist und sie ist weiblich, weil sie unheimlich ist und sie ist unheimlich, weil sie anders ist. Anhand von zwei Szenenanalysen wird zum einen ihre Darstellung als weibliches Wesen untersucht , wobei ihre Inszenierung in An- und Abwesenheit sowie die Konstruktion ihrer Gestalt Beachtung finden sollen. Außerdem möchte ich der Behauptung nachgehen, dass mit der Alienkönigin das mythische Urmutterbild negativ umgesetzt wurde. 3 Zum anderen werde ich versuchen, ihr Mutterbild herauszuarbeiten und anhand der Schlüsselszene in ALIENS Deutungsansätze für ihre Gesamtdarstellung zu finden.
1 Zitat aus „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer Fremden Welt“, 1979
2 Untertitel von „Alien“
3 „Mythische Mutterfiguren wie archaische Fruchtbarkeitsgöttinnen, die aus sich selbst heraus gebären, seien mit der Alien Queen zitiert und negativ besetzt worden“ aus: „Hollywoods Reproduktionen: Mütter, Klone, Aliens“ von Ulrike Bergermann
3
Als theoretische Grundlagen werden die psychoanalytische Filmtheorie, angelehnt an Freud und seine Ansichten über die Frau und Mutter, herangezogen. Zur Definierung der Andersartigkeit und Unheimlichkeit der Alienkönigin wird Julia Kristevas Theorie von „Abjection“ und Sigmund Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ einbezogen.
II. Das Wesen der Frau in der Theorie
1. Das Rätsel der Weiblichkeit - Sigmund Freud
Die Frau ist eines der Hauptuntersuchungsobjekte von Freud, er beschreibt sie als:
„unvollständiges, verkürztes, verstümmeltes Geschöpf, nennt den Ort der weiblichen Lust verkümmert und gespalten und spricht von den (narzisstischen) ´Wunden´ und `Narben´ als den psychischen Folgen des Penisneids“ 4
Die Anatomie der Körper zeigt, weiblich ist das Ei und der Organismus der es beherbergt. Alles ist im Vergleich zum Mann fest im Körper eingeschlossen. Männlich ist das Spermium und sein Träger und das männliche Geschlechtsorgan, der Phallus. Er signalisiert in Freuds Theorie Macht, Unterschied und Begehren. Die sekundären Geschlechtsorgane verweisen in Körperbau und Gewebe ebenso auf die Geschlechterdifferenz. Absurd klingt es daher, dass alle Menschen, ob Mann oder Frau bisexuell sind. Freud zufolge tritt diese Zweigeschlechtlichkeit bei ihr deutlicher hervor als bei ihm.
„Der Mann hat doch nur eine leitende Geschlechtszone, ein Geschlechtsorgan, während das Weib deren zwei besitzt: die eigentlich weibliche Vagina und die dem männlichen Glied analoge Klitoris.“5
Damit überschreitet die Frau in ihrem Körperbau die patriarchale Norm, ihr Körper erscheint unheimlich und dissident. Allerdings ist die Klitoris verkürzt, verstümmelt und nicht funktionstüchtig, folglich minderwertig.
4 Edith Seifert „Was will das Weib?“ - Zu Begehren und Lust bei Freud und Lacan, p.122 5 Sigmund Freud „Über die weibliche Sexualität“, p.520
4
Diese Bisexualität durchläuft die Frau, nach Freud, auch in ihrer Entwicklung. In der preödipalen Phase wird die Mutter für den Jungen wie für das Mädchen zum ersten Liebesobjekt. Sie gibt ihnen Nahrung, sorgt für Körperpflege und Geborgenheit. Mutter und Kind sind eine Einheit, für das Kind gibt noch keine Trennung in Subjekt und Objekt . In der ödipalen Phase erkennt der Junge die Andersartigkeit seiner Mutter. Er liebt sie trotzdem, der Vater wird zum Konkurrenten. Seine Kastrationsangst überwiegt, er gibt die Mutter auf und wendet sich anderen weiblichen Wesen zu. Bei dem Mädchen wechselt das Liebesobjekt. Wenn sie den Unterschied zwischen Mann und Frau entdeckt, fühlt sie sich dem Mann unterlegen, minderwertig und schwach. Sie will auch einen Penis haben, der Penisneid setzt ein. Da die Mutter keinen Penis hat, also kastriert ist wie sie selbst, wendet sie sich von ihr ab. Das Mädchen macht die Mutter für ihre Beschaffenheit verantwortlich. Der Vater wird zum Liebesobjekt, von ihm möchte es geschwängert werden, denn das vorgestellte Kind, so nimmt Freud an, würde den fehlenden Penis ersetzen. Er sieht das Kind als Fetisch für den fehlenden Penis. Freud ist der Wechsel des Liebesobjektes der Frau ein Rätsel. Ihm zufolge:
„ist das kleine Mädchen am Anfang ein `kleiner Mann`. Und weiblich wird sie erst, wenn sie sich im Streben nach einem Penis von der Mutter ab- und zum Vater hinwendet.“ 6
Der Phallus gibt dem Mann, gemäß Freud, Macht und Begehren. Er signalisiert den Unterschied, denn ihn will die Frau haben. Der Mann ist der „Aktive“, da seine Spermen zum Ei wandern und die Frau ist die „Passive“ da ihr Ei die Spermen empfängt.
„Aber ich rate Ihnen ab davon. Es erscheint mir unzweckmäßig und es bringt keine neue Erkenntnis [...] Vielleicht geht es so zu, das sich beim Weib von ihrem Anteil an der Sexualfunktion her eine Bevorzugung passiven Verhaltens und passiver Zielstrebungen ein Stück weit ins Leben hinein erstreckt [...] Dabei müssen wir aber Acht haben, den Einfluss der sozialen Ordnung nicht zu unterschätzen, die das Weib gleichfalls in passive Situationen drängen.“ 7
6 Jessica Benjamin „Die Fesseln der Liebe“, p.91
7 Sigmund Freud „Die Weiblichkeit“, p.122f.
5
Freud stellt diese These auf, warnt aber gleichzeitig vor einer vorschnellen Verallgemeinerung aufgrund der gegebenen Anatomie. Die Frau muss in ihrem Lebensumfeld betrachtet werden.
Letztendlich ist es ihm nicht möglich, die Frau vollständig zu definieren:
„Das ist alles, was ich ihnen über die Weiblichkeit zu sagen hatte. Es ist gewiss unvollständig und fragmentarisch...“ 8
Schließlich nannte Freud „die Weiblichkeit ein Rätsel“.
2. Das Spiel mit dem Unheimlichen
Die Science Fiction Horror Filme ALIEN und ALIENS vereinen zwei Filmgenres. Zum einen sind sie Science Fiction Filme, sie erzählen Visionen der Nachwelt, womit sie vor allem über die Zukunft des Menschen verhandeln. Andererseits sind sie Horrorfilme, da sie
„... das Unheimliche weit über das im Erleben mögliche Maß hinaus steigern und vervielfältigen“ 9
Sie spielen mit der Schaulust und den Ängsten der Zuschauer und provozieren Furcht und Entsetzen. Sigmund Freud hat mit seinem Aufsatz „Das Unheimliche“ viele Ansatzpunkte geliefert, was uns Menschen ängstigt.
„Im allerhöchsten Grade Unheimlich erscheint vielen Menschen, was mit dem Tod, mit Leichen und der Wiederkehr der Toten, mit Geistern und Gespenstern, zusammenhängt. [...] Abgetrennte Glieder, ein abgehauener Kopf, eine vom Arm gelöste Hand [...] haben etwas ungemein Unheimliches an sich, besonders wenn ihnen wie im letzten Beispiel noch eine selbstständige Tätigkeit zugestanden wird. [...] leicht unheimlich wirkt, wenn die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit verwischt wird, wenn etwas real vor uns hintritt, was wir bisher für phantastisch gehalten haben ...“10
Horrorfiguren, wie die Hexe, der Vampire oder auch Roboter sind Wesen, die in die realle Welt eindringen und durch ihre Andersartigkeit in Aussehen und Verhalten, aber vor allem auch aufgrund ihres anderen
8 Sigmund Freud „Die Weiblichkeit“, p.145
9 Sigmund Freud „Das Unheimliche“, p.265 10 Sigmund Freud „Das Unheimliche“, p.254-258
6
Normverständnisses befremdend auf den Menschen wirken. Das Monster ist ein Oberbegriff für diese Figuren.
„Monstrosität, Monstrum, Monstrositas: Medizin. - Missgeburt, bei dem Körperteile oder - Organe fehlen oder in der Überzahl oder an verkehrter Stelle auftreten“ 11
Demnach kann Freud zufolge, der weibliche Körper als monströs bezeichnet werden, er ist unvollkommen, da ihm ein Körperteil fehlt, der Penis. Ich möchte mit zwei Beispielen von Freud die Unheimlichkeit des weiblichen Körpers belegen:
1. bei Freuds psychoanalytischer Arbeit erklärten neurotische Männer sehr oft, dass ihnen der Anblick des weiblichen Genitales unheimlich sei. Freud nennt diese Beobachtung die „schönste Bekräftigung“ seiner Auffassung, denn
„Dieses Unheimliche ist aber der Eingang zur alten Heimat des Menschenkindes, zur Örtlichkeit, in der jeder einmal und zuerst geweilt hat.“ 12
Laut Freud ist es die Sehnsucht in den Mutterleib zurückzukehren, es handelt sich um die Wiederkehr eines infantilen Wunsches. 2. Freud greift in seinem Aufsatz „Das Medusenhaupt“ den Mythos der Meduse auf, bei deren Anblick die Männer zu Stein erstarren. Er vergleicht den Schreck beim Anblick der Meduse mit dem Kastrationsschreck, „Kopfabschneiden = Kastrieren“ 13 , wobei er den grauenerregenden Anblick des Medusenhauptes mit dem unheimlichen Anblick des weiblichen Geschlechtes gleichsetzt. Demzufolge wird der kastrierte weibliche Körper zum kastrierenden Monster schlechthin.
Rückblickend auf Freuds grob skizziertes Frauenbild und die Auslegung des Begriffes Monster scheint Barbara Creeds Bezeichnung „monstrous feminine“monströse Weiblichkeit passend.
„As with all other stereotypes of the feminine, from the virgin to whore, she is defined in terms of her sexuality. The phrase
11 Brockhaus Enzyklopädie, Band 19
12 Sigmund Freud „Das Unheimliche“, p.259 13 Sigmund Freud „Das Medusenhaupt“, p.47
7
´monstrous feminine´ emphasizes the importance of gender in the construction of her monstr osity” 14
Creed behauptet, dass bei einer Frau, die als Monster konstruiert wird, der Ursprung ihrer unheimlichen Wirkung immer ihr Geschlecht ist. Mit der Bezeichnung ´monströse Weiblichkeit´ will sie die Festlegung der Monstrosität durch ihre Sexualität betonen.
Robin Wood beschreibt das Monster, egal ob männlich oder weiblich, als die „Wiederkehr des Verdrängten“ 15 . Für den Erhalt einer zivilisierten Gesellschaft müssen Verordnungen und auch Verbote errichtet werden. Grundlegend sind dabei, ihr zufolge, die Formen der Sexualität und die Formen der Andersartigkeit. Sich dem vorgegebenen Format fügen, heißt „in unserer Kultur zu monogamen, heterosexuellen, bürgerlichen, patriarchalen Wesen“ 16 werden, seine persönlichen Wünsche zu unterdrücken und aus dem Bewusstsein zu verdrängen.
Im Traum, so Freud, erscheint alles Unterdrückte und Unbewusste wieder, allerdings in verhüllter Form.
„dies Unheimliche ist wirklich nichts Neues oder Fremdes, sondern etwas dem Seelenleben von alters her Vertrautes, das ihm nur durch den Prozess der Verdrängung entfremdet worden ist” 17
Schlussfolgernd ist das Monster die Visualisierung eines verdrängten Wunsches in Form eines Alptraumes. Der Film, speziell der Horrorfilm, spielt mit den Phänomen en Alptraum und Angst . Das Monster ist der maskierte Ausdruck für den verdrängten Wunsch, das verbotene Begehren, das zerstört werden muss. Das Happy End ist die wiedereintretende Unterdrückung und folglich die Fügung in das bestehende Format.
3. Die Grenzgängerin - Julia Kristeva
Bei der Darstellung von Julia Kristevas Theorie werde ich mich auf die Aussagen von Barbara Creed beziehen.
14 Barbara Creed „The Monstrous-Feminine“, p.3
15 Annette Brauerhoch „Die gute und die böse Mutter“, p.141 16 Annette Brauerhoch „Die gute und die böse Mutter“, p.140 17 Sigmund Freud „Das Unheimliche“, p.254
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Arbeit zitieren:
Angela Mages, 2003, Die Alienkönigin - Unheimlich Anders Weiblich, München, GRIN Verlag GmbH
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