Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 2
2. Soziologische Rollentheorien 3
2.1. Talcott Parsons 3
2.2. George Herbert Mead 4
2.3. Ralf Dahrendorf 6
3. Ansätze zur Geschlechtsrollenübernahme 7
3.1. Der psychoanalytische Ansatz Freuds 7
3.2. Geschlechtsrollenerwerb als Prozess sozialen Lernens 9
3.2.1. Geschlechtsrollentypisierung durch Modelllernen 9
3.2.2. Differentielle Sozialisation 10
3.2.3. Entstehung der Geschlechtsidentität durch die kognitive
Entwicklungstheorie 12
4. Gegenwärtige Situation der Geschlechterrollen 12
4.1. Auswirkungen der weiblichen Erwerbstätigkeit auf die
traditionellen Geschlechte rrollen 13
4.2. Die gegenwärtige geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der
Familie 15
5. Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 17
1
1. Einführung
„Wir erfassen vom anderen wie auch von uns selbst nicht das, was wir in Wahrheit sind, sondern lediglich das, als was wir erscheinen.“ (Tournier S.14). Diese Feststellung machte der Psychotherapeut nach jahrelanger Arbeit mit Menschen, die auf der Suche nach ihrem wahren Wesen sind. Immer wieder muss man feststellen, dass man sich selbst ganz anders wahrnimmt als andere Menschen das tun und man merkt, dass man sich nicht einmal selbst vollkommen kennt. Ebenso geschieht es mit anderen Menschen. Sobald man einen neuen Kollegen oder Freund kennenlernt, versucht man, d iesen anhand seines Verhaltens und Auftretens einzuschätzen und zu beurteilen. Selbst wenn man diese Person immer besser und länger kennt, wird man nie in der Lage sein, ihr ganzes Wesen zu erfassen. Man wird in ihr nur das sehen, was sie von sich preis gibt und wie sie sich selbst darstellt, was jedoch nicht bedeutet, dass das Individuum allein bestimmt, was andere Menschen von ihm denken. Da eine Person nie allein und isoliert lebt, sondern von einer Gemeinschaft anderer Individuen umgeben ist, wird ihr eigenes Ich auch stets von dieser beeinflusst und gekennzeichnet. Durch das Gesellschaftssystem und die darin vorherrschenden sozialen Strukturen wird der einzelne Mensch zum Element dieser Gemeinschaft und bekommt von dieser bestimmte Aufgaben und Funktionen zugeshrieben. Die Soziologie bezeichnet diese Eigenschaft des Menschen als soziale Rolle und geht davon aus, dass ein Individuum nur durch Rollenübernahme Teil der Gesellschaft wird.
Neben diesen sozialen Rollen, die man im Laufe des Lebens einnimmt, gibt es jedoch eine Rolle, mit der der Mensch bereits auf die Welt kommt: die Geschlechtsrolle. Wenn dies auch von der Natur festgelegt wird, so bestimmt die Kultur, wie diese Rolle im Speziellen gekennzeichnet ist. Durch bestehende Erwartungen an Verhaltensweisen, Einstellungen und Aufgaben nimmt die Gesellschaft wiederum Einfluss auf den heranwachsenden Menschen, der sich damit im Laufe seiner Entwicklung auseinandersetzen muss.
Diese Hausarbeit soll sich einerseits mit dem Begriff der sozialen Rolle beschäftigen, indem zu Beginn der Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Individuum mittels verschiedener soziologischen Rollentheorien beleuchtet wird. Auf den Aspekt der Geschlechterrolle wird in den darauffolgenden Kapiteln eingegangen, wobei dabei der Erwerb der Geschlechtsrollen im Zentrum stehen soll. Abschließend soll eine kurze Darstellung der gegenwärtigen Situation der beiden Geschlechter erfolgen.
2
2. Soziologische Rollentheorien
2.1. Talcott Parsons
Parsons` Systemtheorie entstand auf der Grund lage der Erkenntnis, dass das menschliche Handeln nicht nur durch soziologische, sondern auch biologische und psychologische Faktoren beeinflusst wird. Da es sein Ziel war, Gesetzmäßigkeiten des Handelns aufzustellen, um dies erklären und verstehen zu können, entwickelte er daher eine Handlungstheorie, die alle Einflussfaktoren zusammenfasste. Aufgrund seiner Anna hme, dass alles als System definierbar ist, konzipierte er auch Handeln als ein solches, dass aus verschiedenen Elementen besteht, die in speziellen Beziehungen zueinander stehen. Da es ihm besonders interessant erschien, wodurch das Funktionieren sowie der Erhalt eines Systems gesichert wird, stellte er das sogenannte Vier-Funktionen-Schema auf, das wie folgt dargestellt wird (Abb. 1):
Dieses Schema, was auch AGIL -Schema genannt wird, fasst die funktionalen Leistungen der einzelnen Systemelemente zusammen. Adaption meint dabei die Anpassung des Systems an seine Umwelt sowie an den strukturellen Wandel innerhalb des Systems bzw. der Umwelt. Goal-Attainment bezeichnet die Funktion der Zielerreichung, die Ziele auswählt und zu d eren effizienten Verwirklichung beiträgt. Der dritte Bereich - Integration - dient der Eingliederung der einzelnen Elemente in das gesamte System. Und Latent-Pattern-Maintenance sorgt für den Erhalt der Systemstruktur durch Bewältigung von Spannungen und Widersprüchen und ist somit für die soziale Kontrolle zuständig. Jedes System wird also in seine Grundelemente - Subsysteme - aufgespaltet, denen dann wiederum die beschriebenen vier Funktionen zugeordnet werden.
3
Im besonderen Hinblick auf soziale Rollen ist das Sozialsystem von wesentlicher Bedeutung. Es besteht aus Beziehungen zwischen handelnden Personen und Interaktionen und allein diese Interaktionsprozesse machen die Entstehung eines Sozialsystems möglich. Abb. 2 zeigt den strukturellen Aufbau des Sozialsystems.
Wie zu erkennen ist, schreibt Parsons den Rollen die Anpassungsfunktion zu. Sie öffnen das soziale System für unterschiedliche Individuen und ermöglichen so deren Teilna hme an diesem System. MIKL-HORKE sieht in der sozialen Rolle die kleinste Einheit des Sozialsystems und definiert diese als „strukturierten Ausschnitt aus den Orientierungen des Handelnden, der seine Teilnahme an einem interaktiven Prozeß aufgrund von komplementären Erwartungen konstituiert und definiert“ (Mikl-Horke 1997, S. 209). Alles Handeln ist daher von Regeln und Erwartungen bestimmt, an die man sich halten bzw. die man erfüllen muss und der Mensch ist nur als Träger von Rollen ein Teil des Handlungssystems.
2.2. George Herbert Mead
George Herbert Mead ist der Begründer des symbolischen Interaktionismus. Seiner Auffassung nach besteht die Gesellschaft nicht nur aus einzelnen Individuen, sondern ebenso aus Interaktionen und ist somit Grundlage für die Interaktionstheorie. Außerdem sieht er den Menschen in einer Umwelt lebend, die aus Symbolen wie Sprache, Gesten, Mimik etc. besteht. Interaktionen, in denen bestimmte Symbole vermittelt werden, sind daher die Grundlage für die Entwicklung
4
Arbeit zitieren:
Susan Dörfler, 2004, Die Bedeutung und der Erwerb von sozialen Rollen unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechts, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Geschlechtsspezifische Sozialisation
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 33 Seiten
Kulturelle Unterschiede zwischen China und Deutschland - Theorie und P...
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Seminararbeit, 21 Seiten
Doing Gender als Ergebnis der geschlechtsspezifischen Sozialisation
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Ursachen und Folgen von Sucht am Beispiel der Magersucht und mögliche ...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Theorie des Rollenkonflikts nach Robert K. Merton
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 21 Seiten
Einstellungsmessung zum Thema Organspende
Psychologie - Sozialpsychologie
Praktikumsbericht / -arbeit, 15 Seiten
Religionslehrer/in sein - Rolle und Person
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 9 Seiten
Sozialisationsinstanz Schule bei Emile Durkheim und Talcott Parsons
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 21 Seiten
Bedeutung der Peer-groups für den Erwerb der Identität im Jugendalter
Hausarbeit, 29 Seiten
Theorie des sozialen Handelns (Thomas Luckmann)
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Seminararbeit, 44 Seiten
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Lobbyismus im politischen Prozess der USA - Voraussetzungen, Methoden ...
Politik - Internationale Politik - Region: USA
Hausarbeit, 22 Seiten
Gewaltprävention - welche Möglichkeiten gibt es für die Institution Sc...
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit, 23 Seiten
Jane Addams - Die ersten Jahre im Hull House und die Probleme der Umge...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 14 Seiten
Susan Dörfler hat den Text Die Bedeutung und der Erwerb von sozialen Rollen unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechts veröffentlicht
Susan Dörfler hat einen neuen Text hochgeladen
Der Schutz bekannter Marken unter besonderer Berücksichtigung der zivi...
Vertrags- und Haftungsfragen u...
Enzo Baiocchi
0 Kommentare