1 ZUR EINFÜHRUNG 4
2 GEWALT UND IDEOLOGIE DER UNGLEICHHEIT. 5
3 URSACHEN UND VARIABLEN DER FREMDENFEINDLICHKEIT. 6
3.1 SYNDROM RECHTSEXTREMISMUS UND DIE DESINTEGRATIONSTHESE 6
3.2 ALTER UND GESCHLECHT. 7
3.3 KONTAKT ZU AUSLÄ NDERN 8
3.4 ARBEITSLOSIGKEIT. 8
3.5 VORURTEILE. 10
3.6 SCHULBILDUNG. 11
3.7 ERZIEHUNGSSTIL 12
3.8 ZUR WEITERFÜHRENDEN AUSEINANDERSETZUNG MIT DER DESINTEGRATIONSTHESE
13
4 ANSATZPUNKTE FÜR SCHULISCHE PRÄVENTIONSMAßNAHMEN 14
4.1 SICHTWEISEN DER SCHÜLER BEACHTEN UND DEN DIALOG SUCHEN 14
4.2 ALTERNATIVEN AUFZEIGEN. 15
4.3 LÖSEN VON FIXEN LERNARRANGEMENTS 15
5 PÄDAGOGISCHE KONZEPTE GEGEN RECHTSRADIKALISMUS 16
5.1 KOGNITIV, ORIENTIERTER, INFORMATORISCH- AUFKLÄRENDER ANSATZ. 16
5.1.1 Lernblockaden erkennen 18
5.1.2 Konfrontationsfalle. 18
5.1.3 Moralisierungsfalle 19
5.2 SCHÜLERORIENTIERTER VERTRAUENSANSATZ. 20
5.3 ERLEBNIS- /ERFAHRUNGSORIENTIERTER UND HANDLUNGSORIENTIERTER ANSATZ 20
5.4 INTERKULTURELLE ERZIEHUNG. 21
6 CHANCEN UND GRENZEN POLITISCHER BILDUNG. 22
LITERATUR 24
3
1 Zur Einführung
Ähnlich wie die gesamte Rechtsextremismusdebatte unterliegt auch die pädagogische Arbeit und die ihr zugeschriebene Funktion beim Umgang mit Rechtsextremismus bestimmten Konjunkturen und Modewellen. Sie schwankt zwischen Überschätzung und Unterschätzung, zwischen „Allheilmittel“ und „wirkungslosem Mittel“. Während zu Beginn der 90er Jahre in der pädagogischen Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen ein Schwerpunkt des Umgangs mit Rechtsextremismus gesehen wurde, sind seither Tendenzen der Abwertung und Ignoranz gegenüber der Pädagogik in der gesellschaftlichen Diskussion um Rechtextremismus zu beobachten. Dies liegt daran, dass die Erfolge der pädagogischen Arbeit nur schwer messbar sind. Überzogene Annahmen, Jugendliche könnten quasi „über Nacht“ wieder auf den richtigen Weg gebracht werden, mögen zu diesem Dilemma beigetragen haben.
Für öffentliche Erregung sorgte im Julie 2000 ein Sprengstoffanschlag in Düsseldorf. Wie die Presse berichtete, galt der Anschlag möglicherweise gezielt Ausländern und Menschen jüdischen Glaubens. 1 Politik und Medien blieben fixiert auf den organisierten Rand des Rechtsextremismus (NPD-Verbot) und auf den Aspekt der rechtsextremen Gewalt vor allem Jugendlicher. Das fremdenfeindliche Umfeld in der Mitte der Gesellschaft, von dem sich rechtsextreme Jugendliche durchaus „ermutigt“ 2 fühlen, blieb ausgeklammert.
Was, so muss man sich fragen, ist in der Erziehung und Sozialisation eigentlich schiefgelaufen, dass es zu solchen Reaktionen kommt. Ist man sich der möglichen Ursachen bewusst, kann man daran gehen, Strategien zu entwickeln, die den vermuteten Ursachen entgegenwirken. Somit ist das Anliegen der vorliegenden Arbeit skizziert: Erst werden mögliche Ursachen oder Variablen für Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus wie Desintegration, Alter, Geschlecht, Kontakte zu Ausländern, Arbeitslosigkeit, Vorurteile, Schulbildung und Erziehungsstile behandelt. Als nächstes werden Ansatzpunkte für schulische Präventionsmaßnahmen vorgestellt, gefolgt von pädagogischen Konzepten gegen Rechtsradikalismus. Abschließend werden Chancen und Grenzen politischer Bildung dargestellt.
1 Die 9 Verletzten sind Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion, 6 von ihnen Menschen jüdischen Glaubens
2 z.B. der Brandanschlag in Dolgenbrodt 1992 auf ein Asylbewerberheim
4
2 Gewalt und Ideologie der Ungleichheit
Die zahlreiche wissenschaftliche Literatur zum Rechtsextremismus unterscheidet im wesentlichen drei Ausprägungsformen des Rechtsextremismus: Erstens, die organisierten Formen, wie Neonazi-Gruppen und Parteien, zweitens die im Alltagsmilieu verankerten jugendlichen Subkulturen, dominiert von gewaltbereiten jungen Männern, und drittens der „soziologische Rechtsextremismus“, welcher die rechtsextremistische Wählerbasis und ihr Einstellungspotential umfasst. 3 Rechtsextreme Einstellungen sind nichts Neues. Sie sind schon seit Jahrzehnten bei einem Teil der Bevölkerung fest verankert. So hält die Sinus-Studie von 1981 als Ergebnis fest, dass 13 Prozent aller Wähler der BRD über ein „abgeschlossenes rechtsextremes Weltbild“ verfügen. 4 Dieser Befund wird auch durch ne uere Studien bestätigt. 5
Die ideologischen Besonderheiten des Rechtsextremismus, seine völkischen, rassistischen und antidemokratischen Agitations- und Argumentationsweisen lassen sich auf ein wesentliches Ideologie-Element zurückführen: die Ideologie der Ungleichheit. 6 Gerade diese Ideologie der Ungleichheit mit ihren impliziten rassistisch-völkischen Diskriminierungen und Denkmustern macht die Randgruppe der Rechtsextremisten anschlussfähig an die in der „Mitte der Gesellschaft“ häufig in Diskursen anzutreffende Fremdenfeindlichkeit mit ihren Ausgrenzungsideologien. Jugendliche Gewalttäter berufen sich oft auf diesen ganz „normalen“ Fremdenhass, durch den sie sich - zumindest indirekt -ermutigt fühlen.
3 Vgl.. Ahlheim, K. Pädagogik mit beschränkter Haftung, S. 7
4 Sinus-Institut: 5 Millionen Deutsche: „Wir wollen wieder einen Führer haben...“, S. 78
5 Vgl. etwa Jürgen W. Falter: Wer wählt rechts?, München 1994
6 vgl. Heitmeyer: Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen, S. 15f und Pfahl-Traughber:
Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, S. 14f
5
3 Ursachen und Variablen der Fremdenfeindlichkeit
3.1 Syndrom Rechtsextremismus und die Desintegrationsthese
Bei Personen mit rechtsextremistischen Verhaltensweisen lassen sich immer bestimmte Einstellungen mit rechtsextremen Orientierungen wie Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Autoritarismus usw. feststellen. Melzer bezeichnet diese Bündel von „Einstellungen“ in seiner Terminologie als „Rechtsextremismussyndrom“. 7
Die meisten Erklärungsversuche für dieses Rechtsextremismussyndrom gehen von sozialen Wandlungen durch gesellschaftliche Individualisierungsprozesse und den sich daraus ergebenden Folgen für die Lebenslage Jugendlicher aus (Desintegrationsthese). Besonders Jugendliche aus gefährdeten Milieus (Modernisierungsverlierer) sind unter dem Druck fehlender Bindungen und sozialer Auffangnetze nicht mehr ausreichend qualifiziert, die eigene Lebenskonzeption sinnvoll zu entwickeln. Die zunehmende Distanz zu sinngebenden traditionellen Organisationen verlangen von den Individuen eine erhöhte Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Verstärkte Konkurrenzbeziehungen, der Verlust von milieuspezifischen Erfahrungen und die Monetarisierung von sozialen Beziehungen bringen vor allem in der Phase der Adoleszenz einen hohen Problemdruck mit sich (Identitätskrise). Der Individualisierungsprozess eröffnet dem einzelnen zwar mehr Freiheitschancen und Möglichkeiten der Selbstverwirklichung, bedingt aber zum anderen die Herausforderung, Identitätskrisen ohne umfassende soziale Auffangnetze bewältigen zu müssen. 8
Um diese Orientierungslosigkeit zu bewältigen, wird dann versucht, auf Orientierungsgewissheiten und Ordnungen alten Musters zurückzugreifen. Diese finden die Jugendlichen in den „neuen Gemeinschaften“, wo nationale Homogenität eine wichtige Größe darstellt und ihnen wieder Gewissheit verschaffen, wohin sie gehören. Rechtsextremismus bietet hier eine zweifelhafte „Lösung", in dem der übermächtige Problemdruck über Ideologien der Ungleichheit und Gewaltakzeptanz transformiert wird, in Orientierungen der Überlegenheit und der Stärke.
7 Melzer, W., Schubarth, W., Das Rechtsextremismussyndrom bei Schülerinnen und Schülern in Ost- und
Westdeutschland
6
3.2 Alter und Geschlecht
Klaus Ahlheim und Bardo Heger haben in ihrer 1999 veröffentlichten empirischen Untersuchung zur Fremdenfeindlichkeit in Deutschland die Gründe und Ursachen für die Entstehung von fremdenfeindlichen Einstellungen in der Gesamtbevölkerung analysiert. Sie haben herausgefunden, dass 27 % der West- und 41 % der Ostdeutschen „deutlich“ bzw. „stark“ fremdenfeindlich eingestellt (Abbildung 1) sind. 9
Schon daraus lässt sich erkennen, dass fremdenfeindliche Einstellungen nicht nur bei Randgruppen, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft anzutreffen sind. Sie haben festgestellt, dass fremdenfeindliche Einstellungen weder ein besonderes Jugend- noch ein Männerproblem sind. Eine Differenzierung nach Alter und Geschlecht zeigt, dass fremdenfeindliche Einstellungen vor allem in den neuen Bundesländern und dort speziell bei den Frauen ausgeprägter sind, als bei den Männern. 10
Melzer und Schubarth finden in ihrer Analyse zwar auch, dass die Ausländerfeindlichkeit im Osten höher ist; allerdings ist hier der Anteil der fremdenfeindlich eingestellten Männer höher als der der Frauen. 11
8 Vgl. Heitmeyer (1992): Die Bielefelder Rechtsextremismusstudie, S. 16
9 Vgl.. Ahlheim, K. a.a.O. S.19
10 Vgl. Ahlheim, K. a.a.O. S. 12
11 Vgl. Melzer, W., Schubarth, W. a.a.O. S.73f
7
Arbeit zitieren:
Bert Engelhard, 2002, Rechtsextremismus: Eine besondere Herausforderung für die politische Bildung und pädagogisch-didaktische Konzepte als Teil der Strategien gegen Rechtextremismus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Pädagogische Arbeit gegen Rechtsextremismus in der Schule
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 23 Seiten
Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit nach Peter L. Berger und Tho...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Bericht zum pädagogischen Einführungspraktikum am Berufskolleg
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Praktikumsbericht / -arbeit, 18 Seiten
Rechtsextremismus – Prüfung rechtsextremer Grundvorstellungen anhand d...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Unterrichtsentwurf, 15 Seiten
Themenzentrierte Aktion nach Ruth C. Cohn - Anwendungsgebiet Schule
Seminararbeit, 12 Seiten
Die Problematik von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus in...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 11 Seiten
Anforderungen an den Lehrerberuf aus der Sicht von Lehrern verschieden...
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Examensarbeit, 137 Seiten
Lernen mit neuen Medien: Interneteinsatz im Englischunterricht
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Referat (Ausarbeitung), 29 Seiten
Jugendlicher Rechtsextremismus und schulische Präventionsformen
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Zwischenprüfungsarbeit, 35 Seiten
Historische Entwicklung des Gesundheitssystems in Deutschland
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Seminararbeit, 21 Seiten
Albert Camus: une comparaison de L'etranger avec La peste
Romanistik - Französisch - Literatur
Seminararbeit, 29 Seiten
Welche Relevanz hat die Idee der Nachhaltigkeit für die berufliche Bil...
Bildungstheoretische Reflexion
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Hausarbeit, 21 Seiten
Wesentliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Lernfeldkonz...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Referat (Ausarbeitung), 6 Seiten
Bert Engelhard's Text Rechtsextremismus: Eine besondere Herausforderung für die politische Bildung und pädagogisch-didaktische Konzepte als Teil der Strategien gegen Rechtextremismus ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Bert Engelhard hat den Text Rechtsextremismus: Eine besondere Herausforderung für die politische Bildung und pädagogisch-didaktische Konzepte als Teil der Strategien gegen Rechtextremismus veröffentlicht
Bert Engelhard hat einen neuen Text hochgeladen
Evaluation pädagogisch-didaktischer Ansätze im Rahmen der gesundheitsf...
Einfluss von Unterrichtsformen...
Mareen Molderings
Mensch und Politik. Globale Gefährdungen - Globale Verantwortung
Gemeinschaftskunde - Sozialkun...
Das politische Lied in Politik- und Musikunterricht
Unter besonderer Berücksichtig...
Eva-Maria Schauenberg
0 Kommentare