SOZIOLOGIE DER ARBEIT 2
I ZUR EINFÜHRUNG 4
II ARBEIT UND ICH-BILDUNG 5
1 DIE BEDEUTUNG DES WERKZEUGS 6
2 DER ARBEITSBEGRIFF BEI MARX 7
3 DIE UNTERSCHEIDUNG VON ARBEIT UND SPIEL 9
3.1 Dauer 9
3.2 Ständigkeit 9
3.3 Lastcharakter 9
III STUDIEN ZU ARBEIT UND PERSÖNLICHKEIT 10
1 DER EMOTIONAL-MOTIVATIONALE MERKMALSBEREICH 10
2 DER KOGNITIVE MERKMALSBEREICH 11
3 SOZIALKOGNITIVE MERKMALE 12
4 KONTROLLÜBERZEUGUNGEN 12
IV DER NORMATIVE ARBEITSBEGRIFF 13
V AUSBLICK 14
VI LITERATURVERZEICHNIS 15
3
I Zur Einführung
Die Erwerbsarbeit nimmt im Leben des modernen Menschen einen zentralen Platz ein. Immerhin verbringt man jede Woche – vorausgesetzt man arbeitet Vollzeit – gut
40 Stunden und mehr in der Arbeit. Am Ende des regulären Arbeitstages geht es
oftmals in den eigenen vier Wänden mit mitgebrachter Arbeit weiter. Die Arbeitswelt bleibt nicht einfach hinter dem Fabriktor, im Büro, im Geschäft oder an anderen Arbeitsplätzen zurück, wenn der Feierabend, das Wochenende oder die Urlaubstage beginnen. Arbeit wird von vielen Menschen primär als Option zur Sicherung des Lebensunterhalts verstanden, hat darüber hinaus aber noch andere wichtige Aufgaben. Sie wirkt sich durchaus auf die Freizeitgestaltung und die Persönlichkeitsentwicklung des Arbeitenden aus.
Mit dieser Bedeutung der Arbeit für die Persönlichkeit des Menschen möchte ich mich in meiner Arbeit auseinandersetzen.
Als Grundlage habe ich den Text „Arbeit und Persönlichkeit“ von Hugo Schmale, und das Buch „Arbeit, Freizeit und Persönlichkeit“ von Ernst-Hartmut Hoff gewählt. Der Text von Hugo Schmale b eschäftigt sich mit den Meinungen verschiedener Soziologen (Siegmund Freud, Karl Marx, E. Grassi und Jürgen Habermas) zum Thema Arbeit und Persönlichkeit. Aus dem Buch von Ernst-Hartmut Hoff habe ich dem Bereich besonderes Augenmerk geschenkt, der einen Ü berblick über Schwerpunkte der empirischen Forschung zu Arbeit, Freizeit und Persönlichkeit gibt.
Um im Zusammenhang dieser Ausarbeitung den Arbeitsbegriff richtig zu verstehen, möchte ich zu Beginn auf den „doppelten Charakter“ der Arbeit eingehen. Arbeit wird meist als ökonomische Erwerbstätigkeit gesehen, die mit Mühe und Plage verbunden ist. In der germanischen Sprache gibt es ein intransitives Verb arbejo, das soviel heißt wie „bin ein verwaistes und darum zu harter Arbeit verdingte Kind“. Arbeit, arm und Erbe haben die gleiche sprachliche Wurzel. Bei dieser negativ behafteten Betrachtungsweise der Arbeit übersieht man eine ganz andere Funktion der Arbeit: Arbeit ist für den Menschen eine geplante Auseinandersetzung mit der Natur. Sie ermöglicht es sich die Erde Untertan zu machen und nicht – wie die Tiere – nur in einem spezifischen Lebensraum überleben zu können. Durch Arbeit gestaltet sich der Mensch seine Umwelt, so wie sie ihm gefällt. Hier zeigt sich der auf den ersten Blick sogar paradoxe doppelte Charakter der Arbeit: Arbeit trennt einerseits den Menschen von der Natur, wendet ihn andererseits aber auch wieder der Natur zu. Es
4
ist notwendig, sich der darin liegenden Gefahr bewusst zu sein, wenn von Arbeit gesprochen wird, wenn sie geplant, durchführt oder bewertet wird. 1
Zudem ist Arbeit wichtig um die meisten Fähigkeiten eines Menschen, die nicht angeboren sind zu erwerben und zu entwickeln. Im weiteren sollen einzelne Bereiche des Lebens genauer beleuchtet werden, die zur Bildung der Persönlichkeit durch die Arbeit beitragen.
II Arbeit und Ich-Bildung
Um verstehen zu können, wie und warum die Arbeit unsere Persönlichkeit beeinflusst und mitgestaltet liegt es für Schmale nahe, Sigmund Freuds Begriff der Sublimation heranzuziehen. Nach Freud ist jede psychische Energie auf Triebenergie zurückzuführen: alle lebenden Organismen handeln in ihrem Naturzustand triebhaft. So tendieren sie dazu, wenn sie durch Störungen aus ihrem Gleichgewicht gebracht werden, den ursprünglichen Zustand durch eine Reaktion sofort wieder herbeizuführen.
Ein Beispiel hierfür ist das Kind, das nach Ansicht Siegmund Freuds anfänglich nur im Bereich der direkten Triebbefriedigung lebt. Freud nennt diese psychische Instanz das „Es“, das nach dem Lustprinzip lebt. Erst durch direkte Erfahrungen realer Bedingungen, wie z.b. die Abhängigkeit von anderen Lebewesen, lernt das Kind nach dem Realitätsprinzip zu leben. Damit will Freud erklären, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, die direkte Befriedigung seiner auftretenden Bedürfnisse aufzuschieben. Durch den Aufschub dieser primären Bedürfnisse wird die Triebenergie nicht genützt. 2
Diese Energie kann nun umgeleitet werden und zur Erreichung anderer Ziele verwendet werden. „Diese Umleitung der individuellen Triebenergie auf die Erreichung gesellschaftlich wertvoller Ziele nennt Freud Sublimation.“ 3 So kann diese
Energie z.b. zur Verbesserung der Lebensbedingungen oder zur Schaffung von Kultur genützt werden. Anders gesagt: man kann diese Energie zur Arbeit nützen. Mit dem Erlebnis der persönlichen Anerkennung durch die Arbeit führt die in der Arbeit erlangte Triebverschiebung zur Ich-Bildung. Nach Freud hat also die psychische Instanz das „Ich“ die Aufgabe, zwischen den Bedürfnissen des „Es“, das sind die 1 vgl. Schmale, H., Psychologie der Arbeit, S.113 2 vgl. Schmale, H., a.a.O. S. 114f 3 Schmale, H., a.a.O., S. 116
5
biologisch bedingten Triebe, und dem „Über-Ich“, welches die internalisierten Forderungen der Gesellschaft darstellt (also Normen und Regeln innerhalb der Gesellschaft) in der Außenwelt zu vermitteln.
„Das Ergebnis dieser Verschiebung ist die – mit seelischer Energie besetzte – „Objektwelt“ des Individuums: Gegenstände, aber auch Personen und Vorgänge, die entweder geliebt oder gehasst oder gewünscht oder gemieden werden oder die dem Individuum mehr oder weniger wert sind.“ 4
Die Gesamtheit der so definierten psychisch besetzten Objekte und die Art und Weise wie das Individuum mit ihnen umgeht, macht die „Persönlichkeit“ eines Menschen aus.
1 Die Bedeutung des Werkzeugs
Eine besondere Rolle im Zusammenhang mit dem Aufschieben von Bedürfnissen schreibt Schmale dem Werkzeug zu. Im Werkzeug manifestiert sich die Erfahrung des Arbeitenden mit dem zu bearbeitenden Objekt. Hegel sagt über das Werkzeug:
„Es ist das, worin das Arbeiten sein Bleiben hat, was von dem Arbeitenden und Bearbeiteten übrig bleibt und worin ihre Zufälligkeit sich verweigert.“ 5
So wird die Erfahrung im Werkzeug vergegenständlicht, von Generation zu Generation weitergegeben und zu einem dauerhaften Kulturgut. 6
Durch die Erfindung von Werkzeugen macht sich der Mensch die Natur Untertan; er lässt die Gesetze der Natur zu seinem Vorteil arbeiten. Er kann damit die Natur „überlisten“, was ihm ein „listiges Bewusstsein“ vermittelt. Dieses „listige Bewusstsein“ wird aber durch die immer schneller zunehmende Mechanisierung der Arbeit in den Hintergrund gedrängt. 7 Im Bezug auf die Arbeit erschein es deshalb
angebracht zu fragen was mit diesem „listigen Bewusstsein“ durch die Industrialisierung geschieht. Hegel spricht diese Problematik im Bezug auf die Erfindung des mechanischen Webstuhls an: Indem der Mensch Maschinen für sich 4 Schmale, H., a.a.O., S. 117 5 Hegel, zit. nach Schmale, Philosophie des Geistes Bd. 19 S. 221 6 vgl. Grassi, Schmale, H., Arbeit und Gelassenheit, S. 118 7 vgl. Grassi, Schmale, H., a.a.O., S 119
6
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Bert Engelhard, 1999, Arbeit und Bildung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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