I ZUR EINFÜHRUNG. 4
II GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK. 5
1 ZUR TECHNISCHEN ENTWICKLUNG DER HAUSHALTSGERÄTE 5
2 VERBREITUNG DER HAUSHALTSGERÄTE. 7
III ÖKONOMISIERUNG DES HAUSHALTS 9
1 DIE URSPRÜNGE DES RATIONALISIERUNGSGEDANKENS. 9
2 DIE BEWEGUNG ZUR RATIONALISIERUNG DER HAUSARBEIT 10
IV VERÄNDERUNG DER ARBEITSSTRUKTUR DURCH TECHNISIERUNG 12
1 AUFHEBUNG DER ZUSAMMENARBEIT 12
2 VERLUST DER INNERFAMILIÄREN ARBEITSTEILUNG. 13
V VERRINGERUNG DER HAUSHALTSTÄTIGKEITEN DURCH
TECHNISIERUNG ? 16
VI THEORIEN ZUR GESCHLECHTLICHEN ARBEITSTEILUNG. 17
1 RESSOURCEN-THEORIE. 17
2 NEW HOME ECONOMICS 18
3 ROLLENTHEORIE UND EINSTELLUNGSKONZEPT 19
4 TIME-AVAILABILITY- BZW. DEMAND/RESPONS-CAPACITY-THEOREM 20
VII BEFUNDE ZUR HÄUFIGKEIT DER BETEILIGUNG DER MÄNNER AN DER
HAUSARBEIT. 21
IIX VORSTELLUNGEN ÜBER DEN HAUSHALT DER ZUKUNFT 23
IX LITERATURVERZEICHNIS 25
3
I Zur Einführung
Entgegen vieler Vorrausagen für das 20. Jahrhundert hat die Bedeutung des Arbeitsplatzes Haushalt in den letzten Jahrzehnten nicht ab-, sondern eher zugenommen. Das bezieht sich nicht nur auf den unbestrittenen gesellschaftlichen Bedarf an Hausarbeit, sondern auch auf das nahezu unverändert hohe Hausarbeitszeitbudget.
Diese Tatsache mag Erstaunen hervorrufen, denn eine ganze Reihe von Faktoren welche die Hausarbeit beeinflussen, haben sich ja in einer Richtung verändert, die eine tendenzielle Reduzierung des häuslichen Arbeitsaufkommens erwarten lassen.
Am augenfälligsten vollzogen sich die Industrialisierung vieler Hausarbeitsbereiche und die Technisierung der Haushalte, die gegenwärtig durch den Einbau von Elektronik perfektioniert wird. Legt uns nicht die Werbung der Geräteindustrie täglich nahe, das von Hausarbeit nicht mehr übrig geblieben sei als ein „kinderleichter Knopfdruck,“ ein „Frittier-Vergnügen“ ein „Backspaß“ ohne Gleichen? Zugleich mit dem technischen Wandel sind die Ha ushalte kleiner geworden und hat die Kinderzahl abgenommen. Schließlich scheint auch die zunehmende Zahl erwerbstätiger Frauen und Mütter zu signalisieren, dass Hausarbeit nicht mehr als die „Last“ empfunden wird, die sie zweifellos noch Anfang des 19. Jahrhunderts war.
Die Doppel- und Dreifachbelastung der berufstätigen Frau kann durch Haushaltstechnik zwar gemildert, keineswegs aber wesentlich herabgesetzt werden. Zudem hat die Pluralisierung der Lebensstile, die radikale verschärften Hygienestandards und die Veränderung von kulturellen Mustern wie gewandelte Eßgewohnheiten, Pluralisierung von Mahlzeiten einen grossteil der eingesparten Zeit wieder aufgezehrt.
Eine merkliche Arbeitserleichterung, die mit technischen Standards relativ wenig zu tun hat ist die partnerschaftliche Arbeitsteilung. Das männliche Geschlecht, das auch im 21. Jahrhundert noch immer die Primärfunktion des Ernährers ausübt, will davon aber recht wenig wissen.
Mit dieser Arbeitsteilung, sowie der Technisierung und Ökonomisierung der Haushalte und den daraus resultierenden Veränderung der Arbeitsstruktur beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.
4
II Geschichtlicher Überblick
1 Zur technischen Entwicklung der Haushaltsgeräte
Heute findet man in jeder deutschen Wohnung zahlreiche technische Geräte. Der Umgang mit dem Elektroherd ist ebenso selbstverständlich wie die Benutzung der Waschmaschine oder des Bügeleisens. Fließendes Wasser, Zentralheizung, Einbauküche und Badezimmer sind für die meisten von uns nicht mehr wegzudenken. Wer denkt heute noch daran, wie anstrengend es für unsere Großeltern war die Wäsche zu machen, oder eine warme Mahlzeit zuzubereiten. Die technische Ausstattung der Haushalte vor nur 30 Jahren unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Vor 50 Jahren waren lediglich einige wenige der heutigen Geräte in den Haushalten zu finden. 1
So lassen Großgeräte -etwa die Waschmaschine oder der Gasherd- die heute zur Standardausstattung der Privathaushalte zählen, erhebliche zeitliche Differenzen zwischen dem Auftauchen einzelner Gerätesysteme erkennen:
Ab 1860 wurden Gaswärmegeräte, wie Bügeleisen, Kocher und Herde für den Haushalt entwickelt und produziert. Durch die Erfindung des Bunsenbrenners (1855) mit entleuchteter Flamme, der es ermöglichte Gas außer zur Beleuchtung auch als Wärmequelle zu nutzen, war die Voraussetzung dafür geschaffen worden. Nach der Jahrhundertwende erweiterte sich das Spektrum der Gashaushaltsgeräte um die gasbeheizte Waschmaschine (1912), den Absorber-Kühlschrank (ca. 1920) und die gasbeheizte Bügelmaschine (ca. 1928). 2
Nachdem die Elektrizität dem Gas im Bereich der Beleuchtung zunehmend Konkurrenz machte, begann man ab 1880 die neue Energie für die Beheizung von Haushaltsgeräten zu nutzen. Geräte wie der Elektrokoch (1886) und Elektrobügelgerät (1890) eroberten den Markt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Prinzip der Wärmeerzeugung durch Strom bei einer Anzahl weiterer Haushaltsgeräte angewendet: Absorber-Kühlschrank (ca.1920), Waschmaschine und
1 vgl. Bussemer, H., Meyer, S., Orland, B., Schulze, E., Zur technischen Entwicklung von Haushaltsgeräten und
deren Auswirkung auf die Familie
5
Elektroherd (ca. 1925), Bügelmaschinen (ca. 1950) und Geschirrspülmaschine (ca. 1955). 3
Nach 1900 wurde dann die Möglichkeit des Antriebs von Haushaltsgeräten mittels Elektromotoren genutzt. In diversen gewerblichen und industriellen Branchen wurden Elektromotoren bereits seit einigen Jahrzehnten gebraucht. Wegen ihrer Größe war deren Einsatz aber nur in großen Apparaten oder zentralen Anlagen wie die Vakuum-Entstaubungspumpen möglich. Am häufigsten kamen die neuen Motoren neben Waschmaschine und Kompressor-Kühlschrank (1910) in Wäscheschleudern (ca. 1920), Bügelmaschinen (1928), Gefriergeräten(1928) und Geschirrspülmaschinen (ca. 1955) zum Einsatz. 4
Treibendes Motiv der technischen Entwicklung war weder die Rationalisierung der Hausarbeit noch die Arbeitsentlastung der Hausfrau, sondern die Ausnutzung technischer Möglichkeiten und Absatzchancen. So wurden die einzigen Maschinen,vollautomatische Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen - die eine große Arbeitserleichterung für die Hausfrauen bedeutete, erst nach d em 2. Weltkrieg entwickelt. Gas- und Elektrokochgeräte hingegen, die den Kochprozess nur geringfügig veränderten, sind bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. 5
Die Frage, ob die technischen Grundprinzipien der Haushaltsgeräte für die Anwendung im Haushalt entwickelt wurden oder ob es sich um Abfallprodukte aus anderen Industriebereichen handeln, ist nicht eindeutig zu beantworten. So wurde beispielsweise das bei Haushaltsgeräten eingesetzte Prinzip der Kälteerzeugung durch Kompression oder Absorption primär für gewerbliche Anwendungen -Lebensmittelindustrie und -transport- benutzt, bevor es in die Haushaltstechnik Einzug fand. Andererseits wurden technische Innovationen wie das periodische Absorptionsprinzip (1926) auf dem das Absorber- Kühlgeräte basiert, nur noch für den privaten Haushalt gebaut. 6
2 vgl. ebenda, S. 118
3 vgl. ebenda, S. 119
4 vgl. ebenda, S. 119
5 vgl. a.a.O., S. 119f.
6 vgl. a.a.O., S. 119ff.
6
2 Verbreitung der Haushaltsgeräte
Die Entwicklung technischer Geräte ist mit dem Zeitpunkt der Marktpräsenz bzw. der allgemeinen Verbreitung in den Privathaushalten keinesfalls identisch. Die Zeitspanne zwischen Produktionsreife, industrieller Fertigung und Einsatz im Haushalt ist bei den verschiedenen Geräten sehr unterschiedlich: So war in deutschen Haushalten bis nach dem 2. Weltkrieg noch immer der Kohleherd dominierend, trotz der schon vor Jahrzehnten entwickelten Gas- und Elektroherde. Auch das Waschen mit Kessel und Waschbrett war in den 50er Jahren noch sehr verbreitet, obwohl bereits in der Vorkriegszeit verschiedenste
Waschmaschinenmodelle entwickelt und gebaut wurden. Bei anderen Haushaltsgeräten ist die Zeitspanne zwischen Entwicklung und Verbreitung sehr viel kürzer: so wurden beispielsweise Elektrobügeleisen (1890) wenige Jahre nach ihrer Erfindung von Großunternehmen wie AEG in Serie produziert und waren bereits kurz nach dem 1. Weltkrieg das meistgekaufte Bügelgerät. 7 Der elektrische Kühlschrank wiederum wurde zwar ab 1905 zum Verkauf angeboten, der Boom setzte aber erst nach 1950 ein. Ausschlaggebend war unter anderem die anfangs noch recht geringe Produktion von ca. 30.000 Stück pro Jahr. Doch von einer allgemeinen Verbreitung dieses Haushaltsgerätes konnte erst sehr viel später gesprochen werden: Noch 1960 lag die Marktsättigung des Kühlschranks erst bei 40 % aller Haushalte, obwohl sich die deutsche Jahresproduktion seit 1950 verfünffacht hatte. 8
Einen anderen Grund für die langsame Durchsetzung der neuen Haushaltsgeräte sah man in der „mangelnden Akzeptanz“ bzw. „Maschinenfremdheit der Frau“. Es wurde vermutet, dass die Scheu der Frau vor den Geräten ihre Ursache in der Unkenntnis über die Funktion der Technik habe. Die Unternehmen versuchten deshalb die „Maschinenfremdheit“ mittels einer gezielten Aufklärungskampagne in den Medien zu bekämpfen. 9
Auch die technischen Mängel der Geräte, der Mangel an Stromanschlüssen, ungünstige Anschaffungskosten (Tabelle 1) und Stromtarife setzten der schnellen Ausbreitung von Haushaltsgeräten enge Grenzen. Um die Jahrhundertwende kostete eine kWh 80 Pfennig, 1915 betrug ihr Preis noch 40-50 Pfennig. Hinzu kamen noch
7 vgl. a.a.O., S. 122ff.
8 vgl. a.a.O., S. 124
9 vgl. Dörr, G., Der technisierte Rückzug ins Private, S. 121
7
die Kosten für den Hausanschluss (1902: 50 RM), die monatliche Zählermiete (1902: 1-3 RM) und Abnahmegebühren für die Installation. 10
Eine Erhebung über den Grad der Haushaltselektrifizierung in Berliner Wohnungen zwischen 1910 und 1930 kam zu dem Ergebnis, dass 1927 erst 50% aller Haushalte an die Stromversorgung angeschlossen waren, 1933 betrug der Anteil 76%. 11
Tabelle 1: Preise der wichtigsten elektrischen Haushaltsgeräte 1922 in RM
Eine tragende Rolle bei der breiten Durchsetzung von Gas- oder Elektrohaushaltsgeräten spielten die Energieversorgungsunternehmen, die häufig mit den Haushaltsgeräteherstellern zusammenarbeiteten. Die Stromerzeugerunternehmen „entdeckten“ in den zwanziger Jahren die privaten Haushalt als relevante Stromverbraucher und damit als neuen Absatzmarkt. Sie förderten die Verbreitung der Haushaltsgeräte, um den Energieverbrauch zu erhöhen und einen kontinuierlichen Absatz zu sichern. Folglich waren sie primär an Geräten interessiert, die besonders viel Energie verbrauchten, wie Elektrowärmegeräte oder Kühlschränke. Für diese Haushaltsgeräte boten sie nicht nur Sondertarife wie den Nachtstromsondertarif an sondern übernahmen auch Werbung und Verkauf. 12 Der durch den Nachtstromsondertarif erschwinglicher gewordene Strom ermöglichte eine breitere Anwendung von Elektrogeräten im Haushalt, insbesondere für Geräte im Bereich der Heißwasserbereitung.
10 vgl. a.a.O., S. 122
11 vgl. a.a.O., S. 122
12 vgl. a.a.O., S. 124
8
Arbeit zitieren:
Bert Engelhard, 2000, Die Veränderung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung in der Familie durch Technisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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