Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Das Schulwesen als Propagandainstrument des Totalitarismus.
Deutsche Diktaturen im Vergleich.
1. Möglichkeiten des Diktaturenvergleichs / Totalitarismus 3
1.1 Totalitarismus im Dritten Reich 4
1.2 Totalitarismus in der DDR 4
2. Systemtreue Erziehung - Struktur und Ziele der Bildungspolitik 5
2.1 Bildungspolitik im Nationalsozialismus 5
2.2 Bildungspolitik im SED-Regime 6
3. Zum Zwecke des Machterhalts? Konsequente Ideologievermittlung 7
3.1 Unterricht, Lehrpläne und Schulbücher 8
3.2 Lehrerausbildung 10
3.3 Jugendorganisationen 11
4. Propaganda als Instrument: die Erziehungsdiktatur 12
III. Schlussbetrachtung 13
IV. Quellen und Literaturverzeichnis 14
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Einleitung
„Macht Demokratie dumm? Bildung in Deutschland.“ Entspricht dieser Programmslogan des ZDF der gegenwärtigen Situation, obwohl uns die Demokratie die Freiheit der Lehre und damit den uneingeschränkten Zugang zum Wissen garantieren? Auch in einer Demokratie ve rfolgt die Bildung ein politisches Ziel: die Stabilität der politischen Herrschaftsform, ihrer selbst. Das »Age of Extremes« 1 , das gerade in Deutschland wurzelte, hinterließ die Erfahrungen zweier totalitärer Staaten. Die Bildung im Deutschen Reich unter den Nationa lsozialisten und in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war ein Abbild der ideologischen Herrschaftsdoktrin. Die Stabilität wurde nicht durch Freiheit und Pluralismus gewährleistet, sondern durch Ideologie und Terror. So kann die Gegenfrage „Machen Diktaturen intelligent?“ verneint werden, da diese die Wissenschaft zentral und ideologisch steuern. Diese beiden Diktaturen, die äußerlich so unterschiedlich erscheinen mögen, nutzten die Schulbildung für ihre politischen Zwecke. Wie sollten die Schüler geformt werden, welcher Mittel bediente man sich und wie viel Kontinuität steckte im Übergang vom Dritten Reich zur DDR? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden, die zwei deutsche Diktaturen gegenüberstellt. Sie soll ermöglichen über totale Staaten und Diktaturen im Bezug auf ihr Schulwesen zu urteilen, Staaten dem Totalitarismus zuordnen zu helfen und darüber hinaus auch die Wirkung von Bildung verdeutlichen. Dazu wird anfangs die Frage beantwo rtet, ob ein Vergleich überhaupt möglich ist, worauf die Betrachtung der beiden Schulsysteme als Einführung in die Thematik folgt. Daraufhin werden die Spezifika der Schulbildung genauer auf deren Wirkung untersucht: Unterricht, Lehrer, Massenorganisationen. Abschließend werden die beiden Systeme aufgrund ihrer Bildungsideale zusammengebracht. Eine Nachzeichnung der Totalitarismusdebatte kann in dieser Arbeit nicht erfolgen. Genauso wurden die einzelnen Elemente totale r Erziehung auf ein Minimum reduziert, ohne jedoch das Auge vom Wesentlichen zu verlieren. Je genauer man vorgeht, desto detaillierter würden die
1 Hobsbawm, Eric 1995: Age of Extremes. The Short Twentieth Century 1914-1991. London.
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Ausarbeitungen, was den Umfang der Arbeit sprengen würde. Deswegen seien zum tieferen Studium die Literaturangaben empfohlen.
Das Schulwesen als Propagandainstrument des Totalitarismus.
Deutsche Diktaturen im Vergleich.
1. Möglichkeiten des Diktaturenvergleichs / Totalitarismus
Vergleiche zwischen NS- und SED-Diktatur werden stets von Misstrauen begleitet. Ohne Zweifel sind die Schnittstellen zwischen den Regimes aufgrund der überwältigenden Unterschiede kaum ersichtlich. Die Gräueltaten der Nationalsozialisten, der Holocaust, der Vö l-kermord und der entfesselte Weltkrieg finden kein vergleichbares Gegenstück. Im Allgeme inen scheinen Sozialismus und Nationalsozialismus als gegensätzliche Herrschaftssysteme schwer vergleichbar. Ebenso könnten die jeweiligen Machtzugänge - einerseits die DDR über die Besatzungsherrschaft und anderseits das Dritte Reich über die Berufung Hitlers zum Reichskanzler - kaum unterschiedlicher sein. Der Vergleich jedoch hat das Ziel die Struktur und Herrschaftsweise der Diktatur an sich zu betrachten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Machtausübung und Machterhaltung festzustellen, Klassifikationen vorzunehmen und Hypothesen zu entwickeln. Die Frage nach Neuanfang oder Kontinuität zwischen den aufein-ander folgenden Systemen gilt es zu beantworten. Grundsatz des Vergleichs ist es, die beiden Diktaturen gegenüberzustellen und nicht gleichzusetzen.
Auch wenn die beiden Systeme so unterschiedliche Staatsformen besaßen, bildeten sie doch beide einen totalen Staatsapparat aus, der auf Terror und Ideologie beruhte. Die beiden modernen Diktaturen sind Herrschaftsformen des Totalitarismus, der sich vor allem durch „ne uartige technische Möglichkeiten der Herrschaftsausübung einerseits und neue soziale Bedingungen andererseits, die diese Techniken erst wirksam machen konnten“ 2 auszeichnet. Gleichzeitig besteht der gesellschaftliche Endzustand, der keinerlei Opposition und Herrschaftszugang ermöglicht. Ein Vergleich ermöglicht weiterhin einen Idealtypus des Totalitären zu beschreiben, der nach Friedrich/Brzezinski sechs Merkmale aufweist: absolute Ideologie, Einheitspartei, Terrorsystem, Nachrichtenmonopol, Waffenmonopol, zentral gelenkte
2 Lenk, Kurt/Franke, Berthold 1987: Theorie der Politik. Eine Einführung. Frankfurt/Main, New York, S. 133.
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Verwaltungswirtschaft. 3 Die unter dem Be griff „politische Religion“ verstandene Heilslehre und Ideologie charakterisiert weiterhin beide Systeme. Ihre Merkmale sind: (1) der Anspruch auf die Wirklichkeitserklärung mittels Klassen- bzw. Rassenprinzips, (2) die Verwirklichung des „Heilsziels“ mittels Volkswillen, Massenkult und Opferbereitschaft und (3) ein unüberwindbares Feindbild gegen das bloße Sein des Gegners (und das Streben nach dessen Vernichtung). 4 Dabei waren die jeweiligen Ideologien aber antagonistisch.
1.1 Totalitarismus im »Dritten Reich«
Der totale Staat zwischen 1933 und 1945 ist durch die unangefochtene Stellung des Führers (»Führerprinzip«), der Staatspartei NSDAP und den dazugehörigen Terrorapparat gekennzeichnet. Die Ideologie der Nationalsozialisten beruhte vor allem auf Rassismus und dem Endziel der Vernichtung des jüdischen Bolschewismus, aber auch auf dem Imperialismus und Sozialdarwinismus. Die Massenmobilisierung durch gezielte Propaganda gehörte neben der Instrumentalisierung von Recht und Justiz zum diktatorischen Staat. Die Gleic hschaltung und absolute Durchdringung von Gesellschaft und Staat dienten der uneingeschränkten Machtbefugnis des Führers. Dazu trugen auch die SS, die Gestapo und die Organisierung aller gesellschaftlichen Bereiche bei. Der Führerkult, die Ideologie und das „Heilsziel“ ersetzten die Religion. Antiliberalismus und Antimarxismus waren klare Parolen der Herrschaft und verboten Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Opposition. Die Wirtschaft wurde dem „Primat der Politik“ unterstellt. Die Volksgemeinschaft und ihr vom Führer festgelegter Wille bildeten die Grundlage der nationalsozialistischen Staatstheorie. 5
1.2 Totalitarismus in der DDR
Die aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) entstandene DDR verteidigte den Führungsanspruch der Staatspartei SED aus der Notwendigkeit zum Aufbau des Sozialismus. Die Ideologie basierte auf dem philosophischen Konstrukt des Marxismus-Leninismus mit dem Ziel der kommunistischen Weltrevolution. Die Machtbasis der SED lag vor allem im zentralistischen Staatsaufbau, im Meinungsmonopol, den Massenorganisationen und dem Spitze lsystem, ein „Geflecht von Arrangements, Überwachung und Kontrolle“ 6 . Menschenrechte waren ge-
3 Vgl.Heydemann, Günther/Schmiechen-Ackermann, Detlef 2003: Zur Theorie und Methodologie vergleichender Diktaturforschung, in: Heydemann, Günther/Oberreuter, Heinrich (Hrsg.): Diktaturen in Deutschland - Ve rgleichsaspekte. Strukturen, Institutionen und Verhaltensweisen. Bonn, S. 20.
4 Vgl. Pohlmann, Friedrich 2001: Deutschland im Zeitalter des Totalitarismus. Politische Identitäten in Deutsch-land zwischen 1918 und 1989. München, S. 44f.
5 Vgl. Heydemann, Günther/Beckmann, Christopher 1997: Zwei Diktaturen in Deutschland. Möglichkeiten und Grenzen des historischen Diktaturenvergleichs, in: Deutschland Archiv (30), S. 20-28.
6 Ebd., S. 23.
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Arbeit zitieren:
Norman Aselmeyer, 2004, Das Schulwesen als Propagandainstrument des Totalitarismus. Deutsche Diktaturen im Vergleich., München, GRIN Verlag GmbH
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