INHALTSVERZEICHNIS:
1.) Was wird modelliert? S.1
2.) Wie sieht das Modell aus? S.1
3.) Wie funktioniert das Modell? S.2
(Vorstellung und Zusammenhang der einzelnen Prozesskomponenten)
3.1 Der Conceptualizer S.2
3.1.1 Ein Wissensspeicher als Input des Conceptualizers S.2
3.1.2 Die Subkomponenten des Conceptualizers:
Die Message Generation und das Monitoring S.2
3.1.3 Die Arbeitsweise in der Message Generation S.3
3.1.4 Der Output des Conceptualizers: Die Preverbal Message S.3
3.2 Der Formulator S.4
3.2.1 Das Lexicon: Die Zweit eilung in Lemmas und Forms S.4
3.2.2 Das Grammatical Encoding S.4
3.2.2 Das Phonological Encoding S.5
3.3 Der Articulator S.5
3.4 Das Monitoring S.6
3.5 Die Audition S.6
3.6 Das Speech-Comprehension System S.6
4.) Empirische Grundlagen S.7
Literatur S.9
Abbildungsverzeichnis S.9
Alphabetische Aufschlüsselung und Übersetzung der Fachbegriffe S.10
II
1.) Was wird modelliert?
Das Modell stellt ein Schema bzw. ein Blueprint (engl. blueprint = Plan, Entwurf, photographische Blauplause) dar, um das Phänomen der Sprachproduktion aus der Sichtweise des Sprechers zu erklären. Der Sprecher selbst wird dabei als ein hochkomplexer Informationsprozessor angesehen, der mentale Aktivitäten (z. B. Gefühle, Absichten, Gedanken) in Sprache transformiert. Ziel des Modells sowie der Wissenschaft ist es, das Sprechen als ganzheitliches, jedoch äußerst vielschichtiges Phänomen zu erklären. Aufgrund dieser Eigenschaft des Sprechaktes wird angenommen, dass verschiedene Fähigkeiten und Arbeitsschritte am Produktionsprozess beteiligt sein müssen, die - sofern man Näheres über sie erfahren möchte - weiter zerlegt werden. Levelt selbst gründet sein Blueprint-System auf sog. Prozesskomponenten und Subkomponenten, die in gegenseitiger Interaktion und Dependenz gemeinsam den Akt des Sprechens realisieren.
2.) Wie sieht das Modell aus?
Levelts Schaubild bzw. Blueprint zur Erklärung der Sprachproduktion stellt im Wesentlichen einen einheitlichen, fortla ufenden Produktionsmechanismus dar, an welchem verschiedene Einzelkomponenten beteiligt sind. Das Schema verwendet insgesamt vier graphische Elemente (Kästchen, Kreise, Zwischenergebnisse, Pfeile), um die jeweiligen Module und Prozessschritte zu beschreiben.
Optisch wie auch inhaltlich kommt den Kästchen die bedeutendste Stellung zu, da sie die einzelnen Prozesskomponenten bzw. Subkomponenten abbilden. Im Gegensatz zu diesen stellen die Kreise eine Art Informationsspeicher dar, die gegenüber den Prozesskomponenten von Sprecher zu Sprecher individuell variieren können, da jeder Einzelne im Verlauf seines Lebens unterschiedliche Erfahrungen (Informationen) sammelt sowie sich einen persönlichen Wortschatz uns Sprachgebrauch aneignet. Ein wichtiger Unterschied zwischen Kästchen und Kreisen besteht folglich darin, dass letztere einen hohen Grad an Flexibilität vorweisen, während die Prozesskomponenten - zumindest was ihre prozessualen Abläufe betrifft - als relativ statisch betrachtet werden können. Ein weiteres beteiligtes Element wird durch die Zwischenergebnisse dargestellt, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Komponenten auftreten. Sie sind zum einen der Output der vorigen Komponente und zum anderen zugleich der Input für die folgende Komponente, was e in Hinweis für den sukzessiven, aber kontinuierlichen Ablauf des Systems und die Kooperation der Komponenten ist. Schließlich wird diese Abfolge graphisch durch die Pfeile wiedergegeben, welche die „Richtung“ bzw. Reihenfolge anzeigen, nach der die einzelnen Komponenten arbeiten. In der Regel sind diese linear und einseitig ausgerichtet, Bidirektionalität wird bei wenigen Arbeitsschritten (z.B. Rückkopplung zwischen Grammatical und Phonological Encoding bzw. zwischen Message Generation und Monitoring) durch einen zweiten Pfeil in die entgegengesetzte Richtung bzw. durch eine Pfeilschleife dargestellt.
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3.) Wie funktioniert das Modell?
3.1 Der Conceptualizer
Die Bezeichnung der ersten Prozesskomponenten des Modells leitet sich von dem englischen Verb to conceptualize ab, was sich mit „begrifflich erfassen, denken“ übersetzen lässt. Das Verfahren der Komponente, das sog. Conceptualizing beschreibt somit das „Erfassen“ der Summe der mentalen Aktivitäten, die für die Sprachproduktion von Bedeutung sind und dem Conceptualizer als Input dienen.
3.1.1 Ein Wissensspeicher als Input des Conceptualizers
Da dem Conceptualizer keine andere Komponente vorausgeht, d.h. kein Output einer Einheit gleichzeitig als Input der nächsten fungiert, muss er seine Information aus einer anderen Quelle beziehen. Um aktiviert zu werden, bedarf es folglich des Zugriffs auf eine Komponente, die am prozessualen Verfahren nicht produktiv beteiligt ist, jedoch verschiedenartige Informationen liefert. Im Schaubild ist diese als Kreis bzw. Zirkel dargestellt. Obwohl keine genaue Bezeichnung vergeben wurde, lässt sich anhand der Beispiele für Informationserwerb nachvollziehen, dass es sich um eine Art Wissensspeicher handeln muss. In diesem können sich all diejenigen Einflüsse geltend machen, die mehr oder minder unsere Sprache, konkret die nächste Äußerung, bestimmen, wie etwa die Kenntnis über die Art des Gesprächs (Discourse Model), d. h. die Frage, ob es sich um reinen Informationsaustausch, eine Überredung bzw. -zeugung, Berichterstattung oder eine Prüfungssituation handelt, welche Regeln damit jeweils verbunden sind, wie viele Personen beteiligt sind usw. Ähnliches spielt auch in dem Wissen über die aktuelle Situation, in der sich der Sprecher befindet (Situation Knowledge) eine Rolle. Hierzu mag sich die Vorgeschichte, Ort, Zeit und Ursache sowie ergänzende äußere Umstände zählen lassen. Weiterhin werden Teile von all dem, was sich der Mensch im Laufe seines bisherigen Lebens als „Wissen“ (Encyclopedia ) angeeignet hat, in direkter oder indirekter Form in das Gespräch eingehen sowie persönliche Anliegen wie Eingebung, Absicht und Gefühl.
3.1.2 Die Subkomponenten des Conceptualizers: Die Message generation und das Monitoring Da die gesamte Information des Wissensspeichers als Input relativ individuell und variabel ist, wird auch der Conceptualizer selbst als ein hochgradig offenes und erweiterbares System bezeichnet, das - eben durch den Input - von äußerst variierenden Aspekten des Sprechers beeinflusst wird.
Innerhalb des Conceptualizers lassen sich wiederum zwei weitere Elemente bzw. Subsysteme unterscheiden, die Message Generation- sowie die Monitoring-Komponente. Die Message Generation gilt als Kernstück des ganzen Conceptualizers, da hier die Enkodierung der Message stattfindet. Um die se Umformung vorzunehmen benötigt der Generator wiederum Zugriff auf zwei spezielle Wissensbereiche, das Procedural Knowledge und das Declarative Knowledge. Da beide gleichzeitig an weiteren Prozessen im Conceptualizer beteiligt sind und es schwierig ist, sie funktionell genau zuzuordnen, wurden sie nicht separat im Schaubild aufgeführt.
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3.1.3 Die Arbeitsweise in der Message generation
Das Procedural Knowledge (übersetzbar als „prozessuales Wissen“) folgt einem Mechanismus nach der Formel „wenn X dann Y“, die sowohl aus der formalen Logik als auch aus der Computerprogrammierung bekannt ist. Die ankommende Behauptung oder Vorstellung wird nun umgebildet bzw. geltend gemacht und als Ergebnis in einer Art kurzzeitigem Zwischenspeicher mit permanentem Zugriff, der Working Memory abgelegt. Dieser enthält all diejenigen Informationen, die zum konkreten Zeitpunkt für den Sprecher verfügbar sind, vermutlich also das Wissen, auf welches der Sprecher gerade achtet, von dem er bewusst Kenntnis hat. Eine enge Verbindung geht dieser Arbeitsspeicher mit einer weiteren Komponente ein, die als Discourse Record bezeichnet wird, die also die Aufnahme des Gesprächs bzw. Gesprächsverlaufs beinhaltet. Hier wird überprüft was innerhalb einer begrenzten Zeitspanne vom Sprecher selbst sowie von den übrigen Teilnehmern geäußert wird. Diese Information wird wiederum gebündelt, sodass jeweils nur ein kleiner, zielgerichteter ( focused) Teil im Working M emory gespeichert und weiterverarbeitet wird.
Der zweite Bereich, das Declarative Knowledge (dt. „Aussagewissen) ist eigentlich Teilgebiet eines dritten Bereichs, des Propositional Knowledge (dt. Satzwissen), welches allerdings nicht weiter thematisiert wird. Der konkrete Unterschied zum Procedural Knowledge besteht darin, dass hier keine Interaktion mit einem temporären Zwischenspeicher sondern vor allem mit einem langzeitigen Speicher, dem Long Term Memory stattfindet. Da dieser das strukturierte Wissen des Sprechers über die Welt und sich selbst, welches im Verlauf des Lebens aufgebaut wurde, enthält, kann er auch als Synonym für Encyclopedia bzw. Encyclopedic Knowledge bezeic hnet werden, welches bereits im Input des Coneptualizers eine Rolle spielt. Über den Long Term Memory hinaus hat das Declarative Knowledge außerdem Zugriff auf das Situational Knowledge, welches ebenfalls bereits als Teil des Inputs vorgestellt wurde. So fließt neben dem relativ soliden Langzeitwissen doch zumindest partiell ein flexibles und von der jeweiligen Situation abhängiges Wissen, also die Vergegenwärtigung der Gesprächsart, Gesprächsteilnehmer, visueller und akustischer Gehalte, in das Declarative Knowledge ein.
Da der vollständige Ablauf und die gegenseitige Verkopplung dieser Wissensbereiche in der Message Generation nicht graphisch im Schaubild integrie rt ist und auch im vorgegebenen Textauszug nur gekürzt skizziert wird, bleibt eine detailgenauere Untersuchung an dieser Stelle aus. Es sollte lediglich das Ziel sein, eine ungefähre Vorstellung dessen zu bekommen, was in der Message Generation abläuft und welche Informationsquellen hierzu benötigt werden (Vgl. Abb. 4).
3.1.4 Der Output des Conceptualizers: Die Preverbal message
Die Preverbal Message stellt das Ergebnis der Arbeitsprozesse dar, die im Conceptualizer abgelaufen sind. Sie wird als eine Art „konzeptuelles Strukturwesen“ bezeichnet und ist sowohl Output der vorangegangenen Komponente als auch Input der Folgenden, also des Formulators. Um jedoch von diesem erkannt und weiterverarbeitet zu werden, muss die Preverbal Message bestimmte sprachspezifische Bedingungen erfüllen.
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Arbeit zitieren:
Julia Ilgner, 2004, Die Sprachproduktion nach W.J.M. Levelt, München, GRIN Verlag GmbH
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