2
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Definition „Prolog“ 3
3. Der Alexanderprolog des Rudolf von Ems 4
4
3.1 Form und Aufbau
5
3.2 Inhalt und Stil
4. Der Alexanderprolog des Ulrich von Etzenbach 7
8
4.1 Form und Aufbau
8
4.2 Inhalt und Stil
5. Der Alexanderprolog des Johann Hartlieb 11
12
5.1 Form und Aufbau
12
5.2 Inhalt und Stil
6. Vergleich 16
7. Schluss 17
8. Literatur 18
8.1 Primärliteratur 18
8.2 Sekundärliteratur 18
1. Einleitung
Der Makedonier „Alexander der Große“ lebte und herrschte im vierten Jahrhundert vor Christus; er war der Begründer des dritten, also griechischen Weltreiches. Zeitgenossen Alexa nders, wie beispielsweise Kallisthenes und Kleitarch, verfassten bereits sehr früh ihre Schriften über den König. Auch im Alten Testament erfährt man von Alexander und seinen Taten. Der antike Alexander-Stoff erfreute sich in den folgenden Jahrhunderten einer großen Beliebtheit. Viele Autoren griffen den Stoff auf, übersetzten und bearbeiteten ihn. So entstand eine Vielzahl von Werken, welche sich in Form, Stil und Aufbau stark unterscheiden, sich jedoch aufgrund gemeinsamer Quellen gegenseitig speisen und aufeinander aufbauen. Vor allem im Mittelalter wurden die antiken Stoffe erneut aufgegriffen und bearbeitet. Zu den wichtigen mittelalterlichen Autoren zählen auch Rudolf von Ems, Ulrich von Etzenbach und Johann Hartlieb. Auf unterschiedliche Art und Weise verfassten diese ihre eigenen Alexanderwerke, welche im Folgenden untersucht werden.
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Beschäftigung mit den einzelnen Prologen der drei Werke. In einem Vergleich sollen Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede aufgezeigt und analysiert werden. Hierzu werden die Prologe hinsichtlich ihres formalen und stilistischen Aufbaus sowie des Inhalts untersucht.
2. Definition „Prolog“
Zu Beginn dieser Arbeit wird der Begriff „Prolog“ grundlegend definiert, um so dessen Funktion bezüglich eines Werkes zu konkretisieren.
Der Prolog kann allgemein als Einleitung einer Rede betrachtet werden. Historisch leitet sich diese Technik von der „Gerichtsrede“ 1 ab. Bei einer Gerichtsrede liegt ebenso wie bei einem literarischen Werk „eine besondere Gesprächssituation“ 2 vor, bei welcher die Hörer bzw. Leser aufmerksam und aufnahmebereit gemacht werden sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, bedienen sich die Autoren unterschiedlichster Methoden. In der Antike wurden Möglichkeiten entwickelt, um „auf die gewünschten Haltungen des Zuhörers, die Aufmerksamkeit, Aufgeschlossenheit und Sympathie, Einfluß zu nehmen“ 3 . Mit Hilfe von feststehenden Regeln und Mustern gelang es den Vortragenden, die Hörer für sich zu gewinnen. Finster stellt fest, dass im Mittelalter keine
1 Finster, Franz: Zur Theorie und Technik mittelalterlicher Prologe. Eine Untersuchung zu den Alexander- und
Willehalmprologen Rudolfs von Ems. Bochum 1971. S. 66.
2 Finster, Prologe, S. 66.
3 Finster, Prologe, S. 70.
4
vergleichbaren Muster erkennbar sind und „dass (...) ein ‚exordium’ nicht immer nötig ist“; das Fehlen wird „im Mittelalter gestattet“ 4 .
Für den Aufbau eines Prologs scheint es keine besonderen Vorgaben oder Muster zu geben. Finster macht jedoch darauf aufmerksam, dass sowohl in der antiken wie in der mittelalterlichen Literatur der „Übergang vom ‚exordium’ zum ‚narratio’“ 5 von großer Bedeutung ist; „die mittelalterliche Poetik fordert ausdrücklich die Überleitung“ 6 . Im Folgenden wird also untersucht, inwiefern sich die einzelnen Prologe als solche auszeichnen, welche sprachlichen Mittel die Autoren verwenden und aufgrund welcher stilistischen und formalen Methoden Gemeinsamkeiten oder Unterschiede entstehen.
3. Der Alexanderprolog des Rudolf von Ems
Als ältestes der zu bearbeiteten Werke wird zunächst das Alexanderlied des Rudolf von Ems betrachtet. Das Werk entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts, „zwischen frühestens 1235 und spätestens 1254“ 7 , und ist nur als Torso überliefert, was jedoch auf die Bearbeitung des Prologs keinen Einfluss findet.
3.1 Form und Aufbau
Im Vergleich zu früheren Werken Rudolfs von Ems wird eine Veränderung in seinem Stil deutlich. Brackert konstatiert einen „Wandel von der durch Prolog und Epilog eingerahmten durchgehenden Erzä hlung in der Frühzeit [...] zur Bucheinteilung durch akrostichageschmückte, prologartige Einleitungen“ 8 . Das mittelhochdeutsche Alexanderlied ist in Bücher unterteilt; jedes Buch beginnt mit einem Prolog. In dieser Arbeit wird jedoch nur der Prolog des ersten Buches eingehender betrachtet.
Bei der Betrachtung des Prologs sticht zunächst die durch Akrostichon hervorgehobene, siebenstrophige Sequenz zu Eingang des ersten Buches ins Auge. Betrachtet man jedoch den Inhalt des darauf folgenden Abschnitts genaue r, fällt auf, dass dieser dem Prolog zugehört. Diese Tatsache beschäftigte auch Finster in seiner Abhandlung über den Prolog des Alexanderliedes bei Rudolf von Ems. Er übernimmt die Einteilung Brinkmanns; er „unterscheidet zwischen Proömium und Prologus und fasst diese unter dem Oberbegriff Prolog zusammen“ 9 . Der erste
4 Finster, Prologe, S. 80.
5 Finster, Prologe, S. 80.
6 Finster, Prologe, S. 81.
7 Ehlert, Trude: Deutschsprachige Alexanderdichtung des Mittelalters. Zum Verhältnis von Literatur und
Geschichte. Frankfurt am Main 1989. S. 115.
8 Ehlert, Alexanderdichtung, S. 112.
9 Finster, Prologe, S. 118.
5
Teil des Prologs umfasst die Verse 1 bis 28, der zweite Teil reicht von Vers 29 bis 106. Da diese
Gliederung inhaltlich sinnvoll erscheint, soll sie auch in dieser Arbeit zu einem übersichtlichen
Rahmen verhelfen und als Interpretationsgrundlage dienen.
Der erste Prologteil des Alexanderliedes von Rudolf von Ems liegt in Versform vor. Er
umfasst sieben Strophen zu je vier Versen, insgesamt also 28 Verse. In den einzelnen Strophen
findet man als Reimschema immer den Paarreim vor. Die Verse beginnen jeweils mit einer
gro ßen, fett gedruckten Initiale. Aneinander gereiht ergeben diese Initialen den Namen
„Rûodolf“ 10 Es handelt sich hierbei also um ein namenbildendes Akrostichon 11 , durch welches
der Autor sich indirekt präsentiert.
Der zweite Prologteil liegt ebenfalls in Versform vor und umfasst 77 Verse. Das
Reimschema des Paarreims bleibt erhalten. Auch die Stropheneinteilung erfolgt wieder durch
Akrosticha die Strophenlänge variiert hier aber stark. Die erste Strophe umfasst 28 Verse, die
zweite 34. Der Prolog nach der Einteilung durch Finster endet nun mitten in der dritten Strophe,
und zwar bereits nach 15 Versen.
3.2 Inhalt und Stil
Die erste, den Einstieg in den Prolog bildende Strophe beginnt mit der Beschreibung von
„sælde“ 12 , welche als göttliche Gabe verstanden wird. Rudolf von Ems offenbart, dass man
himmlische Seligkeit sowie Weisheit nur durch Gottes Gnade erhalten könne.
In der nächsten Strophe weist der Autor darauf hin, dass selbst hohe Kunst ohne die
Verbindung mit „sælde“ wertlos erscheine bzw. sogar vernichtet werde.
In der dritten Strophe führt er diesen Gedanken fort und erwähnt, dass das Ansehen der
Kunst erst durch das Heil der „sælde“ und die Gunst des Glückes, also wiederum nur durch
Gottes Beistand erreicht werden könne.
Die folgende Strophe knüpft an den vorangegangenen Gedankengang an die Kunst des
Dichtens erfordere die Verbindung mit „sælde“, entsagt sie ihr, könne sie nicht als solche
anerkannt werden.Anschließend spricht der Verfasser davon, dass es viele Künstler gebe, die nur
selten das Heil erfuhren, dass ihre Kunst als selig bzw. wohlgeartet angesehen werde.
In der darauf folgenden sechsten Strophe ist wieder die Rede von der Dichtkunst, welche
durch „sælde“ ermöglicht sowie durch Glück unterstützt wird und dadurch „lobelich guot“ 13
werden kann.
10 Junk, Viktor (Hg.): Rudolf von Ems : Alexander. Ein höfischer Versroman des 13. Jahrhunderts. Darmstadt 1970.
S.1f , Vers 1-25. Im Folgenden zitiert als: RvE.
11 So auch bei Finster, Prologe, S. 108f.
12 RvE, V 1
Arbeit zitieren:
Linda Giesecke, 2004, Prolog als Programm - Die Prologe der Alexanderdichtung des Rudolf von Ems, Ulrich von Etzenbach und Johann Hartlieb im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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