Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung 1
2) Von den Boiern zu den Bayern 2
3) Agilolf und der Name einer Dynastie 3
4) Von Garibald I. bis Tassilo II. -
Die Herrschaft der Agilolfinger 6
5) Von Theodo bis Tassilo III. -
Bl ütezeit und Ende der Agilolfingerherrschaft 11
6) Fazit 13
7) Literaturverzeichnis 16
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1) Einleitung
Am 6. Juli 788 endete die Geschichte des ersten deutschen Fürstengeschlechts der bairischen Geschichte im Kloster St. Goar, in dem der Herzog Tassilo III. zum Mönch geschoren wurde. Dieses Fürstengeschlecht trug den Namen Agilolfinger und besaß den Rang einer der ersten und angesehensten Familien des merowingischen Reiches. 1 In der Zeit ihrer Regentschaft von ungefähr 550 bis 788 entstand in Bayern das erste Buch, sie verabschiedeten das erste deutsche Schulgesetz und das erste Gesetz Deutschlands, das den Frauen wichtige Grundrechte einräumte. Doch woher kamen die Agilolfinger, nach wem wurden sie benannt, warum fand ihre Herrschaft ein schnelles Ende und warum endete sie in einem Kloster? Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Hausarbeit, die versucht eine Antwort zu finden.
Die Arbeit ist in fünf Teile gegliedert. Nach der Einleitung beschäftigt sich die Hausarbeit mit dem Kapitel „Von den Boiern zu den Baye rn“ und der Entstehungsgeschichte des Volkes. Das darauffolgende Kapitel erläutert den Ursprung der Agilolfinger und die Herkunft des Dynastienamens. Danach geht es um die Herrschaft der Agilolfinger und abschließend um die Blütezeit und das Ende der Dynastie. Eine zu sehr ins Detail gehende Darstellung würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen, weswegen in Kürze nur die Eckpunkte zur Dynastie der Agilolfinger aufgezeigt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass die Eigennamen und auch die Namen der Völker in der verwendeten Literatur unterschiedlich geschrieben werden, weshalb die Bayern in dieser Arbeit ausschließlich Baiern geschrieben werden. Ferner wird die Blütezeit und das Ende der Agilolfinger unter Tassilo III. im 8. Jahrhundert nur ganz kurz abgeha ndelt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Dynastie der Agilolfinger im 6. sowie 7. Jahrhundert aufzuzeigen.
1 Jahn, Joachim: Ducatus Baiuvariorum - Das Bairische Herzogtum der Agilolfinger,
Stuttgart 1991, Seite 1.
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2) Von den Boiern zu den Bayern
„Die Boier hatten jenseits des Rheins gewohnt und waren dann nach Noricum hinübergezogen.“ 2
Diese Worte stammen aus dem Werk „De bello gallico“ von Julius Caesar 3 , der in dem Buch das erste Mal die Boier nannte. Noricum, das ab 15 nach Christus römische Provinz ist, reichte zu dieser Zeit vom Inn bis nach Pannonien 4 und umfasst demnach bereits die späteren bairischen Gebiete Salzburg, Berchtesgarden, Chiemsee und Rosenheim.
In Augsburg wurde um 304 die heilige Afra, deren gewaltsamer Tod wahrscheinlich den ersten Wallfahrtskult begründete, zur Märtyrerin. 170 Jahre später lehrte und bekehrte dann in der Donau- und Inngegend der erste mit Namen bekannte Missionar nördlich der Alpen. Es war der heilige Severin, der in Passau das erste urkundlich belegbare Gotteshaus Deutschlands baute. Der Hagiograph des heiligen Severin, Eugippius, nannte den Ort, in dem diese Kirche stand, 511 n. Chr. Bojotro. Es ist mit dem Wort Boiodurum identisch, welches schon vom in Ägypten lebenden Geographen, Astronomen und Mathematiker Claudius Ptolemäus 5 erwähnt wurde und das in römischen Straßenkarten immer wieder auftauchte. Übersetzt bedeutet Boiodurum soviel wie „Befestigung der Boier“. 6 Ferner berichtete Eugippius von der Auflösen des römischen Herrschaftssystems im Jahre 477:
„Während der Zeit, da noch die römische Herrschaft bestand, wurden in vielen Städten Soldaten zur Bewachung des Grenzwalles auf öffentliche Kosten unterhalten; als das aufhörte, lösten sich die Besatzungen auf und der Grenzwall verfiel.“ 7
2 Vgl. Reiser, Rudolf: Agilolf oder die Herkunft der Bayern, München 1977, Seite 10.
3 Gestorben 44 vor Christus.
4 Das spätere Ungarn.
5 Ca. 85 n. Chr. - 160 n. Chr.
6 Reiser, Rudolf: Die Agilolfinger, Pfaffenhofen 1985, Seite 9-10.
7 Vgl. Reiser, 1977, S. 6.
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Danach, so berichtete Eugippius weiter, setzte eine turbulente Zeit voller Morde und Massaker, Kriege und Kämpfe ein. 75 Jahre nach dem Abzug der römischen Truppen erfährt man von den ersten Herrschern des Landes, den Agilolfingern. Die Baiern selbst wurden erstmals in der Gotengeschichte des Jordanes genannt, wobei sie wie die „Findelkinder der Völkerwanderung“ erschienen. 8 Nach Jordanes saßen die „Baiern“ östlich des alemannischen Gebietes 9 , das wiederum zwischen den Siedlungsräumen der Franken im Westen, der Burgunder im Süden und der Thüringer im Norden lag. Die südlichen und östlichen Nachbarn der Baiern wurden nicht genannt.
3) Agilolf und der Name einer Dynastie
Die größte Frage, die sich dem Geschichtswissenschaftler stellt, ist die Herkunft des Namens der Agilolfinger. Alle Geschlechter dieser Zeit führten ihre Bezeichnung auf einen ihrer Stammväter zurück. So benannte man beispielsweise die Karolinger nach Karl Martell und die Merowinger nach Merowech. Folgerichtig müssten sich die Agilolfinger auch auf einen Agilolf beziehen. Der erste Herzog der Bayern war hingegen Garibald I. Erst in der um 635 verfassten Lex Baiuvariorum wurde ausgesagt, welchem Geschlecht Garibald angehörte. Nirgends wird die verfassungsrechtliche Stellung so deutlich wie in der Lex Baiuvaiorum. Dabei ist das dritte Kapitel von eminenter Bedeutung, weil in diesem die Bindung des Herzogtums an das genus 10 der Agilolfiger genau festlegt wurde. Zunächst spricht der Gesetzgeber die fünf genealoiae 11 an und führt fort:
„Diese sind sozusagen die vornehmsten nach den Agilolfingern, welch letztere von herzoglichem Geschlecht sind.“ 12
Die jahrhundertelang heiß umstrittene Frage nach der Herkunft dieses Herzogsgeschlechts der Agilolfinger scheint nun einer Lösung nahe zu sein. 13 Diese
8 Ebd. S. 3.
9 „regio illa Suavorum.“
10 Geschlecht.
11 Geschlechter.
12 Vgl. Störmer, Seite 54.
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sind eine der wenigen germanische Sippen jener Zeit, die bereits einen eigenen Namen haben und sich selbst auf einen gemeinsamen Stammvater zurückführen. Als den namensgebenden Stammvater glaubt Jörg Jarnut in seinen Agilolfingerstudien 14 einen Agiulf erkennen zu können, der Statthalter des Westgotenkönigs Theoderich II. für das unterworfene Suebenreich war und sich in einer Rebellion zum Suebenkönig ausrufen ließ, 457 jedoch besiegt und hingerichtet wurde. 15 Ferner wurde in der Lex Baiuvaiorum berichtet, dass der Herzog schon immer aus dem Geschlecht der Agilolfinger entstammte:
„Der Herzog aber, der dem Volk vorsteht, er war immerdar aus dem Geschlecht der Agilolfinger und soll es sein.“ 16
Auch in der um 650 entstandenen Fredegarchronik ist die Rede von einem „vornehmen Mann aus dem Geschlecht der Agilolfinger“. 17 Außerdem wurde dem Geschlecht der Agilolfinger ein erbrechtlicher Anspruch auf die bairische Herzogswürde durch ein in die Lex Baiuvariorum aufgenommenes fränkisches Königsgesetz garantiert. 18 Danach sollte derjenige Agilolfinger zum Dux „ad regendum populum illum“ eingesetzt werden, der sich dem merowingischen König gegenüber als treu erwies und sich durch herrscherliche Tugend der prudentia auszeichnete. 19 Die erbliche Herzogswürde ist ein nirgendwo sonst zu beobachtendes Vorrecht, das die fränkischen Könige den Agilolfingern eingeräumt hatten. Auf der anderen Seite verlangte dieser Paragraph nur die Treue der bairischen Herzöge zu den merowingischen Frankenkönigen, aber nicht zu den herzoglichen und fürstlichen Hausmeiern, worin die Ursache aller späteren Auseinandersetzungen mit den fränkischen Herrschern begründet liegt. 20
Nur ein Verweis auf die Herkunft des Namens ist nicht zu finden. Dass es in Bayern tatsächlich einen Agilolf gab, erfährt man erneut aus der „Lex Baiuvariorum“ und zwar
13 Ebd., S. 57.
14 Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien: Untersuchung zur Geschichte einer adligen Familie im 6. und
7. Jh., Stuttgart 1987, S. 9ff.
15 Vgl. Störmer, S. 57-58.
16 Ebd., S. 44.
17 Vgl. Reiser, 1985, S.57.
18 Vgl. Jahn, 1991, Seite 1.
19 Ebd, S. 1.
20 Ebd. S. 1-2.
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Arbeit zitieren:
Daniel Korth, 2004, Das Adelsgeschlecht der Agilolfinger - Entstehung, Blütezeit und Ende ihrer Dynastie, München, GRIN Verlag GmbH
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