Gliederung der Hausarbeit
1) Einleitung 1
2) Von der Weimarer Republik bis in die fünfziger Jahre
- Die Zeitgenossen 2
a) Rudolf Olden, 1929 2
b) Heinrich Bauer, 1930 4
c) Walter Görlitz, 1947 5
3) Von den fünfziger bis zu den achtziger Jahren
- Die Forscher 7
a) Hubertus Prinz zu Löwenstein, 1952 8
b) Felix Hirsch, 1978 9
4) Von den achtziger Jahren bis heute
- Die Kritiker 10
a) Wolfgang Michalka, 1982 10
b) Manfred Berg, 1992 12
c) Eberhard Kolb, 2003 13
5) Fazit 14
6) Literaturverzeichnis 16
1) Einleitung
Die Weimarer Republik ist für den Geschichtswissenschaftler ein Fundus vielfältiger Forschungsmöglichkeiten. Grund hierfür ist der Versuch, das Scheitern der ersten deutschen Republik zu untersuchen und zu hinterfragen, da gerade dieser Punkt mannigfaltige Ergebnisse liefern kann. Eine der zentralen Figuren der Weimarer Republik war Gustav Stresemann. Der am 10. Mai 1878 in Berlin geborene Sohn eines Bierverlegers ist auch heute noch das Objekt vieler Arbeiten und Biographien. Im Blickpunkt von Stresemanns Schaffen stehen vor allem seine Zeit als Reichskanzler für 100 Tage, vom 13. August bis zum 23 November 1923, sowie seine äußerst erfolgreiche Amtszeit als Reichsaußenminister von 1924 bis 1929, in der er 1926 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Am 3. Oktober 1929 starb Stresemann durch einen Schlaganfall.
Zie l dieser Arbeit ist es, Stresemann im Spiegel der Historie zu zeigen und die unterschiedlichen Bewertungen und Ansichten der Autoren und Biographien darzustellen. Um einen guten Überblick zu liefern, muss man den gesamten Zeitraum von der Weimarer Republik bis zum heutigen Zeitpunkt berücksichtigen, da es über die Jahre viele verschiedene Forschungsansätze gab. Diese Hausarbeit deckt den Bereich von 1929 bis 2003 ab und versucht durch die sorgfältige Auswahl der Autoren ein umfassendes Bild zu geben. Aufgrund der Größe dieses Themas konnten nicht alle Biographien oder Bücher über Stresemann mit einbezogen werden. Dabei sollen aber nicht der Werdegang des Politikers und die geschichtlichen Ereignisse in der Weimarer Republik im Vordergrund stehen, sondern hauptsächlich die Meinungen der Autoren über Stresemann. Dabei wurden folgende Leitfragen berücksichtigt:
- Wie war Stresemanns Bild in der Literatur?
- Wie hat sich die Sichtweise über Stresemann über die Jahre verändert? - Inwieweit beeinflusste der persönliche Kontakt zum Politiker die Autoren? - Wie sehen die Schreiber die Werke ihrer Kollegen?
Das sind die Kernfragen, mit denen sich die vorliegende Arbeit, die in fünf Teile gegliedert ist, beschäftigt. Nach der Einleitung wird im zweiten Teil der Arbeit der
1
Zeitraum von 1929 bis nach dem zweiten Weltkrieg vorgestellt, welcher die Werke der Zeitgenossen aufzeigt, während die Forschungszeit von den fünfziger bis zu den achtziger Jahren im dritten Teil dargestellt wird. Der vierte Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit den kritischen Werken über Stresemann, die in den letzten 20 Jahren veröffentlicht wurden. Einen zentralen Punkt dieser Hausarbeit bildet der Begriff der „Subjektivität“, der bei verschiedenen Autoren und Biographien dieser Arbeit verwendet wurde. Eine geschichtswissenschaftliche Arbeit ist nie wertfrei, da die Meinung des Autors oder die Auswahl seiner Literatur eine zentrale Rolle in den Werken einnimmt. Mit der Subjektivität soll angedeutet werden, dass der Autor vor allem durch den persönlichen Kontakt zu Stresemann eine darauf basierende Meinung offenbart.
2) Von der Weimarer Republik bis in die fünfziger Jahre - Die Zeitgenossen
Im Jahre 1929 wurden die ersten Biographien über Stresemann veröffentlicht. Viele von ihnen wurden noch zu Lebzeiten Stresemanns beendet und viele der Autoren kannten den Reichsaußenminister persönlich. Dieser Punkt führt, wie man schon in den Vorworten lesen kann, zu einer unkritischen und sehr positiven Betrachtung des Menschen und Politikers Stresemann. Dabei war das öffentliche Bild von ihm damals schon sehr kontrovers. Drei Werke sollen in diesem Teil vorgestellt werden: „Stresemann“ von Rudolf Olden aus dem Jahre 1929, „Stresemann - ein deutscher Staatsmann“ von Dr. Heinrich Bauer, das ein Jahr später erschien, und „Stresemann“ von Walter Görlitz, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht wurde. Sie alle bieten dem Leser ein äußerst positives Bild des gebürtigen Berliners, was der eigentlichen Bewertung Stresemanns, die nicht nur positiv ausfällt, nur teilweise gerecht wird.
2
a) Rudolf Olden, 1929 1 :
„Umstritten bleibt Stresemanns Figur. Bewundert und geliebt, gescholten und gehasst. Es mag sein, wie es will. In diesen Jahren, an der Wende der Zeit, war er Deutschland.“ 2
Dieses Zitat sagt eine Menge über den Zwiespalt aus, in dem sich Olden befand. Zum einen geht er in diesen letzten Zeilen seines Werkes auf die unterschiedlichen Meinungen über Stresemann ein, endet auf der anderen Seite aber mit der, in seiner Sichtweise, heroischen Stellung des Politikers. Bei dieser Biographie handelt es sich eher um eine Nacherzählung des Werdegangs Gustav Stresemanns, die ausführlich auf die Jugendzeit dieses Mannes eingeht. Rudolf Olden kannte den Außenminister persönlich und nutzte zudem viele Zeitungsberichte und verschiedene überblicksartige Darstellungen der Weimarer Republik und des Kaiserreichs als Grundlage seiner Arbeit. Drei Viertel seiner Arbeit waren beim Tod Stresemanns schon fertiggestellt, mit dem Ziel „das oft selbstbewusste Bild des Lebenden zu erklären“. 3 Dieses Ziel erreichte er nicht mehr, da Stresemann eben kurz vor der Fertigstellung starb. Dennoch ist das nachgezeichnete Bild des Hauptakteurs der Weimarer Republik nicht nur positiv dargestellt, sondern mitunter durch kritische Einwürfe relativ ausgewogen.
Der Schüler und Student Stresemann war schon von gänzlich anderer Natur als seine Mitschüler und Kommilitonen: „Sehr vieles war in dem Studenten fertig, was der Politiker ständig vertrat“. 4 Dieses Bild wird von Olden vermittelt und äußerst genau erzählt, wobei die Entwicklung bis zum Amt des Reichskanzlers über die Hälfte des Buches einnimmt. Dabei wird aber klar, dass es sich Oldens Meinung nach um einen eitlen Machtpolitiker handelt, obwohl er dieses Wort vermeidet und ihm dennoch einen positiven Anstrich verleiht. So schreibt er über Stresemann im Jahre 1920: „ Stresemann hatte die Regierung übernehmen wollen. Er ertrug es schwer, länger beiseite zu stehen“. 5 Einige Zeilen später fragt er :„Was zieht Stresemann so zur Macht, zu einer Verantwortung, die schwer zu tragen ist? Ehrgeiz? Und antwortet schließlich darauf: „ Das Wort hat einen Beigeschmack, es wird angewendet, um die Eitelkeit
1 Olden, Rudolf: Stresemann. Berlin, 1929.
2 Ebd., Seite 273.
3 Ebd., Seite 275.
4 Ebd., Seite 23.
5 Ebd., Seite 151.
3
Arbeit zitieren:
Daniel Korth, 2004, Gustav Stresemann im Spiegel der Historie, München, GRIN Verlag GmbH
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