Inhalt
Einleitung : 3
1. Anfang und Ende der Reisen: Paderborn
1.1 Die Rolle Paderborns und seines Bistums im Mittelalter 4
1.2 Geographische Einbettung Paderborns und Reisewege 5
2. Zur Vita Meinwerci
2.1 Entstehung und Verfasser 6
2.2 Zur Glaubwürdigkeit der Quelle 7
3. Meinwerks Reisen
3.1 Allgemeines zu Bischofsreisen 8
3.2 Meinwerks Reisen im Bistum 9
3.3 Meinwerks Reisen außerhalb des Bistum 10
a) Im Königsdienst
b) Meinwerk im Krieg
4. Zusammenfassung 13
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 15
6. Anhang I 16
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Einleitung:
Meinwerks Zeit (sein Pontifikat währte von 1009 bis 1036 1 ) war, wie sich in Quellen und Literatur deutlich abzeichnet, von einer engen Bindung von regnum und sacerdotium gekennzeichnet 2 . Herrscher und Klerus standen in einer Symbiose, in der sie die gegenseitige Abhängigkeit voneinander erkannten. Dass beide der gleichen Schicht entstammten, wird am Beispiel Meinwerks (geboren um 976, vermutlich in Renkum westlich von Arnheim; gestorben 1036 in Paderborn 3 ) und Heinrichs II. (geboren am 6. Mai 973, gestorben am 13. Juli 1024 4 ) besonders deutlich: Sie waren verwandt 5 und besuchten die gleiche Schule. Auch in ihren Ämtern gingen sie gleiche Wege: Zweimal überquerten sie zusammen die Alpen, kämpften vereint gegen Polen und Heinrichs Schwäger 6 . Erst mit dem Tode Heinrichs II. 1024 trennten sich ihre Lebenswege.
Aufgrund dieser Nähe ist die Beziehung Meinwerk-Heinrich II. sicher nicht als typisch für das Hochmittelalter zu sehen. Fakt ist jedoch, dass sich die Lebensweisen von Herrscher und hohem Klerus zwangsläufig ähnelten: Erst im Spätmittelalter wurden die Könige sesshaft. Um ihrer Amtsführung nachzukommen, waren im Zeitalter des Reisekönigstums also auch die Bischöfe zur Mobilität verpflichtet. Die Betrachtung einer Bischofsvita gibt daher einen besonderen Einblick in das Verhältnis von regnum und sacerdotium, sowie auf die gemeinsame Lebensweise beider Stände.
Das Lexikon des Mittelalters weist Meinwerk als herausragenden Bischof der Diözese Paderborn aus 7 . Dies ließ eine günstige Quellenlage zu Meinwerks Reisen erhoffen. Im Zentrum der Arbeit stehen die Vita Meinwerci 8 , sowie deren deutsche Übertragung 9 . Als eine literarisierte Sammlung von Bischofsurkunden stellt die Vita Meinwerci in vielen Fragen nur den Ausgangspunkt meiner Recherchen dar. Die aufschlussreichsten Ergebnisse über Meinwerks Reisen liefert die Literatur, die die Itinerare Heinrichs II. und Konrads II. hinzuzieht.
1 Terstesse: Meinwerk. S. 8.
2 Büssem / Neher: Arbeitsbuch. S. 87.
3 Ebd.
4 Dove: Heinrich II. S. 376.
5 Terstesse: Leben. S. 22, Anmerkungen zu cap. 5: „Heinrich II. nannte Meinwerk in Urkunden des Öfteren ,nepos noster’ (unseren Neffen).
6 Balzer: Meinwerk. S. 18.
7 Struve: Paderborn. S. 1614.
8 Tenckhoff: Vita.
9 Terstesse: Leben.
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Teil 1: Anfang und Ende der Reisen: Paderborn
1.1 Die Rolle Paderborns und seines Bistums im Mittelalter
Der Schriftsteller Reinhold Schneider nannte Paderborn 1930 „Ursprung und verschütteten Born des Reiches.“ 10 Dies zunächst befremdlich pathetisierende Urteil lässt sich begründen: Bereits im 8. Jahrhundert, noch während der Sachsenkriege Karls des Großen, erfuhr das Oppidum im „äußersten Winkel des Frankenreiches“ 11 , im „ehemalige(n) Barbaricum“ 12 eine hohe Weihe; Karl der Große zwang den Papst Leo III., ihm nach Paderborn nachzureisen. Als „Defensor“ der römischen Kirche drängte er auf klärende Gespräche mit dem durch ein Attentat nicht nur körperlich, sondern auch politisch geschwächten Papst 13 .
Zu jenem Zeitpunkt war Paderborn als Königspfalz gerade im Aufbau begriffen, wohl aber bereits stattlich genug, um den Rahmen für die königlich-päpstlichen „Sommergespräche“ zu bilden. Dass in diesem Zusammenhang das Bistum Paderborn entstanden ist, bestreitet Franz-Reiner Erkens vehement, während Tilmann Struve, die Vita Meinwerci, Manfred Balzer, Hermann Bannasch sowie Brandt / Hengst 14 799 als Gründungsjahr der Diözese nennen 15 .
Im 8. Jahrhundert war Paderborn ein wichtiger Stützpunkt der Politik Karls des Großen. Die Stadt diente ihm als Vorposten während der Sachsenkriege (772-804) 16 . 776 ließ er hier eine Pfalzburg errichten 17 , die unter Meinwerk renoviert und vergrößert wurde. (Gelegentlich wird Meinwerk als „zweiter Gründer von Stadt und Bistum“ bezeichnet.) 18 Bis zur endgültigen Annexion Sachsens 804 fanden dort zahlreiche Reichsversammlungen statt. Das Einhergehen der Befriedung Sachsens mit dessen Missionierung machte die Gründung eines Bistums zweckmäßig. Wann auch immer das Bistum genau gegründet worden sein mag: Die Zeit der Sachsenkriege hierfür anzunehmen, scheint mir nicht abwegig.
10 Zitiert nach Pöppel: Leben. S. 9.
11 Erkens: Paderborn. S. 146.
12 Ebd. S. 147.
13 Ebd. S. 145.
14 Brandt / Hengst: Bischöfe. S. 28.
15 Ebd. S.150: „Wir erfahren lediglich von einer durch den Papst vollzogenen Altarweihe, die später (freilich zu Unrecht) als Gründung des Bistums Paderborn gedeutet werden konnte.“ Erkens beruft sich mit seinem Einwand auf: Schieffer: Domstifte. Sowie: Honselmann: Bistumsgründungen.
16 Büssem / Neher: Arbeitsbuch. S. 65.
17 Struve: Paderborn. S. 25.
18 So auch in: Terstesse: Meinwerk. S. 17.
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Für die spätottonische Zeit sieht Helmut Bannasch einen weiteren Aufstieg der Bedeutung des Paderborner Bistums 19 , basierend auf der Vertrauensstellung, die sich Meinwerks Vorgänger Rethar (Bischof von 983 bis 1009 20 ) am Königshof aufbauen konnte 21 .
1.2 Geographische Einbettung Paderborns und Reisewege
In der Literatur und der Vita Meinwerci wird wenig genannt, was auf eine außergewöhnliche geographische Lage Paderborns, welche einen Einfluss auf die Reisen der Bischöfe Einfluss gehabt haben könnte, schließen lassen könnte. Daher nehme ich als Ausgangspunkt für meine Schilderungen den Text Ohlers, den wir im Seminar besprochen haben 22 ; speziell das Kapitel „Kleriker auf Reisen“. Kurz soll hier auf eine Besonderheit hingewiesen werden, auf die Hermann Bannasch eingeht: Entgegen Ohlers Darstellung, weist er die Bedeutung der Wasserstraßen (Weser und Lippe) zurück, besonders im Hinblick auf den Fernverkehr. 23 Dagegen hebt er die Bedeutung des westfälischen Hellwegs als West-Ost-Route und der diesen kreuzenden Weinstraße (Nord-Süd-Route) hervor. 24
Dem entspricht eine Reisebeschreibung Klemens Löfflers, der den Weg Meinwerks von Paderborn nach Worms skizziert 25 - als typische „Dienstreise“ der Paderborner Bischöfe. Löffler hält einen Reiseweg von Paderborn „über Frankfurt, bis wohin er der alten römischen Straße durch die hessische Senke, die nördliche Fortsetzung der rheinischen Tiefebene, folgte“ für wahrscheinlich. Den genauen Verlauf legt er „von Paderborn über das Eggegebirge zur Diemel, dann fast direkt über Korbach zur oberen Eder und über Marburg, Gießen, Butzbach, Friedberg nach Frankfurt, von dort über Mörfelden nach Oppenheim, von da nach Worms.“ 26 Eine Strecke (Luftlinie!) von 240 km. Laut Löffler weicht der damalige Reiseweg „von der Luftlinie nur wenig ab“. 27 Das möchte ich bezweifeln: Allein, weil die Route durch zwei Hügellandschaften, das Untere Weserbergland sowie das Rothaargebirge,
19 Bannasch: Bistum.
20 Pöppel: Hochstift. S. 16.
21 Ebd. S. 97f.
22 Ohler: Reisen. S. 224ff.
23 Bannasch: Bistum. S. 6.
24 Ebd.
25 Löffler: Bischöfe.
26 Ebd. S. 74.
27 Ebd. S. 74.
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Arbeit zitieren:
2004, Die Reisen der Paderborner Bischöfe nach der Vita Meinwerci, München, GRIN Verlag GmbH
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