TU Braunschweig
Institut für Sozialwissenschaften
Wintersemester 2002/2003
Seminar: Markt, Hierarchie, Netzwerke:
Grundbegriffe der modernen Organisationssoziologie
Mobbing in Organisationen
von
Jule Schäfer
6. Semester
Kunstwissenschaft (HF)
Medienwissenschaften (NF)
Soziologie (NF)
INHALT
1. Was ist „Mobbing“ 2
1.1 Begriffliche Entwicklung 2
1.2 Definition des Begriffs 3
2. 5-Phasenmodell nach Leymann 4
3. Phasenmodell der Eskalation von Glasl 5
4. Wer mobbt und warum 9
5. Nährboden für Mobbing 10
6. Mobbing-Folgen 11
6.1 Folgen für den Einzelnen 12
6.1.1 Psychische Auswirkungen 12
6.1.2 Physische Beeinträchtigungen 12
6.1.3 Individuelle wirtschaftliche Auswirkungen 12
6.2 Auswirkungen auf das Unternehmen 13
7. Maßnahmen gegen Mobbing 13
7.1 Prävention 13
7.2 Reagierende Maßnahmen 14
7.3 Juristische Hilfe 14
8. Zusammenfassung 15
9. Literaturverzeichnis 16
10. Anhang 16
10.1 LIPT - 45 Handlungen der Mobber 16
10.2 VW-Betriebsvereinbarung vom 1.7.1996 18
10.3 Auszüge aus dem Strafrecht 21
10.4 Einige Artikel aus dem Grundgesetz 21
1. Was ist „Mobbing“
Ursprünglich wurde der Begriff von Konrad Lorenz für aggressives Tierverhalten genutzt – jetzt versteht man darunter vor allem Psychoterror am Arbeitsplatz.
Der Begriff „Mobbing“ kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie angepöbelt, angemacht werden. Zum gezielten Psychoterror gehören Erpressungen, allgemeine Schikanen, Beschimpfungen, gezielte Anmache und sexuelle Belästigungen.
Mobbing sind unter anderem Angriffe auf die Möglichkeit sich mitzuteilen, auf die sozialen Beziehungen, auf das soziale Ansehen, auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation oder auch auf die Gesundheit.
1.1 Begriffliche Entwicklung
Die erste Veröffentlichung, die sich hauptsächlich mit Mobbing im Arbeitsverhältnis beschäftigt „The Harassed Worker“, stammt von Carroll M. Brodsky (1976, XI).1 Das Phänomen wurde seit Anfang der achtziger Jahre vor allem in Schweden durch den Arzt und Psychologen Prof. Dr. Heinz Leymann bekannt. Durch den einprägsamen Begriff („Mobbing“) hat es das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit erreicht und ist nach wie vor ein aktuelles und brisantes Thema in der heutigen Arbeitswelt.
Es hat schon immer Untersuchungen über das Thema Arbeitszufriedenheit gegeben - aber warum nimmt gerade die Diskussion um „Mobbing“ heute einen so breiten Rahmen ein? In der momentan schwierigen wirtschaftlichen Situation, die geprägt ist von Rationalisierungsmaßnahmen vieler Unternehmen, spielen Arbeitsplatzsicherung sowie allgemeine Arbeitsplatzunzufriedenheit eine große Rolle. Arbeitnehmer greifen in diesem unsicheren Umfeld eher zu Mitteln wie Mobbing, um ihre eigene Situation zu verbessern.
Der Psychologe Professor Dr. Oswald Neuberger hält dem in Deutschland geborenen Schweden Leymann ein geniales Marketing-Konzept vor, mit dem dieser es schaffe, seine „Gesellschaft gegen psychosozialen Stress und Mobbing“ und die Ausbildung zertifizierter Anti-Mobbing-TrainerInnen bekannt zu machen2. Auf Leymanns Homepage3 gibt es dazu vielfältige Informationen. Gewalt spielt in unserer Gesellschaft eine bedeutende Rolle und da bietet es sich an, mit einem einfachen Begriff (Mobbing) allgemeine Konflikt-Situationen im öffentlichen Leben auf einen Nenner zu bringen, um damit den Anschein zu erwecken, dass durch die Eingrenzung des Problems eher Hilfsmöglichkeiten zu finden seien.
1.2 Definition des Begriffs
Es gibt mehrere Definitionen, ab wann von Mobbing gesprochen werden kann. Leymann z.B. definiert Mobbing folgendermaßen: wenn durch Vorgesetzte und/oder Kollegen aus einem Katalog von 45 Handlungen (siehe Anhang: LIPT = Leymann Inventory for Psychological Terrorization) systematisch mindestens 1x pro Woche über einen längeren Zeitraum (z.B. ½ Jahr) zielgerichtet gegen eine Person oder eine Personengruppe Handlungen ausgeübt werden mit dem Ziel, diese aus ihrer Position zu vertreiben.
Oswald Neuberger dagegen nähert sich dieser Definition skeptisch: „Ein Kernpunkt jeder Mobbing-Definition ist die nähere Beschreibung des ‚Übels’. Sie ist nach meiner Meinung bedeutsamer als die pseudoexakte Festlegung von Fristen (‚mindestens ½ Jahr’) und Frequenzen (‚1 mal wöchentlich’). Mobbing überfordert die Bewältigungsmöglichkeiten einer Person – und diese können beim einen Menschen schon nach wenigen Wochen, bei anderen erst nach Jahren erschöpft oder so sehr absorbiert sein, dass für andere Lebensinhalte keine Kraft mehr vorhanden ist“4
Einig sind sich alle Autoren darin, dass der längere Zeitraum eine Rolle spielt und dass das Opfer nicht in der Lage ist, sich aus eigener Kraft gegen die Aggressionen zu behaupten.
Kein Mobbing liegt jedoch vor, wenn es sich um einen zeitlich begrenzten Konflikt handelt, oder wenn beide Konfliktpartner gleich starke Positionen haben.
[....]
1 Vgl. Neuberger 1999, S. 3
2 Vgl. Neuberger 1999, S. 7
3 http://www.leymann.se
4 Vgl. Neuberger 1999, S.19
Quote paper:
Jule Schäfer, 2003, Mobbing in Organisationen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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