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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Biografische und historische Daten 2
3. Die Lithographie 4
3.1 Arbeitsablauf 5
3.2 Auflagen 6
4. Die französische Frauenbewegung 7
5. George Sand 9
6. Les Bas bleus 10
7. Fazit 13
8. Literaturverzeichnis 13
9. Abbildungen 13
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1. Einleitung
Honoré Daumier wurde durch seine Karikaturen berühmt, die er in verschiedenen Zeitung veröffentlichte. Eine ganze Reihe von Lithographien widmete er den emanzipierten Frauen, deren Verhalten er nicht nachvollziehen konnte und wollte. Er stellte sie als verantwortungslose Närrinnen dar, die ihre Aufgaben vernachlässigten, um sich ganz dem Vergnügen hinzugeben. Im Folgenden wird darauf eingegangen, unter welchen Umständen - Geschichte, Technik, Rollenverständnis - diese Lithographien entstanden sind.
2. Biografische und historische Daten
1808 Geburt in Marseille als Sohn eines Glasers und
Rahmenmachers
1815 Familie siedelt nach Paris über; der 12jährige Daumier arbeitet zuerst als Laufbursche eines Gerichtsvollziehers, später als Gehilfe des Buchhändlers - sein Vater hielt nichts von seinem zeichnerischen Talent 1822 Publikation der ersten Lithographie 1830 Juli-Revolution
Die mit Original-Lithographien illustrierte Wochenzeitschrift LA CARICATURE wird von Charles Philipon gegründet. An ihr arbeitet eine Gruppe von Literaten und Künstlern u.a. Granville, Gavarni und ab 1831 auch Daumier als ständiger Mitarbeiter
1831 Der Aufstand von 30.000 Webern wird in Lyon blutig niedergeschlagen 1832 Daumier wird wegen Majestätsbeleidigung zu sechs Monaten Gefängnis und 500 Franc Buße für seine Lithographie „Gargantua“ des Königs Louis-Philippe verurteilt.
Philipon gründet die mit Original-Lithographien illustrierte Tageszeitung CHARIVARI
Daumier beginnt die 36 Büsten der Parlamentarier
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1835 Einschränkung der Pressefreiheit
Gesetze gegen politische Karikaturen LA CARICATURE muss sein Erscheinen einstellen LE CHARIVARI wird als bürgerlich-antibürgerlich satirisches Blatt weitergeführt. Daumier publiziert dafür ca. 1500 eher unpolitische Lithographien, u.a. die Folgen „Bon Bourgeois“ [Abbildung S.14], „Les Beaux Jours de la Vie“, “Caricaturiana“ und „Les Gens de Justice“ [Abbildung S.15]. 1848 Revolution. Louis-Napoléon wird Präsident der Republik Pressefreiheit -> Daumier wendet sich wieder politischer Satire zu Werke/Serien: „Les Représantes Représentés“ [Abbildung S.16], „Idylles Parlamentaires“, „Physiognomie de l’Assemblée“ [Abbildung S.17], „Actualités“ [Abbildung S.18/19] (bis 1871 über 1000 Blatt) 1849 Erste Teilnahme im Salon mit einem Gemälde
1850 Schafft die Plastik „Ratapoil“ als Inbegriff des Bonapartismus und arbeitet an der um 1845 begonnen Serie der „Figurines“, die um 1852 abgeschlossen wird. 1851/52 Staatsstreich. Louis-Napoléon wird Napoléon III.; Kaiser der Franzosen 1852 Erneut Aufhebung der Pressefreiheit 1855 Erste Weltausstellung in Paris
1857 Baudelaire nennt in seinem Aufsatz Sur quelques caricaturistes francais Daumier „einen der wichtigsten Männer der modernen Kunst überhaupt.“ 1863 Publikation der wichtigsten Folge von 10 bzw. 11 Lithographien mit dem Titel „Souvenirs d’artistes“ in LE BOULEVARD
1868 Corot kauft das Haus, dass Daumier in Valmondois sur Oise bewohnt und schenkt es ihm.
1870 Daumier weist die Auszeichnung mit dem Kreuz der Ehrenlegion zurück 1870/71 Deutsch-Französischer Krieg
1872 Wegen eines Augenleidens gibt Daumier die anstrengende Arbeit der Lithographie-Technik auf und widmet sich erneut intensiv der Malerei 1878 Große Ausstellung bei Durand-Ruel in Paris und Publikation des ersten Oeuvrekataloges des Lithographischen Werkes des Künstlers 1879 Daumier stirbt in Valmondois und wird auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt
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Obwohl er für seine Karikaturen gerade auch bei anderen Künstler hoch angesehen war, fühlte er sich dafür nicht genug geschätzt und schon früh zur höheren Kunst hingezogen. Dies verstärkte sich durch seine Freunde, die großteils angesehene Maler waren, wie etwa Delacroix, Diaz, Corot, Rousseau, Millet, Courbet und Daubigney. Allerdings hatten seine Aquarelle zunächst wenig künstlerischen und finanziellen Erfolg (erst die „Exposition Centennale“ von 1900 sicherte Daumier allgemeine Schätzung und Würdigung), weshalb er für seinen Lebensunterhalt auf seine regelmäßig erscheinenden Karikaturen angewiesen war (Kataloge führen 3958 Lithographien). Beliebte Sujets in seiner Malerei waren Darstellungen von Don Quixote und Sancho Pansa, Straßen-, Bade-, Theater- und Atelierszenen, sowie Interieurstücke und auch Christusdarstellungen.
Trotz seines arbeitsreichen Lebens fehlten bei seinem Tode die Mittel zur Bestattung, so dass er auf Staatskosten beerdigt werden musste. 1
3. Die Lithographie
Die Ableitung des Wortes Lithographie erfolgt aus dem Griechischen - „Lithos“ = Stein, „graphein“ = schreiben, zeichnen - und wird mit „Steinzeichnung“ übersetzt. Als Erfinder der neuen Technik gilt Aloys Senefelder 1797/98 in München. Es handelt sich um ein manuelles Flachdruckverfahren, mittels eines sehr feinen, dichten Kalksteins, eines kohlensauren Kalkschiefers, der bis auf einzelne Ausnahmen nur an zwei Orten auf der Welt vorkommt: Kehlheim in Bayern und vor allem Solnhofen im Altmühltal.
Auf dem mit Sand, Bimsstein und Wasser glattgeschliffenen und mit Alaun entsäuerten Stein wird die Zeichnung mit Fettfarbe mittels Feder, Pinsel, Tusche oder Litho-Kreide aufgebracht. Dabei verbindet sich die Farbe mit dem Stein zu fettsaurem Kalk, der einerseits fettanziehend, andererseits wasserabstoßend wirkt. Anschließend ätzt man mit verdünnter Salpetersäure, wodurch die Zeichnung fixiert wird. Es folgt eine Behandlung mit Gummiarabicum-Wasser, das sich mit den unbearbeiteten Partien der Steinplatte verbindet. Wird der Stein nun mit Druckfarbe eingewalzt, so wird diese nur von der fettanziehenden Zeichnung angenommen, von den übrigen Partien jedoch abgestoßen.
1 Thieme/ Becker
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Bei dem anschließenden Druckvorgang nimmt das Papier vom Stein die Farbe der Zeichnung ab, während die unbearbeiteten Partien auf dem Abzug weiß erscheinen, da diese durch das Gummiarabicum-Wasser geschützt keine Druckfarbe angenommen haben.
Mit der spontanen, ungehinderten Aufbringung einer Zeichnung auf den Lithographiestein - gleichsam wie auf Papier - war es erstmals möglich, direkt und ohne Zwischenschritte eine künstlerische Idee in ein druckgraphisches Medium zu übertragen. Entsprechend wurde die Lithographie-Technik in den folgenden Jahrzehnten zu einem der wichtigsten künstlerischen Ausdrucksmitteln. Anfänglich wurde diese Technik infolge der hohen Auflagemöglichkeiten als preiswertes Vervielfältigungsmittel eingesetzt, um gemalte, gezeichnete, oder gestochene Darstellungen zu reproduzieren. Man erkannte aber schon bald die großen Möglichkeiten, die darin lagen, dass man den Stein selbst als Ausgangspunkt für künstlerische Arbeiten nutzen konnte.
Goya in Spanien, Reuter in Berlin, Delacroix und Géricault in Frankreich haben die Lithographie mit ihren spezifischen Ausdrucksmitteln schon früh zu einer wichtigen, eigenständigen Kunstform entwickelt. Im Bündnis mit der Presse und der tagespolitischen Bildberichterstattung eines Daumier, Granville oder Gavarni erhält der Steindruck seine überragende historische Bedeutung. Er ist das entscheidende Bindeglied zwischen den tradierten Holzschnitt- und Kupferstichtechniken einerseits und andererseits den industriellen Verfahren des Photo- bzw. Offsetdrucks im 20. Jahrhundert. 2
3.1 Arbeitsablauf
Die präparierten Steine wurden Daumier nach Hause gebracht, wo er - bis auf wenige Ausnahmen bekannter Vorzeichnungen - direkt auf ihnen zeichnete. Pro Arbeit bekam er dafür 50 Francs bezahlt.
Vom Drucker wurden dann ein bis zwei Probedrucke auf festem Velin abgezogen: einen davon erhielt Daumier zur Begutachtung, einen der Texter, der den Bildkommentar, eventuelle Nummerierungen, Serientitel und Adressen hinzufügte, denn die meistens Texte stammen nicht von Daumier selbst. Er äußerste sich dazu folgendermaßen:
2 Verkaufskatalog 1999: 4
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Die Legende ist völlig überflüssig...Wenn meine Zeichnung euch nichts sagt, so heißt das, dass sie schlecht ist, und durch die Legende wird sie nicht besser. Ist sie aber gut, so begreift ihr, alles von selber, und wozu dann noch eine Legende?
Von dem Stein mit Schrift und Bild wurden dann erneut ein bis zwei Probeabdrucke auf sehr dünnem grau-elfenbeinfarbigem Velin abgezogen. Diese erhielten im Randbereich jeweils eine handschriftliche Bestätigung des Druckers „Je certifié que le tirage sera en tout conforme à la présente épreuve...“ sowie das exakte Datum. Einer davon diente als Belegexemplar, der andere wurde entsprechend den Pressegesetzen der Zensurbehörde vorgelegt, die ihn dann, meist noch am selben Tag, der Druckerei zurückgab mit dem handschriftlichen Vermerk „Oui“, „autorisé“ oder aber „non“, „refusé“.
Nach dem Druckvorgang wurde der Lithostein abgeschliffen und stand für eine erneute Bearbeitung zur Verfügung. 3
3.2 Auflagen
Nach der Erteilung der Druckerlaubnis wurden - soweit es die in den Magazinen LE CHARIVARI und LE BOULEVARD veröffentlichte Blätter betrifft - separat, speziell für Sammler, besonders sorgfältig hergestellte Abzüge auf weißem, festen Velinpapier publiziert, sogenannte „Épreuves sur blanc“, d.h. ohne Text auf der Rückseite. Die Auflage betrug circa 50 Exemplare.
Die kostbarsten Exemplare davon sind „sur chine collé“, auf hauchdünnem Chinabzw. Japanpapier gedruckte Abzüge, die auf Velin aufgewalzt wurden. Um diese Épreuves sur blanc für Sammler in ihrem Seltenheitswert noch zu steigern, wurden einige davon zeitgenössisch koloriert. Die dazu geschaffenen Vorlagen, die der Kolorist mit Namen und exaktem Datum versah, gehören in ihrem besonderen Quellenwert zu den gesuchtesten Rarissima.
3 Verkaufskatalog 1999: 4f
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Die regulären Auflagen der Blätter erschienen in den Magazinen LA CARICATURE, LE CHARIVARI und LE BOULEVARD. Deren Auflage schwankte zwischen 700 und 3000 Exemplaren, wobei angemerkt werden muss, dass die meisten davon nach Gebrauch weggeworfen wurden.
LA CARICATURE mit Beiträgen aus dem politischen, modischen und literarischen Bereich erschien erstmals am 4. November 1830, zuletzt am 27. August 1835 und war als wöchentliche Abonnentenzeitschrift konzipiert. Den 251 Nummern lagen insgesamt 524 Lithographien bei, sämtlich ohne rückseitigen Text. Sie stammten von verschiedenen Künstlern, 91 davon von Daumier.
LE CHARIVARI (= Katzenmusik) erschien seit dem 1. Dezember 1832 als vierseitige Tageszeitung chaque jour un nouveau dessin - im Format 38x26 cm mit einer auf der dritten Seite eingedruckten Lithographie, immer mit rückseitigem Text. Daumier lieferte dafür zwei bis drei Darstellungen pro Woche, insgesamt circa 3500 Blätter LE BOULEVARD erschien einmal wöchentlich am Sonntag, vom 1. Dezember 1861 (Nullnummer) bis 14. Juni 1863. Die darin publizierten 118 ganzseitigen Illustrationen, immer mit rückseitigem Text, stammen u.a. von E.Carjat und G. Doré, elf davon schuf Daumier. 4
4. Die französische Frauenbewegung
Frauen nahmen aktiv an der Französischen Revolution teil und ihr kämpferischer Einsatz für die Forderungen des Bürgertums und des Dritten Standes waren in der Auseinandersetzung der Geschlechter eine neue Erfahrung, die ihnen Gleichberechtigung zu versprechen schien. Zwar konnte ein jahrhundertelang tradiertes Bewusstsein für die Geschlechterdefinition nicht allein durch ein eruptives historisches Ereignis verändert werden, dennoch formulierten Frauen immer deutlicher ihre Forderungen. Bürgerliche Republikanerinnen versuchten die ersten Frauenklubs zu gründen. Sie scheiterten zwar an einer längerfristigen Organisation ihrer Klubs, doch kämpften sie für die Anwendung der Menschenrechte auf die Frauen. 1793 wurden ihre Bemühungen von den Jakobinerinnen in Paris fortgesetzt, die den ausschließlich Frauen vorbehaltenen Klub „société républicaine révolutionnaire“ gründeten - analog zu den Männern. Die Frauenrechtlerinnen forderten nicht nur gleiche Rechte, sondern auch gleiche Pflichten für die Republikanerinnen, wobei sie die militante Verteidigung der Verfassung
4 Verkaufs-Katalog 1999: 5
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miteinbezogen. Der Kampf um politische Gleichberechtigung erschreckte nicht nur die Bürger, sondern auch die Jakobiner: am 30. Oktober 1793 wurden die Frauenklubs verboten. Dies war ein schwerer Rückschlag für die Frauenbewegung, deren Ideen und Forderungen dennoch - durch die Sozialutopisten - in das 19. Jahrhundert getragen wurden.
Die traditionelle Rangvorstellung der Gesellschaft hatte zwar einen Durchbruch der Emanzipationsidee und eine umfassende Gleichberechtigung verhindert, dennoch vollzog sich ein allmählicher Wandel der sozialen Stellung der Frau. Die Frauen der unteren Schichten wurden durch den Beginn der Industrialisierung in den Arbeitsprozess eingegliedert, wodurch bereits die Herausbildung des Proletariats angedeutet wurde. Die Frauen hatten nun die Doppelbelastung von Familie und Arbeit zu tragen und blieben dabei weitestgehend dem herkömmlichen Abhängigkeitsverhältnis und Führungsanspruch der Männer unterworfen. Mit dem Erstarken der Arbeiterklasse und dem offen formulierten Widerspruch zu den Interessen des Bürgertums meldete sich auch die Frauenbewegung wieder zu Wort. Dabei gehört Flora Tristan zu den bedeutensten Persönlichkeiten - Großmutter des Malers Paul Gauguin. Sie erkannte, dass die Befreiung der Frau nur erreicht werden konnte in einer Gesellschaft, die sich an den Interessen des Proletariats orientiertefür sie war die Frauenemanzipation Bestandteil der Arbeiterbewegung. Sie formulierte als Erste das Wechselverhältnis von gesellschaftlichem Fortschritt und notwendiger Emanzipation über die sexuelle Freiheit hinaus. Ihren Kampf für die Gleichberechtigung der Proletarier präzisierte sie in ihrem Hauptwerk „L’Union ouvrière“ (1843). Enttäuscht von der geringen Resonanz in den Pariser Arbeiter- und Handwerkerkreisen unternahm sie 1844 eine Vortragsreise durch Frankreich, die jedoch nicht wesentlich besser ankam.
Die Frauenbewegung wurde durch den Umsturz der Julimonarchie im Februar 1848 gestärkt. Sie organisierten ihren Arbeitsablauf und die Struktur ihrer Arbeitsstätten und es erschienen tägliche Frauenzeitungen. Die Lage spitzte sich zu, als ihnen im März 1848 das allgemeine Wahlrecht verweigert wurde, da die Republikaner Frauen durch ihre familiäre Abhängigkeit und fehlende Bildung für unmündig hielten.
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Jule Schäfer, 2003, Honoré Daumier. Emanzipierte Frauen in seinem lithographischen Werk - Die Frau als Närrin, Munich, GRIN Publishing GmbH
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