1. Einleitung .................................................................................................... 2 2. Der Granatapfel........................................................................................... 2
2.1 Herkunft ............................................................................................... 2 2.2 Aussehen/Wirkung ............................................................................... 3 3. Darstellung in der Bildenden Kunst ............................................................. 5
3.1 Christliche und mythologische Darstellungen ...................................... 5 3.1.1 Botticelli: Madonna della Melagrana ............................................. 5 3.1.2 Ghirlandaio: Geburt Johannes des Täufers .................................. 6 3.1.3 Caravaggio: Christus und die Jünger in Emmaus ......................... 9 3.1.4 Rossetti: Proserpina.................................................................... 10 3.2 Repräsentationsbildnis....................................................................... 13 3.2.1 Dürer: Bildnis Kaiser Maximilians I. vor grünem Grund............... 13 3.2.2 Carpaccio: Zwei venezianische Damen auf dem Balkon ............ 15 3.3 Stilleben ............................................................................................. 17 3.3.1 Chardin: Stilleben mit Porzellankanne ........................................ 17 3.3.2 Cézanne: Stilleben mit Granatapfel und Birnen .......................... 18 3.3.3 Linard: Die Fünf Sinne ................................................................ 18 3.4 Jahreszeiten....................................................................................... 19 3.4.1 Arcimboldo: Porträt Rudolph des II. als Vertumnus .................... 19 3.4.2 Manfredi: Allegorie der vier Jahreszeiten.................................... 20 3.5 Dalí: Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen ................................ 22 4. Fazit .......................................................................................................... 25 5. Literaturnachweis ...................................................................................... 27 6. Bildnachweis ............................................................................................. 28 7. Anhang...................................................................................................... 30
7.1 Gedicht............................................................................................... 30 7.2 Geschichte ......................................................................................... 30 7.3 Rezept................................................................................................ 32
2
1. Einleitung
Der Granatapfel ist ein oft verwendetes Symbol in der Kunst und hat dabei unterschiedlichste Bedeutungen. Hier sollen nun Bilder verschiedener Art dargestellt und die entsprechende Symbolik dieser Frucht analysiert werden. Unterschieden wird dabei nach christlichen/mythologischen Werken, Repräsentationsbildnissen, Stilleben und Darstellungen der Jahreszeiten. Gesondert wird noch Dalís Werk Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen betrachtet. Meistens stellt der Granatapfel allerdings nur einen Teil der Gesamtdeutung dar. Aus diesem Grund muss, um eine vollständige Interpretation zu ermöglichen, außerdem auf die weitere Symbolik der Darstellungen eingegangen werden. Den Deutungen geht jeweils eine kurze Bildbeschreibung mit erklärenden Ansätzen voraus, um die Zusammenhänge besser verständlich machen zu können. Wenn erforderlich befindet sich vor der Beschreibung zudem noch eine einleitende Erläuterung der Szene. Zunächst wird als Einführung allerdings kurz auf Herkunft, Geschichte und Natur des Granatapfels eingegangen.
2. Der Granatapfel
lateinisch: Punica granatum, engl: pomegranate
2.1 Herkunft
Grabgemälden im alten Ägypten (ca. 2500 v. Chr.) war er abgebildet und auch bei den Phöniziern und Syrern war der bei ihnen als ´Rimmon´ bezeichnete Granatapfel eine wichtige Kulturpflanze.
3
In der Bibel findet die Frucht ebenfalls Erwähnung: „dein Gott führt Dich in ein gutes Land...; ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel sind,..." [5. Moses (8, 7-8)] 2 Die Römer lernten den Granatapfel über die Karthager (Punier) kennen, daher stammt wahrscheinlich der erste Teil des botanischen Namens (‚punica’ vom Lateinischen für punisch - ’punicus’ ). Der römische Botaniker Pilius nannte ihn den ‚Malum punicum’, den ‚Punischen Apfel’. 3 Der Name könnte allerdings auch vom ebenfalls lateinischen ‚puniceus’ für ‚granatrot’ kommen. 4 Der zweite lateinische Namensteil ‚granatum’, bedeutet ‚körnerreich’ und ist eindeutig auf die Anzahl von Kernen in der Frucht bezogen.
Obwohl die spanische Stadt Granada einen aufgeschnittenen
Granatapfel in Ihrem Wappen (Abbildung) führt, hat sie mit dem Namen nichts zu tun. Auch das kolumbianische Staatswappen zeigt einen Granatapfel, da die frühere Bezeichnung des Staates Neu-Granada war
5
.
2.2 Aussehen/Wirkung
Der Granatapfelbaum kann bis zu acht
Die eigentliche Frucht, der Granatapfel, ist kugelförmig mit einem Durchmesser von bis zu 12 cm (üblicherweise eher 9 cm) und wiegt 300-500 Gramm. Er hat eine gelbe bis scharlachrote, im (über-) reifen Zustand auch bräunliche Färbung.
7
Charakteristisch sind zudem die fünf bis sechs Kelchzipfel des eingetrockneten Blütenkelchs.
8
2
Vgl. http://www.botanikus.de
3
Vgl. http://www.sungaya.de/schwarz/allmende/pflanzen/granat.htm
4
Vgl. http://www.botanikus.de
5
Vgl. http://mitglied.lycos.de/chsiemer/wappen/amerika/kolumbien.htm
6
Vgl. http://www.palmen-exoten.de/dat/cont04gra.htm
7
Vgl. http://www.webkoch.de/lexikon/Granatapfel.html
8
Vgl. http://www.webkoch.de/lexikon/Granatapfel.html
4
Diese prägende Form ist übrigens auf dem
berühmten ‚Zwiebelmuster’-Porzellan zu finden, die sogenannten ‚Zwiebeln’ wurden nämlich nur fälschlicherweise als solche interpretiert.
9
Das sogenannte Zwiebelmuster geht auf eine alte chinesische Dekorgestaltung zurück. In diesem Muster sind keine Zwiebeln, sondern vier Granatäpfel und vier Pfirsiche als Symbol der Fruchtbarkeit und Langlebigkeit in einem sinnreichen Lebensgleichnis dargestellt. Die Bezeichnung ‚Zwiebelmuster’ entstand vermutlich erst im 19. Jahrhundert.
10
Das Innere der Frucht unter der dicken (etwa 5
geleeartigen Fruchtfleisch-Hülle (dem eigentlich essbaren Teil) umgeben sind.
11
Der bräunliche Saft des Granatapfels hinterlässt nur sehr schwer entfernbare Flecken - im Orient stellt man aus ihm noch immer Naturfarben für Teppiche her.
12
Er ist vitaminreich und wohlschmeckend.
Der Granatapfelbaum wurde früher als Heilmittel genutzt, etwa die Rinde der Wurzeln (gegen Darmparasiten) oder die Fruchtschale (gilt als blutstillend). 13
9
Vgl. http://www.rautmann.de/goods/hutschenreuther/zwiebelmuster.htm
10
Vgl. http://www.meissen.de/zwiebelmuster.htm
11
Vgl. http://www.moikel.de/exoten_b/a_k/granat1.htm
12
Vgl. http://www.webkoch.de/lexikon/Granatapfel.html
13
Vgl. http://www.botanikus.de
5
3. Darstellung in der Bildenden Kunst
3.1 Christliche und mythologische Darstellungen
3.1.1 Botticelli: Madonna della Melagrana
In Sandro Botticellis Madonna della Melagrana (Madonna mit Kind und sechs Engeln) ist Maria als zentrale Figur in die Mitte gesetzt, so dass ihr Herz sich etwa im Bildmittelpunkt befindet. In ihren Armen liegt das Christuskind, das seine linke Hand auf einen Granatapfel legt, den Maria in ihrer linken Hand hält.
halten geöffnete Bücher in den Händen. Sowohl der Engel links vorn, als auch der rechte mit Buch gucken den Betrachter direkt an. Auf der Stola des linken Engels ist der Beginn des Rosenkranzgebetes „AVE GRAZIA PLENA“ (Gegrüßet seist Du voll der Gnade) zu lesen.
14
Alle Figuren blicken mit leicht geneigten Köpfen traurig-melancholisch. Über der Gruppe verweisen helle Strahlen auf die Anwesenheit des göttlichen Vaters. Die meisten Symbole des Gemäldes dienen der Verehrung Marias, weisen jedoch zugleich auf die späteren Leiden ihres Kindes hin. So stehen die weißen Lilien für ihre reine, jungfräuliche Liebe. Die roten Rosen des Kranzes sind als „Königin der Blumen“ ein Symbol der Himmelskönigin Maria und ihrer
6
Jungfräulichkeit 15 . Sie stehen für eine über den Tod hinausreichende Liebe und die Wiedergeburt. Die geöffneten Bücher in den Händen der Engel könnten als Gefäße der offenbarten Wahrheit 16 zu deuten sein. Der Granatapfel spielt auch in der Marienverehrung eine Rolle, da er durch seinen Duft und die Vielzahl seiner Kerne als Symbol der Schönheit und zahlreichen Tugenden Marias gedeutet wurde. 17 Außerdem steht er als Passionssymbol für die Vergänglichkeit, aber auch Wiederauferstehung. Und die Farbe seines roten Saftes ist mit dem Blut der Märtyrer zu vergleichen.
Sowohl Maria, als auch ihr Kind halten die Frucht, als wüssten sie bereits, was passieren wird. Dadurch, dass sowohl Maria als auch Christus die Frucht, die für beide gleichermaßen ein Symbol ist, halten, wird ihre enge Verbundenheit hervorgehoben. Der Hinweis auf die späteren Leiden Christi wird ebenfalls durch die bekümmerten Blicke der Figuren vermittelt. Trotz des himmlischen Strahlens liegt über dem Gemälde eine melancholische Stimmung.
3.1.2 Ghirlandaio: Geburt Johannes des Täufers
Der Priester Zacharias und seine Frau Elisabeth waren schon sehr alt, jedoch immer noch kinderlos. Eines Tages erschien Zacharias beim Opferdienst im Tempel von Jerusalem der Engel Gabriel und kündigte ihm an, dass er einen Sohn bekommen werde. Nach der Geburt seines Sohnes pries er Gott und weissagte in einem Lobgesang, das Kind werde ein Prophet und Wegbereiter Gottes sein. Nach der Legende hielt Maria den kleinen Johannes dabei im Arm – sie war schon mit Jesus schwanger. [Lukas 1,5-25 und 57-80] 18
Im Bildmittelgrund der Darstellung der Geburt Johannes des Täufers von Domenico Ghirlandaio sitzt in einem erhöht stehenden Bett die Heilige Elisabeth. Ihr Gesicht wird durch von einem hohen Fenster einfallendes Licht beleuchtet. Unterhalb des Bettes sitzt eine Amme, die das Neugeborene stillt. Links von ihr sitzt eine Frau, die ihr bedeutet, den von rechts kommenden Frauen das Kind zu zeigen. Die Gruppe der Besucher wird durch eine junge,
15
Vgl. Biedermann 2000, S. 365
16
Vgl. Biedermann 2000, S. 77ff
17
http://www.kunstdirekt.net/Symbole/symbole/fruechte.htm
18
Vgl. Krauss/ Uthemann 1998, S. 269f
7
reich gekleidete Frau angeführt, die unsicher in den Raum tritt und dabei den Betrachter ansieht. Ihre unbeholfene Art könnte darauf hinweisen, dass es ihr erster öffentlicher Auftritt ist. Womöglich ist sie ein Mädchen aus der Familie der Auftraggeber, der Tornabuoni. 19 Hinter ihr gehen zwei weitere Frauen, wobei
die ältere mit der weißen Kopfbedeckung die als sehr tugendhaft bekannte Lucrezia Tornabuoni sein könnte. Am rechten Bildrand betritt eine Dienerin den Raum, die nach florentinischem Brauch Obst und Wein bringt. Ihr wehender Schleier und das Faltenspiel des Gewandes bilden einen Kontrast zu der ruhigen Haltung der anderen Frauen. Und durch ihren fast tänzelnden Gang scheint sie die Ruhe des Raumes zu stören. 20 Auf dem Tablett, das sie auf dem Kopf trägt, befinden sich unter anderem Weintrauben und Granatäpfel. Ghirlandaio stellt einen typisch florentinischen Raum dar, mit dem um eine Stufe erhöhten Bett, der linearen Architektur und der Kassettendecke. Vermutlich entspricht diese Gestaltung des Raumes dem Aussehen der Gemächer der Tornabuoni. Die Haare der Ammen und der eintretenden Frauen sind ebenfalls nach der florentinischen Mode frisiert. Bei der Gestaltung der Flaschen und Gläser auf dem Tisch hinter dem Bett greift Ghirlandaio jedoch
19
Sie war Dichterin, hegte ein reges Interesse an politischen Fragen und wurde sogar am Hof des Papstes in Rom empfangen. Vorwiegend kümmerte sie sich jedoch um die Verwaltung des Familienbesitzes. Als Ghirlandaio die Fresken malte, war sie bereits seit vier Jahren tot, dennoch war die Erinnerung an sie sehr lebendig. Vgl. Micheletti 1992, S. 45
20
Vgl. Micheletti 1992, S. 55
8
auf flämische Vorbilder zurück, wobei das Glas zu leuchten scheint und dadurch die Zerbrechlichkeit spürbar macht. Auf denselben Ursprung ist das Tuch zurückzuführen, das weich über den Tisch fällt, sowie die mit stilisierten Blumen verzierte Keramikvase auf der Konsole über dem Bett. 21
Hierdurch wird der altersbedingte Kontrast zwischen der jungen Dienerin und der alten Frau deutlich. Verstärkt wird die Darstellung des Altersunterschiedes durch den tänzelnden Schritt der Hereinkommenden gegenüber der erschöpft liegenden Elisabeth. Durch die Granatäpfel wird jedoch wiederum eine Verbindung geschaffen: zwar sind die Frauen unterschiedlichen Alters, dennoch sind beide fruchtbar. Zudem kann man die zwei Granatäpfel über dem Bett als Anwesenheit Gottes interpretieren. So galt die Frucht durch ihre kugelige Form, die Vielzahl der Kerne und den Wohlgeruch auch als Sinnbild der Vollkommenheit und der Güte Gottes
22
. Allein durch den reichen Gottessegen und die himmlische Liebe
23
die Elisabeth erfuhr, war es ihr möglich, trotz ihres hohen Alters ein Kind zu gebären.
21
Vgl. Micheletti 1992, S. 54
22
http://www.kunstdirekt.net/Symbole/symbole/fruechte.htm
23
Vgl. Biedermann 2000, S. 169
Quote paper:
Jule Schäfer, 2003, Der Granatapfel und die Kunst, Munich, GRIN Publishing GmbH
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