Inhalt
Einleitung 1
I. Zur Geschichte der feministischen Linguistik 3
I. 2 Problematik im Umgang mit dem Untersuchungsmaterial 4
I.3. Forschungsüberblick 5
I.3.1 Gesellschaftlich konstruierte Ungleichheit. 5
I.3.2 Differenz- oder Dualitätsgedanke. 7
I.3.3 Die Theorie der kulturellen Stile 8
I.3.4 Deborah Tannen: report talk/rapport talk 8
II. Stilelemente. 9
III. Analyse eines Gesprächs 13
III.1 Unterbrechungen. 13
III.2 Status. 14
III.3 report talk / rapport talk 14
III. 4 Minimalbestätigungen/HörerInnenaktivität als Teil der
Gespr ächsarbeit (vgl. Samel 1995, 189 ff) 15
IV. Resumée. 16
V. Anhang
Einleitung
Sprache gilt allgemein als ein wichtiges Instrument sozialer Interaktion. Sprachliche Kommunikation ist in einer demokratischen Gesellschaft aber auch das bedeutendste Werkzeug zur Positionierung und Durchsetzung persönlicher und gesellschaftlicher Interessen, ob auf höchster politischer Ebene oder im Alltag. Sprache ist also ein Machtinstrument. Voraussetzung für erfolgreiches sprachliches Interagieren ist die Kenntnis von der Handhabung und Wirkung des Werkzeugs Sprache. Spätestens beim Erlernen einer Fremdsprache erfährt man, wie schon ein begrenzter Wortschatz und ungenaue Kenntnis von grammatischen Regeln die Möglichkeiten des Werkzeugs Sprache beschneiden. Ständig muss man auf der Hut sein vor Missverständnissen und unerwarteten Reaktionen der Gesprächspartner. Und selbst wenn man dann auf der lexikalischen und grammatischen Ebene nahezu perfekt ist, kommt man der Sprachbeherrschung eines Muttersprachlers nicht gleich, da dieser mit anderen Sprachkonventionen aufgewachsen ist, die zum Beispiel Betonung, Stimmlage, Redegeschwindigkeit etc. beeinflussen. Eine ähnliche Hürde besteht offensichtlich auch innerhalb einer Sprechergemeinschaft zwischen den verschiedenen Geschlechtern. Wobei hier gemäß der allgemeinen Definition im Bereich der feministischen Linguistik das soziale Geschlecht, also „gender“ gemeint ist. Die Problematik des unterschiedlichen Kommunikationsverhaltens von Männern und Frauen ist in jedem Kulturkreis zu beobachten und auf die jeweils unterschiedliche Sozialisation der Geschlechter in einer Gesellschaft zurückzuführen. Darauf gehen zum Beispiel Günthner und Kotthoff in ihrem Aufsatz „Von fremden Stimmern: weibliches und männliches Sprechen im Kulturvergleich“ ein. Jeder, der mit einer Fremdsprache in Berührung kommt, kennt also die Problematik des begrenzten Ausdrucksvermögens. Und es existiert dafür so etwas wie ein allgemeines Bewusstsein: Jeder hat an sich schon beobachtet, wie sich die eigene Sprache im Gespräch mit einem fremdsprachigen Menschen verändert. Im Bewusstsein dieser Verstehenshürde verlangsamt man
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automatisch die Redegeschwindigkeit, reduziert den Wortschatz und vermeidet dialektale Färbungen. Man hört genauer hin, wartet geduldig bis das Gegenüber die richtigen Worte gefunden hat und versichert sich, dass was man gesagt hat auch verstanden worden ist. Das Erkennen einer Sprachbarriere führt also sofort zu einem Überwindungsversuch, der meistens auch erfolgreich ist. Mit diesem Beispiel möchte ich zeigen, dass es zu unseren alltäglichen Erfahrungen gehört, Sprachbarrieren zu erkennen und mit adäquaten Mitteln zu überwinden. Wie ist nun zu erklären, dass dieser Prozess des Erkennens und Überwindens der sprachlichen unterschiede in der Kommunikation zwischen den Geschlechtern nicht passiert? Es ist zwar fast eine Volksweisheit, dass Frauen und Männer ständig aneinander vorbeireden, eine Erkenntnis liegt also vor. Aber diese Erkenntnis wird nicht als Sprungbrett zur Ursachenforschung und in Folge zur Überwindung des Problems genutzt, sondern als unveränderliche Tatsache hingenommen und eine wirkliche Verständigung als Utopie angesehen. Meine These dazu ist, dass Frauen und Männer vordergründig die selbe Sprache verwenden, und die Verstehenshürden in den tieferen Schichten der Sprache begründet sind. Darum erscheint eine Lösung des Problems für die Allgemeinheit der Sprecherinnen und Sprecher, die sich nicht wissenschaftlich mit Sprache auseinandersetzen, nicht greifbar. Die unterschiedliche Bewertung und Verwendung der verschiedenen Stilmittel der Sprache führt zu einem Gefühl des globalen Unverstandenseins vom anderen Geschlecht. In dieser Arbeit werde ich die in der linguistischen Forschung herausgearbeiteten weiblichen und männlichen Gesprächsstile, Merkmale, die von unterschiedlichen Linguistinnen immer wieder benannt werden, darstellen und sie an einem Gesprächsbeispiel überprüfen. Mein Fokus liegt dabei auf der Untersuchung, von wem und auf welche Weise dieses Gespräch dominiert wird. Zuerst möchte ich jedoch die Entstehung der feministischen Linguistik skizzieren, um die Besonderheit dieses linguistischen Teilgebietes darzustellen, das in seinem gesellschaftspolitischen Erkenntnisinteresse liegt, die benachteiligte
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Stellung der Frau in der modernen patriarchalen westlichen Gesellschaft, als in der Sprache manifestiert, bewusst zu machen.
I. Zur Geschichte der feministischen Linguistik
Die feministische Linguistik fand in den siebziger und frühen achtziger Jahren, wie die feministische Bewegung insgesamt, ihren Anfang und war durch die Perspektive „Frau als Opfer“, deren Ohnmacht und Minderwertigkeit sich auch in sprachlicher Unsicherheit und Anpassung an den Mann äußern, geprägt. Als wichtigste und wegebereitende Vertreterin im deutschsprachigen Raum gilt Gisela Schoenthal, die bereits in den frühen achtziger Jahren die feministische Linguistik an der Universität in Freiburg begründete. Heute als linguistische Frauenforschung oder Geschlechterforschung, international als „genderstudies“, bezeichnet, fällt dieser Bereich der Linguistik wiederum unter den übergeordneten Begriff der Soziolinguistik oder Varietätenlinguistik. In diesem Zusammenhang wird Frauensprache/Männersprache analog zum Dialekt als Genderlekt bezeichnet, inzwischen hat sich aber die Bezeichnung weiblicher/männlicher Stil größtenteils durchgesetzt. I.1 Forschungsinteresse
Im Vordergrund der Untersuchung von Frauensprache und Männersprache steht die Analyse und vor allem Kritik des kommunikativen Verhaltens von Frauen und Männern. Die meisten Arbeiten zielen auf eine Bewusstmachung und Veränderung der unterschiedlichen Bewertung von weiblichen und männlichem Stil. „Grundsätzlich scheint es so zu sein, dass das Sprachverhalten der Männer höher bewertet wird, unabhängig davon, wie sie reden. Reden sie indirekt, gilt es als der << bessere Stil>> , reden sie direkt, gilt es ebenfalls als der prestigereichere Stil“ (Günthner/Kotthoff 1991, 38)
Die Unterschiede zwischen weiblichem und männlichem Gesprächsverhalten sind keine absoluten Parameter, da unter der Bezeichnung „gender“ im Sinne der feministischen Linguistik nicht das biologische, sondern das kulturelle also sozialisierte Geschlecht oder
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Rollenverhalten verstanden wird. Es kommt daher häufig zu Überschneidungen und Vermischungen von bevorzugt weiblichen und bevorzugt männlichen Stilen. (Günthner/Kotthoff 1991, 37) In der feministischen Linguistik geht es darum, existierende sprachliche und kommunikative Normen zu hinterfragen. Ziel soll sein, Ausdrucksformen in einer Sprachebene zu finden, die beiden Geschlechtern in den Ansprüchen an ihr eigenes Selbstverständnis gerecht wird und schließlich Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Alltag forciert. Veränderungen im Sozialverhalten und dadurch gleichzeitig in der Kommunikation von Frauen und Männern auf der individuellen Ebene soll das Fundament für den gleichberechtigten Umgang der Geschlechter bilden.
I. 2 Problematik im Umgang mit dem Untersuchungsmaterial
Ein Problem vieler vor allem der frühen Untersuchungen auf dem Gebiet der feministischen Linguistik sieht Gisela Schoenthal im fehlenden Interpretationsaufwand, materialarmen und oberflächlichen Analysen, vorschnellen Kategorisierungen. Auch stelle die Besonderheit vieler Arbeiten, kritische Beschreibungen mit dem Ziel die Möglichkeiten der Veränderung kommunikativen Verhaltens zu zeigen und zu fordern, eine Bewertung dar. Somit seien diese Arbeiten ebenfalls wieder interpretatorisch und damit kritisierbar. (Schoenthal 1998, 157) Als methodisch kennzeichnend sieht Gisela Schoenthal die weitgehenden Generalisierungen (Schoenthal 1998, 157): In diesen Zusammenhang stellt sie auch die Arbeiten von Senta Trömel-Plötz, nach deren Darstellungen der Faktor Geschlecht mehr zählt als andere Faktoren. Susanne Günthner und Helga Kotthoff betonen, dass der Faktor Geschlecht lediglich einer unter vielen relevanten Parametern wie Alter , Bildung, soziale Schicht, ethnische Zugehörigkeit, sozioökonomischer Status etc. in Interaktionssituationen darstellt. (vgl. 1991, 38) Unterstützt und erweitert wird diese Perspektive von Karsta Frank, die betont, dass
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Arbeit zitieren:
Sarah Kraushaar, 2004, Frauensprache - Männersprache Unterschiedliche Stilelemente im Gesprächsverhalten von Männern und Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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