INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung. 03
2. Die aktuell favorisierte Lesart. 04
2.1. Kurz Skizziert. 04
2.2. Probleme. 05
3. Die Frede/Patzig Lesart. 08
3.1. Die Grundzüge der Interpretation. 08
3.2. Einzeldinge. 09
3.3. Die individuelle Form. 10
3.4. Probleme. 11
3.4.1. Einzeldinge. 11
3.4.2. Die zwei Schiffe des Theseus. 12
3.4.3. Undefinierbare Ousia. 13
3.4.4. Epistemische Probleme. 15
3.4.5. Die Interpretation von Z13. 15
4.Konklusion. 17
5. Ausblick. 18
6. Literaturverzeichnis. 20
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1. Einleitung
Es ist erstaunlich, dass ein historischer Text wie die Metaphysik des Aristoteles nach Jahrhunderten Interpretationsgeschichte immer noch ungelöste Probleme enthält oder zumindest diskussionswürdige Fragen aufwirft. Die kontroverse Diskussion innerhalb der Aristoteles-Interpretation zeigt die Tiefe der antiken Texte, die selbst mit den Mitteln der modernen theoretischen Philosophie nur schwer zu erschließen sind. In diesen Texten verbergen sich Fragen, die nach ca. zweieinhalb tausend Jahren ihre Aktualität nicht ve rloren haben. Diese Arbeit widmet sich der Interpretation des Buches „Z“ der Metaphysik. Ziel ist es die Interpretation von M. Frede und G. Patzig im Kontext der aktuellen Debatte um „Z“ nachzuvollziehen.
In Buch „Z“ der Metaphysik stellt Aristoteles die Frage nach der „Ousia“ 1 , dem primär Seienden. Es soll geklärt werden, was in der Welt im eigentlichen Sinne existiert, das heißt vor allem anderen. Das Prädikat „Ousia“ verdienen nur Phänomene, die nicht in Abhängigkeit von irgend etwas anderem existieren. 2 Aristoteles bewegt sich auf dem Boden der Ontologie, deren Aufgabe es ist zu klären was existiert und sofern es existiert, wie es existiert.
1 Der Begriff „Ousia“ wird in der Bedeutung primär Seiendes verwendet, da die Übersetzung
„Wesenheit“ wie sie in der Übersetzung der Metaphysik von Bonitz a.a.O. benutzt wird den Begriff nicht
treffend bezeichnet.
2 Vgl. Aristoteles (1994), 141, ∆ 8, 1017b 10ff.
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2. Die aktuell favorisierte Lesart
Im Rahmen dieser Arbeit ist es nicht möglich die aktuell favorisierte Lesart, die Autoren wie Loux und Lewis 3 vertreten ausführlich darzulegen. Sie wird im Wesentlichen vorausgesetzt und wird nur zur Diskussion der Frede/Patzig Lesart in diese Arbeit Eingang finden, einerseits um die Probleme und Unklarheiten aufzuzeigen, die diese Interpretation notwendig machen, andererseits um die Schwachstellen der Lesart aufzuzeigen und gleichzeitig einen Ausblick für mögliche Interpretationsalternativen zu bieten. Dennoch sollen die Kernpunkte der favorisierten Lesart wenigstens genannt und ihre Probleme in Grundzügen geschildert werden, um so einen Einstieg in die Interpretation des Buches „Z“ der Metaphysik zu finden.
2.1 Kurz Skizziert 4
In der aktuellen Debatte betrachten die meisten Interpreten das Buch „Z“ als eine Verfeinerung der Theorie, die Aristoteles schon in der Kategorienschrift vertritt. Primäre Ousia sind die konkreten Einzeldinge. Die sekundäre Ousia ist die Form des Einzeldings; beschrieben durch eine geeignete Definition, die die Wissenschaften liefern sollen. Die Form wird als konstitutiv für die Individuen betrachtet. In der modernen Philosophie spricht man von essentiellen Eigenschaften oder sortalen Prädikatoren. Diese unterscheiden sich von einfachen Prädikatoren dadurch, dass keine mögliche Welt denkbar ist, in der einem Gegenstand diese essentiellen Eigenschaften nicht zukommen. 5
In der Kategorienschrift wird angenommen, dass es sich bei der zweiten Ousia um die Gattung handelt. Der wesentliche Fortschritt der Metaphysik gegenüber der Kategorienschrift ist, d ass die Verschränkung der Einzeldinge mit den Strukturen aufgezeigt wird.
3 Vgl. Detel (2003), Begleitblätter zur Vorlesung.
4 Quelle der Darstellung bilden die Begleitblätter zur Vorlesung: „Die Theoretische Philosophie des
Aristoteles“, von Wolfgang Detel SS 2003.
5 Die Eigenschaft, daß Sokrates „blaß“ ist, ist kontingent und somit nicht essentiel. Das Prädikat „ist
Mensch“ ist hinsichtlich Sokrates konstitutiv, wäre Sokrates nicht Mensch, wäre er nicht Sokrates.
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2.2 Probleme
Die oben geschilderte Lesart bietet auf den ersten Blick ein rundes widerspruchsfreies Bild der Metaphysik. Frede/Patzig begründen ihre Interpretation im Wesentlichen mit Kapitel 13 des Buches “Z“. Dort heißt es: „[...]so ist offenbar, daß nichts Allgemeines Wesenheit ist.“ 6 Das Kapitel scheint klar und deutlich, somit muss die Standart-Lesart eine Antwort bieten, wie die Art 7 Ousia sein kann, wenn sie doch auf alle Individuen der Art zutrifft und somit allgemein ist.
Die Antwort auf diese Passagen ist, dass die essentiellen Eigenschaften in Hinblick auf das Individuum konstitutiv sind und daher partial identisch. Somit sind die Prädikatoren auf das Individuum bezogen, folglich nicht allgemein, sondern Individuell.
Es ist strittig ob dieses Argument überzeugen kann und Frede und Patzigs Interpretation muss nachweisen, dass Z 13 diese partielle Identität nicht zulässt, um die aktuelle Lesart zu widerlegen und darf gleichzeitig keine schwereren Probleme erzeugen als die aktuelle Lesart. Denn Z 13 ist ein Problem mit der eine Lesart eigentlich leben kann. Die Antwort auf Z 13 ist nicht restlos überzeugend, hat aber der These: „nichts allgemeines kann Ousia sein“, etwas entgegenzusetzen. Somit kann Z 13 allein nicht die Grundlage sein, um eine Neuinterpretation von Z zu rechtfertigen.
Die aktuelle Lesart ist darüber hinaus mit dem Problem konfrontiert, dass die allgemeinen Strukturen die Einzigartigkeit von Lebewesen nicht beschreiben können. Sie muss die Unterschiede der Lebewesen durch die materielle Realisierung erklären. Denn die Form trifft auf alle Gegenstände einer Art zu. Frede/Patzig scheint die Intuition zu leiten, dass sich natürliche Gegenstände einer Art in ihrer Struktur unterscheiden und somit die Annahme einer allgemeinen Form die Gegenstände nicht hinreichend beschreiben kann. Besonders beim Menschen wird dies deutlich. Es gibt sicherlich Prädikatoren, die auf jeden Menschen zutreffen und für ihn konstitutiv sind, darüber hinaus gibt es aber Strukturen, die allein dem Individuum eigen sind und ebenso
6 Aristoteles (1994), 208, Z13, 1038b 35.
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essentiell sind, wie die auf die gesamte Art zutreffenden Prädikatoren. 8 Diese Intuition erscheint mir schwerwiegender als die Textbelege in Z13, welche ohne die leitende Intuition, dass allgemeine Strukturen die Ousia nicht treffend bezeichnen, nutzlos wären.
Um diese Intuition zu stärken, muss man in die Welt schauen und sich fragen, ob die Mensch-Struktur das Phänomen des Menschen erfasst. Doch schauen wir in die Welt und bemerken die Verschiedenheit der einzelnen Individuen einer Art, entsteht das Gefühl, dass nicht allein ihre materiell Realisierung diese gewaltigen Unterschiede erzeugen kann. Nun stellt sich die Frage, ob Aristoteles, diese Unterschiede in seiner Ontologie mit aufgenommen hat. Frede und Patzig stehen nun vor der Aufgabe diese Intuition zu verfolgen und sie anhand der Schriften des Aristoteles nachzuweisen. 9
Das philosophisch stärkste Argument, das gegen die aktuelle Lesart vorzuweisen ist, basiert auf Passagen der Metaphysik in der Aristoteles den Formen, nach Frede und Patzig in gewisser Weise ein Sein und Nichtsein zuschreibt. 10 Doch wäre die Form allgemein und legt man Aristoteles Glaube an die ewige Existenz der Arten zugrunde, müssten auch die Formen ewig existieren. Frede und Patzig schreiben hierzu:
„Da aber Aristoteles so redet, als existieren auch diese Formen nur für eine gewisse Zeit, ohne freilich einem Prozeß des Entstehens oder Vergehens unterworfen zu sein, muß er meinen, es handle sich um individuelle Strukturen; denn allgemeine Formen wären Zeitlos, da Aristoteles unbeirrt an die Ewigkeit der Spezies glaubt.“ 11
Sind die Angegebenen stellen so zu interpretieren, läge ein korrektes Argument gegen die Annahme allgemeiner Formen vor.
7 „Art“ wird hier im Sinne von Gattung verwendet.
8 Es ist essentiel für Sokrates, das Kind seiner Eltern zu sein und eine bestimmte DNA zu besitzen, denn
es ist keine Welt denkbar in der Sokrates nicht das Kind seiner Eltern ist, oder eben genau diese DNA
besitzt. Entscheidend ist, ob solche nur dem Individuum essentiell zukommenden Strukturen als Ousia in
Frage kommen.
9 Frede und Patzig sprechen nicht aus, daß eine Intuition, für ihre Interpretation leitend gewesen ist,
jedoch weißt vor allem das Kapitel: „Eine kurze Würdigung der Theorie“ (Frede/Pazig (1988) Bd. 1
S.43ff.), darauf hin , daß für die Annahme einer Individuellen Form, vergleichbare Motive vorlagen.
10 Vgl. Aristoteles, Metaphysik. E3, 1017 a 29-30; Z,8 1033 b 5-7.
11 Frede/Patzig (1988) , Bd. 1, 53.
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Matthias Gloser, 2003, Über die Metaphysik "Z" - die Ousia bei Aristoteles, München, GRIN Verlag GmbH
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