Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 4
2 Fallbeispiel eines Unterrichtsstörers. 5
2.1 Vorstellungsgrund in einer kinderpsychiatrischen Am bulanz 5
2.2 Familien- und Eigenanamnese. 5
2.3 Schulbericht der Klassen- und der Deutschlehrerin. 5
2.4 Ergebnisse der emotionalen und Leistungsdiagnostik. 5
2.5 Kinderpsychiatrische Ergebnisse und Empfehlung. 6
2.6 Problematik der ADS/ADHS-Diagnose 6
3 Disziplinstörungen klassifizieren. 7
3.1 Arten und Ursachen von Unterrichtsstörungen 7
4 Unterrichtsstörungen analysieren 11
4.1 Methodisches Vorgehen 11
4.2 Strategie der Reflektion 12
4.3 Proaktive Strategien. 12
4.3.1 Routinen 13
4.4 Reaktive Strategien. 14
5 Geforderte Kompetenzen des Lehrers bei Störungen 16
5.1 Fachkompetenz. 16
5.2 Didaktische Kompetenz 16
5.3 Führungskompetenz 16
6 Weitere Vorgehensweisen bei Disziplinstörungen 18
6.1 Streitschlichtung und Mediation. 18
6.2 Konstanzer Trainingsmodell (KTM) 19
7 Diskussion. 20
8 Zusammenfassung 21
9 Literatur 22
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1 Einleitung
Eine Untersuchung zu Zusammenhängen zwischen Unterrichtsstörungen und Kompetenz ist auf-grund der Belastungen durch Unterrichtsstörungen und dem Potenzial, das man persönlich zur Reduktion dieser Belastung ausschöpfen kann, von hoher Relevanz.
Grundlegend sei zum Phänomen der Unterrichtsstörungen erwähnt, dass es überall, wo Menschen gemeinsam etwas tun, ob in Familie, Verein, Freundeskreis, Schule oder Arbeit, es zu vielfältigen Entwicklungen kommt. Welche dieser Entwicklungen nun als Störung erlebt werden, hängt von der Gesamtheit der Bedingungen und Faktoren einer Situation ab. Es gibt hierzu einige Thesen, die nach BENIKOWSKI (1996) das Vorhandensein von Störungen eventuell erklären können:
Disziplinstörungen lassen viele Lehrer an ihre Grenzen stoßen und dennoch darf gerade von Lehrerseite nicht einseitig geurteilt werden, sondern es muss neben der multifaktoriellen Bedingungskonstellation der adäquate Reaktionsspielraum beachtet werden. Auf keinen Fall sollten - wie gesellschaftlich leider weit verbreitet - pathologische Tendenzen auf die Schüler projeziert werden. Der von mir gewählte Fall „Tobias“ - ein Junge, dessen Mutter alleinerziehend und berufstätig istist in der heutigen Gesellschaft kein Einzelfall, sondern kann stellvertretend für die vielfältigen familiären Belastungen der Kinder gesehen werden. Den Preis für die fortschreitende Liberalisierung der Wertvorstellungen zahlen die Kinder heutzutage in Form von erhöhten körperlichen, seelischen und sozialen Belastungen. Diese häufig defizitäre familiale Sozialisation kann zu einer gewissen Orientierungslosigkeit bei den Jugenlichen führen (SCHÄFERS 2001). So kommt es dazu, dass Schüler keine Ziele mehr haben, in ihrer Freizeit versumpfen (TV, Video, Horrorfilme, Gameboy, ..) und i hre Probleme in die Schule tragen, zu Gewalt bereit sind und den Unterricht stören. Lehrer und Schulen können und sollten in der heutigen Zeit eine diesbezüglich kompensierende Funktion erfüllen und den Schülern Halt und Führungssicherheit bieten.
Die Hausarbeit soll einen vertieften Einblick in die komplexen Zusammenhänge zwischen Störungen und Lehrerkompetenzen realisieren. Somit lassen sich ursächliche Faktoren offenlegen und Eingriffsstrategien entwickeln, so dass Störungen nicht als Barrieren angesehen werden, die zwischen Schülern und Lehrperson stehen, sondern als Optionen für die Vernetzung der Beziehungsstruktur wahrgenommen werden.
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2 Fallbeispiel eines Unterrichtsstörers
Bei Tobias handelt es sich um einen Jungen, der in einer kinderpsychiatrischen Ambulanz im Jahr 2001 mehrfach vorgestellt und diagnostiziert wurde 1 .
2.1 Vorstellungsgrund in einer kinderpsychiatrischen Ambulanz
Tobias wurde von seiner Mutter wegen oppositionell-verweigerndem Verhalten sowohl zu Hause als auch in der Schule vorgestellt. Zu Hause hört er nicht auf die Mutter, versucht sie sogar manchmal zu schlagen und macht keine Hausaufgaben. In der Schule verhält er sich unruhig und unkonzentriert, kann keine Regeln einhalten und stört den Unterricht. Tobias zeigt kein Schuldbewußtsein und keine Einsicht bei Fehlverhalten.
2.2 Familien- und Eigenanamnese
Die Einschulung erfolgte mit 7 Jahren. In den ersten drei Schuljahren hatte Tobias mäßige bis durchschnittliche Leistungen, mit Beginn der 4. Klasse wurde ein deutlicher Leistungsabfall konstatiert. Tobias verbringt viel Zeit zu Hause mit Femsehen und Gameboyspielen.
2.3 Schulbericht der Klassen- und der Deutschlehrerin
2.4 Ergebnisse der emotionalen und Leistungsdiagnostik
In dem projektiven Testmaterial (freie Zeichnung, Familie in Tieren, Satzergänzungstest, 10 Wünsche) deutet sich zum einen eine Geschwisterrivalität zum älteren Bruder an, zum anderen zeichnen sich deutliche Hinweise auf Verlassenheitsängste und das Gefühl, allein und ausgeliefert zu sein ab. Tobias fühlt sich verunsi chert, halt- und orientierungslos, sehnt sich nach den Attributen „groß, stark, reich und allmächtig" zu sein.
1 Der Name des Jungen ist geändert. Alter bei Erst-, Wiedervorstellung 11, 12 Jahre.
2 Die Trennung selbst sei sehr dramatisch abgelaufen.
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2.5 Kinderpsychiatrische Ergebnisse und Empfehlung
2.6 Problematik der ADS/ADHS-Diagnose
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen nach LOHMANN (2003), dass Lehrer wie Eltern Disziplinkonflikte und Unterrichtsstörungen häufig nicht richtig interpretieren. Lehrer neigen bei Unterrichtsstörungen dazu, das Ausmaß der Verhaltensstörungen (ADS/ADHS) zu überschätzen und das störende Schülerverhalten zu pathologisieren 3 . Somit werden prinzipiell beeinflussbare Situationen als schicksalshaft oder als berufliches Pech (schwierige Klasse) deklariert. Besser ist es die Ver-antwortung für solche Situationen zu übernehmen und zu versuchen, Veränderungen herbeizuführen.
Nach ARMSTRONG (2002) ist Millionen von Eltern und Lehrern die Überzeugung eingeflößt worden, dass e ine klar identifizierbare psychische Krankheit mit Namen »Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung« tatsächlich existiert, die neuerdings Millionen von Kindern befallen hat. Der Verbrauch des von Kinderärzten verschriebenen Ritalin betrug im Jahr 2001 bundesweit 173 kg. Das reicht für 5 Millionen Tagesdosen und dies bei weitgehend ungeklärten, umstrittenen und kritischen Langzeitwirkungen (ADS-KRITIK 2004). In den USA nehmen vier Millionen Kinder Ritalin. Nach ANGOLD ET AL. (2000) sind in den USA 75% der ADS-Kinder falsch diagnostiziert.
3 Entsprechende Einstellungen zu Disziplinkonflikten gehen häufig auch von den Eltern aus. Hausärzte wirken hierbei in der Regel nur als ausführende Organe, die dem Elternwunsch entsprechen. Die übliche Antwort der Kinder- und Familienärzte auf Berichte der Mütter über „ADS“-Verhalten in der Schule oder zu Hause ist nach ADS-KRITIK (2004): „Lassen Sie uns Ritalin versuchen und sehen, ob es funktioniert!“ [Ritalin wirkt jedoch bei jedem Menschen konzentrationsfördernd!]
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3 Disziplinstörungen klassifizieren
LOHMANN (2003) differenziert zwischen Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten: v Unterrichtsstörungen sind Ereignisse die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen. Diese Störungen können von Schülern, Lehrern und anderen Personen wie auch exogenen Fak-toren verursacht werden. Sie äußern sich als Zwischenrufe, Herumlaufen oder Baustellenlärm.
v Disziplinkonflikte hingegen beinhalten eine Verletzung von Normen und Regeln durch die Schüler. Die Normen und Regeln wurden von der Schule oder von dem Lehrer aufgestellt um für einen reibungslosen Ablauf des Unterrichtes zu sorgen.
Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikte sind bis zu einem gewissen Grad normale Begleiterscheinungen des Unterrichts. Am häufigsten sind die verbalen Störungen durch Schüler.
Bei ihrem Vorgehen in Bezug auf die Reduktion von Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten sollten sich die Lehrer auf keinen Fall auf die formale Machtbasis oder disziplinarische Interventionen stützen, sondern Unterrichtsstörungen analysieren und darauf aufbauend Strategien entwickeln, deren Grundzüge im Folgenden dargestellt werden.
3.1 Arten und Ursachen von Unterrichtsstörungen
Die Ursachen der Unterrichtsstörungen werden nach WINKEL (1997) von beiden Seiten - Lehrern und Schülern - verursacht. Teils werden sie auch durch institutionelle Begebenheiten verschärft. Im Folgenden seien charakteristische Ursachen von Unterrichtsstörungen an Beispielen erläutert, deren Ursächlichkeit vornehmlich im Fehlverhalten beider Parteien - Lehrer und Schüler- zu suchen ist. WINKEL (1997) interpretiert Unterrichtsstörungen der Schüler als verschlüsselte Mitteilung an den Lehrer.
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Arbeit zitieren:
Stefan Schwarzwälder, 2003, Zusammenhang zwischen Unterrichtsstörung und Kompetenz am Fallbeispiel 'Tobias', München, GRIN Verlag GmbH
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