0. Vorbemerkungen
Seit über 30 Jahren kommt wasserundurchlässiger Beton (wu-Beton) ohne zusätzliche Dichtungsschichten zum Einsatz. So etwa bei Kellern, Tiefgaragen, Stützwänden, Trinkwasserbehältern, Kläranlagen, Schwimmbecken, Schutzräumen, Schleusen, Kanal- und Tunnelbauten. Wegen ihrer einfachen, weitgehend temperaturunabhängigen und kostengünstigeren Erstellung ist die „Weiße Wanne“ heute am Bau vorherrschend.
Bei der früher üblichen “Schwarzen Wanne“, die nachträglich mit Kunststoff-Beschichtungen oder Bitumenbahnen abgedichtet wird, spielt die Ankerdichtigkeit keine Rolle.
Für die Herstellung und Ausführung von wu-Beton gibt es eine Fülle ausführlicher und guter Literatur mit Hinweisen auf DIN-Vorschriften, Richtlinien hinsichtlich Bemessung, Rissebegrenzung, Dehnungs- und Dichtungsfugen usw. Auch Betonschäden und deren Sanierung finden umfangreiche Beachtung. Dagegen wird der Problembereich von wu-Schalungsankern in der Fachliteratur immer noch stiefmütterlich behandelt oder gar ignoriert. Was aber nützt ein perfekter wu-Beton, wenn Spannstellen undicht sind?
So beschreibt ein ansonsten gutes Fachbuch über Schalungstechnik 1) nur Normalanker, erwähnt solche für wu-Beton überhaupt nicht. Erfolgreiche Bücher über „Weiße Wannen“
2) u.3) zeigen mehr oder weniger kommentarlos einige Zeichnungen von wu-Spannankern
auf jeweils 11/2 Seiten, zum Teil mit „exotischen“ Ankerausführungen. In der neuen DIN 1045 ab 1.1.2005 gibt es zwar immer noch keine diesbezüglichen Norm-Vorschriften, sie enthält jedoch nunmehr normative Verweise, etwa auf die DBV-Merkblätter. 6)
Doppelwandige Fertigteile für „Dreifachbetonwände“, die heute häufig für Keller verwendet werden, haben diese Gefahrenstellen naturgemäß nicht; dafür zeigen sich hier nicht selten horizontale und/oder vertikale Fugen als Schwachstellen.
Nach wie vor findet dieser schadenanfällige Bereich bei Architekten, Bauingenieuren und Bauleitern zu wenig Beachtung. Über Bauschäden und deren Folgen aufgrund mangelhafter Planung, Ausschreibung und Ausführung erfährt man in der Fachliteratur so gut wie nichts. Allerdings mangelt es auch an Aufklärung durch die einschlägigen Hersteller.
1. Einbaufehler
1.1 Abdichten von Spannstellen im Trockenbereich
Schon bei der Planung und Ausschreibung wird selten bedacht, dass die Abdichtungstechniken für wu-Spannstellen ebenso in Normalgeschossen über dem Erdreich erforderlich werden können, nämlich bei:
1) Brandschutz (DIN 4102)
2) Schallschutz (DIN 4109) 3) Strahlenschutz (DIN 6812 / 54113) 4) Gasdichtigkeit 5) Einbruchsicherheit
Für 1) und 2) sind Faserzementrohre vorzuziehen, für
3) Vorschrift. Die Brandschutzklasse F90 verlangt min-
destens eine
4/5-Füllung.
Für den Schallschutz, etwa bei Kommune-, Treppenhaus- oder Aufzugswänden, ist ebenso zu verfahren, besser ist das volle Verschliessen. Für F90-Wände können auch wanddurchdringende Kunststoffrohre verwendet werden, sofern sie das
Prüfzeugnis einer MPA besitzen. Wanddicken ab 20-24 cm erreichen damit sogar F120. Bei Röntgenräumen in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Labors müssen Hüllrohre vollständig verfüllt werden. Dasselbe gilt für Tresore, Sicherheitstrakte, Reaktoranlagen oder Schutzräume. Kunststoffrohre und -stöpsel sind hier nicht zulässig.
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Das bloße Überputzen von Konenöffnungen ist bei solchen Bauteilen fahrlässig. Manche der ebenso problematischen wie kostspieligen Schallschutz-Gutachten und Mängelprozesse könnten allein mit dem Beachten dieser Hinweise vermieden werden, abgesehen von der aufwendigen, oft kaum mehr möglichen Mängelbeseitigung. Dann verbleibt nur noch der Preisabzug wegen Qualitätsminderung.
1.2 Abdichten von Spannstellen im Nassbereich
Obwohl es heute nicht mehr zur allgemeinen Praxis gehört, sei darauf hingewiesen, dass im Beton verbleibender Rödeldraht oder Flachstahl als Verspannung ausscheidet.
Grundsätzlich sollte man im Nassbereich mit möglichst wenig Spannstellen auskommen. Heutige Systemschalungen haben pro Geschosshöhe meist 2 Ankerstellen. Davon kann die obere möglicherweise außerhalb des Druckwasserbereiches liegen. Die geringe Zahl der Spannstellen erhöht jedoch auch den Zug auf die Spannstäbe, die deswegen stärkere Durchmesser besitzen als die früheren Spanndrähte. Das begünstigt die Nest-und Hohlraumbildung um die Hüllrohre.
Baustellenrealität 1: Mit Zementschlämme hinterlaufener Kunststoff-Konus in einer Keller-
Außenwand. Wegen des fast rund um das Hüllrohr entmischten Betons kann auch eine Quellmörtelabdichtung die Wasserumläufigkeit nicht mehr verhindern. Ferner dürfte die durchgehend entmischte Wand- Bodenfuge für Wassereintritt sorgen. Für den Fall, dass das nicht reicht, sind noch Holzstücke aus den Schalungsarbeiten in der Fuge belassen. Diese Kellerwand ist nicht einmal gegen Niederschlags- oder geringes Stauwasser dicht.
Baustellenrealität 2: Dichtstöpsel und Rillenkappen überwintern im Freien in einem Eimer,
gut durchmischt mit Nägeln und Schalungszubehör. Mehrmaliges Gefrieren und Wiederauftauen garantieren das Ansetzen von Rost, Verziehen und Verspröden der Kunststoffteile. (Fotos: Nehls).
1.2.1 Einbaufehler
Ungleiches Ablängen der Hüllrohre
Um Kosten zu sparen, werden Kunststoffrohre auf der Baustelle händisch ungleich oder nicht rechtwinklig von Meterware abgesägt. Bei ungenauen Bohrungen für Abstandhalter liegen auch rechtwinklig abgelängte Hüllrohre schräg in der Schalung. So entstehen Verkantungen und Öffnungen zwischen Schalhaut und Hüllrohr. Abgesehen von deren Beschädigung fließt Zementschlämme in das Hüllrohr, Dichtstopfen oder -kappen können bei oberflächlicher Reinigung nicht mehr passgenau eingeklebt werden. Fast unmöglich ist es dann, kalibrierte Zylinder in Faserzementrohre einzupassen. Auch um solche Nachlässigkeiten zusätzlich abzusichern, sollte man heute für die genannten Bereiche nicht mehr auf Konen verzichten.
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Biegen von Kunststoffrohren
Durch zu starkes Spannen und/oder ungleiches Ablängen werden Kunststoffrohre gebogen und schnellen besonders beim heute üblichen zu frühen Ausschalen im frischen Beton wieder zurück. Es bilden sich Hohlräume am Hüllrohr.
Wasserumläufigkeit
Der Verbund zwischen Hüllrohr und Beton kann beeinträchtigt werden durch nicht ausreichendes Nässen von Faserbetonrohren, ungenügendes oder einseitiges Rütteln oder Berühren des Hüllrohres mit dem Rüttler. Durch das Mitschwingen der Hüllrohre entsteht ein Feinmörtelgemisch mit entsprechenden Wasserabsonderungen.
Ovale Faserbetonrohr-Querschnitte, die Hersteller vor einigen Jahren gegen die Luft- und Wassersackbildung anboten, haben sich offenbar nicht bewährt. Sie verschwanden wieder vom Markt.
Fachleute sind sich heute noch nicht einig, ob der Beton-Verbund bei Faserbeton- oder (aufgerauten) Kunststoffrohren besser ist.
Einbau ohne Konen
Das sollte heute nicht mehr vorkommen, schon wegen des Schutzes befilmter Schalhäute und des Ausgleichs von ungenauen Hüllrohrlängen. Für schräge Wände oder Bauteile (Vouten) benötigt man für den Ausgleich ohnehin mindestens 3 cm tiefe Konen. Die Kosten für Konen liegen im Cent-Bereich. Zudem sind selbst Kunststoffkonen bei einigermaßen pfleglicher Handhabung mehrfach wiederverwendbar. Hier würde an der falschen Stelle gespart.
Auch in Prospekten werden Faserbetonrohre für den Wasserbereich mit dem Hinweis angeboten, dass man mit ihnen Konen einsparen könne. Selbst wenn in Benzin oder Klebemasse gestippte Kunststoff-Dichtstopfen oder -Verschlusskappen sorgfältig eingebracht werden, fehlt bei gewöhnlichen Hüllrohren (ohne Rillenkappen) der Schutz gegen Wasserumläufigkeit. Rohrverformungen, Zementschlämme und Baustellenstaub sind weitere Unsicherheitsfaktoren.
Zu kleine Konen
Entscheidend ist die Ausführung an der dem Wasser zugewandten Seite. Hier gilt, dass Beton wasserundurchlässig ist, wenn die Wassereindringtiefe 5 cm nicht überschreitet. Auf der dem Wasser abgewandten Seite reichen kleinere Konen aus.
Das Ziehen der Konen ist oftmals beschwerlich, besonders ohne Ziehgerät. Man lässt sie dann einfach im Beton und überputzt mit Normalmörtel. In allen Schutzbereichen eine folgenschwere Nachlässigkeit, die eine Schadensuche erschwert und später kaum zu beheben ist.
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Dipl. Werner Nehls, 2004, Wasserundurchlässige Schalungsanker, Munich, GRIN Publishing GmbH
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