Language awareness ist eine Form der Sprachbewusstheit, die dann zustande kommt, wenn die eigene Sprache, also die Muttersprache, durch den Kontrast zu einer anderen Sprache bewusst, verinnerlicht und erkannt wird. 1
Donmall (1985) betrachtete language a wareness als „Sensibilität gegenüber den Struktureigenheiten von Sprache und ihrer Funktion im menschlichen Zusammenleben.“ 2
Eric Hawkins stellte 1981 ein Konzept vor, welches er als Awareness of Language betitelte. Die schlechten Ergebnisse des Unterrichts in der Grundschule sollten durch einen Ergänzungskurs zu dem normalen Fremdsprachenunterricht verbessert werden. Dabei wurde darauf Wert gelegt, dass die Muttersprache verbessert wird und gleichzeitig ein effektiveres Fremdsprachenerlernen stattfindet. Ein sprachbewusster Mensch ist also in der Lage, die eigene Muttersprache genauestens zu analysieren und auszuleben und gleichzeitig lernt er eine, zwei oder gar noch mehr Fremdsprachen, was man in der Umgangssprache auch gern als Sprachbegabtheit bezeichnet.
Language awareness bezeichnet also die Sprachbewusstheit, die Sensibilität für verschiedene Sprachen und ihre Merkmale und Funktionen und gilt als ein didaktisches Konzept zur Erziehung zur Mehrsprachigkeit. 3
In unserer Hausarbeit möchten wir vorerst erklären, was language awareness für den Fremdsprachunterricht bedeutet, ob der Englischunterricht in den unteren Schulbereichen wirklich förderlich ist und welche Methoden und Techniken zu ihrer Vermittlung den Grundschullehrern zur Verfügung stehen.
2. Voraussetzungen/ Ziele der LA
Claus Gnutzmann setzt die generelle These, dass das durch die Muttersprache entwickelte Sprachbewusstsein förderlich für den Fremdsprachenunterricht ist und dass die Muttersprache zu Beginn des Fremdsprachenlernens beim Kind bereits vollständig
1 Schmid - Schönbein, Gisela: Didaktik Grundschulenglisch- Anglistik- Amerikanistik. Cornelsen Verlag, Berlin 2001, S. 55
2 ebenda, s. 56
3 http://www.learn -line.nrw.de/angebote/portfolio/info/seite_l.html
ausgeprägt ist. Die Fähigkeit des Beherrschens der Muttersprache ist also beim Fremdsprachlernprozess nicht mehr ausschließbar. 4
Wichtig für den Fremdsprachenerwerb ist also die kommunikative Kompetenz, zu welcher die schriftliche und die mündliche Kompetenz erforderlich ist. 5 Die Defizithypothese von Bernstein erklärte den Gebrauch der Standardsprache als eine „wesentliche Voraussetzung für den Erwerb von schulischen (inhaltlichen und formalen) Qualifikationen“ 6 und somit auch für den Erwerb von fremdsprachlichen Kenntnissen.
Hawkins schätzte die gegenwärtige Situation des schulischen Sprachenunterrichts negativ ein, was auf folgende Gründe zurückzuführen sein: 7
o mangelnder Zusammenhalt im Sprachenunterricht und dessen Inhalt, Lernziel und methodischer Vorgehensweise
o mangelnde Zusammenarbeit von Muttersprache und anderen Sprachunterrichten
o eurozentrische Orientierung in der Sprachenauswahl
o mehrheitliches Schulversagen durch mangelnde Kohärenz zwischen Mutter- und Fremdsprachenunterricht
o allgemeines Desinteresse an der eigenen und auch an der fremden Sprachebeispielsweise als Form der Kommunikation oder auch Kulturgut
Language awareness ist, wie schon erwähnt, die Fähigkeit der Beherrschung der eigenen Muttersprache und die Bereitschaft zum Lernen einer anderen, fremden Sprache. Ziel der LA ist es, mit Hilfe der Koppelung von Muttersprache und Fremdsprache den Schulstufenübergang zu überbrücken, die Neugier der Schüler für neue Fremdsprache zu wecken und verschiedene Sprachen und Kommunikationsformen in den Unterricht zu integrieren, um somit den Fremdsprachenunterricht und das Erlernen einer Fremdsprache zu erleichtern. 8
In England wurde der Faden der LA von Kingman und Cox durch das Konzept „Knowledge about language“ weitergesponnen, wobei hier vorrangig die durch den
4 Gnutzmann, Claus/ Königs, Frank G.: Perspektiven des Grammatikunterrichts. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1995, S. 267
5 Gnutzmann, Claus: Language awareness - Geschichte, Grundlage, Anwendungen. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 44 (3), S. 227-228
6 ebenda, S. 229
7 ebenda, S. 231
8 Gnutzmann, Claus: Language awareness - Geschichte, Grundlage, Anwendungen. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 44 (3), S. 231
Muttersprachunterricht zu entwickelnden Lese- und Schreibfähigkeiten gemeint waren, und es sich nur hintergründig mit dem Zweitsprachenunterricht beschäftigt. 9
2.1 Die fünf verschiedenen Domänen der Language awareness
2.1.1 Die affektive Domäne
Hier geht es darum, dass die Schüler lernen sollen, ihre Einstellungen und Gefühlsäußerungen zu sprachlichen Phänomenen zum Ausdruck zu bringen. So sollen Neugier und Interesse an der Sprache geweckt werden und es soll verstanden werden, dass „jedes sprachliche Verhalten eine bewusste oder unbewusste emotionale Reaktion des Rezipienten hervorruft.“ 10
Affektiv heißt also in diesem Sinne: es soll die emotionale Seite von Sprachenlernen erkundet und verstanden werden, um später mit den Gefühlen, die solches affektives Lernen mit sich bringt, umgehen zu können.
2.1.2 Die soziale Domäne
Sie ist quasi die Beziehung von Sprecher und Hörer und dem daraus folgenden Sprachverhalten. Außerdem resultiert sie aus den Zusammenhänge n von der Art des Sprachgebrauchs, von der sozialen Schichtzugehörigkeit, von der Sprache des anderen und nicht zuletzt auch aus dem Geschlecht der Interaktionspartner. 11 Die soziale Seite von language awareness drückt sich auch durch die gesellschaftliche Akzeptanz einzelner Sprachvarianten aus.
Durch die verstärkten Migrationen in den letzten Jahren hat sie zunehmend an Bedeutung gewonnen und ist mit Hilfe von sogenannten multicultural classrooms 12 zu einem zentralen Punkt im Lernen mit verschiedenen Kulturen geworden. Das wichtigste an der sozialen Domäne von LA ist also, das Gegenüber mit seinen sprachlichen und sozialen Fähigkeiten zu tolerieren und zu akzeptieren, um so die unterschiedlichen
9 ebenda, S. 231
10 Gnutzmann, Claus: Language awareness - Geschichte, Grundlage, Anwendungen. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 44 (3), S. 232
11 Gnutzmann, Claus: Language awareness - Geschichte, Grundlage, Anwendungen. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 44 (3), S. 233
12 Gnutzmann, Claus: Language awareness - Geschichte, Grundlage, Anwendungen. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 44 (3), S. 233
Nationalitäten in ihrem Sprachlernbewusstsein und ihren Möglichkeiten, Fremdsprachen überhaupt zu erlernen, zu unterstützen. Es fördert die Persönlichkeitsentwicklung des einzelnen und steht somit eng im Zusammenhang mit der affektiven, also der emotionalen Seite der Sprachlernbewusstheit. Durch die soziale Seite der Sprachlernbewusstheit lassen sich somit die verschiedensten sozialen Interaktionsformen zwischen Hörer und Sprecher herausfiltern und analysieren.
2.1.3 Die politische Domäne
Diese Seite beschäftigt sich vor allem mit dem kritischen Umgang von Texten und Schriften - sie soll den Lernenden zu einem kritisch denkenden Wesen erziehen und die Beziehung von Sprache und Herrschaft verdeutlichen. Der Lernende soll besonders auf „das Manipulationspotenzial von Sprache“ 13 sensibilisiert werden, denn in vielen politischen (auch in vielen nicht- politischen) Texten wird versucht, die Leser zu beeinflussen und zu verführen und genau das soll erkannt und kritisch beäugt werden.
2.1.4 Die kognitive Domäne
Sie bezieht sich auf die meinungsbildende Absicht der language awareness. Durch die kognitiven Prozesse erlangt das Individuum/ der Lernende Kenntnisse von den Gegenständen seiner Umwelt, wozu natürlich auch die Sprache gehört. Gnutzmann beschreibt diesen Vorgang als die „geistige Durchdringung des Systems Sprache“ 14 und das meint wiederum „das Erkennen von sprachlichen Einheiten, von Kontrasten und Regularitäten auf den verschiedensten sprachlichen Ebenen“, wobei hier deren Funktionen und Verwendungen eingeschlossen sind. 15 Durch das Bewusstwerden von sprachlichen Regeln ist der Schüler in der Lage, auch Abweichungen und sprachliche Phänomene zu erkennen, also beispielsweise die einzelnen Dialekte und ihre schriftlichen Abweichungen von der eigentlichen Rechtschreibung und auch bei der sprachlichen Abweichung im Unterschied zu ihrer eigentlichen Korrektheit.
13 ebenda, S. 234
14 ebenda, S. 234
15 ebenda, S. 234
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Diane Schmidt, 2003, Language awareness, Munich, GRIN Publishing GmbH
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