Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Biographisches Lernen 4
2.1 Theologisches Interesse an Biographien 4
2.2 Religionslehrer als Anwalt des Subjekt- Werden- Könnens 5
2.3 Empirische Studien in der Schule 6
2.4 Lernen an der eigenen Biographie 9
3. Gott verstehen lernen in der eigenen Geschichte 11
4. Die Umsetzung des Themas im Religionsunterricht 12
4.1 Das Konzept des Religionsunterrichts 14
4.2 Der Gottesbegriff in den Religionsbüchern 14
5. Fazit 18
6. Literaturverzeichnis 19
7. Anlagen
II
1. Einleitung:
Woher komme ich? Wo will ich hin? Was werde ich in 10 Jahren machen? Fragen, die uns im Laufe des Jahres beschäftigen. Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte, eine eigene Biographie. Auch vor Gott. Die christliche Religion ist biographiebezogen. 1 Heute gibt es kaum mehr Biographiemuster,
an denen sich Heranwachsende orientieren können. In der Bibel jedoch finden sich zahlreiche Erzählungen, die von der Lebensgeschichte einzelner Menschen in ihrer Beziehung zu Gott berichten. Die Beschäftigung mit der Bibel ist eine Beschäftigung mit Biographien. 2 Schüler erfahren, wie Menschen ihr Leben deuten und sich zu Gott wenden in Bitte, Klage und Dank.
Beispiel: Bekehrungserlebnisse vom „ Saulus zum Paulus“, Wendepunkte im Leben wie bei Augustinus und Franziskus.
Gott verstehen lernen in der eigenen Geschichte. Dieses Thema ist vor allem eine Herausforderung an die Lehrer. Schließlich müssen sie das, was sie zu lehren haben, auch vertreten. 3 Sie stehen für das ein, was sie im Unterricht vermitteln. Die Hausarbeit setzt sich mit dieser Schwierigkeit auseinander: Teil 1 beschäftigt sich mit dem Begriff „ Biographisches Lernen“ und wie dieser Lerninhalt sinnvoll angewendet werden sollte. Teil 2 konzentriert sich auf den didaktischen Aspekt: Wie wird das Thema in den verschiedenen Religionsbüchern behandelt? Im Fazit werden dann meine Ergebnisse zusammengefaßt.
1 Ziebertz, Hans- Georg: Biographisches Lernen. In: Peter Biehl: Erfahrung, Glaube und Bildung: Studien zu einer erfahrungsbezogenen Religionspädagogik. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1991. S. 349.
2 Ebd. S. 350
3 Die bildende Kraft des Religionsunterrichts. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichts. Bonn 1996 S. 50-51
1
2. Biographisches Lernen
2.1 Theologisches Interesse an Biographien
Nach christlicher Vorstellung ist Gott an jedem Menschen persönlich interessiert. 4 Deshalb muss der Religionsunterricht der persönlichen Biographie mit Wertschä tzung und Respekt begegnen. Biographisches Lernen im Unterricht beinhaltet neben dem Lernen an heiligen Biographien ebenso die Arbeit an der eigenen Biographie. Dort wo durch Mithilfe des Religionsunterrichts das Leben gestützt, gefördert und auf Zukunft ausgerichtet wird, nimmt der Unterricht auch eine diakonische Funktion wahr. Zudem eröffnet der Religionsunterricht Lebenszuversicht aus dem christlichen Glauben.
Schüler sind Empfänger eines Wissens, das sie sich aneignen und an dem sie ihr Leben bewerkstelligen sollen. Die christliche Überlieferung kommt als Anregung daher und eröffnet neue Perspektiven. Gerade in der heutigen Zeit können sich die Schüler kaum mehr an anderen Biographien orientieren. Ulrich Beck hat sich mit diesem neuzeitige Problem in seinem Buch „ Risikogesellschaft“ auseinandergesetzt. 5 Laut des Verfassers Ulrich Beck, gibt es für den Einzelnen einen „Freiheitszuwachs.“ 6 Auf der anderen Seite sind aber auch die Gefahren des Scheitern gestiegen. Der Mangel an Arbeitsplätzen und die unbestimmte Zukunft, sind Themen mit denen sich schon junge Menschen auseinandersetzen müssen. Die zeitgenössische Biographie wird zu einem „ offenen Curriculum “. Hier kann die offiziell dogmatisch fixierte Lehre entgegenwirken. Die Bibel enthält ein „ reichhaltiges Lebenswissen“. 7 In der Tradition des Alten Testaments steht die Frage der Gerechtigkeit im Zentrum des Interesses. Die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich, sind
4 Ziebertz, Hans- Georg: Biographisches Lernen. In: Peter Biehl: Erfahrung, Glaube und Bildung: Studien zu einer erfahrungsbezogenen Religionspädagogik. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1991. S. 350.
5 Ebd. S. 350
6 Ebd. S. 351
7 Ebd. S. 355
2
Themen des Neuen Testaments. Aus der Bibel kann kein „ Modell von damals“ auf den „ Kontext von heute“ bezogen werden. Aber sie enthält Prinzipien, an denen sich Schüler orientieren können. Die christliche Tradition hat eine stimulierende, kritisierende und korrigierende Funktion (Auer) 8 .
Sie kann
v
stimulieren, die Potentiale des nicht gelebten Lebens von der
2.2 Religionslehrer als Anwalt des Subjekt- Werden-Könnens
Religionspädagogen haben die Aufgaben die christliche Tradition als „ Anwalt“ des verletzbaren individuellen Lebens zu aktualisieren (Luther 1992). 9 Schüler sind Handelnde die Leben und Kontext deuten, entwerfen und gesta lten. Gegenüber der Zerrissenheit des Lebens hält die christliche Botschaft Zuspruch und Trost bereit, gegenüber der Beschränkung kann sie Protest legitimieren und gegenüber der Apathie Widerstand aktivieren. Es geht nicht um eine Vertröstung auf eine zukünftige bessere Welt, sondern durch den christlichen Zuspruch die Welt anders zu sehen. Und wer die Welt anders sieht, erblickt neue Handlungsmöglichkeiten. Der eigene Glauben hat selbst eine Geschichte. Religiöses Lernen ist als „lebenslanges“ Lernen ein andauernder Prozess des Christ-Werdens. 10 Gott ist Ausdruck einer Option. Der Option für das „Subjekt- sein-können bzw. Subjekt- werden- müssen“ aller Menschen. Da
8 Ziebertz, Hans- Georg: Biographisches Lernen. In: Peter Biehl: Erfahrung, Glaube und Bildung: Studien zu einer erfahrungsbezogenen Religionspädagogik. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1991. S. 355.
9 Ebd. S. 355
10 Ebd. S. 356
3
Religionslehrer die Anwaltschaft für diesen Prozeß übernehmen, dürfen sie den Biographien der Schüler nicht teilnahmslos gegenübertreten. Sie müssen sensibel sein für die persönlichen und sozialen Faktoren, die die Lebensläufe beeinflussen. Lehrer müssen Möglichkeiten der Förderung jugendlicher Biographien erkennen können und gegenüber der Gefahr der Einschränkung und Behinderung von Lebensmöglichkeiten wachsam sein.
2.3 Empirische Studien in der Schule
Die Praxis der Anwaltschaft der Lehrer zeigt sich in der Schule. In der Lehrer- Schüler- Interaktion, bei der Erarbeitung von Zielen und in der Präsentation von Inhalten, bei der Gott als Möglichkeit für das „ Subjekt-Werden- Dürfen“ kennengelernt wird. 11
Helsper und Bertram (1999) führten eine Reihe von empirischen Studien durch, bei der diese Biographieentwicklung im Vordergrund stand. Sie fanden heraus, dass die Schüler die Schule als heteronomen Bildungsraum wahrnehmen. Die Schule gilt als „ Selektionsinstitut für die spätere Karriere“. Eine höhere Schulform ermöglicht später bessere berufliche Aussichten. Die Schule ist zwar keine „ totale Institution“ 12 ,aber sie beherrscht die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in hohem Maße. Biographieverläufe sind von den Maßgaben involviert, die von der Schule vorgegeben werden.
Im Fokus des Interesses, steht die Schule selbst bzw. die Interaktion zwischen Schülern und Schule. Die Schule erscheint im Vergleich zu anderen Bildungsräumen oft in negativem Licht. Helsper und Bertram fanden durch Befragungen heraus, dass sich Schüler, nach Beendigung der Schulzeit, negative Erfahrungen persönlich zuschreiben und oft noch lange danach diese Phase ihrer Biographie nicht „ abgeschlossen“ haben. In der
11 Ziebertz, Hans- Georg: Biographisches Lernen. In: Peter Biehl: Erfahrung, Glaube und Bildung: Studien zu einer erfahrungsbezogenen Religionspädagogik. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1991. S. 357.
12 Ebd. S. 357
4
Arbeit zitieren:
Nanna Dresbach, 2004, Gott verstehen lernen in der eigenen Geschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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