4.3 DISKUSSION DER ANWENDUNG VON EXPLIKATIONSTECHNIKEN 24
4.4 METHODISCHE AUSWERTUNG DES HAUPTINTERVIEWS 27
4.4.1 Untersuchungsziel und Verwendungszweck 27
4.4.2 Grundgesamtheit und Stichprobe 27
4.4.3 Leitfaden 27
4.4.4 Durchführung und Auswertung des Probeinterviews 28
4.4.5 Durchführung des Hauptinterviews 28
4.4.6 Anwendung von Explikationstechniken 29
5 PERSÖNLICHES FAZIT 29
6 LITERATURVERZEICHNIS 31
7 ANHANG 32
3
1 Einleitung
Im Sommersemester 2004 belegte ich das Seminar „Projekt Qualitatives Interview“. Der Inhalt des Seminars ist nicht nur für die Vordiplomsprüfungen relevant, sondern ist darüber hinaus sehr wichtig für den Beruf eines Diplom-Pädagogen bzw. einer Diplom-Pädagogin und somit auch sicherlich für meinen eigenen beruflichen Werdegang von Bedeutung.
1.1 Ziel der Hausarbeit
Das Ziel dieser Hausarbeit ist die Dokumentation der theoretischen Grundlagen der empirischen Sozialforschung sowie die Dokumentation des eigenen
Interviewverfahrens, sprich der Planung, der Durchführung und Auswertung eines qualitativen Interviews. Es sollen des Weiteren die persönlichen Erfahrungen bei der Erprobung einer wissenschaftlichen Befragung in Form von ständiger Reflexion festgehalten werden.
1.2 Gliederung der Hausarbeit
Ich werde im zweiten Kapitel mit einem kurzen Überblick über die Grundlagen der qualitativen Sozialforschung beginnen und den Schwerpunkt auf die theoretische Darstellung des Leitfadeninterviews legen.
Im dritten Kapitel soll der Prozess der Entwicklung des eigenen Interviewverfahrens dokumentiert werden. Dazu gehört die Diskussion und Auseinandersetzung mit folgenden Punkten:
Planung des eigenen Verfahrens ( Untersuchungsziel, Verwendungszweck § etc.)
Durchführung eines Probeinterviews §
Methodische Auswertung des Probeinterviews §
Festlegung des endgültigen Interviewverfahrens §
4
Im vierten Kapitel werde ich die Durchführung des Hauptinterviews beschreiben und die Transkription dokumentieren. Danach folgen die Analyse des eigenen Verfahrens und die kritische Betrachtung der durchlaufenen Arbeitsschritte von der Planung bis zur Durchführung des Hauptinterviews mit Schwerpunkt auf die Stärken und Schwächen.
Im letzten Kapitel folgt eine Reflexion hinsichtlich meiner persönlichen Erfahrungen bei der Entwicklung des eigenen Interviewverfahrens, der Durchführung meines Interviews und der Arbeit in meiner Projektgruppe.
2 Empirische Sozialforschung
„Unter empirischer Sozialforschung versteht man die Erhebung und Interpretation von Daten über soziale Tatbestände. Diese erfolgt systematisch an Methoden der empirischen Sozialforschung orientiert […].“ 1 Systematisch heißt hier, dass der Forschende nach bestimmten Regeln und Schritten vorgehen muss. Empirisch bedeutet, dass wir unsere Umwelt durch Sinnesorgane wahrnehmen. So beschäftigt sich die Empirische Sozialforschung mit folgenden sozialen Tatbeständen:
Beobachtbares menschliches Verhalten §
Von Menschen geschaffene Gegenstände §
Von Sprache vermittelte Erfahrungen, Meinungen und Einstellungen §
Die Erhebung von Daten kann mittels qualitativer oder quantitativer Methoden erfolgen bzw. durchgeführt werden. Hierbei gibt es folgende Möglichkeiten: 2
Wissenschaftliche Beobachtung §
Wissenschaftliche Befragung §
Wissenschaftliche Inhaltsanalyse §
Wissenschaftliches Experiment §
1 http:/de.wikipedia.org/wiki/Emprische_Sozialforschung
2 Vgl. http:/de.wikipedia.org/wiki/Emprische_Sozialforschung
5
Im Weiteren Verlauf möchte ich auf die quantitative und qualitative Sozialforschung genauer eingehen.
2.1 Quantitative Sozialforschung
Bei der quantitativen Sozialforschung geht es um Prüfung von vorher festgelegten Hypothesen. Sie dient der Erklärung von Tatbeständen und bedient sich standardisierter Methoden. Bei den Untersuchungen werden sowohl die Einflüsse, die vom Untersuchten ausgehen, als auch die subjektive Meinung des Forschenden so weit es geht ausgeschlossen. Ein Beispiel dafür wäre der Fragebogen, der nur geschlossene Fragen enthält und oft auch Antwortmöglichkeiten vorgibt. Bei dieser Vorgehensweise gestaltet sich die Auswertung der Ergebnisse einfacher. Quantitative Forschung zielt auf statistische Repräsentativität und beschäftigt sich weniger mit Alltagsproblemen - ganz anders wie die qualitative Sozialforschung. 3
2.2 Qualitative Sozialforschung
Charakteristisch für die qualitative Sozialforschung ist das Verhältnis zwischen der Theorie und der sozialen Realität. „Qualitative Sozialforschung übernimmt […] eine wichtige theoriegenerierende Funktion und lässt sich von der Praxis der Lebenswelt anleiten“ 4
Das heißt, dass alltagsweltliches und wissenschaftliches Denken ineinander greifen. Generell geht es bei der qualitativen Sozialforschung um Verstehensprozesse. Dabei sind Forschungsprozesse flexibel gestaltet und bedürfen einer ständigen Reflexion. In der Qualitativen Sozialforschung spricht man auch oft von den fünf Postulaten bzw. Grundsätzen, die das Grundgerüst des qualitativen Denkens bilden. Hierzu führt Mayring folgendes genauer aus (2002, S.20 ff):
3 Vgl. FLICK S. 13 ff
4 FROSCHAUER 1998 , 15
6
Postulat 1:
„Gegenstand humanwissenschaftlicher Forschung sind immer Menschen, Subjekte. Die von der Forschungsfrage betroffenen Subjekte müssen Ausgangspunkt und Ziel der Untersuchung sein.“
Das heißt also, dass immer der Mensch und dessen Handeln der Ausgangspunkt für die qualitative Forschung ist.
Postulat 2:
„Am Anfang jeder Analyse muss eine genaue und umfassende Beschreibung (Deskription) des Gegenstandbereiches stehen.“
Es soll dem nach festgehalten werden, womit der Forschende sich beschäftigt.
Postulat 3:
„Der Untersuchungsgegenstand der Humanwissenschaft liegt nie völlig offen, er muss immer auch durch Interpretation erschlossen werden.“ In der qualitativen Forschung geht man davon aus, dass menschliches Handeln eine Bedeutung besitzt. Jeder Mensch deutet menschliche Handlungen oder bestimmte Begriffe anders, deshalb müssen diese Bedeutungen erst durch Interpretation erschlossen werden. Das heißt der Forschende muss die Bedeutung genau festlegen.
Postulat 4:
„Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer möglichst in ihrem natürlichen, alltäglichen Umfeld untersucht werden.“ Das Verhalten des Menschen ist stark situationsabhängig. Indem man den Menschen in seinem natürlichen Umfeld untersucht, versucht man die Daten möglichst unverzerrt zu erfassen. Des Weiteren sind es schließlich die Alltagssituationen, auf die hin die Forschungsergebnisse verallgemeinert werden sollen.
Postulat 5:
„Die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse humanwissenschaftlicher Forschung stellt sich nicht automatisch über bestimmte Verfahren her; sie muss im Einzelfall schrittweise begründet werden.“
7
Das heißt also, dass der Forschende die Verallgemeinerbarkeit seiner Forschungsergebnisse im spezifischen Fall begründen muss. Er muss anführen für welche Situation die Ergebnisse gelten und warum sie auch für andere Situationen gelten.
Diese fünf Postulate sollen das qualitative Denken im Forschungsprozess verstärken und zu weniger verzerrten Ergebnissen führen. Daher sind die Postulate auch für die Entwicklung des eigenen Interviewverfahrens relevant. 5 Im Folgenden möchte ich mich mit der wissenschaftlichen Befragung befassen, genauer gesagt mit dem qualitativen Interview.
2.3 Das qualitative Interview
„Ausgangspunkt der qualitativen Sozialforschung […] ist die These, dass menschliches Handeln eine Bedeutung besitzt. Zielsetzung ist es, diese Bedeutung zu erfassen.“ 6 Eine der klassischen Methoden ist das qualitative Interview.
2.3.1 Definition und Ziele qualitativer Interviews
Grundsätzlich ist das Interview keine Alltagssituation, sondern „eine Gesprächssituation, die bewusst und gezielt von den Beteiligten hergestellt wird, damit der eine Fragen stellt, die vom anderen beantwortet werden“ 7 . Die Rollen sind festgelegt und der Befragte erhält die Gelegenheit beispielsweise seine Erfahrungen zu berichten. Der Interviewer erfährt somit wie die befragte Person im Forschungsfeld sich selbst und ihre Umwelt erlebt und in Folge dessen ihr Handeln gestaltet. 8 Wie schon in Punkt 2.3 erwähnt ist das Ziel des qualitativen Interviews die Bedeutung des menschlichen Handelns zu erfassen. Das Interview soll die
5 Vgl. MAYRING 2002 S.19
6 KÖNIG 2004, 69
7 LAMNEK 1995, 35 f
8 Vgl. FRIEBERTSHÄUSER 2003 S.374
8
Sichtweise des Interviewten zu einem bestimmten Themenkomplex möglichst unverzerrt erfassen. 9
2.3.2 Form qualitativer Interviews
Es gibt viele verschiedene Arten von qualitativen Interviews, wie z.B. das narrative Interview, das problemzentrierte Interview, das fokussierte Interview etc. Bei dem narrativen Interview werden überwiegend Erzähltexte vom Befragten erwartet während das fokussierte Interview durch einen Leitfaden strukturiert wird. Die einzelnen Interviewformen unterscheiden sich in einigen Punkten, wie z.B. in der Offenheit oder in der Anzahl der Fragen. Doch sie alle verfolgen das gleiche Ziel , nämlich die Erfassung der Bedeutung des menschlichen Handelns. 10 In meinen folgenden Ausführungen möchte ich meinen Schwerpunkt auf das Leitfadeninterview legen und dieses genauer erläutern.
2.3.3 Das Leitfadeninterview
„Das zentrale Charakteristikum von Leitfaden-Interviews besteht darin, dass vor dem Interview ein Leitfaden mit vorformulierten Fragen oder Themen erarbeitet wird. Dadurch grenzen die Forschenden die Interviewtechnik ein und geben einzelne Themenkomplexe bereits vor.“ 11
Leitfadeninterviews dienen meistens der Sammlung von Daten und Informationen zu einem bestimmten Themenkomplex. Die Ergebnisse einzelner Interviews werden am Ende verglichen. 12
9 Vgl. KÖNIG 2004, S. 86
10 Vgl. LAMNEK 1995 S.68 f
11 FRIEBERTSHÄUSER 2003, 371
12 Vgl. FRIEBERTSHÄUSER 2003 S. 372
9
Arbeit zitieren:
Anna-Maria Skora, 2004, Das Qualitative Interview, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Marktforschung, strategisches ...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Hausarbeit, 21 Seiten
Leitfaden- und Tiefeninterviews
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 15 Seiten
Experten-Interviews in der politikwissenschaftlichen Forschung - Theor...
Hausarbeit, 16 Seiten
Die "didaktische Wende"- Kurt Gerhard Fischers Ideengut und ...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 20 Seiten
Kosten-/Nutzen-Vergleich für Kundenkarten im Handel
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 19 Seiten
Vor - und Nachteile des informellen Sektors für die regionale Entwickl...
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Seminararbeit, 18 Seiten
Wissensmanagement in Organisationen - Ein (erwachsenen-)pädagogisches ...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Studienarbeit, 30 Seiten
Schüler- und Bildungsberater - Qualifizierung und Aufgaben
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Seminararbeit, 26 Seiten
Phänomenologie des Spiels - Welche Wirkung hat das Spiel auf die kindl...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Seminararbeit, 24 Seiten
Das narrative und problemzentrierte Interview: Eine Gegenüberstellung
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 16 Seiten
Interdisziplinäre Untersuchung...
Diplomarbeit, 187 Seiten
Anna-Maria Skora hat den Text Das Qualitative Interview veröffentlicht
Anna-Maria Skora hat einen neuen Text hochgeladen
Learning from Strangers: The Art and Method of Qualitative Interview S...
Robert Stuart Weiss
Zur Praxis interpretativer Ana...
Ulrike Froschauer, Manfred Lueger
Doing Qualitative Research Differently: Free Association, Narrative an...
Wendy Hollway, Tony Jefferson
0 Kommentare