Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Menschliche Kommunikation 4
2.1 Definition von Kommunikation 4
2.2 Einfaches Kommunikationsmodell 7
2.3 Der Kommunikationskode 8
2.4 Kommunikationsmodell nach Bühler 10
3 Theoretische Grundlagen der Zeichentheorie 12
3.1 Semiotik 12
3.2 Der Zeichenbegriff 13
3.3 Das semiotische Dreieck 15
3.4 Die Semiose Die drei Dimensionen des Zeichens 16
3.5 Typologie der Zeichen 18
3.6 Arbitrarität und Konventionalität 21
4 Theoretische Grundlagen der Körpersprache 25
4.1 Körpersprache und nonverbale Kommunikation 27
4.2 Die Elemente der Körpersprache 29
4.2.1 Gestik 29
4.2.2 Mimik 30
4.2.3 Blickkommunikation 34
4.2.4 Taktile Kommunikation 38
4.2.5 Proxemik 41
4.2.6 Chronemik 43
4.3 Allgemeine Ansätze zur nonverbalen Kommunikation 46
4.3.1 Der kinesische Ansatz nach Birdwhistell 47
4.3.2 Der klassifizierende Ansatz nach Ekman und Friesen 49
4.4 Die drei wichtigen Verwendungsbereiche von Körpersprache 51
4.4.1 Mitteilung von Gefühlen 51
4.4.2 Äußerung von interpersonalen Einstellungen 52
4.4.3 Mitteilungen über die Persönlichkeit 53
5 Zusammenspiel von verbaler und nonverbaler Kommunikation 57
5.1 Gestik in der Rede 59
5.2 Typologie von Gesten 61
5.2.1 Sprachunabhängige Gesten 61
5.2.2 Sprachabhängige Gesten 62
5.3 Die Hände als Mittel zur Darstellung 64
5.4 Körpersprache als entscheidendes Moment in der verbalen Sprache 67
6 Schlussbetrachtung: Zeichencharakter nonverbaler Kommunikation 70
6.1 Der nonverbale Zeichenbegriff und seine Typologie 70
6.2 Die drei Dimensionen nonverbaler Kommunikation 72
6.3 Arbitrarität und Konventionalität von nonverbalen Zeichen 73
6.4 Körper Zeichen Sprache 75
7 Abbildungsverzeichnis 77
8 Literaturverzeichnis 78
1 Einleitung 1
1 Einleitung
Der Mensch ist ein sozial geprägtes Wesen und sein Leben wird von Geburt an durch Kommunikation bestimmt 1 . Kommunikation besitzt daher einen wichtigen Stellenwert im menschlichen Leben. Die zwischenmenschliche Kommunikation besteht jedoch nicht nur aus verbalen Botschaften, sondern auch aus einer Reihe von nonverbalen Signalen. Wenn Menschen sich miteinander unterhalten, bedienen sie sich ihrer Körpersprache 2 , die wie automatisch in die Konversation mit einfließt und dem Bereich des Bewussten meist verborgen bleibt. Wie in dieser Arbeit herausgestellt wird, besteht zwischen der verbalen Sprache und der Körpersprache eine Verbindung. Die beiden Bereich befinden sich in einem Zusammenspiel. Die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten können der verbalen Sprache Nachdruck verleihen, sie modifizieren oder sie auch völlig ersetzen. Aus diesem Grund ist es auch notwendig, wenn man sich mit der Untersuchung von verbaler Kommunikation beschäftigt, auch den Bereich des Nonverbalen hinzuzuziehen. Dieser Erkenntnis versperren sich jedoch die meisten Wissenschaften, die sich nicht explizit mit dem Thema Körpersprache beschäftigen 3 . Wie sich zeigen wird, ist gerade die Analyse von Körpersprache in ihrer Verknüpfung zur verbalen Kommunikation sinnvoll.
Anders als in den Wissenschaften steht die Körpersprache heutzutage im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses: „... es ist modern geworden, sich mit Körpersprache zu beschäftigen.“ (Argyle 1985, S. 21) Das Interesse der Menschen ihre eigenen nonverbalen Fähigkeiten zu entdecken und zu beherrschen ist groß. Daher ist das Thema Körpersprache und ihre Bedeutung in der zwischenmenschlichen
Nach der Geburt eines Kindes ist die Mutter-Kind-Beziehung die erste körpersprachliche 1 Verbindung (vgl. Gibson, Ingold 1993, S. 11).
Die Begriffe Körpersprache und nonverbale Kommunikation werden in Kapitel 4.1 näher erläutert. 2 Ein Grund für die Vernachlässigung des Themas Körpersprache ist die vorherrschende Auffassung 3 von der Trennung Ratio und Emotio. Aufgrund der Annahme bezüglich einer Zweiteilung in höhere und niedere Gehirnfunktionen wird die Ratio, die in den höheren Gehirnfunktion lokalisisert wurde, mit der verbalen Sprache gleichgesetzt. Die Emotio, die den niederen Gehirnfunktion zugeordnet wurde, entspricht der Körpersprache (vgl. Kühn 1999, S. 54).
1 Einleitung 2
Kommunikation auch den Medien nicht verschlossen geblieben und sie präsentieren es ihren Konsumenten als den geheimnisvollen Bestandteil der zwischenmenschlichen Kommunikation, den es zu entschlüsseln gilt.
Menschen benutzen die Sprache ihres Körpers fortwährend. Selbst während eines Telefongespräches bei dem der Gesprächspartner nicht sichtbar ist, wird die Körpersprache eingesetzt. Wenn man sich die Aufgabe stellen würde, den Kontakt zu einem anderen Menschen bewusst zu vermeiden, würde es nicht gelingen, keinen Eindruck zu hinterlassen 4 . Verantwortlich dafür sind die verschiedenen nonverbalen Elemente, wie Gestik, Mimik, Blickkommunikation, taktile Kommunikation, Proxemik und Chronemik, die dazu beitragen, dass Menschen beurteilt werden. Die Art ihrer körpersprachlichen Erscheinung lässt Rückschlüsse auf mögliche Einstellungen oder Absichten des Gegenüber zu. Diese Interpretation erfolgt jedoch zum größten Teil unbewusst. Eine verschränkte Armhaltung, das Meiden eines Blickkontaktes oder auch eine Berührung des Gesprächspartners sind nonverbale Signale 5 , die durch den Empfänger automatisch mit einer Bedeutung belegt werden. Ein bewusstes Nachdenken über die Körpersprache ereignet sich erst, wenn sie dem Kode widerspricht. Es zeigt sich in dieser Arbeit, dass der Kommunikationskode kulturell determiniert ist und in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine wichtige Rolle erfüllt, denn er bestimmt das Repertoire an verbalen wie auch nonverbalen Kommunikationsmitteln, die zur Kommunikation benutzt werden und ohne eine kulturelle Übereinkunft nicht zu verstehen sind.
Die verbale Sprache besteht aus einem System von kleineren Einheiten 6 . Die Zei-chentheorie hat es sich zur Aufgabe gemacht die verbale Sprache und ihre Zeichen zu untersuchen. Im Bezug auf die nonverbale Kommunikation stellt sich die Frage, ob nonverbale Signale auch im Sinne der Zeichentheorie als Zeichen zu sehen sind
Watzlawick geht davon aus, dass es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren. Selbst Schweigen ist 4
ein Akt der Kommunikation (vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 1996, S. 51).
Der Terminus des nonverbalen Signals wird in dieser Arbeit für jegliche körpersprachliche Äußerung 5
verwendet werden.
Die kleineren Einheiten in der verbalen Sprache sind zum Beispiel Sätze, Wörter oder Buchstaben. 6
Die nonverbale Kommunikation lässt sich zwar auch in ihre einzelne körpersprachliche Elemente
einteilen, jedoch ist die verbalen Sprache viel komplexer strukturiert.
1 Einleitung 3
und inwieweit verbale Zeichen und nonverbale Signale miteinander in Beziehung stehen? Um diese Fragen zu klären ist es notwendig in Kapitel 2 die zwischenmenschliche Kommunikation in ihren Grundzügen darzustellen, um einen geeigneten Hintergrund zu erhalten. Anschließend werden in Kapitel 3 dieser Arbeit grundlegende Elemente der Zeichentheorie erläutert, um später einen Maßstab zu bekommen, mit dem der Zeichencharakter in der nonverbaler Kommunikation ermittelt werden kann. Um zeichentheoretische Aspekte in der Körpersprache ausmachen zu können, muss deshalb auch auf die einzelnen Elemente der Körpersprache, sowie auf Theorien nonverbaler Kommunikation und ihrer Verwendungsbereiche, eingegangen werden. Damit beschäftigt sich Kapitel 4. Anschließend wird in Kapitel 5 am Beispiel der Gestenverwendung dargestellt, inwieweit verbale und nonverbale Kommunikation miteinander in Beziehung stehen. Am Ende dieser Arbeit werden die erläuterten Aspekte der Körpersprache und der Zeichentheorie in Kapitel 6 mitein-ander verglichen, um den Zeichencharakter nonverbaler Kommunikation ermitteln zu können.
2 Menschliche Kommunikation 4
2 Menschliche Kommunikation
In diesem Kapitel geht es um Kommunikation im Allgemeinen. Was versteht man unter Kommunikation? Wie verläuft der Kommunikationsvorgang? Folgt er bestimmten Regeln? Die Beantwortung dieser Fragen soll im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen.
2.1 Definition von Kommunikation
Bevor jedoch einzelne Aspekte der menschlichen Kommunikation betrachtet werden können, muss geklärt sein, was genau unter Kommunikation verstanden wird. Kommunikation ist eine allgemeine Sammelbezeichnung für alle Vorgänge, in denen eine bestimmte Information gesendet und empfangen wird. Der Informationsaustausch erfolgt durch den Ausdruck und die Wahrnehmung von Zeichen 7 aller Art. Diese Zeichen können systematisch einer:
• biophysischen Ebene 8 ,
• motorischen Ebene,
• lautlichen Ebene
• und einer technischen Ebene 9 zugeordnet werden (vgl. Brockhaus Enzyklopädie 1990, S. 211).
Der Mensch muss in jeder Situationen, in der er sich befindet in irgendeiner Art und Weise kommunizieren. Denn alle real existierenden Körper befinden sich in Interaktion miteinander, da es nicht möglich ist, nicht mit seiner Umwelt in einer Wechselbeziehung zu stehen (vgl. Müller 1990, S. 180). Der Mensch befindet sich demnach in einem immer währenden Kommunikationsaustausch, da er auch durch
In diesem Kapitel über die menschliche Kommunikation kann der Begriff des Zeichens auch auf den 7
Bereich des Nonverbalen bezogen werden.
Unter Zeichen auf biophysischer Ebene werden körperliche Berührungen und Affekte wie Lachen 8
und Weinen verstanden.
Die technische Ebene bezieht sich an dieser Stelle zum Beispiel auf die Medien. 9
2 Menschliche Kommunikation 5
ein Nicht-Verhalten kommuniziert: „Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter. Sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst.“ (Watzlawick, Beavin, Jackson 1996, S. 51) 10
Wann beginnt Kommunikation? „Kommunizieren besteht darin, sinnlich Wahrnehmbares zu tun bzw. hervorzubringen in der Absicht, einen anderen damit zu interpretierenden Schlüssen zu verleiten.“ (Keller 1995, S.12) Dieser Aspekt unterscheidet den Menschen vom Tier. Tiere benutzen ihre Wahrnehmungsfähigkeit zum Interpretieren. Der Mensch hingegen verwendet seine Interpretationsfähigkeit zum Interpretieren und darüber hinaus zum Kommunizieren (vgl. Keller 1996, S. 253) 11 .
Es werden generell zwei weitere Kommunikationsformen unterschieden:
1. Die digitale Kommunikation und
2. die analoge Kommunikation.
Die digitale Kommunikation bezieht sich auf die verbale Sprache und ihre Wörter und Sätze, die bestimmten Objekten zugeordnet sind. Diese Sprache ist logisch, abstrakt und repräsentiert den inhaltlichen Aspekt. Die digitale Sprache vermittelt in erster Linie Informationen. Sie bietet keine Hinweise dafür, wie diese In-formation bewertet, interpretiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden soll. Die analoge Kommunikation, wie zum Beispiel die Körpersprache oder das Farbspektrum, hat eine viel direktere, engere Beziehung zu den Objekten, die sie repräsentiert. „The most common characterisation of nonverbal codes is that they are analogic in nature, as distinguished from digital codes such as verbal language.“ (Burgoon 1985, S. 350) Die analoge Kommunikation basiert auf archaischen Kom-munikationsformen und besitzt daher eine allgemeinere Gültigkeit als die digitale
Gerade das Blickverhalten in zwischenmenschlicher Kommunikation ist ein eindrucksvolles Beispiel 10
für Watzlawicks Axiom von der Unmöglichkeit nicht zu kommunizieren (vgl. Nöth 2000, S.311). An dieser Stelle soll den Tieren nicht die Fähigkeit zur Kommunikation abgesprochen werden, 11
sondern es geht darum, dass Tiere keine ihnen eigentümliche Interpretationsfähigkeit besitzen,
sondern durch ihre Fähigkeit zur Wahrnehmung interpretieren.
2 Menschliche Kommunikation 6
Kommunikation. Analoge Kommunikation bezieht sich nicht auf Dinge, sondern auf die Beziehung zwischen den Dingen oder Menschen (vgl.
http://www.stangltaller.at/ARBEITSBLAETTER/KOMMUNIKATION/buehlermodell.shtml, Stand: 15.04.2004). Die analoge Kommunikation enthält jedoch „... keine Hinweise darauf, welche von zwei widersprüchlichen Bedeutungen gemeint ist, noch irgendwelche andere Hinweise, die eine klare Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erlauben.“ (Watzlawick, Beavin, Jackson 1996, S. 66f.) Diese Unterscheidungen müssen vom Empfänger selbst getroffen werden, während sie bei der digitalen Kommunikation direkt enthalten ist. Jedoch verhält es sich bei der digitalen Kommunikation so, dass ihr Vokabular für eine präzise Charakterisierung von Beziehungen nicht ausreichend ist (vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 1996, S.66).
Menschen kommunizieren ihr Leben lang. Doch in welchen Zusammenhängen beziehungsweise Kontexten findet diese Kommunikation statt? Ungeheuer teilt dazu den Bereich Kommunikation in folgende vier Dimensionen ein (vgl. Krallmann 2001, S. 13):
- Die erste Dimension ist anthropologisch und besagt, dass an Kommunikation Menschen mit ihren physiologischen, kognitiven und emotionalen Anlagen beteiligt sind.
- Die zweite, soziologische Dimension legt fest, dass Kommunikation ein soziales Ereignis oder eine Gemeinschaftshandlung ist, an der mindestens zwei Personen beteiligt sind.
- Die dritte Dimension ist die Semiotische. Sie besagt, dass in Kommunikation die Verwendung und Deutung von Zeichen nach typischen Regeln vollzogen wird.
- Die letzte Dimension ist technisch geprägt und beinhaltet, dass Kommunikation materiale Träger hat und zu ihrer Verbreitung bzw. Aufbewahrung technische Errungenschaften, Massenmedien, maschinelle Plattformen und Speicher dienen. Aus diesen vier Dimensionen der Kommunikation lässt sich eine erweiterte, allgemeine Definition von Kommunikation ableiten, die für diese Arbeit als grundlegend gelten soll: „Kommunikation ist die menschliche und im weitesten Sinne technisch fundierte Tätigkeit des wechselseitigen Zeichengebrauchs und der wechselseitig ad-
2 Menschliche Kommunikation 7
äquaten Zeichendeutung zum Zwecke der erfolgreichen Verständigung, Handlungs-koordinierung und Wirklichkeitsgestaltung.“ (Krallmann 2001, S. 13)
2.2 Einfaches Kommunikationsmodell
Welche Faktoren spielen in einer kommunikativen Handlung eine Rolle? Ausgangspunkt soll, wie Abbildung 1 verdeutlicht, ein einfaches Kommunikationsmodell sein, welches aus einem Sender, einem Empfänger und einem Kanal besteht.
Der Sender vermittelt ein Zeichen oder Signal über einen Kanal an einen Empfänger. „Das Signal zeigt zunächst schon durch seine Erzeugung allein dem Empfänger an, daß der Sender ihm eine Nachricht zu übermitteln gedenkt. Es zeigt dem Empfänger weiterhin an, daß die vom Sender beabsichtigte Nachricht nur eine solche sein kann, die für das betreffende Signal zulässig ist.“ (Prieto 1972, S. 33) Der Kanal funktioniert als Mittler, denn er stellt den Kontakt zwischen Sender und Empfänger her. „Als Empfang definiert man den Akt, mit dem eine bestimmte Botschaft oder ein Text von einem Menschen (bzw. einem anderen Lebewesen oder einer dazu geeigneten Vorrichtung) aufgenommen wird, der dabei als Adressat, Empfänger, Rezipient oder Leser gilt.“ (Volli 2002, S. 11) Der Empfang ist also der Augenblick, in dem in einem bestimmten Weltbestandteil, den der Akt des Empfangs gerade als Text qualifiziert, für jemanden ein Sinn entsteht.“ (Volli 2002, S. 11) Ohne einen Empfänger kann keine erfolgreiche Kommunikation stattfinden, denn ohne jemanden, der die gesendete Botschaft interpretiert, bleibt sie kommunikativ wirkungslos. Daraus lässt sich schließen, dass ohne jemanden, der das Zeichen interpretiert und ihm einen Sinn zuordnet, ein Zeichen nicht existieren kann (vgl. Volli 2002, S. 11ff.).
2 Menschliche Kommunikation 8
2.3 Der Kommunikationskode
Kommunikation wird über Zeichensysteme vermittelt. Folgen die Kommunikationspartner während ihrer Interaktion bestimmten Regeln? Damit das übermittelte Zeichen, das der Sender zuvor dekodiert hat, auch richtig vom Empfänger enkodiert werden kann, bedarf es eines gemeinsamen Kodes: „Zwischen Sender und Empfänger muss also ein beiden gemeinsamer Kode existieren, d.h. eine Reihe von Regeln, die dem Zeichen eine Bedeutung zuordnen.“ (Eco 1977, S. 26)
Nach Eco dekodiert der Mensch im Alltag automatisch anhand von Kodes. Für Eco sind Kodes „... die notwendige und hinreichende Bedingung für das Bestehen des Zeichens... “ (Eco 1977, S. 171). Ein Zeichen liegt nach Eco dann vor, wenn durch Vereinbarung irgendein Signal von einem Kode als Signifikant eines Signifikats 12 festgelegt wird. Für Eco besteht ein allgemeiner Kommunikationsprozess, wenn ein Sender bewusst kodierte Signale mittels eines Sendegerätes überträgt, das sie über einen Kanal schickt; die Signale aus dem Kanal werden von einem Empfangsgerät empfangen, das sie in eine Botschaft umwandelt, die ein Empfänger erfassen kann, der dann aufgrund des Kodes mit der Botschaft als der signifikanten Form ein Signifikat oder einen Inhalt der Botschaft verbindet.“ (Eco 1977, S. 167) Der Dekodierungsprozess bezioehungsweise der Erfassungsprozess beinhaltet die Auswahl zwischen den möglichen Interpretationen eines Zeichens zu treffen.
Wie kann es dazu kommen, dass Kommunikation scheitert? Die Antwort auf diese Frage bezieht sich auf eine Unstimmigkeit im Kode der Gesprächspartner: „Die Sprache scheint aus einer Reihe von Symbolen zu bestehen, die einem bestimmten Inhalt entsprechen, der in der Erfahrung verschiedener Personen bis zu einem gewissen Grad identisch ist. Soll Kommunikation möglich sein, so muss das Symbol für alle betroffenen Personen das gleiche bedeuten.“ (Mead 1973, S. 94) Ein unstimmiger Kode in der zwischenmenschlichen Kommunikation tritt besonders stark auf, wenn verschiedene Kulturen aufeinander treffen. Verfügen zwei Personen aus
Das Signifikant bezieht sich auf das Bezeichnende (Ausdruck) und das Signifikat (Inhalt) hingegen 12
auf das Bezeichnete.
2 Menschliche Kommunikation 9
unterschiedlichen Kulturkreisen über dasselbe Zeichen, welches jedoch eine unterschiedliche oder auch gegensätzliche Bedeutung in seiner Ausführung besitzt, kann es zu kulturellen Missverständnissen kommen. Zum Beispiel kann eine Körperbewegung, die in verschiedenen Kulturkreisen üblich ist, eine unterschiedliche Bedeutung haben. Jemandem die Zunge herausstrecken kann verstanden werden als Geste jemanden zum Spaß zu erschrecken, sich lustig zu machen, Verwirrung stiften, dem Gegenüber mitzuteilen, man halte ihn für einen Idioten, als Mittel zur Vertreibung von bösen Geistern, Klugheit zu zeigen, eine höfliche Ehrerbietung zu bereiten, als Verneinung oder auch als provokante Geringschätzung des anderen (vgl. Argyle 1985, S. 80f.). Der Kode entspricht keiner individuellen Festlegung. Er ist „vielmehr Ergebnis einer gegenseitigen Beeinflussung der einzelnen Glieder der betreffenden Gemeinschaft“ (Prieto 1972, S. 57). Zur Verdeutlichung soll an dieser Stelle das Beispiel in Abbildung 2 dienen.
Befindet sich die Zeichnung der Biene in Abbildung 2 auf einem Schild an einer Straße, steht der Interpret dieses Zeichens vor der Wahl dem Zeichen eine Interpretation beziehungsweise eine Bedeutung zuzuordnen. Das Schild kann als Warnung vor Bienen verstanden werden, als Hinweis für einen Verkaufsstand mit Honig in der Nähe oder, falls der Interpret vorher noch nie ein Schild mit einer Biene am Stra-ßenrand gesehen hat, als Aufforderung eine für ihn passende Interpretation zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit der Auswahl zwischen einer dieser drei Möglichkeiten, mit denen der Interpret konfrontiert wird, hängt jeweils von dem gesellschaftlich, kulturell bedingten Vorwissen des Interpreten ab (vgl. Norrick 1981, S. 31). Der In-
2 Menschliche Kommunikation 10
terpret wählt die Bedeutung, die er kulturell erlernt hat. Der Kode gibt im demnach die Bedeutung des Schildes vor.
2.4 Kommunikationsmodell nach Bühler
Bühler entwarf 1934 ein Kommunikationsmodell, das für die Sprachwissenschaften grundlegende Bedeutung hat und aus diesem Grund an dieser Stelle näher erläutert werden soll: „Heute darf man die wichtigsten Einsichten der Bühlerschen Spracht-heorie guten Gewissens als integrale Bestandteile der mit der Sprache befassten Wissenschaften ansehen.“ (Krallmann 2001, S. 48) Die drei grundlegenden Funktionen, die jedes sprachliche Zeichen hat, sind nach Bühler:
1. Ausdruck,
2. Darstellung
3. und Appell.
„Bühler betrachtet Sprache als 'Werkzeug', mittels dessen der Emittent 13 mit dem Rezipienten über Dinge in der Welt kommuniziert. Sprachliche Zeichen fungieren damit gleichzeitig als 'Symbol' für Gegenstände und Sachverhalte der Wirklichkeit (=Darstellungsfunktion), als 'Symbol' der Innerlichkeit des Emittenten (=Ausdrucksfunktion) und als 'Signal', indem sie an den Rezipienten appellieren (=Appellfunktion).“ (Brinker, Klaus: Linguistische Textanalyse. Berlin, 1992, S. 99) Die Sprache ist nach Bühler ein Organon 14 mit den drei Funktionen der Darstellung, des Ausdrucks und des Appells. Bühler verdeutlicht den Zeichenprozess in einem Kommunikationsmodell. Bühler nennt das in Abbildung 3 dargestellte Modell Organon-Modell. Er erweiterte es insgesamt drei Mal. Deshalb soll an dieser Stelle nur sein Endmodell angeführt werden.
Bühler bezeichnet mit Emittent den Sender eines Zeichens. 13 Der Ausdruck ‚Organon‘ (griech.) bedeutet Werkzeug. 14
2 Menschliche Kommunikation 11
Bühler sieht im Mittelpunkt das Zeichen, das von den drei Elementen Sender, Empfänger und dem Bereich Gegenstände und Sachverhalte umgeben ist. Die Linien, die vom Mittelpunkt aus verlaufen, symbolisieren die semantische Funktion des Zeichens. Bühler stellt fest, dass es drei Dimensionen des sprachlichen Zeichens gibt. Das Zeichen stellt zum einen die Gegenstände und Sachverhalte, die in der Welt passieren, dar. Es hat daher eine Darstellungsfunktion inne. Zum anderen ist das sprachliche Zeichen auch Symptom, da es die Innerlichkeit des Senders ausdrückt. Die Sprache hat demnach auch eine Ausdrucksfunktion. Das Zeichen ist aber ein Appell an den Hörer. Hier liegt nach Bühler die Appellfunktion des Zeichens vor. Nach Bühler kann Kommunikation nur über Zeichen stattfinden.
3 Theoretische Grundlagen der Zeichentheorie 12
3 Theoretische Grundlagen der Zeichentheorie
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen der Zeichentheorie. Die Fragen, die in diesem Kapitel beantwortet werden sollen, beziehen sich auf die sprachliche Bedeutungskonstitution und deren Zeichencharakter. Womit beschäftigt sich die Semiotik? Wie werden Zeichen gebildet und wie erlangen sie Bedeutung? Gibt es eine Typologie von Zeichen? Sind Zeichen arbiträr oder konventionalisiert?
3.1 Semiotik
Die menschliche Sprache besteht aus einem System von Zeichen. Die Zeichentheorie oder auch Semiotik 15 ist die Lehre von den verbalen Zeichen, wie den Wörtern (vgl. Linke, Nussbaumer, Portmann 1996, S. 14). In diesem Punkt stimmen alle Definitionen, die für diesen Begriff aufgestellt wurden, überein. Doch eine spezifische Definition dessen, was genau unter Semiotik zu verstehen ist, kann hier nicht gegeben werden, da die verschiedenen Richtungen zu stark voneinander abweichen. Für eine allgemeine, umfassende Eingrenzung soll an diesem Punkt auf Nöth verwiesen werden, der dafür die folgende Definition heranzieht: „Die Semiotik untersucht als Wissenschaft von den Zeichenprozessen alle Arten von Kommunikation und In-formationsaustausch zwischen Menschen, zwischen nichtmenschlichen Organismen und innerhalb von Organismen. Sie umfasst also zumindest teilweise die Gegenstandsbereiche der meisten Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Biologie und Medizin.“ (Nöth 1985, S. 2)
Die folgenden Ausführungen, die den Bereich der Semiotik behandeln, beziehen sich auf die Theorien von Peirce, Morris, Eco und Saussure, die zu den Klassikern der Semiotik gehören und daher für eine theoretische Grundlage der Zeichentheorie in dieser Arbeit unerlässlich sind.
Saussure entwarf den Begriff der Semiologie, welche „... das Leben der Zeichen im Rahmen des 15
sozialen Lebens...“ untersuchen sollte (Glück 2000, S. 623). In den 70er Jahren etablierte sich der
Begriff Semiotik, welcher von Peirce und Morris eingeführt wurde, als international gültiger Terminus
(vgl. Glück 2000, S. 623).
3 Theoretische Grundlagen der Zeichentheorie 13
3.2 Der Zeichenbegriff
Der Schlüsselbegriff der Semiotik ist das Zeichen. Nach Morris wird ein Zeichen erst als solches erkannt, wenn es im Interpretierenden einen Prozess auslöst. Morris nennt diesen Prozess Semiose und definiert ihn wie folgt: "Semiose (oder Zeichenprozess) kann als fünfstellige Relation - v, w, x, y, z - betrachtet werden, in welcher v in w die Disposition auslöst, in gewisser Art und Weise x auf ein gewisses Objekt y unter gewissen Bedingungen z zu reagieren. Die v sind, falls diese Relation besteht, die Zeichen, die w sind die Interpretierer, die x sind die jeweiligen Reaktionsdispositionen des Interpretierers, und die z sind die Kontexte, in welchen die Zeichen auftreten." (Morris 1964, S. 2) Das Zeichen impliziert demnach ein Verhalten, ohne welches die Zeichen nicht existieren können. Notwendig für die Existenz des Zeichens ist auch ein Verweis dessen auf ein Objekt und auf ein Subjekt, den Interpretierenden. Die Relation zwischen dem Zeichen, dem Objekt und dem Interpretierenden wird ad hoc gebildet, wenn sie aufeinander folgen.
Schon seit der griechischen Antike hat man sich mit dem Begriff des Zeichens und seiner Bestimmung beschäftigt, insbesondere die Stoiker haben zu einer entscheidenden Zeicheneinteilung beigetragen, die sogar bis heute immer wieder, sei es auch unter anderen Namen, auftaucht. Es wird, wie in Abbildung 4 zu sehen ist, bei jedem Zeichenprozess eine Dreiteilung vorgenommen: Das semainon (das Be-
3 Theoretische Grundlagen der Zeichentheorie 14
zeichnete), d.h. das eigentliche Zeichen als physische Entität; das semainomenon (das Bezeichnete), d.h. das, was das Zeichen aussagt und keine physische Entität besitzt, und das pragma, das Objekt bzw. der Gegenstand, auf den sich das Zeichen bezieht und der eine physische Entität oder ein Ereignis bzw. eine Handlung ist (vgl. Eco 1977, S. 28).
Der Zeichenprozess, die Semiose, ist triadisch aufgebaut und wird als ein semiotisches Dreieck dargestellt. Eco fasst diese Übereinstimmung der Theorien in bezüglich der Dreiteilung in folgender Abbildung zusammen.
Wie man anhand der Abbildung 5 sehen kann, wird das Zeichen in einer Konstellation von drei Konstituenten gebildet. In den einzelnen Theorien kommen diesen Konstituenten unterschiedliche Benennungen zu. Allgemein lassen sie sich jedoch mit den Oberbegriffen Zeichenträger, Inhalt und Objekt bezeichnen. Doch auch wenn die Begriffe unterschiedlich benannt werden, besteht ein Konsens in dem Punkt, dass „die auffälligste und sichtbarste Eigenschaft von Zeichen jeder Art ist, dass sie einem Zeichenbenutzer etwas präsent machen können, ohne selbst dieses etwas zu sein.“ (Linke, Nussbaumer, Portmann 1996, S. 18)
Quote paper:
Carina Dickschus, 2004, Zeichentheoretische Aspekte der Körpersprache, Munich, GRIN Publishing GmbH
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