Kindheit in der Nachkriegszeit
von: Vera Witkowski
Inhaltsverzeichnis
1. Sachdarstellung 3
2. Didaktik 6
2.1. Relevanz des Themas / Vorwissen der Kinder 6
2.2. Didaktische Prinzipien 7
3. Methodik / Medien 9
4. Literatur 12
1. Sachdarstellung
Folgende Ausführungen stammen aus „Die Kindheit. Kleidung und Wohnen. Arbeit und Spiel. Eine Kulturgeschichte“ von Ingeborg Weber - Kellermann. Es geht vor allem um Kinder, die in Großstädten lebten, in diesem Fall Berlin. Kinder, die Krieg oder Kriege mit erlebt haben, spielen in Friedenszeiten häufig in ihrer Freizeit Kriegssituationen nach. Wahrscheinlich versuchen sie so, das Erlebte zu verarbeiten. Viele Kinder werden in diesen Kriegsspielereien auch noch unterstützt, indem man ihnen Kriegsspielzeug schenkt1. Wie auch in der heutigen Zeit gab es damals viele Leute, die das Spielen von Kindern als enorme Lärmbelästigung empfanden. Es wurde sich über Fahrradfahren und Fußballspielen beschwert – das „Krieg spielen“ hingegen wurde sehr häufig geduldet oder sogar unterstützt2. „Wenn Spiel so etwas wie die kindliche Auseinandersetzung mit der Umwelt ist, dann stimmt das Übermaß an Schießgeräten beim Straßenspiel sehr bedenklich.“3
Diese Aussage von Ingeborg Weber – Kellermann zeigt, wie sehr die Kinder in der Nachkriegszeit unter dem Krieg zu leiden hatten. Viele Kinder konnten mit ihren Eltern oder anderen Erwachsenen nicht über ihre Gefühle, Ängste u.ä. reden und drückten all dies in ihrem Spiel aus. Damit wären wir beim nächsten Aspekt, den das Spielen in der Nachkriegszeit mit sich brachte: Viele Kinder hatten ihre Eltern – oder zumindest ihren Vater – im Krieg verloren. Viele Väter und auch Großväter, Onkel, Brüder u.ä. kehrten sehr lange nicht, oder auch nie mehr, aus dem Krieg zurück.
Die weiblichen Familienmitglieder, hauptsächlich die Mütter, mussten die Aufgaben der männlichen Mitglieder mit übernehmen. So kümmerten sie sich um den Haushalt, die Kindererziehung, vielleicht mussten sie sich um verletzte oder generell pflegebedürftige Familienangehörige kümmern – aber vor allem mussten diese Frauen Geld verdienen, um die Familie ernähren zu können. Die Kinder mussten bei diesem breiten Aufgabenspektrum entweder selber einige dieser Aufgabe erledigen oder die Mütter kümmerten sich um die Aufgaben und die Kinder hatten wenig Aufsicht, also viele Freiheiten und Freizeit. So hab es viele sogenannte Schlüsselkinder, die viel auf sich allein gestellt waren4.
Gerade in großen Städten wurden die meisten Spiele auf der Straße ausgeführt. In den Häusern war häufig noch nicht einmal soviel Platz, dass jedem ein eigenes Bett zum Schlafen zur Verfügung stand (außerdem waren viele Häuser im Krieg zerstört worden). Außer den Kriegsspielen gab es aber auch noch andere Spiele, mit denen sich die Kinder ihre Zeit vertrieben, z.B. „Gummi-Twist“5. Gerade die Schlüsselkinder fanden beim Spielen auf der Straße Gleichgesinnte. Wie schon beschrieben, konnten diese Kinder einen Großteil ihres Leben frei bestimmen, was vielen von ihnen nicht leicht fiel6. „Im Spiel selbst lernt das Kind die ersten Formen gesellschaftlicher Tätigkeit und zwischenmenschlicher Beziehungen (außerhalb des Elternhauses und später der Schule) kennen: es muß sich den von der Gruppe gesetzten Spielregeln Didaktischer Entwurf: Kindheit in der Nachkriegszeit / Spielen und Freizeit fügen, es muß im Wettbewerb mit den Spielkameraden seine Geschicklichkeit, Kraft, Schnelligkeit, seinen Mut und seine Ausdauer beweisen.“7
[...]
1 vgl. Weber-Kellermann, Ingeborg (1979): S. 253
2 vgl. ebd. S. 254
3 ebd. S. 254
4 vgl. ebd. S. 254
5 vgl. ebd. S. 254
6 vgl. ebd. S. 254
7 ebd. S. 255
Quote paper:
Vera Witkowski, 2003, Kindheit in der Nachkriegszeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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