Fallstudie zur Rezeption progressiver Familiendarstellungen:
Burkhard Spinnen, Belgische Riesen
von: Vera Witkowski
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 2
2. Burkhard Spinnen: Belgische Riesen 3
2.1 Der Autor: Kurzportrait 3
2.2 Kindheits- und Familienbild 3
2.3 Doppeltadressiertheit 5
3. Fallstudie 7
3.1 Vorgehensweise 7
3.2 Die Befragten 8
3.2.1 Tom 8
3.2.2 Lisa 10
3.2.3 Mutter 1 12
3.2.4 Mutter 2 13
3.3 Analyse 14
4. Nachwort 16
5. Literatur 17
5.1 Primärliteratur 17
5.2 Sekundärliteratur 17
1. Vorwort
Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Roman >Belgische Riesen< von Burkhard Spinnen. Nachdem kurz auf den Autor und den Inhalt des Buches eingegangen wird (Kapitel 2), wird in Kapitel 3 die Fallstudie zu diesem Werk dargestellt und analysiert. Den Roman >Belgische Riesen< habe ich als Studienobjekt ausgesucht, weil mich das Thema „Trennung/Scheidung“ und der Umgang von Kindern mit diesem Thema sehr interessiert. Im Seminar wurde eine Studie zu >Nella Propella< von Kirsten Boie vorgestellt. Die Hauptperson in diesem Buch heißt Nella, ist ein Scheidungskind und lebt bei ihrer Mutter. Die Situation zwischen dem Kind und seinen Eltern ist sehr erheiternd und wirkt sehr harmlos. Es gibt keine Probleme mit Besuchszeiten, das Kind versteht sich mit seinen Eltern gut und die Sorgen und Probleme des Kindes werden mit den Eltern oder zumindest mit einem Elternteil besprochen.
In >Belgische Riesen< werden zwei Familiensituationen einander gegenübergestellt: Eine intakte und eine frisch getrennte Familie. Hier wird die Situation der „Alleinerziehenden-Familie“ anders dargestellt als in >Nella Propella<: Die Mutter nimmt Tabletten und kommt mit ihrem Leben nicht klar, der Vater kümmert sich mehr um sich und seine Freundin als um seine Tochter und diese ist mit der ganzen Situation überfordert und kann sich ihrer Familie nicht anvertrauen. Vor diesem Hintergrund habe ich folgende Fragestellung entwickelt: Ist die Trennungssituation in >Belgische Riesen< realistisch dargestellt, d.h. ist dies die „normale“ Scheidungssituation oder beschreibt Spinnen Fridz’ aktuelle Lebenssituation zu negativ? Dieser Frage will ich in den Gesprächen mit den Kindern und den Müttern nachgehen.
2. Burkhard Spinnen: Belgische Riesen
„Bislang ist Konrad Bantelmann, 10 Jahre alt, Schwierigkeiten im Allgemeinen und Mädchen im Besonderen sorgfältig aus dem Weg gegangen. Einen Fachmann in Scheidungsangelegenheiten kann man ihn auch nicht gerade nennen. Doch Friederike, genannt Fridz, kennt sich damit leider bestens aus: Ihre Eltern sind frisch getrennt. Durch einen unglücklichen Zufall bringt Konrad sie auf die Idee, sich an der Freundin ihres Vaters zu rächen. Schlimmer noch: Ausgerechnet er, der eher Harmoniesüchtige und Vorsichtige, der am liebsten den Gutenacht-Geschichten seines Vaters lauscht, muss den Rachefeldzug des quirligen rothaarigen Mädchens organisieren. Und die Geheimwaffe der beiden ist ein außerordentlich großes Kaninchen, ein Riese...“ (Spinnen, Burkhard (2000): S. 2)
2.1 Der Autor: Kurzportrait
Burkhard Spinnen wurde 1956 in Mönchengladbach geboren. Er studierte Germanistik, promovierte und arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster. Spinnen ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 1996 arbeitet er als freier Autor in Münster (vgl. Spinnen, Burkhard (2000): S. 2; vgl. Spinnen, Burkhard (2001): S. 20).
2.2 Kindheits- und Familienbild
Die Hauptperson Konrad Bantelmann ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seinem fünf Jahre alten Bruder Peter in einer neugebauten Doppelhaushälfte im Neubaugebiet Dransfeld. Konrad ist ein sehr vernünftiger und ruhiger Junge der versucht Ärger aus dem Weg zu gehen. Er führt seine sogenannten „Dransfelduntersuchungen“ durch, bei denen er auch Friederike Frenke kennenlernt. Sie nennt sich Fridz und lebt mit ihrer Mutter alleine im Dransfeld. Ihre Eltern haben sich vor dem Umzug in das neue Haus getrennt. Fridz ist ein sehr impulsives, aufgewecktes, aber auch unglückliches Mädchen. Ihre Direktheit gefällt Konrad und so werden die beiden – trotzdem Fridz ein Mädchen ist und Konrad sonst mit Mädchen nichts zu tun haben will – gute Freunde. Die Feststellung, dass Fridz’ Eltern getrennt sind, schockiert Konrad. Er war bis dahin davon ausgegangen, dass jede Familie aus einem Vater, einer Mutter und ein bis zwei Kindern besteht und sie ein Haus mit Garten und einen VW Passat besitzen: „Zum Beispiel haben sie alle einen Volkswagen Passat oder wenigstens ein Auto, das so ähnlich aussieht. Jedenfalls muss es länglich sein und eine Heckklappe haben. [...] Außerdem sind immer ein Vater und eine Mutter in eine der Doppelhaushälften eingezogen und die haben jeweils zwei Kinder. Das heißt, manche haben nur eines und ein paar auch drei, aber die meisten haben zwei und wenn die, die drei haben, denen, die nur eins haben, eins abgeben würden, dann hätten alle zwei.“ (Spinnen, Burkhard (2000): S. 27f)
Oberflächlich betrachtet scheint Fridz mit ihrer Situation gut zurechtzukommen, doch sie leidet sehr unter der Trennung, unter dem Zustand ihrer Mutter und darunter, dass ihr Vater eine neue Freundin (Kristine) hat.
[...]
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Vera Witkowski, 2003, Fallstudie zur Rezeption progressiver Familiendarstellungen: Burkhard Spinnen, Belgische Riesen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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