Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
1.2 Konventionelle und unkonventionelle Politikformen 3
1.3 Themenstellung 3
2. Politische Partizipation von Frauen 4
2.1 Mögliche Hindernisse für die Beteiligung von Frauen an
politischen Tätigkeiten 4
2.2 Frauen im politischen Leben 6
2.2.1 Verteilung von Frauen in deutschen Gremien 6
2.2.2 Quote oder Quorum- wie die Parteien ihrem Ruf
gerecht werden 7
2.3 EU- Förderungsversuche zur politischen Partizipation
von Frauen 9
2.3.1 Entwicklung von Konzepten zur Frauenförderung-
das Problem der Freiwilligkeit 11
2.3.2 Konkrete Maßnahmen und kritische Beurteilung 12
3. Weibliches Wahlverhalten - Wählen Frauen anders? 13
3.1 Unterschiede im Wahlverhalten der Geschlechter und
Angleichung (ab 1953) 13
3.2 Erklärungsansätze- wie sich das Wahlverhalten mit den
Geschlechterrollen verändert 14
3.3 Die Bundestagswahl 2002- von weiblichen und männlichen
Themen 16
4. Fazit und Ausblick 17
Literaturverzeichnis 20
Anhang 22
2
1. Einleitung
1.1 Konventionelle und unkonventionelle Politikformen
Das Allensbacher Institut für Demoskopie stellte 1999 fest, dass sich 56 % der Männer, aber nur 33 % der Frauen für Politik interessieren 1 . Überraschend ist diese Erkenntnis allerdings nicht, sind doch die Partizipationsdefizite von Frauen an konventionellen politischen Aktivitäten längst bekannt. Konventionelle Politik meint herkömmliche Formen wie z.B. das Aufsuchen von Politikerinnen 2 das Führen von politischen Diskussionen oder das aktive Unterstützen einer Partei, auch durch Wahlen 3 . Bislang wenig als eigenständige politische Beteiligungsform anerkannt, gibt es ist die so genannte unkonventionelle Beteiligung. Mit unkonventioneller Partizipation kann die Teilnahme an einem Boykott, einer Unterschriftensammlung, aber auch im weitesten Sinne bürgerschaftliches Engagement gemeint sein 4 . Mich interessieren jedoch herkömmliche Partizipationsformen, deshalb beziehe ich mich im Folgenden auf die Darstellung derartiger Aktivitäten.
1.4 Themenstellung
Gegenstand dieser Arbeit soll die Frage sein, welche Hindernisse und unterstützende Faktoren weibliche politische Partizipation beeinflussen. Dazu sollen zunächst Erklärungen für die relativ geringe Teilnahme von Frauen am politischen Leben angeführt und kritisch hinterfragt werden. Anschließend betrachten wir die Quantität von Frauen in deutschen Gremien sowie den Nutzen und Probleme von Quotenregelungen. Schließlich wird das Augenmerk auf die EU- Förderung von Frauen in der Politik gelegt. Danach befassen wir uns gesondert mit dem unterschiedlichen Wahlverhalten von Männern und Frauen von
1 Geißler, 2000, URL: http://www.bpb.de/publikationen/07734472559189273665480325786844,
3,0,Ungleichheit_zwischen_Frauen_und_Männern.html [Stand: 15. 02. 2004]
2 Der Lesbarkeit wegen verwende ich fortlaufend weibliche Anreden, selbstverständlich sind auch
Männer angesprochen.
3 Molitor, 1992, S. 158
4 ebd., S. 151 f.
3
1953 bis heute, wobei unsere Aufmerksamkeit besonders der Bundestagswahl 2002 gilt. Abschließend soll ein vorsichtiger Ausblick zeigen, wie Frauen ihre eigenen bevorzugten Themen politisch durchsetzen können.
2. Politische Partizipation von Frauen
2.1 Mögliche Hindernisse für die Beteiligung von Frauen an politischen Tätigkeiten 5
Molitor unterscheidet drei geläufige Erklärungsansätze, die zeigen sollen, warum Politik für Frauen weitgehend unattraktiv ist.
Als strukturelle Gründe werden die auch heute noch defizitären schulischen und beruflichen Ausbildungen von Frauen genannt sowie der segregierende Arbeitsmarkt, der Frauen in Berufe drängt, die kaum Aufstiegsmöglichkeiten bieten und die bereits als Frauenberufe stigmatisiert sind. Die sozioökonomische Ressourcenausstattung, d.h. die Kombination aus Familieneinkommen und Bildungsabschluss, schien die Partizipationsunterschiede zwischen den Geschlechtern teilweise zu erklären, da diese Faktoren gemäß Untersuchungen in sieben Ländern bei Frauen niedriger waren als bei Männern 6 . Waren die sozioökonomischen Ressourcen ausgeglichen, änderte sich jedoch die Partizipation von Frauen nicht, mit Ausnahme der Frauen in den USA. Auch ALLBUS- Daten für Deutschland aus dem Jahre 1988 zeigten, dass die Unterschiede durch die Zunahme von höher gebildeten und berufstätigen Frauen zwar geringer werden, jedoch nur geringfügig 7 . Die derzeitige schulische Entwicklung von Mädchen, die mit steigender Tendenz Abitur machen, wird sich also nicht zwangsläufig auf die Politik auswirken. Molitor kritisiert demnach zurecht die Anwendbarkeit dieser Theorie zur geschlechtsspezifischen Beteiligung.
5 Die Ausführungen des folgenden Abschnitts werden, wenn nicht anders angegeben, inhaltlich
zusammengefasst entnommen aus: Molitor, 1992, 168 ff. Vgl. auch Bernhardt, 2000, S. 23 ff.
6 Molitor stützt sich hierbei auf eine Untersuchung von Verba et al.,1978
7 Interessant ist jedoch, dass dieses Modell bei unkonventionellen politischen Aktivitäten greift,
wenn die Ressourcen ausgeglichen sind.
4
Lange bekannt aber noch immer aktuell sind die Mehrfachbelastungen von Frauen durch Haushalt, Beruf und evtl. Mutterschaftspflichten, also situative Faktoren. Ist die Teilnahme am Erwerbsleben in der Regel eher aktivitätsfördernd, so wird die Bereitschaft durch die zeitliche Anforderung der anderen Bereiche ausgebremst. Gehören kleine Kinder zum Haushalt, so ist die Wahrscheinlichkeit einer Beteiligung noch einmal geringer. Hier lässt sich jedoch kritisch anmerken, dass viele politische Veranstaltungen zu Zeiten statt finden, die für Mütter ungünstig sind, zum Beispiel abends. Es ist m.E. also nicht das Problem, dass Mütter grundsätzlich keine Zeit haben, sondern zu einer bestimmten Zeit nicht präsent sein können.
Auch bietet dieser Ansatz keine Erklärung, warum Frauen sich im unkonventionellen Bereich häufiger betätigen, denn dieser ist nicht per se weniger zeitaufwändig. Stimmt die These Molitors, dass sich im unkonventionellen Bereich jedoch vor allem junge, kinderlose Frauen betätigen, für die Zeit kein Problem darstellt, so ist dies ein Ansatzpunkt zur Erklärung politischer Partizipationsdifferenzen. Fest steht jedenfalls, dass Frauen mit Kindern, die erst einmal mit einer politischen Beteiligung begonnen haben, „dieses Engagement in der Regel ebenso kontinuierlich wie Männer und kinderlose Frauen“ betreiben 8 .
Die der Frau zugeschriebenen Zuständigkeiten im privaten Bereich schließen die Politik als öffentlichen und somit dem Mann zugehörigen Sektor oft aus. Auch diese Theorie der geschlechtsrollenbedingten Erwartungen ist nicht neu, aber immer noch zutreffend. Dass bei politischen Gesprächen der männliche Elternteil bevorzugt aufgesucht wird 9 , gibt einen deutlichen Hinweis darauf, dass sich die Sozialisation von Männern und Frauen auf spätere (Nicht-)Beteiligung in der Politik auswirken kann.
Molitor folgert weiter, dass sich „institutionelle Kräfte (...) auf die politische Beteiligung von Frauen hemmend auswirken können“, 10 während sie Männer anziehen. Dies mag vielleicht teilweise als Folge der geschlechtsrollenbedingten Erwartungen bis heute zutreffen. Insgesamt ist diese Sichtweise jedoch sehr
8 Bernhardt, 2000, S. 225
9 Molitor greift hier eine Untersuchung über geschlechtsspezifisch erlerntes Verhalten auf,
Jennings, 1983, S. 372
10 Molitor, 1992, S. 176 f.
5
defizitorientiert, denn der Vorwurf, Frauen könnten sich nicht in einem festen Rahmen einbringen, dient am ehesten Männern dazu, weibliches politisches Geschick zu negieren.
2.2 Frauen im politischen Leben
2.2.1 Verteilung von Frauen in deutschen Gremien
In Deutschland ist der Anteil weiblicher Abgeordneter 11 von 9,8 % 1983 über 26,3 % im Jahr 1994 bis auf 30,9 % 1998 12 gestiegen. Die Steigerungsraten in den einzelnen Parteien sind jedoch sehr unterschiedlich: Der Frauenanteil in der CDU/ CSU stieg bis 1994 von 6,7 % auf 13,9 %, bei den Grünen von 35,7 % auf 59,2 %, bei der SPD von 10,4 % auf 33,7 % und bei der FDP von 8,6 % auf nur 17,0 %. Die fraktionslose Gruppe der PDS bestand 1990 zu 47,1 % aus Frauen, 1994 zu 43,3 %.
In den Länderparlamenten erreichten die Grünen 1994 ebenfalls den höchsten Frauenanteil, sodann die SPD mit 21,1 % und Sonstige, die mit 21,1 % sogar noch vor der CDU mit 20,6 % lagen. Auffällig ist die Verteilung der PDS in den ostdeutschen Landtagen: 48,4 % Frauen finden sich bei der PDS, die hier den größten prozentuale Anteil aufweist. Da die PDS jedoch auch heute noch als Ost- Partei gilt, ist diese Erscheinung m.E. nicht weiter verwunderlich. In der Kommunalpolitik haben sich Frauen indessen längst etabliert: 1994 war Freiburg im Breisgau mit 43,8 % weiblicher Mandate knapp vor Potsdam und München mit je 40 % zu verzeichnen.
Trotz gestiegener Zahlen, mit denen sich die Parteien allzu gern feiern lassen, weist Helwig auf den Gremienbericht der Bundesregierung von 1991 hin, aus dem hervorgeht, dass „der Frauenanteil in über 1000 Gremien im Einflussbereich des
11 vgl. Grafik im Anhang: Frauen im Parlament: Anzahl und prozentualer Anteil der weiblichen
Abgeordneten im Deutschen Bundestag
12 Helwig, 2000, URL: http://www.bpb.de/wissen/04670469098501008712843145200280,0,0,
Frauen_und_Politik.html#art0 [Stand: 23.02.2004]
6
Bundes nur 7,2 % betrug und in mehr als der Hälfte dieser Gremien keine Frau vertreten war.“ 13
Es ist also offensichtlich, dass für Frauen nach wie vor eine Diskrepanz zwischen ihrer politischern Tätigkeit und einer tatsächlichen Führungsposition besteht. Diese werden von Männern besetzt, und die wenigsten Männer dürfte dies stören. Da jedoch Frauen als Wählergruppe ein begehrtes Ziel sind und der außerparlamentarische Druck durch Medien und EU- Kollegen aus den nordischen Staaten insbesondere in den letzten Jahren zugenommen hat, müssen sich die Parteien wohl oder übel mit der Quotenfrage beschäftigen.
2.2.2 Quote oder Quorum- wie die Parteien ihrem Ruf gerecht werden 14
Bereits 1986 beschlossen die Grünen, eine Frauenquote von 50 % für alle Wahlämter einzuführen und lösten damit eine bis heute andauernde Diskussion um die verbindliche Beteiligung von Frauen in bedeutenden politischen Positionen aus. Die SPD lehnte die Frauenquote lange Zeit ab, begann jedoch ab 1988 schrittweise mit der bewussten Mandatsvergabe an Frauen. Bis 1998 wollte sie eine Quote von 40 % erreichen, welche sie verfehlte. Bei der Bundestagswahl 2002 dagegen gelang das Vorhaben mit 39,8 % durch ein Reißverschlussprinzip auf den oberen Listenplätzen 15 . Am Ende betrug der Anteil der gewählten weiblichen Abgeordneten jedoch 37,8 %, das Quorum wurde somit wieder verfehlt 16 .
Zugute halten muss man der SPD, dass sie es allmählich schafft, sich von ihrem Ruf als Arbeiterpartei mit alten „Genossinnen“ zu lösen, was in der Vergangenheit Männer viel mehr ansprach als Frauen. Ob die Partei dadurch ein wichtiges Grundprinzip verliert oder nicht sei dahingestellt, Frauen jedenfalls scheinen ihr neues Image zu bevorzugen 17 .
13 Helwig, 1997, S. 37
14 Die Quoten des folgendes Absatzes entnehme ich, wenn nicht anders angegeben, Helwig, 1997,
S. 34 f.
15 FCZB et al., 2002, http://www.db-decision.de/wid%2002/Politik/vorwahl.htm
[Stand: 15.02.2004]
16 FCZB et al., 2002, URL: http://www.db-decision.de/wid%2002/Politik/Abgeord%20BT02.htm
[Stand: 15.02.2004]
17 vgl. Kapitel 3.3
7
Arbeit zitieren:
Lydia Gilde, 2004, Frauen und Politik, Hindernisse und unterstützende Faktoren weiblicher politischer Partizipation, München, GRIN Verlag GmbH
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