Inhaltsverzeichnis:
0. Einleitung. 2
1. Was ist Armut? 3
2. Absolute und relative Armut. 5
3. Theoretische Ansätze. 7
3.1 Der Lebenslagenansatz. 7
3.2 Der Ressourcenansatz. 8
3.3 Der Sozialhilfeansatz. 10
3.4 Relative Einkommensarmut. 12
3.5 Deprivationsansatz. 14
4. Schluss. 16
5. Literaturverzeichnis. 18
1
0. Einleitung
Die Übung thematisiert soziale Ungleichheit in Deutschla nd. Diese entsteht, wenn sich die Lebensbedingungen der Menschen nicht nur horizontal, sondern auch vertikal unterscheiden, d.h., sich als besser oder schlechter einstufen lassen. Zu den Dimensionen sozialer Ungleichheit zählt neben Bildung, Arbeits-, Wohn- und Freizeitbedingungen, Macht, Prestige, Einkommen usw. auch die Armut.
Armut schien noch ungefähr bis zum Jahr 1985 zumindest für Westdeutschland ein Thema der Vergangenheit zu sein. Nur wenige sahen ihre zukünftige Existenz in der modernen Gesellschaft. Der daran zweifelnde Teil der Menschheit wurde jedoch eines Besseren belehrt, denn Armut „(...) ist zur drängenden gesamtdeutschen Realität von kaum absehbarer Dauer geworden (...)“ (Leibfried / Voges 1992, S. 29). In diesem Zusammenhang reden wir aber wohl kaum von Armut im Sinne von physischer Existenznot, welche wir noch heute in den Entwicklungsländern vorliegen haben. Denn diese hat in Deutschland mit dem wachsenden Wohlstand seit dem 2. Weltkrieg mit Sicherheit abgenommen. Die Ärmsten der Armen sind in Deutschland wohl weitaus wohlhabender als die Mehrheit der Bevölkerung Schwarzafrikas. Was in Deutschland als arm betrachtet wird, bedeutet in anderen Ländern Reichtum. Wie also kann man einem Schwarzafrikaner erklären, dass ein Mensch, der eine Wohnung, ausreichend Kleidung und Essen besitzt, des weiteren noch über einen Fernseher oder ähnliches verfügt, als arm gilt? Was bedeutet der Begriff Armut, wenn er in Bezug auf die reiche Industrienation Deutschland verwendet wird und sich nicht auf das physische Existenzminimum bezieht? Was ist Armut? Auf Grund der Aktualität dieser Frage und meinem Interesse an der sozialen Arbeit, wo Armut oftmals eine zentrale Rolle einnimmt, habe ich das Thema zum Gegenstand meiner Hausarbeit gewählt. Mit diesem Thema wurde ich auch während meines Paktikums im
2
Kinder- und Jugendzentrum in einem sozialen Brennpunkt Wiesbadens konfrontiert.
Die vorliegende Hausarbeit soll einen Überblick über gegenwärtig wichtige Definitionen von Armut im modernen Wohlfahrtsstaat Deutschland geben und verschiedene Ansätze zur
Operationalisierung von dieser beleuchten. Nach der Fragestellung „Was ist Armut?“ wird auf relative und absolute Armut, danach auf den Lebenslagen- und den Ressourcenansatz, anschließend auf den Sozialhilfeansatz, die relative Einkommensarmut und den Deprivationsansatz eingegangen werden.
1. Was ist Armut?
Wird von Armut gesprochen, ist nicht immer eindeutig, was damit gemeint ist, denn es handelt sich um einen mehrdimensionalen, mehrdeutigen Begriff. „In der politischen wie auch in der sozialwissenschaftlichen Diskussion herrscht weder Einvernehmen über die begriffliche Bestimmung von Armut noch über dahinterliegende theoretische Konzepte (Leibfried / Voges 1992, S. 245). Der Begriff Armut unterliegt keiner international gültigen Definition. Er wird nie objektiv festgesetzt, sondern entwickelt sich unter dem subjektiven Einfluss der Werte und Normen der jeweils spezifischen Gesellschaft, weil selbst Sozialwissenschaftler in genannte integriert sind und die Gesellschaft demnach Einfluss auf ihren Armutsbegriff nimmt (Leibfried / Voges 1992, S. 66). „Eine Definition und Messung von Armut kann in dem Sinne objektiv sein, daß sie explizit, eindeutig und überprüfbar ist und auf einer Verwendung der besten verfügbaren Meßmethoden beruht (Leibfried / Voges 1992, S. 66). Die Betrachtung des Begriffs kann nicht isoliert, sondern nur im Kontext der jeweiligen Gesellschaft erfolgen. Zum Einen wird der Begriff von den Umständen geprägt, zum Anderen von der Gesellschaft selbst definiert. Wenn sich lediglich einige
3
Menschen als arm bezeichnen, werden sie innerhalb der Gesellschaftsstruktur nicht als solche wahrgenommen und sind soziologisch betrachtet nicht relevant. Erst wenn Armut als besondere Lebenslage offiziell anerkannt, als sozialer Status angesehen wird und man die Menschen dementsprechend zuzuordnen vermag, kann man von vorhandener Armut und ihrer Bedeutung für die Soziologie als gesellschaftliches Strukturmerkmal sprechen (Leibfried / Voges 1999, S. 35). Was unter dem Begriff Armut zu verstehen ist, hängt also von der mehrheitlichen Meinung der Bevölkerung ab, von der Frage, welche soziale Ungleichheit akzeptabel und welche handlungsbedürftig ist (Leibfried / Voges 1999, S. 40). Abhängig vom Verantwortungsgefühl der Gesellschaft wird der in Armut lebende Bevölkerungsteil unterstützt oder nicht. In Deutschland herrscht Konsens darüber, dass Armut bekämpft werden muss. Einerseits gilt sie als inhuman, andererseits soll Konflikten, die aus ihr möglicherweise erwachsen könnten, präventiv entgegen gewirkt werden.
Der Begriff Armut entzieht sich einer weltweiten Standardisierung. Unterliegt Armut aber einer national gültigen Definition in Deutschland? Was bedeutet hier Armut?
In Deutschland herrscht sowohl generell als auch in den Sozial- und Politikwissenschaften keine Einigkeit über die Bedeutung und Dimension des Begriffs Armut. Es existiert keine universell gültige Definition. Die Übereinstimmungen lassen sich lediglich auf folgende Punkte reduzieren (Geißler 2002, S.246):
In Deutschland, handelt es sich um relative, nicht um absolute Armut. Im Fokus steht das soziokulturelle, nicht das physische Existenzminimum. Des weiteren steht der Begriff Armut in direktem Zusammenhang zu Raum und Zeit, d.h., „daß Armut relativ zu dem historisch gegebenen Lebensstandard einer Gesellschaft interpretiert werden muss und dass Wertentscheidungen bei der Auswahl des Vergleichsmaßstabes unausweichlich sind“ (Andreß 1999, S. 72). Die Grundbedürfnisse der Menschen orientieren sich an den
4
gesellschaftlich vorhandenen, variierenden, sozialen, politischen, kulturellen und ökonomischen Lebensbedingungen und passen sich in der Regel an. Armut kann aus sozialstruktureller, kultureller, psychologischer, moralischer, politischer sowie ökonomischer Perspektive betrachtet werden und ist somit ein mehrdimensionaler Begriff (Hübinger 1996, S. 54).
2. Absolute und relative Armut
Von absoluter Armut wird gesprochen, wenn Menschen einen Mangel ihrer primären Grundbedürfnisse, zu welchen Nahrung, Obdach, Kleidung und Gesundheitsfürsorge gehören, erleiden. Es handelt sich folglich um Faktoren, die zur Lebenserhaltung notwendig sind und deren Vorhandensein die physische Existenz gewährleistet (Hübinger 1996, S. 56). Problematisch bei dem Begriff der absoluten Armut ist die Festlegung von allgemein gültigen Grundbedürfnissen, da diese je nach Mensch variieren. Zudem können Menschen über eine gewisse Dauer unter mangelnden Umständen leben, z.B. unter unzureichender Kalorienaufnahme, welche langfristig jedoch zum Tod führen würden (Hübinger 1996, S. 56). Indikatoren der absoluten Armut sind statisch und verändern sich nicht mit der Zeit. Im Falle eines Wohlstandsanstiegs, welcher die ärmeren Schichten impliziert, wird die Quote absoluter Armut demgemäß sinken oder sogar ganz wegfallen.
In Deutschland, wie auch in anderen modernen
Industriegesellschaften, kann man dementsprechend gegenwärtig nicht mehr von absoluter Armut sprechen, weil diese weitgehend beseitigt ist. Deswegen beschäftigt man sich hier vorwiegend mit dem Begriff der relativen Armut, welcher sich auf das soziokulturelle Existenzminimum bezieht. Sind also die primären Grundbedürfnisse ausreichend abgedeckt, der Betroffene aber vom soziokulturellen Leben, vom Minimum des Lebensstandards seiner Gesellschaft
5
Arbeit zitieren:
Petra Jung, 2003, Armut im Wohlfahrtsstaat Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Armut in der Bundesrepublik Deutschland
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Seminararbeit, 35 Seiten
ADS/ADHS: Erscheinungsformen und Therapiemöglichkeiten
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Politik und Religion in Saudi Arabien: eine kurze Einführung
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Referat (Ausarbeitung), 11 Seiten
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit, 22 Seiten
Der Einfluss der Hawthorne-Experimente auf den Human-Relations-Ansatz
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 19 Seiten
Auswirkungen der Ost-West Migration auf den deutschen Arbeitsmarkt
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 16 Seiten
Ein Überblick am Beispiel Deut...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 26 Seiten
Zu: Pierre Bourdieu - Die feinen Unterschiede
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
'Der Schüler bittet um Schock' - Das Milgram-Experiment in den...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 24 Seiten
Der Ruf nach Eliten - Können, sollen und dürfen in Deutschland Eliteho...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Die Vereinbarkeit von Islam und Menschenrecht
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Seminararbeit, 24 Seiten
Serielle Fernsehformate im Alltag von Kindern und Jugendlichen
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 26 Seiten
Die Theorie der Schweigespirale - Das sozialpsychologische Konzept der...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 21 Seiten
Der amerikanische Imperialismus und seine Gründe
Politik - Internationale Politik - Region: USA
Hausarbeit, 11 Seiten
Schlagfertigkeit - Ausgewählte Problemfälle der Kommunikation
Seminararbeit, 21 Seiten
Petra Jung hat den Text Armut im Wohlfahrtsstaat Deutschland veröffentlicht
Petra Jung hat einen neuen Text hochgeladen
Grundlagen, Probleme, Perspekt...
Matthias Richter, Klaus Hurrelmann
Heterogenität und Verantwortun...
Wolfgang Lauterbach, Thomas Druyen, Matthias Grundmann
Armut von Erwerbstätigen in europäischen Wohlfahrtsstaaten
Niedriglöhne, staatliche Trans...
Henning Lohmann
Mehr Ungleichheit Trotz Wachstum?: Einkommensverteilung Und Armut in O...
Publishing Oecd Publishing
Armut und Reichtum an Verwirklichungschancen
Amartya Sens Capability-Konzep...
Jürgen Volkert
0 Kommentare