Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kriterien der linguistischen Textanalyse von Zeitungskommentaren
2.1 Kommunikativ funktionale Aspekte
2.1.1 Grund lagen der Textfunktionen 4
2.1.2 Informative Textfunktion 5
2.1.3 Appellative Textfunktion 6
2.2 Strukturelle Aspekte
2.2.1 Textthema 7
2.2.2 Argumentative Themenentfaltung 11
3. Analyse der Textfunktion und der argumentativen
Themenentfaltung in Zeitungskommentaren zur Lage der
CDU /CSU vor der Bundestagswahl 2006
3.1 Artikel: „Stimmungs-Umschwung“
3.1.1 Analyse der Textfunktion 14
3.1.2 Analyse des Themas und seiner Entfaltung 17
3.2 Artikel: „Kommentar: CDU/CSU Kompetenz ange zweifelt“
3.2.1 Analyse der Textfunktion 20
3.2.2 Analyse des Themas und seiner Entfaltung 22
4. Vergleich der beiden Kommentare 25
5. Schlussbemerkung 27
Literaturverzeichnis S. 28
Anhang S. 29
Erkl ärung 32
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1. Einleitung
Zwei Zeitungsartikel zu vermeintlich ein und demselben Thema, zeitgleich veröffentlicht und dennoch inhaltlich und formal unterschiedlich. Der eine Artikel ist in der „Frankfurter Rundschau online“ von Thomas Kröter publiziert worden, der andere von Jochim Stoltenberg, ebenfalls online, in der Zeitung „Die Welt“. Veröffentlichungsdatum der beiden Zeitungsartikel war der 18.10.2004. Auf den ersten Blick beschäftigen sich die beiden Autoren, jeweils in der Form eines Kommentars, mit derselben Thematik: Es geht um die Lage der beiden Schwesterparteien CDU und CSU vor der anstehenden Bundestagswahl im Jahr 2006.
In wieweit sich dieser erste Eindruck von der Thematik bestätigen oder widerlegen lässt, soll eine linguistische Textanalyse beider Kommentare klären. Ausgangspunkt hierfür bildet die für die sprachwissenschaftliche Untersuchung von Texten grundlegende Unterscheidung von Struktur und Funktion.
Daher soll zunächst analysiert werden, welche Funktionen die beiden Kommentare haben. Dazu dienen unter anderem folgende Leitfragen: Sollen die Leser der Kommentare von einer bestimmten Meinung überzeugt werden? Sollen sich die angesprochenen Zustände ändern, indem an die verantwortlichen Personen appelliert wird? Können die Kommentare überhaupt objektiv informieren? Treten dabei mehrere Textfunktionen gleichzeitig auf, und wenn, wie verhalten sich diese zueinander? Der Schwerpunkt der Strukturanalyse liegt auf der Untersuchung der argumentativen Entfaltung des jeweiligen Themas. Dazu wird zu nächst analysiert, welche Themen genau in jedem der beiden Kommentare aufgegriffen werden. Danach erfolgt die Untersuchung der Argumentationsstruktur auf Grunde des modifizierten Argumentationsmodells von Toulmin. Ursprünglich ist dieses Modell für die Analyse von Sätzen entworfen worden und soll nun in modifizierter Form auf komplexe Texte angewendet werden. Im Anschluss an die Analyse der beiden Kommentare werden die Ergebnisse miteinander verglichen. Dabei sollen vor allem Unterschiede in der Argumentationsstruktur sichtbar gemacht werden,
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beziehungsweise auftretende Gemeinsamkeiten verdeutlicht werden.
2. Kriterien der linguistischen Textanalyse von
Zeitungskommentaren
2.1 Kommunikativ funktionale Aspekte
2.1.1 Grundlagen der Textfunktionen
Bei der kommunikativen Funktion von Te xten, kurz: Textfunktion, geht es um die Aufgaben, die einem Text zugedacht sind oder die er erfüllt. Damit ist in einer ersten Annäherung der Sinn, den der Text in einem Kommunikationsprozess gewinnt oder der Zweck, den ein Text in einer Kommunikationssituation erfüllt, gemeint. (vgl. Brinker 2001, 83) Ein Text kann mehr als nur eine kommunikative Funktion erfüllen. Er kann zum Beispiel zum einen informieren, aber auch gleichzeitig eine Appellfunktion besitzen. Nachrichtensendungen haben einen dominierenden Anteil an Informationsfunktion, allerdings ist ihnen eine gewisse Unterhaltungsfunktion auch nicht abzusprechen. In der Regel wird die Funktion eines Textes deutlich von einer Funktion bestimmt, diese wird dann als Textfunktion bezeichnet. (vgl. Brinker 2001, 84) Beinah alle bisher vorgelegte Modelle zur Unterscheidung von Textfunktionen orientieren sich in irgendeiner Form an dem Organon-Modell (vgl. Bühler 1982, 28ff) von Karl Bühler. (vgl. Brinker 2001, 102) Bühler unterscheidet dabei drei Grundfunktionen von sprachlichen Zeichen. Zeichen fungieren für ihn als Symbol für Gegenstände und Sachverhalte der Wirklichkeit, als Symptome der Innerlichkeit des Emittenten und als Signal, indem sie an den Rezipienten appellieren. Daraus lassen sich die drei Text funktionen Darstellungs-, Ausdrucks- und Appellfunktion, ableiten. (vgl. Adamzik 2004, 107) „Die heutzutage gängigsten Funktionskategorien beruhen auf der Sprechakttypologie, die Searl (1982) vorgeschlagen hat.“ (Adamzik 2004, 108) Auch in Searls Konzept s ind die drei Grundfunktionen von Bühler übernommen. (vgl. Brinker 2001, 105) Brinker hat sich allerdings heute mit seiner Einteilung in fünf grundlegende Textfunktionen durchgesetzt. Er unterscheidet in eine Informations-, eine Kontakt-, Appell-, Obligations- und
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eine Deklarationsfunktion von Texten. Die drei ersten Funktionen gleichen den Funktionen im Organon-Modell.
Die Obligationsfunktion verhält sich äquivalent zu dem komissiven Illokutionstyp bei Searl. Dabei legt sich der Emittent selbst auf ein zuk ünftiges Verhalten hin fest und geht damit eine Obligation oder ein Versprechen ein. (vgl. Adamzik 2004, 108) Beispiele dafür wären ein Diensteid oder eine Garantieerklärung. Texte mit Deklarationsfunktion sind Texte, welche soziale Tatsachen schaffen, wie zum Beispiel Heiratsurkunden, Gerichtsurteile oder ähnliches.
2.1.2 Informative Textfunktion
Der Emittent eines Textes gibt dem Rezipienten zu verstehen, dass er ihm Wissen vermitteln, ihn informieren möchte. Brinker verkürzt die Informationsfunktion in fo lgender Paraphrase: „Ich (der Emittent) informiere dich (den Rezipient) über den Sachverhalt X (Textinhalt).“ (Brinker 2001, 108) Der Emittent kann dabei die Sicherheit, mit der er das Wissen mitzuteilen vermag einschränken. Diese Textfunktion ist charakteristisch für Textsorten wie „Nachrichten“, „Bericht“, Beschreibung“. Aber auch die thematische Einstellung des Emittenten kann in die informative Textfunktion einfließen. Der Emittent kann positiv oder negativ gegenüber einem Sachverhalt eingestellt sein u nd dies denn dem Rezipienten mitteilen, ohne diesen allerdings damit beeinflussen zu wollen. (vgl. Brinker 2001, 109) Die informative Textfunktion ist damit sowohl mit einem sachbetonten, als auch einem meinungsbetonten Text, wie zum Beispiel einem Kommentar, kompatibel. Weder das sachbetonte Prinzip oder das meinungsbetonte Prinzip treten dabei völlig isoliert auf. Selbst Nachrichtentexte sind nicht völlig frei von Bewertungen. (vgl. Brinker 2001, 110) Ob eine wertende Aussage neben ihrer informativen Funk tion auch noch eine appellative Funktion hat, erschließt sich aus dem Kontext, bzw. der Textsorte der der Text angehört. (vgl. Brinker 2001, 111)
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2.1.3 Appellative Textfunktion
Die appellative Funktion kann nach Brinker durch folgende Paraphrase explizit gemacht werden: „ Ich (der Emittent) fordere dich (den Rezipient) auf, die Einstellung (Meinung) X zu übernehmen / die Handlung X zu vollziehen.“ (Brinker 2001, 112)
Im Bezug auf politische Kommentare ist zu beachten, dass diese oft mehrfach adressiert sind. Auf der einen Seite an die gemeinen Leser, die nicht politisch aktiv sind, auf der andern Seite an die politischen Akteure, auf die sich der direkt Kommentar bezieht. In politischen Kommentaren geht es dem Emittenten nicht nur um die Mitteilung seiner Einstellung zur Thematik, dies wäre eine reine Informationsfunktion, sondern er will, dass der Rezipient seine Bewertung des Sachverhaltes übernimmt. Ebenso soll vielfach direkt oder indirekt an den politisch Verantwortlichen appelliert werden etwas Bestimmtes zu unternehmen oder zu unterlassen. ( vgl. Brinker 2001, 112f) Die Einstellung des Emittenten kann nur auf Grund der zu Grunde liegenden Form der Themenentfaltung und die Art ihrer Realisierung herausgearbeitet werden. Typische Textsorten mit a ppellativer Grundfunktion sind unter anderem: Werbeanzeigen, Propagandatexte, Kommentare und Rezepte.
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2.2 Strukturelle Aspekte
2.2.1 Textthema
In der modernen Linguistik gibt es mehrere verschiedene Auffassungen zum Thema-Begriff. Ein Verständnis des Thema-Begriffs ist das Thema-Rehma-Konzept der Prager Schule begründet von V. Mathesius im Jahr 1929. Dieses Konzept hatte insbesondere aus textanalytischer S icht an Bedeutung gewonnen. (s. Gülich / Raible 1977, 60-89) Nach dieser Konzeption lässt sic h ein Satz in zwei funktionelle Teile untergliedern. Ein Teil ist das Thema und als Ausgangspunkt der Aussage zu betrachten. Der andere funktionelle Teil des Satzes ist das Rhema und bildet den Kern des Satzes. Beide Teile zusammen ergeben den Mitteilungswert des Satzes. Dieser zunächst recht primäre Ansatz wurde von in der 60er Jahren von František Daneš weiterentwickelt. (vgl. Brinker 2001, 49) Unter dem Thema versteht Daneš jenes, über das mitgeteilt wird. Also Informationen, die vorgegeben oder bekannt sind, sich auf Grund von Vorwissen identifizieren oder sich aus dem Kontext erschließen lassen. Als Rhema bezeichnet er das, was über das Thema mitgeteilt wird. Das Rhema bezeichnet dementsprechend kontextuell gesehen neue Informationen, die sich nicht aus dem zuvor Erwähnten oder dem Text- bzw. Situationszusammenhang ableiten lassen. Neu hingegen ist die Aufgabe der Satzorientierung, stattdessen wird die Textstruktur als Sequenz von Themen dargestellt und die eigentliche thematische Struktur eines Textes besteht in der Verkettung und Konnexität der Themen. Der gesamte Komplex der thematischen Relationen im Text wird als thematische Progression bezeichnet. Die verschiedenen Typen der thematischen Progression werden allerdings selten in reiner Form in einem Text realisiert, sondern werden vielmehr kombiniert und treten auch in zahlreichen Sonderfällen und Abweichungen auf. Die Abgrenzung von Thema und Rhema ist nur äußerst schwer intersubjektiv nachprüfbar, daher kommen Gülich und Raibel zu folgendem Schluss: „Das Fehlen eindeutiger und nachvollziehbarer Definitionskriterien läßt es häufig als schwierig erscheinen, die Thema-Rehma-Strukturierung auszumachen.“ (Gülich / Raible 1977, 83)
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Die Strukturbeschreibung bleibt nur an der Textoberfläche und „die Konzeption erscheint als nicht geeignet, um die Textstruktur als ein Gefüge von logisch-semantischen Relationen zwischen den Propositionen darzustellen. Diese zentrale Aufgabe der thematischen Textanalyse macht einen anderen Thema-Begriff erforderlich.“ (Brinker 2001, 51) Einem neueren Thema-Begriff entwirft Teun A. van Dijk im Rahmen der Erzähltextanalyse. Er entwickelte ein Konzept der Makrostruktur von Texten. Die Makrostruktur, auch Tiefenstruktur genannt, repräsentiert nach van Dijk die globale Bedeutung eines Textes. Durch das Verfahren der paraphrasierenden Reduktion werden aus den Propositionen eines Textes, auch Oberfläche ntext genannt, Makropropositionen abgeleitet. Diese Operation wird nach den Makroregeln durchgeführt. (vgl. van Dijk 1980, 45ff) Van Dijk beschreibt drei Makroregeln: D as Auslassen, das Verallgemeinern und das Konstruieren. Bei der Makroregel des Auslassens werde all diejenigen Propositionen ausgelassen, von denen man annimmt, dass sie zur Interpretation der folgenden Propositionen nicht lä nger relevant sind. Beim Verallgemeinern wird jede Proposition, in der ein Konzept vorkommt, das von einem gemeinsamen Superkonzept erfasst werden kann, durch die Proposition mit dem g emeinsamen Superkonzept ersetzt. Die letzte Makroregel ist das Konstruieren. Diese Makroregel besagt, dass jede Proposition die die normale n Voraussetzungen, Komponenten, Folgen oder Eigenschaften und Ähnliches eines globaleren Sachverhalts bezeichnet, durch eine Proposition, die den globalen Sachverhalt bezeichnet ersetzt wird. (vgl. van Dijk 1980, 45ff) Als Resultat der Anwendung der Makroregeln ergibt sich eine Textzusammenfassung. Sie kann als direkte Verbalisierung der Makrostruktur aufgefasst werden. Das Textthema ist nach van Dijk dementsprechend nicht anders als „eine Makroproposition auf einem bestimmten Abstraktionsniveau“. (van Dijk 1980, 50) Durch unterschiedliche Anwendung der Makroregeln können allerdings unterschiedliche Zusammenfassungen eines einzigen Textes entstehen. Das Thema muss in einem Text nicht explizit genannt werden, geschieht das dennoch spricht van Dijk von einem „Themawort“ oder einen „Themasatz“. (vgl. van Dijk 1980, 50)
Neben den Makrostrukturen spricht van Dijk auch noch von Superstrukturen. Unter Superstrukturen versteht van Dijk „eine Art abstraktes Schema, das die
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Arbeit zitieren:
Florian Reuther, 2004, Eine linguistische Textanalyse von Zeitungskommentaren mit dem Schwerpunkt "argumentative thematische Entfaltung", München, GRIN Verlag GmbH
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