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“And what the devil is all this about? Why was I brought here?”
Cary Grant als Roger Thornhill
Für viele Fans ist er sein bester Film, und für ihn selbst ist er die Summe seines amerikanischen Werks. Alfred Hitchcocks Thriller „North by Northwest“ (Der deutsche Verleihtitel lautet: „Der unsichtbare Dritte“) gehört zweifellos zu den Klassikern der Kinogeschichte.
Im Jahre 1958 gedreht, erzählt er die Geschichte eines imaginären Agenten, vom amerikanischen Geheimdienst erfunden und mit dem Namen Kaplan, einem Hotelzimmer und einem Koffer voller Anzüge ausgestattet. Durch eine Verwechslung hält ein feindlicher Spionagering den Werbefachmann Roger Thornhill für Kaplan. Thornhill kann weder den Irrtum aufklären noch die Polizei einschalten. Zur vollständigen Verwirrung trägt die junge Blondine Eve Kendall bei, die sich nacheinander als Mitglied des Spionagerings und als in eben jenen eingeschleuste amerikanische Agentin entpuppt.
Der britische Kino- und Fernsehregisseur Sir Alfred Hitchcock (1899- 1980) inszenierte seinen 45. Spielfilm als komplexes V erwirrspiel um Identitäten und Komplotte. Umgeben von seinen favorisierten Mitarbeitern wie dem Komponisten Bernhard Herrmann und dem Kameraroutinier Robert Burks schuf er einen Meilenstein moderner Filmkunst, der bis heute Filmkritiker und –theoretiker weltweit fasziniert. Das liegt vor allem an Dosierung und Stil des suspense, ein Stilmittel, das Hitchcock zur emotionalen Wirkung gezielt einsetzt.
Der Filmtheoretiker James Monaco definiert den suspense-Begriff, der nicht eins zu eins in die deutsche Sprache übersetzbar ist, als ein vor allem von Hitchcock popularisiertes Konzept des Spannungsaufbaus im Film; dabei dürfe der Zuschauer mehr wissen als die handelnden Figuren auf der Leinwand. Alfred Hitchcock selbst unterschied stets sehr streng zwischen suspense, Angst und Überraschung. Im Gespräch mit Francois Truffaut, dem französischen Filmregisseur, erklärte er, dass Überraschung eher eine Komponente des klassischen whodunit sei. Rätselspiele würden Neugier, aber keine Emotionen erwecken. Letztere seien für das suspense jedoch unabdingbar. Angst hingegen könne mit suspense einhergehen, sei aber nicht obligatorisch. suspene ist dem Hitchcock’schen Verständnis nach das wirkungsvollste Mittel, die
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Aufmerksamkeit des Zuschauers wachzuhalten, gleichgültig, ob es ein suspense ist, das sich aus der Situation ergibt, oder eines, bei dem der Zuschauer fragt: Was passiert nun? Somit kann man festhalten, dass es zwei Formen des suspense gibt. Zum einen das auf eine bestimmte Szene angelegte, zum anderen das grundsätzliche, permanente suspense, das sich auf die gesamte Filmhandlung und deren Verlauf bezieht.
Der Rezipient soll Anteil nehmen am Geschehen und mit den Protagonisten mitbangen bzw. mithoffen. Ein von dem Meister selbst immer wieder gern benutztes Beispiel i st die Situation mit der Bombe: Die Protagonisten sitzen an einem Tisch und unterhalten sich. Das Publikum weiß im Gegensatz zu den Akteuren, das sich unter dem Tisch eine Bombe befindet, die um 13.00 Uhr explodieren wird. Nun ist es 12.55 Uhr, und man sie ht eine Uhr. Plötzlich wird die eigentlich belanglose Unterhaltung der Menschen interessant, weil das Publikum daran teilnimmt. Es möchte interagieren und die Protagonisten warnen. Hitchcocks oberste Regel für suspense lautete darum: Die Zuschauer müssen i nformiert werden! Wenn man dagegen das Publikum nicht vorab über die Bombe unterrichte, dann hätte man zwar fünfzehn Sekunden einen Schockeffekt und damit eine Überraschung, aber kein suspense. Eine Überraschung wäre, Hitchcocks Definition folgend, nur dann sinnvoll, wenn sie wirklich dazugehöre, wenn das Unerwartete der Lösung quasi das Salz der Anekdote sei.
Unter Filmschaffenden und Filmwissenschaftlern kursieren bis heute verschiedene Erklärungen und Bewertungen des suspense hinsichtlich seines Einsatzes und Nutzen. Dabei geht es vor allem darum, ob es nicht eine allzu niedere Form des Schauspiels sei und zumeist eine nur künstlich erzeugte Spannung zum Nachteil der Handlung an sich. Truffaut postulierte, suspense sei die intensivste Darstellung dramatischer Situationen, die möglich sei – und darum gerade die wichtigste Form des Schauspiels. Allerdings würde eine derart bewusste Dramatisierung auch eine gewisse Willkür mit einschließen, die ein Maß an Unwahrscheinlichkeit mit sich bringe. Alfred Hitchcock konnte mit dem Vorwurf der Unwahrscheinlichkeit nie etwas anfangen, er machte sich nichts daraus, war er doch nur selten unwahrscheinlich in seinen Filmen. Sein Stil zeichnete sich grundsätzlich dadurch aus, dass das „Grauen“ plötzlich und unvermittelt ü ber Unschuldige hereinbricht und ein ungewöhnliches
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Zusammentreffen von Umständen die Protagonisten zwingt, sich mit der neuen, unbequemen Situation auseinander zu setzen. Auf dieser starken Disposition baute er eine straffe, bisweilen ironisch verspielte Dramaturgie auf, die ein Höchstmaß an Intensität entwickelte und nach einer Klimax eine rasche Aufklärung folgen ließ. Erst seit Beginn der 60er Jahre, speziell nach „Psycho“, ließ Hitchcock nach der Aufklärung der Geschichte das Ende offen oder zumindest halboffen.
Die Kunst, suspense zu schaffen, ist zugleich die Kunst, das Publikum zu packen, es zu beteiligen, es mitunter sogar zu Mitverschwörern zu machen. Francois Truffaut einigte sich im Dialog mit Alfred Hitchcock diesbezüglich auf die Formel ‚Regis seur + Film + Publikum’ anstelle von ‚Regisseur + Film’. Kritiker des „Master of suspense“ behaupten oft, Hitchcock würde zugunsten der Form den Inhalt vernachlässigen. Doch dies ist mitnichten so. Wie schon Eric Rohmer und Claude Chabrol festgestellt haben, ist Alfred Hitchcock weder nur Geschichtenerzähler noch ausschließlich ein Ästhet: Er sei einer der größten Erfinder von Formen in der ganzen Filmgeschichte, allenfalls noch vergleichbar mit Eisenstein oder Murnau, analysieren die beiden Regisseure. Die Form diene bei ihm nicht der Verschönerung des Inhalts, sondern sie würde ihn schaffen!
Im Fall von Hitchcocks „North by Northwest“ tauchen beide Varianten des suspense auf: die vordergründige, auf bestimmte Sequenzen angelegte und auf präzise Emotionen intendierende sowie die permanente Form des suspense, wie die konspirative Handlung wohl endet. Dieser Kriminalfilm weist, neben einigen anderen, fünf markante suspense-Sequenzen auf, die im Folgenden näher beschrieben werden sollen. Der Protagonist Cary Grant, in der Rolle des Roger Thornhill, wird von zwei Unbekannten entführt und in eine Villa gebracht, die er nicht kennt. Dort kommt es zur Konfrontation mit einem Mann, der sich als George Townsend ausgibt und Grant für einen CIA-Agenten hält, den er liq uidieren lassen will. Dazu wird er betrunken gemacht und in ein Auto gesetzt, um ihn selbst fahren zu lassen. Die außerhalb New Yorks gelegene Landvilla ist nur über eine steile Küstenstraße zu erreichen. Grant sitzt also sturzbetrunken im Wagen und führt vergnügt Selbstgespräche, während er aufs Gaspedal drückt. Die enorm spannende Szene gehört zu den
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Alexander Linden, 2005, Zum Aufbau des 'suspense' in Alfred Hitchcocks 'Der unsichtbare Dritte', Munich, GRIN Publishing GmbH
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