Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Historisches und Begrifflichkeiten 3
2.1 Kurzer historischer Abriss 3
2.2 Was ist Ästhetik? 7
2.3 Was bedeutet ästhetische Bildung? 10
2.4 Was ist eine ästhetische Erfahrung? 12
3. Ästhetische Erfahrungen in der heutigen Zeit 16
4. Zusammenfassung und Fazit 22
5. Literaturverzeichnis 25
1. Einleitung
1. Einleitung
Das vorliegende Essay befasst sich mit dem Thema ‚Ästhetische Bildung’ und geht der Fragestellung nach, in wie weit ästhetischer Bildung und Erfahrung, der Bildung der Sinne im modernen Zeitalter besondere Bedeutung zukommt, und wenn ja, welche Bedingungen, Faktoren und Entwicklungen als Erklärung herangezogen werden können.
Die menschlichen Sinne - der Tast-, der Hör-, der Seh-, der Geruchs- und auch der Geschmackssinn stellen für die Menschen Fenster zur Umwelt dar. Mittels verschiedener Sinneswahrnehmungen ist es möglich, Kontakt zur Umwelt aufzunehmen, sie wahrzunehmen und zu erfassen und auch in bestimmten Grenzen auf sie einzuwirken. Die Sinne ermöglichen die verschiedenartigsten Erfahrungen und fungieren als die Nahtstelle zwischen ‚Innen und Außen’, zwischen dem Menschen und der Welt - ohne die Sinne könnte der Mensch nicht in der Welt sein.
In wie weit ästhetischer Bildung und ästhetischen Erfahrungen im heutigen Zeitalter eine große Notwendigkeit und besondere Bedeutung zukommen, wird in dieser Arbeit erörtert und diskutiert. Ziel dieser Arbeit ist es nicht, einen vollständigen Überblick über das gesamte Feld und die verschiedenen Strömungen innerhalb der ästhetischen Bildung zu geben. Ebenso wenig soll dieses Essay die Arbeit und Gedanken eines einzelnen Autors vorstellen. Ziel ist es stattdessen, eine kurze Einleitung zu geben in die Thematik der ästhetischen Bildung und Erziehung und die Notwendigkeit der ästhetischen Erfahrung im modernen Zeitalter zu diskutieren.
Um dieser Fragestellung nachzugehen, wird in Kapitel 2 zunächst ein historischer Abriss über ästhetische Bildung gegeben, um darzustellen, in wie weit ästhetische Bildung in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten eine Rolle spielte. Zudem werden in den weiteren Abschnitten dieses Kapitels einige Begrifflichkeiten
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1. Einleitung
erklärt, d.h. es wird erläutert, was Ästhetik und Aisthesis, ästhetische Bildung und ästhetische Erfahrungen bedeuten. Eine genaue Darstellung und Erläuterung dieser Begriffe ist erforderlich, um erläutern und untersuchen zu können, ob und warum ästhetische Bildung, Empfindungs- und Wahrnehmungsvermögen in der heutigen Zeit von Bedeutung sind.
Das dritte Kapitel dieser Arbeit geht speziell auf die aktuelle gesellschaftliche und pädagogische Situation ein. Hierbei wird vor allem das Konzept der Anästhetik von Wolfgang Welsch herangezogen, um die Fragestellung dieser Arbeit zu untersuchen und zu beantworten.
Das letzte Kapitel (4) wird die Argumentationen und Überlegungen dieses Essays noch einmal zusammenfassend darstellen und in einem kurzen Fazit resümieren.
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2. Historisches und Begrifflichkeiten
Inhalt dieses Kapitel ist zum einen ein historischer Abriss über die ästhetische
Bildung (2.1), zum anderen werden die wichtigsten Begrifflichkeiten erörtert: In
Abschnitt 2.2 werden die Begriffe Ästhetik und Aisthesis erläutert. In dem
darauffolgenden Abschnitt 2.3 wird dargestellt, was Ästhetische Bildung’ bedeutet,
und der Begriff der ästhetischen Erfahrung’ wird in Abschnitt 2.4 erklärt.
2.1 Kurzer historischer Abriss
Die Bedeutung der Sinne für das Lernen, die Wahrnehmung und für
Bildungsprozesse ist keine neue Erkenntnis, sondern wird schon seit
Jahrhunderten thematisiert. Die ersten Hinweise finden sich bei Aristoteles, der
schon zur Zeit der Antike die Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung hervorhob
und dabei auch didaktische Hinweise gab: „Die beste Methode dürfte ( ) sein,
dass man die Gegenstände verfolgt, wie sie sich von Anfang an entwickeln“
(Gigon, 1971, S. 64) Andere wiesen darauf hin, dass Wissen und Erkenntnis
unmittelbar mit Sinneswahrnehmungen in Verbindung stehen, ja ohne diese gar
nicht möglich sind. So schrieb der Seelsorger und Pädagoge Johann Amos
Comenius (1592-1670):
„Daher ist die goldene Regel für alle Lehrenden: Alles soll wo
immer möglich den Sinnen vorgeführt werden, was sichtbar dem
Gesicht , was hörbar dem Gehör, was riechbar dem Geruch, was
schmeckbar dem Geschmack, was fühlbar dem Tastsinn. “
(Merkle, 1991, S. 56)
Und der Philosoph John Locke (1632-1704), der Begründer der
Erfahrungsphilosophie argumentierte, dass alle Erkenntnis ihren Ursprung in der
Wahrnehmung hat: „Nihil est in intel lectu, quod non antea fuerit in sensu“ (Nichts
ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war) 1 Auch die beiden
bedeutenden Pädagogen Jean Jacques Rousseau (1712-1778) und Johann
Heinrich Pestalozzi (1746-1827) betonten die Bedeutung der Förderung der
1 Dieser Ausdruck impliziert die Annahme, dass sinnliche und kognitive Wahrnehmung zweigeteilt
sind eine Annahme die in Abschnitt 2 2 aufgegriffen und diskutiert wird
2. Historisches und Begrifflichkeiten
Sinneswahrnehmung. Von Pestalozzi stammt das bekannte Schlagwort: ‚Lernen mit Kopf, Herz und Hand’, welches die Forderung enthält, dass Lernen immer aus einer Einheit von Denken, Fühlen und Handeln bestehen solle. Und Rousseau forderte ein Training der S inneswahrnehmung, da diese der Ursprung aller Erkenntnis sei (1978). Die Bedeutung eines solchen Trainings begründete er wie folgt:
Der Philosoph Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1764) führte den Begriff der Ästhetik erstmalig Mitte des 18. Jahrhundert in seiner fragmentarisch gebliebenen, in den Jahren 1750-1758 veröffentlichten Aesthetica (Theoretische Ästhetik) ein. Er gründete damit eine eigenständige, umfassende philosophische Disziplin: die ‚Episteme Aisthetika’, die Ästhetik. Diese philosophische Richtung strebte nach Wissen über das Sinnhafte und wurde zu einer kritischen Gegenposition zum Rationalismus der Aufklärung (Baumgarten, 1983, 1988).
Schiller prägte den B egriff der ästhetischen Erziehung in seiner 1795 veröffentlichten Schrift ‚Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen’. Ästhetische Erziehung sollte die Spannung zwischen den Kräften Sinnlichkeit und Vernunft aufheben und diese in ein Gleichgewicht bringen. Schiller sah im Spieltrieb die dritte Kraft, durch welche diese Balance hergestellt werden könne. Spieltrieb war in diesem Sinne gleichbedeutend mit dem ästhetischen Vermögen des Menschen. Die wesentliche Aufgabe der Erziehung lag deshalb für Schiller darin, den Menschen ästhetisch zu machen. Auch die Reformpädagogen setzten die Sinnenschulung fort und hoben die Bedeutung für die Erziehung der Kinder hervor, indem sie die einseitige Betonung des Verständnisses der Kognitionen in der Schule und der Erziehung und die
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2. Historisches und Begrifflichkeiten
Vernachlässigung der emotionalen und sinnlichen Entwicklung und Entfaltung der Kinder aufzeigten. Vor allem Maria Montessori (1870-1952) erkannte die Sinnesbildung als einen wesentlichen Bestandteil der Erziehung von Kindern an. Sinneserziehung sollte in den ersten Lebensjahren beginnen und durch die Bereitstellung von so genanntem ‚Sinnesmaterial’ angeregt werden. Spezielle Übungen mit dem Material schulen zum einen einzelne Sinne und lösen zum anderen Entwicklungsschritte bei den Kindern aus (Montessori, 1968, 1991). Maria Montessoris Konzepte kommen auch heute noch in vielen erzieherischen Einrichtungen zum Einsatz.
In der Waldorfpädagogik, begründet von Rudolf Steiner (1861-1925) (Steiner, 1981), wird das Kind als Sinnes- und Erfahrungswesen und die Sinnestätigkeit als Ansatzpunkt aller Bildungsprozesse angesehen. Bildung ist hier ein ganzheitlicher Vorgang, der Körper, Geist und Seele miteinander verbindet. Ebenso wie in der Montessori-Pädagogik nimmt die Sinnesbildung einen großen Raum ein, allerdings ist hier kein klares Programm mit Übungen vorhanden, wie dies bei Montessori der Fall ist.
Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand eine neue Diskussion hinsichtlich ästhetischer Bildung und Erziehung, in d er unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt wurden, die sich zu verschiedenen Strömungen und Ansätzen entwickelten. Im Bereich der Kunstpädagogik entwickelte Gunter Otto (1976, 1990, 1991) als einer der Hauptvertreter, teilweise auch zusammen mit Maria Otto (Otto und Otto, 1986, 1987), eine Didaktik, die ästhetische Erfahrung in den Vordergrund stellte. Otto fragte danach, wie ästhetische Erfahrungen und die Wahrnehmung von Sinn im (Kunst)Unterricht gefördert werden kann und wie (Kunst)Unterricht, der ästhetische Erfahrungen vermitteln will, hinsichtlich Struktur und Methode gestaltet sein soll.
Neben dieser kunstpädagogischen Strömung entwickelte sich etwa zur selben Zeit eine gesellschafts- und ideologiekritische Strömung, die unter dem Schlagwort ‚Ästhetik und Kommunikation’ bekannt wurde. Weniger war hier die ästhetische Erfahrung als vielmehr die gesellschaftliche Funktion und der ideologische Charakter der Kunst im Fokus des Interesses.
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2. Historisches und Begrifflichkeiten
Etwa Mitte der 80er Jahre entwickelte sich eine kunsthistorische und philosophische Strömung, die sich sowohl der gesellschaftskritischen als auch der kunstpädagogischen Strömung kritisch gegenüberstellte. Dieser Ansatz fragt nach der Besonderheit und dem bildenden Charakter der ästhetischen Erfahrung und greift damit u.a. Fragen von Schiller auf. Ein Hauptvertreter dieser Strömung ist Klaus Mollenhauer (vgl. u.a. 1985, 1986, 1988a, 1988b, 1990a, 1990b, 1991, 1993).
In einem weiteren Ansatz wurde vor allem die postmoderne Ästhetisierung der Gesellschaft thematisiert, teilweise unter philosophischen Aspekten, teilweise hinsichtlich pädagogischer und didaktischer Fragestellungen. Erstere werden vor allem von Wolfgang Welsch, letztere hauptsächlich von Gerd Selle untersucht. In dieser Strömung steht das ästhetische Verhalten und der Umgang mit der Pluralität der postmodernen Gesellschaft im Vordergrund, sowie auch das Leib-Seele-Verhältnis und die leibliche Fundierung der ästhetischen Erfahrung und Kultur.
Eine weitere Strömung, die sich aus der Diskussion um ästhetische Bildung und Erziehung ergab, ist die ästhetische Therapie. Hierbei wird - entgegen den anderen Ansätzen - die Besonderheit der ästhetischen Erfahrung nicht thematisiert sondern vorausgesetzt und als Mittel und Methode für die Therapie verwendet. Die ästhetischen Therapien sind wie die anderen Bereiche der Psychologie auch vielfältig: es gibt hier Musik-, Kunst- und Gestalt- als auch psychoanalytisch ausgerichtete Therapien. Vor allem diese Strömung hat enorm zur Popularität der ästhetischen Bildung und Erfahrung beigetragen. Seit Beginn der 90er Jahre lässt sich nun ein erneuter Aufschwung der ‚Bildung der Sinne’ vor allem auch in der pädagogischen Alltagspraxis feststellen, wobei dieser Trend aufgrund seiner enormen Ausmaße von einigen Autoren auch als „Sinnestrubel“ (Rumpf, 1994, S.16) bezeichnet wird. In vielen Gemeinden und Städten wurden Projekte durchgeführt und Themenparks eingerichtet. So entstand z.B. 1990 in Soest ein 1,5 km langer ‚Weg zur Entfaltung der Sinne - Versuche und Spiele nach Hugo Kükelhaus’, und in München 1993 im Olympiastadion eine ‚Sinnenlandschaft’ mit verschiedensten Geräten und
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Arbeit zitieren:
Judith Katenbrink, 2002, Über die Notwendigkeit der ästhetischen Erfahrung im modernen Zeitalter, München, GRIN Verlag GmbH
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