INHALT
Vorwort. 3
1. Das politische Fernsehmagazin. 4
1.1 Historische Entwicklung. 4
1.2 Allgemeine Charakteristika. 6
2. Untersuchungen an Westpol. 8
2.1 Sendetermine. 8
2.2 Einschaltquoten / Marktanteile. 9
2.3 Zielgruppe. 10
2.4 Die Moderatoren. 11
2.5 Themenspektrum. 11
2.6 Magazingestaltung. 12
3. Zusammenfassung. 14
4. Funktion und Stellenwert des Politmagazins in der heutigen
Gesellschaft. 15
Literatur 17
Das Genre des politischen Fernsehmagazins ist nicht erst eine spezifische Erscheinungsform unserer modernen Fernsehlandschaft, auch wenn dies durch den aktuellen Boom mit über einem Dutzend Politmagazinen auf den bundesdeutschen Fernsehsendern zunächst so erscheint.
Bereits in den 1950er Jahren gingen erste Sendungen dieses Formats über deutsche Fernsehsender und schon Anfang der 1960er Jahre erfolgten regelmäßige Ausstrahlungen. Seitdem konnte aber keineswegs von einem einheitlichen und kontinuierlichen Entwicklungsverlauf des politischen Fernsehmagazins die Rede sein, da es sich stets äußeren Umständen wie technischen Innovationen, Publikumsbedürfnissen und ähnlichem anpaßte oder aber auf Grund negativer Sanktionen von seinem eigentlichen Charakter einbüßte.
So kommt es, daß sich abhängig von der Entstehungszeit zahlreiche Subgenres und Individualstile herauskristallisiert haben.
Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, das politische Fernsehmagazin in seiner derzeitigen Gestalt an dem ausgewählten Beispiel WESTPOL darzustellen, nachdem zwecks Einordnung eine grobe Skizzierung der historischen Entwicklung des Genres vorgenommen und allgemeine Charakteristika aufgezeigt worden sind.
Da zu dem Magazin WESTPOL keine spezifische Sekundärliteratur zu finden war, stützen sich die Untersuchungsergebnisse dabei primär auf eigene Analyse der aufgezeichneten Sendungen vom 25. April, 2. Mai sowie 9. Mai dieses Jahres. Ergänzend kamen Informationen aus den entsprechenden Internetseiten (http://www.wdr.de/tv/westpol) und vom WDR zugesandten Broschüren hinzu. Dieser Hauptteil mündet in einer kurzen Zusammenfassung der Analyseergebnisse im Hinblick auf die Erwartungshaltung, die bezüglich der in der Sekundärliteratur erwähnten Charakteristika von Politmagazinen bestand. Dabei sollen neben Entsprechungen vor allem Besonderheiten von WESTPOL noch einmal explizit herausgestellt werden, durch die sich das Magazin von anderen abgrenzt.
Den Abschluß bildet ein allgemeiner Blick auf das Politmagazin und seine Funktion in der heutigen Gesellschaft. Obwohl es sich beim politischen Fernsehmagazin um eine Sendeform für seriöse Berichterstattung handelt, steht die stärkere Subjektivität und Meinungs betontere Form im Kontrast zu Nachrichten außer Frage.
Inwieweit dies legitim ist und im Sinne des Auftrages der öffentlich-rechtlichen Sender für Meinungsbildung genutzt werden kann, klingt in diesem abschließenden Teil zwar an, kann und soll aber nicht im Rahmen dieser Arbeit weitreichender behandelt werden.
-4- 1.Das politische Fernsehmagazin
1.1 Historische Entwicklung
Die Wurzeln des politischen Fernsehmagazins bzw. des Fernsehmagazins im Allgemeinen sind in dem amerikanischen Kommerzfernsehen zu suchen, wo das Format als Rahmen für Warenwerbung diente. Daraus resultierend wies es von Beginn an spezifische Charakteristika auf, die sich mit Attributen wie populär, unterhaltsam, billig und kurzzeitig beschreiben lassen. 1 Diese Merkmale, besonders das der additiven Struktur durch das Auseinanderreißen der Beiträge, sind dem Magazinformat bis heute weitgehend erhalten geblieben, obwohl es in den 1950er Jahren durch die großen öffentlich-rechtlichen Sendestationen Europas wie der BBC und dem NDR für seriöse Berichterstattung adaptiert wurde und ganz von der Funktion des Werberahmens abkam. 2 Folglich stellte man in Deutschland nach Übernahme dieser Präsentationsform auch nicht deren Unterhaltungscharakter in den Vordergrund, sondern betrachtete ihn lediglich als Grundlage für die eigentlich beabsichtigte Informierung des Publikums.
Der lockere Charakter des Magazinformats kam kam dabei insofern gelegen, als daß das deutsche Volk nach dem vorangegangenen Krieg Bedarf nach Informationen aus aller Welt hatte, und mental wieder aufgebaut werden mußte. Keine andere Präsentationsform hätte dieses so gut zu erfüllen vermocht wie das politische Fernsehmagazin.
Somit war die Resonanz von Beginn an auch relativ groß, so daß mit PANORAMA und REPORT ab Anfang der 1960er Jahre bereits regelmäßige Ausstrahlungen von Magazinen, zumeist in wöchentlichem Rhythmus, erfolgten.
Nachdem durch das Politmagazin WELTSPIEGEL auch eine Auslandsberichterstattung eingeführt wurde, entschloß man sich im Jahre 1963 zu der Gründung eines eigenen Nachrichtenpools für Magazinbeiträge, der unter dem Namen INTERMAG bis heute seinen Sitz in Brüssel hat. 3
Die Entwicklung innerhalb des Genres Fernsehmagazin nahm in der BRD im Folgenden aber sehr unterschiedlichen Verlauf. Lediglich grobe Phaseneinteilungen sowie Entwicklungstendenzen lassen sich skizzieren, da die Bedeutungszuschreibungen teilweise erheblich variieren. So läßt sich für die 1960er Jahre klar das politische Magazin als dominierend ausmachen, das nach seiner Etablierung in Form von regelmäßiger Ausstrahlung jedoch bereits in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts durch politische Entschärfung weitgehend an Präsenz verlor. Die zunehmende Mäßigung der Politmagazine lag vor allem in dem verstärkten Angebot solcher Sendungen sowie dem Parteienproporz innerhalb der Sendeanstalten begründet, aber auch die Bemächtigung anderer
1 Vgl. Schumacher: Magazine im Fernsehen, S. 331.
2 Ebd. S. 330.
3 Ebd. S. 333.
-5-Sujets führte nach und nach zur politischen Entschärfung der Politmagazine, 1 die mit einem ständigen Quotenverlust gleichzusetzen war.
Anstattdessen erfreuten sich die aufkommenden Kultur- und Unterhaltungsmagazine wachsender Beliebtheit bei den Fernsehzuschauern, so daß sie in den 1970er Jahren die bis dahin dominierenden Politmagazine in ihrer Vormachtstellung zu verdrängen vermochten. Letztere verloren spätestens Mitte der 1970er Jahre gänzlich an Publikumsinteresse, da sie durch die stärkere Einbindung von Unterhaltungselementen statt Bildung zunehmend an Profil verloren und die Einschaltquoten durch Expansion des Angebots enorm sanken.
Obwohl die politischen Fernsehmagazine nach Aufkommen der aktuellen Tagesnachrichtenmagazine wie dem HEUTE-JOURNAL oder aber den TAGESTHEMEN ab 1978 konzeptuelle Veränderungen vornahmen, indem sie durch gründlichere Recherchen und Minifeatures zu überzeugen versuchten, konnten sie diese Entwicklungstendenz nicht stoppen. Ganz im Gegenteil bewirkte die weitere Aufschlüsselung des Magazins in Subgenres wie dem Lifestyle-, Ratgeber-, Reise-, Auto-, Frauen-, Männer- oder Seniorenmagazin in den 1980er Jahren einen noch stärkeren Quotenrückgang. Erschwerend kam schließlich noch die Markterweiterung durch Privatanbieter hinzu. 2 Erst seit 1984 können die Politmagazine und täglich ausgestrahlten Sendungen in Magazinform wie z. B. die TAGESSCHAU von einem Wiederaufleben sprechen. Durch zunehmende Vermischung von Information und Unterhaltung (Infotainment) seit Ende der 1980er Jahre sowie die bei den kommerziellen Privatsendern mit Vorliebe behandelten Sex- und Sensationsthemen seit Beginn dieses Jahrzehnts 3 konnte wieder ein stetig wachsender Programmanteil für Fernsehmagazine verbucht werden.
Allein in den Jahren 1991 / 92 standen 57 Magazine 68 Serienangeboten im deutschen Fernsehen gegenüber, wodurch das Format zweifellos zu einem Mainstream-Genre gezählt werden kann. 4 Zu diesem Erfolg trägt das Subgenre des politischen Fernsehmagazins sicherlich einen Großteil bei, denn derzeit gibt es weit mehr als ein Dutzend solcher Sendungen auf bundesdeutschen Kanälen. Doch wie konnte es nach so vielen Jahren rückläufiger Tendenz durch Genrevielfalt, politischer Entschärfung und ähnlichem zu einem erneuten Boom des Politmagazins kommen? Der Erfolg, sichtbar an dem quantitativen Zuwachs politischer Magazine, liegt meiner Meinung nach vor allem in dem verstärkten Eingehen auf Rezipientenbedürfnisse begründet. Durch zunehmendes Infotainment sowie eine Abkehr von dem analytisch-distanzierten Moderationsstil zu Gunsten eines moralisch-appellierenden Stils mit ironischen Elementen 5 vermag man dem modernen, unterhaltungsorientierten Publikum zu entsprechen.
1 Vgl. Schumacher: Magazine im Fernsehen, S. 334.
2 Ebd. S. 335.
3 Ebd. S. 329 f..
4 Ebd. S. 330.
5 Vgl. Schumacher: Moderation im Magazin, S. 204.
Arbeit zitieren:
Wencke Wallbaum - v. Kloeden, 1999, Westpol - Ein Fernsehmagazin "unter der Lupe", München, GRIN Verlag GmbH
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