Fremdsprachenlernen über das Internet 2
- am Beispiel Deutsch als Fremdsprache
1 Einleitung
Das Internet verändert die Welt, so scheint es. Ehen werden durch das Internet gestiftet, Wirtschaftskontakte herbeigeführt. Man muss dank Internet nicht mehr zwingend auf die Bank, Lebensmittel werden einem ins Haus geliefert und eines Tages sitzen alle Menschen vor dem heimischen Rechner und leben virtuell. Diese Vision ist traurig, aber doch macht sie vor unserem Leben nicht halt. Und so wie uns manches durch das Internet erleichtert werden soll, soll auch das Lernen damit einfacher werden. Das Internet hält Einzug in den Fremdsprachenunterricht und die Vorschläge, wie man es einsetzen kann, nehmen ständig zu. Welche Möglichkeiten des Einsatzes gibt es? Was aber ist von diesen Möglichkeiten zu halten? Und vor allem, wie und wo findet sich ein brauchbares Projekt für den Einsatz?
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Nach einem kurzen allgemeinen Überblick über das Internet folgt die Vorstellung des Sprachenlernens im Tandem via Internet. Es werden der Ablauf, Möglichkeiten, Links, Vorteile und Nachteile aufgeführt. Im
4. Kapitel geht es um Internet im DaF-Unterricht. Er gewinnt durch die Integration des Internet neue Möglichkeiten hinzu, die das Sprachenlernen bereichern und die Lerner mit motivierenden Sprachaktivitäten in der Zielsprache für die Informationsgesellschaft vorbereiten.
2 Internet - einige Erklärungen und Informationen
Die weltweite Vernetzung von Computersystemen, die per Datenleitungen ständig miteinander verbunden sind, stellt das Internet dar. Dieses Netzwerk ermöglicht verschiedene Dienste. Vor allem werden die Dienste E-Mail (electronic mail) und WWW (World Wide Web) täglich millionenfach genutzt. Weitere Dienste sind zum Beispiel ftp (Übertragung von Dateien / Programmen auf andere Rechner) und Chat (simultane schriftliche Kommunikation).
Das Versenden und Empfangen elektronischer Nachrichten, welche am Computer geschrieben und über das Internet verschickt werden, bezeichnet man als E - Mail. Alle Internetnutzer haben die Möglichkeit, weltweit miteinander zu kommunizieren, mit der
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Voraussetzung, dass diese eine E - Mail - Adresse haben, die an dem @ - Zeichen erkennbar ist. Dadurch kann man potentiell von jedem anderen Internetnutzer angeschrieben werden. Folgende Vorteile hat die E - Mail: Die Nachrichten werden sekundenschnell versandt.
Man kann die E - Mails weltweit empfangen, egal ob aus den USA oder Japan. Es werden kaum Kosten verursacht. Sie stehen dem Empfänger sofort zur Verfügung.
Sie können auch später gelesen werden, falls der Empfänger nicht anwesend ist. Die E - Mail ermöglicht auch das Verschicken ganzer Dateien, die beispielsweise mit Textverarbeitungs- oder Grafikprogrammen erstellt worden sind (attachment). Der multimediale Bereich des Internet ist das World Wide Web (WWW). Die im Internet zur Verfügung stehenden Informationen sind so vielfältig wie das Angebot von Universitätsbibliotheken, Buchgeschäften, Zeitungsläden, Archiven, Tourismus und vielen anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen, Firmen und Institutionen. WWW - Seiten präsentieren nicht nur Textinformationen, sondern können auch multimedial mit Grafiken, Bildern, Videos und Sounddateien angereichert sein. Alle Informationen im WWW haben eine Adresse, die mit http:// beginnt.
Für die Nutzung des Internet wird ein Zugang benötigt. Dieser ist für Universitätsangehörige zum Beispiel über die Universität selbst meist kostenfrei. Private Haushalte erhalten den Zugang für eine Monatsgebühr über einen kommerziellen Provider (Anbieter). Heutzutage ist die Monatsgebühr für die Nutzung des Internet schon sehr gering. Einer der größten und bekanntesten Provider ist zum Beispiel AOL (America Online). In jedem Land und in jeder Stadt gibt es auch Provider, die Internetzugänge anbieten, oft sogar etwas günstiger. Die Verbindung erfolgt zwischen dem Computer und der Telefonleitung, um das Internet nutzen zu können. Die Verbindung wird entweder durch ein Modem, einer ISDN - Karte oder Flatrate hergestellt. Die notwendige Software liefert der Provider oder kann auch kostenlos aus dem Internet bezogen werden. Die Software wird als Browser bezeichnet, zum Beispiel der Internet Explorer (Microsoft) oder Mozilla Firefox. Dieser ermöglicht die Arbeit im WWW. 1
Detaillierte Informationen zum Internet findet man im Internet unter:
Bernd Zimmermanns Online - Internet - Kurs http://www-kurs.de
1 Donath, Reinhard: „Deutsch als Fremdsprache - Projekte im Internet“. Stuttgart 2001: S. 7.
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3 Das Sprachenlernen im Tandem
Der Erwerb einer Sprache beinhaltet mehr als das Erlernen von Kommunikationsregeln und Instrumentarien in dieser Sprache. Sprachliche Elemente sind sicherlich wichtige Bestandteile, aber der Erwerb einer fremden Sprache erschöpft sich nicht darin. Für den Sprachunterricht bedeutet das, dass die Aneignung sprachlicher Elemente ohne Berücksichtigung der inhaltlichen Komponente nicht möglich ist. Demzufolge bedeutet das Erlernen einer fremden Sprache auch die Vermittlung der Inhalte, die in dieser Sprache verankert sind 2 .
Das mit dem Erwerb der fremden Sprache verbundene Kennenlernen einer anderen Kultur als Bildungsgegenstand, wurde im schulischen Fremdsprachenunterricht in Deutschland über viele Jahrzehnte nicht berücksichtigt. Entsprechend zu diesem Bildungsverständnis stand nicht die aktive Beherrschung dieser Sprache durch den Lerner im Vordergrund. Die sogenannte „kommunikative Wende“ veränderte den Fremdsprachenunterricht gründlich. Sprache und Kultur ist ein untrennbares Phänomen. Die Kommunikation und die Verwendungszwecke treten zu den mit der Sprache vermittelten Inhalten. Nach Steinmüller ist die zwischenmenschliche Kommunikation kein Selbstzweck, keine Tätigkeit, sondern eine zielgerichtete, von Interessen bestimmte Form menschlicher Tätigkeit. Der Zweck und das persönliche Ziel bestimmen jetzt den Fremdsprachenunterricht. Wollen die Lernenden die Sprache aus touristischen Zwecken erlernen, interessieren sie sich für die Literatur dieser Sprache oder haben sie einfach berufliche Gründe? Das Lernen der Fremdsprache ist also ziel- und zweckorientiert. 3 Wäre das Zusammenbringen von Fremdsprachenlernern mit Sprechern der Zielsprache, die ein wirkliches Interesse an den Mitteilungen des Sprachlerners haben, nicht für das interkulturelle Lernen und die Vorbereitung auf die Sprachverwendung in der Wirklichkeit sinnvoll? Dieser Vorgang wird als „Tandem“ bezeichnet. Steinmüllers Überlegungen treffen auf die Tandem-Methode zu, denn hier liegt eine deutliche Zweckorientierung und Interessengebundenheit der Sprachlernmotivation vor. Was bedeutet eigentlich Tandem-Methode? Steinmüller beschreibt Tandem folgendermaßen:
„ Für das TANDEM-Prinzip wird das Zusammentreffen zweier Fremdsprachenlerner unterschiedlicher Nationalität und mit verschiedenen Muttersprachen organisiert, die sich
2 Steinmüller, Ulrich: „Sprachunterricht und Interkulturelle Erziehung: Das Tandem-Prinzip.“ In: Tandem-
Sprachen lernen im Austausch. Berlin 1991, S.9.
3 Steinmüller, Ulrich (1991): S.10.
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gegenseitig unterrichten. Da die Muttersprache des einen Zielsprache des anderen ist und umgekehrt, entsteht ein Sprachenlernen auf Austauschbasis, indem jeder der beiden TANDEM-Partner gleichzeitig Lerner und Lehrer ist. 4
Das Festigen des Sprechens und Hörverstehens durch reale fremdsprachliche Kommunikation im Tandem und die Förderung der Hilfsbereitschaft, gegenseitiges Verständnis und Toleranz sind die Ziele, die Steinmüller beschreibt. Nicht nur das Erlernen der Fremdsprache, sondern auch die Möglichkeiten ihrer Verwendbarkeit sind wichtig für Lernmotivation und Lernprozess. 5
Dills Ansichten nach ist "Tandem" das Verfahren, dass zwei Sprecher verschiedener Muttersprachen sich diese gegenseitig vermitteln, vor allem in Europa eingesetzt worden. Organisatoren sind vor allem private Sprachschulen - seit Mitte der 80er Jahre im Tandem-Netz zusammengeschlossen - sowie Universitäten, Goethe-Institut usw. 6 Nach der Meinung von Brammerts basiert die Beziehung zwischen den Tandempartnern darauf, dass jeder von ihnen die Sprache des anderen lernen will. Die Ziele hat Brammerts wie folgt, zusammengefasst:
Die Tandempartner möchten mehr über die Person und die Kultur des Partners erfahren.
Die Tandempartner helfen sich gegenseitig bei der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse.
Die Tandempartner tauschen darüber hinaus auch andere Kenntnisse aus, zum Beispiel aus ihrem beruflichen Tätigkeitsbereich. 7
Brammerts betont, dass Sprachenlernen im Tandem autonomes Lernen ist, das in der Regel Sprachkurse nicht ersetzt, sondern auf ihnen aufbaut, sie oft auch begleitet. Im Vergleich zu anderen Formen außerunterrichtlichen Lernens gibt es Gemeinsamkeiten: Beide Partner lernen durch Kommunikation in der Fremdsprache, und die Effektivität des Lernens ist abhängig von den Kommunikationsstrategien und Lerntechniken, über die ein Lerner verfügt. Brammerts definiert und beschreibt die Funktion des Tandemlernens folgendermaßen: Sprachenlernen im Tandem ist Lernen durch authentische Kommunikation mit einem native speaker, der dem Partner als Modell dienen kann. Da beide Partner zumindest schon
4 Steinmüller, Ulrich (1991): S.11.
5 Steinmüller, Ulrich (1991): S.12.
6 Dill, C.-J.: „Grundlagen und Bewertung des Tandem-Konzepts für den Unterricht der Deutschen
Fremdsprache“. München 1988, S.63.
7 Brammerts, Helmut & Little David: „Leitfaden für das Sprachenlernen im Tandem über das Internet.“ Bochum:
Brockmeyer, 1996, S.2.
Arbeit zitieren:
Nadine Zerche, 2005, Sprachenlernen via Internet - am Beispiel Deutsch als Fremdsprache, München, GRIN Verlag GmbH
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