Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit. 4
1.2. Abgrenzung von anderen Themengebieten und Untersuchungsmethoden. 5
2. Standortplanung
2.1. Gründe für Investitionen in einen neuen Standort. 6
2.1.1. Standortteilung/ Standorteinheit. 10
2.1.2. Outsourcing und Offshoring. 11
2.1.3. Globalisierung. 14
2.2. Kriterien bei einer Standortplanung. 17
2.2.1. Beschaffungsorientierte Faktoren. 17
2.2.1.1. Immobilien. 17
2.2.1.2. Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe und Betriebsmittel. 18
2.2.1.3. Verkehrslage. 19
2.2.1.4. Arbeitskräfte. 19
2.2.1.5. Agglomeration. 20
2.2.1.6. Deglomeration. 21
2.2.2. Produktionsorientierte Faktoren. 21
2.2.2.1. Natürliche Begebenheiten. 22
2.2.2.2. Technische Begebenheiten. 22
2.2.3. Absatzorientierte Faktoren. 22
2.2.3.1. Absatzpotential. 22
2.2.3.2. Verkehrslage. 23
2.2.3.3. Agglomeration. 23
2.2.3.4. Deglomeration. 24
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2.2.4. Überwiegend staatsabhängige Faktoren. 24
2.2.4.1. Staatliche Hilfen. 24
2.2.4.2. Staatliche Belastungen. 25
2.2.4.3. Weitere staatliche Randbedingungen. 26
2.2.5. Weiche Standortfaktoren. 28
2.2.5.1. Unternehmensbezogene weiche Standortfaktoren. 28
2.2.5.2. Arbeitnehmerbezogene weiche Standortfaktoren. 28
2.2.6. Zusammenfassung. 30
2.3. Ablauf und Werkzeuge der Standortplanung. 32
2.3.1. Checklisten-Modelle. 32
2.3.2. Scoring-Modelle. 33
2.3.3. Break-Even und Cash-Flow-Analyse. 35
2.3.4. Steiner-Weber-Modell. 37
2.3.5. Ablauf der Standortplanung. 38
3. Die Standortfaktoren in den neuen Mitgliedsländern der E.U 42
3.1. Beschaffungsorientierte Faktoren. 42
3.1.1. Immobilien. 42
3.1.2. Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe und Betriebsmittel. 44
3.1.3. Verkehrslage. 48
3.1.4. Arbeitskräfte. 51
3.1.5. Agglomeration und Deglomeration. 56
3.2. Produktionsorientierte Faktoren. 60
3.2.1. Natürliche Begebenheiten. 60
3.2.2. Technische Begebenheiten. 61
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3.3. Absatzorientierte Faktoren. 63
3.3.1. Absatzpotential. 63
3.3.2. Verkehrslage. 67
3.3.3. Agglomeration und Deglomeration. 67
3.4. Überwiegend staatsabhängige Faktoren. 68
3.4.1. Staatliche Hilfen. 68
3.4.2. Staatliche Belastungen. 72
3.4.3. Weitere staatliche Rahmenbedingungen. 73
3.5. Weiche Standortfaktoren. 77
4. Zusammenfassung. 78
5. Verwendete Literatur. 79
6. Abkürzungsverzeichnis. 85
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1. Einleitung 1.1 Problemstellung, Ziel und Aufbau der Arbeit
Die Frage nach einer Investition in einen neuen Standort ist heute eine der zentralsten Fragestellungen, die sich viele Unternehmen stellen. Die zunehmende Globalisierung ist ein Grund dafür, dass sie wichtiger erscheint als je zuvor. Sich öffnende Waren-, Kapital- und Dienstleistungsmärkte, kompatiblere Währungen, weltumspannende, für nahezu jedermann zugängliche Kommunikationstechnik und auch der schneller werdende Verkehr zwischen allen Punkten der Erde führen zu einem steigenden globalen Wettbewerb, den es vorher in einer solchen Dimension noch nie gegeben hat.
Gerade politische Veränderungen haben in letzter Zeit die Globalisierung vorangetrieben. So ist die Erweiterung der Europäischen Union am 01.Mai 2004 ein Ereignis, welches nach dem Fall des eisernen Vorhangs, dem Untergang des kommunistischen Systems und der deutschen Einheit eines der größten geschichtlichen Ereignisse Europas darstellt. Nach radikalem Wandel auf politischer Ebene werden nun auf wirtschaftlicher Seite weitere Veränderungen erwartet.
Die zunehmende Globalisierung ist ein Punkt, der viele Unternehmen bewegt, Chancen wahrzunehmen und unternehmerisches Engagement in den neuen Ländern Europas zu zeigen. Trotz der besser werdenden Infrastruktur, größer werdender politischer, rechtlicher und öffentlicher Sicherheit, gibt es aber auch zahlreiche Begebenheiten, die zum Verhängnis werden können.
Diese Arbeit soll aufzeigen, wie man in diesem riesengroßen neuen Markt den optimalsten Standort für ein Unternehmen im produzierenden Gewerbe findet. Nach einer allgemeinen Einleitung werden Kriterien und Entscheidungsverfahren bei einer Standortwahl diskutiert. Es werden Veränderungen der landesbezogenen Standortfaktoren im Rahmen der Aufnahme der osteuropäischen Länder in die EU dargestellt. Es werden die interessantesten neuen osteuropäischen Staaten der EU vorgestellt, indem Standortfaktoren aufgezeigt werden. In der Schlussbetrachtung werden Folgerungen und Konsequenzen aus der wissenschaftlichen Betrachtung gezogen.
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1.2 Abgrenzung von anderen Themengebieten und Untersuchungsmethoden
Die Arbeit befasst sich im Wesentlichen mit der Frage der Standortplanung für Unternehmen im produzierenden Gewerbe und bezüglich dessen wird eine Betrachtung der interessantesten neuen osteuropäischen Mitgliedsländer der EU vorgenommen.
Dabei wird die Thematik Outsourcing, welche das Auslagern bzw. Ausgliedern von Arbeitsbereichen eines Unternehmens darstellt, soweit behandelt, dass hier nur die wichtigsten Aspekte im Hinblick auf die Standortplanung beleuchtet werden. Bei der Betrachtung der Standortfaktorenausprägung in den Ländern Osteuropas werden größtenteils nur überregionale und länderspezifische Faktoren dargestellt. Es würde den Rahmen sprengen, alle regional- und gemeindebezogenen Standortfaktoren in den jeweiligen Ländern zu untersuchen. Bei einigen Faktoren wird die Betrachtung auf Polen und die Tschechei konzentriert, da eine Darstellung in allen Ländern zu umfangreich wäre. Bei der Nutzung des Begriffes „Standortplanung“ ist hier nicht die innerbetriebliche Standortplanung, welche die Ausrichtung einzelner Gebäude und Anlagen beschreibt, gemeint. Die Betrachtung bezieht sich ausschließlich auf den außerbetrieblichen Standort, welcher den Ort des Unternehmens als ganzes oder den Ort selbstständiger Teileinheiten definiert.) 1 Als Quellen für diese Arbeit wurden zum Großteil Fachbücher, Fachaufsätze von Experten Osteuropas sowie Online-Publikationen von Behörden, Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen verwendet. Die verwendeten Quellen sind im Einzelnen im Anhang aufgeführt und auch sehr für weitere Untersuchungen zu empfehlen.
___________________________________________________________________________ 1 Vgl. Jung, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S.58
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2. Standortplanung
Der Standort ist ein Faktor im Unternehmen, welcher wesentlichen Einfluss auf die Zukunft eines Betriebes hat. Oftmals ist mit einer Neuinvestition eine langfristige Kapitalbindung verbunden und oftmals haben gerade Großinvestitionen den Charakter eines „point of no return“. So bedarf eine Revidierung eines solches Investments oftmals eine weitere hohe finanzielle Aufwendung. Umso gründlicher sollten daher alle auf das Unternehmen wirkenden Standortbedingungen untersucht werden. 2.1 Gründe für Investitionen in einen neuen Standort
Die Investition in einen neuen Standort kann man als ein so genanntes strategisches Investment bezeichnen. Das Kapital wird über einen längeren Zeitraum gebunden und beeinflusst daher auch wesentlich den Erfolg oder Misserfolg eines Investments oder sogar des gesamten Unternehmens in der Zukunft. Man kann auch sagen, dass es sich um eine langfristig orientierte Umsetzung einer Unternehmensstrategie bzw. Unternehmenszielsetzung handelt. Solche strategischen Ziele sind in Tabelle 1 dargestellt:
___________________________________________________________________________ 2 Vgl. Müller-Jundt, Uhe, Betriebliche Grundfunktionen, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Band 1, S.66 ff.
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Aus all diesen Zielen lassen sich weitere Ziele ableiten, wie z.B. Entwicklung neuer Produkte, Erhöhung der Produktqualität, etc. So ist auch die Errichtung eines neuen Standortes Mittel, um strategische Ziele zu erreichen.) 3 Schwierig dabei ist, mit dem Erreichen eines Zieles ein weiteres nicht negativ zu beeinflussen. Sobald die Führung eines Unternehmens beschlossen hat, ein strategisches Ziel mit Hilfe einer Neuerrichtung eines Standortes zu erreichen, muss ein Standortentscheidungsprozeß durchgeführt werden. Dabei müssen Standortfaktoren, wie sie noch in Kapitel 2.2 beschrieben werden, mit Standortplanungswerkzeugen, welche im Kapitel 2.3 vorgestellt werden, beurteilt und abgewogen werden, um den besten Standort herauszufiltern.
So werden häufig Rentabilitätsziele mit einer Verringerung von Produktionskosten zu erreichen versucht. Eine Kostensenkung strebte man im Hochlohnland Deutschland lange mit Rationalisierungsmaßnahmen wie der Automatisierung an. Doch steigende Automatisierung bedeutet auch sinkende Flexibilität, so dass eine Kostensenkung bei hochautomatisierten Prozessen nur noch auf anderem Wege möglich erscheint.) 4 Dabei spielen vor allen Dingen der Arbeitslohn, mögliche Fördermittel und Steuerbelastungen eine Rolle. Auf diese Faktoren wird noch detailliert im Kapitel 2.2 eingegangen. Gerade aus diesen Gründen erscheinen vielen Unternehmern im produzierenden Gewerbe die neuen osteuropäischen Mitgliedsstaaten der EU als interessanter Investitionsstandort.
Um Markstellungsziele zu erreichen und den Absatz zu erhöhen, werden oft Vertriebsniederlassungen errichtet. So haben viele exportorientierte deutsche Unternehmen solche Niederlassungen in aller Welt errichtet und somit die BRD auch eine der höchsten Exportquoten aller Länder begründen können.
Wenn Einfuhrbeschränkungen oder hohe Zölle verhindern, einen Markt zu erschließen, wird dies häufig mit Hilfe von so genannten „Schraubenzieherfabriken“ umgangen. Dabei werden Montagefabriken in den Absatzländern errichtet, um dort die einzelnen Produktkomponenten zusammenzubauen, womit die Beschränkungen umgangen oder vermindert werden können. Japanische Unternehmen nutzen diese Möglichkeit, um Einfuhrbeschränkungen der Europäischen Union für Automobile zu umgehen.) 5
___________________________________________________________________________ 3 Vgl. Odenthal, Wissel, Strategische Investments in Unternehmen, S. 87 ff. 4 Vgl. Lay, Schirrmeister, Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung, Sackgasse Hochautomatisierung ?, S.2 ff. 5 Vgl. Altmann, Außenwirtschaft, Band 3, S.41 ff.
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Die Errichtung von Fertigungsstätten in Absatzmärkten kann durch die Schaffung von Arbeitsplätzen die Akzeptanz von Produkten erheblich fördern, zumal eine schnellere Belieferung des Kunden und eine schnellere Reaktion auf Marktveränderungen möglich ist.) 6 Verbunden mit einer Vertriebsniederlassung ist häufig die Errichtung einer Serviceniederlassung in Kundennähe. Somit ist eine langfristige Kundenbindung möglich, da die Serviceniederlassung Sicherheit für den Kunden bezüglich der zukünftigen Funktionstüchtigkeit eines Produktes bietet und dadurch ebenfalls den Absatz fördern kann.
Bei einer Umfrage unter 1.600 deutschen, mittelständischen Unternehmen im April 2004 stellte die Beratungsgesellschaft Ernst&Young fest, dass mindestens jedes achte der Unternehmen eine eigene Vertriebsgesellschaft im Ausland hat. Die Ergebnisse der Umfrage sind im Diagramm1 aufgeführt. Mehrfachnennungen waren möglich. Immerhin 7% haben einen eigenen Produktionsstandort im Ausland. Beteiligungen an Auslandsunternehmen haben 8%, Joint Ventures 4% der befragten Unternehmen.
___________________________________________________________________________ 6 Vgl. VDA, Auto Jahresbericht 2004, S.14 ff. 7 Vgl. Ernst & Young, Mittelstandsbarometer 2004, S.7
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Hat ein Unternehmen weltweite Netze von Service-, Vertriebs- und Produktionsstätten, spricht man von einem global player.) 8 Oftmals werden dann die Produkte den Bedürfnissen und Anforderungen des jeweiligen Absatzmarktes angepasst. Die größten Vorteile einer solchen globalen Produktion und Vermarktung sind die flexible Nutzung von Fertigungskapazitäten und die Ausweitung von Absatzmöglichkeiten. Werden z.B. für ein Produkt mehrere Einzelkomponenten benötigt, können diese an denjenigen Standorten produziert werden, die für die Fertigung am effektivsten sind. Somit können die Vorteile eines jeden einzelnen Standortes voll ausgenutzt werden, wodurch insgesamt ein kostengünstigeres und qualitativ besseres Produkt entstehen kann. Wird ein Produkt weltweit vermarktet spricht man von einer world brand oder auch Weltmarke. Beispiele dafür sind Coca-Cola, Nike, McDonalds, Levis usw.. Kennzeichnend für solche Vermarktungsstrategien sind häufig standardisierte Produkte und Marketingmaßnahmen. Die Stückzahlen von solchen Produkten sind oftmals um einiges höher als die von kleineren Anbietern, so dass hier oft höhere Deckungsbeiträge bzw. durch günstigere Angebote ein noch höherer Absatz realisiert werden kann. Eine Standardisierung kann jedoch auch Ablehnung beim Kunden verursachen, so dass eine Anpassung an regionale Kundenwünsche, Kultur, Mode und Sprache nicht selten erforderlich ist und auch vorgenommen wird. Oftmals entstehen durch die Produktion von Erzeugnissen im Ausland sogenannte „Hybridprodukte“. Bei ihnen stimmen Erzeugnisland und Markenherkunft nicht mehr überein. So können Hybridprodukte bei Konsumenten zur Verwirrung führen, da der Widerspruch von Marken- und Herkunftsinformationen Unsicherheit über die Qualität des Produktes erzeugen kann.) 9
Auch Macht- und Prestigeziele versucht man mit der Standortwahl zu erreichen. So ist die Errichtung einer Unternehmenszentrale in einem Hochhaus wie z.B. dem Frankfurter Messeturm weitaus imposanter als eine Firmenzentrale in üblichen Immobilien. Nicht selten werden historische Gebäude als Firmenrepräsentanz und Symbole der Macht genutzt. Andere Ziele wie finanzielle, soziale oder ökologische sind weitestgehend indirekt abhängig von der Standortwahl. Sie lassen sich eher erreichen durch innerbetriebliche Prozesssteuerung.
___________________________________________________________________________ 8 Vgl. Maier, Beck , Allgemeine Industriegeographie, S. 27 ff. 9 Vgl. ebenda, S. 17 ff.
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2.1.1 Standortteilung / Standorteinheit
Bei einer Investition in einen neuen Standort muss man unterscheiden zwischen Standorteinheit und Standortteilung. Bei einer unternehmerischen Tätigkeit an einem Ort spricht man von Standorteinheit. Ist die Tätigkeit auf mehrere Standorte verteilt, handelt es sich um eine so genannte Standortteilung.
Eine weitere Unterteilung kann man vornehmen in Neugründung eines Betriebes, Verlagerung oder Neuerrichtung einer Niederlassung, was ebenfalls im Diagramm 2 gezeigt wird. Bei einer Verlagerung muss man zwischen einer Voll- und Teilverlagerung trennen. Eine Teilverlagerung bzw. Standortteilung wird oftmals vorgenommen, wenn eine mögliche Expansion des Betriebes behindert wird durch eine Bebauung in der Umgebung. So ist es sehr oft der Fall, dass durch Vergrößerung einer Gemeinde Betriebe in Wohngebiete hineinwachsen. Oftmals werden den Betrieben dann Auflagen wie z.B. Lärmschutz oder andere umwelttechnische Auflagen gemacht, welche dann ebenfalls oftmals zur Verlagerung führen.
Oftmals wird eine Teilverlagerung vorgenommen, um Unternehmensteile auszugliedern. Man spricht dann auch von Outsourcing, worauf noch im nächsten Kapitel näher eingegangen wird.
___________________________________________________________________________ 10 Vgl. Jung, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S.58
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Ist eine Teilung des Standortes nicht möglich, weil es z.B. unwirtschaftlich wäre, eine Fertigungskette zu trennen oder ein hoher bürokratischer Aufwand entstehen würde, sollte eine Totalverlagerung des Betriebes vorgenommen werden.
Solche Vollverlagerungen nahm man sehr häufig in den 60er und 70er Jahren bei landwirtschaftlichen Betrieben vor. Es wurden so genannte Aussiedlerhöfe errichtet, um wirtschaftlich effizienter zu arbeiten und um die negative Geruchsbelastung in Wohngebieten einzudämmen.
Man spricht von einer erzwungenen Standortteilung, wenn z.B. Produkte einer Produktionskette zwangsmäßig an unterschiedlichen Orten gewonnen werden müssen, also eine weit verstreute Lage von Rohstoffen oder auch Produktionsfaktoren vorhanden ist, oftmals bei Kohle und Erz zur Stahlerzeugung. Eine Standortspaltung macht auch dann Sinn, wenn Transportkosten zwischen Absatzmarkt und Produktion zu hoch sind. Bei transportzeitempfindlichen Gütern wie z.B. Lebensmitteln macht eine Spaltung ebenfalls Sinn. 2.1.2 Outsourcing und Offshoring
Unter Outsourcing versteht man einerseits die Fremdvergabe von Aufgaben an andere Firmen, was oftmals beim Fuhrpark, Wachdienst, Kantine und in ähnlichen Bereichen geschieht. Andererseits versteht man hierunter auch die Ausgliederung in Tochterfirmen oder anderen selbstständig operierenden Einheiten, wobei diese dann weiterhin unter dem Besitz der Mutterfirma sind. Häufig werden Fertigungsschritte oder auch Verwaltungseinheiten wie die Buchführung ausgegliedert. Outsourcing kann eine geographische Spaltung des Standortes zur Folge haben, was aber nicht zwangsläufig sein muss.
Die Vorteile von einer solchen Ausgliederung von Prozessen sind vielfältig.) 11 Die neuen Einheiten können sich meist näher und flexibler am Markt bewegen, da sie unabhängiger von der eigentlichen Unternehmensführung sind. Dadurch kann eine verstärkte Orientierung auch auf Fremdkunden mit marktgerechten, oft geringeren Preisen geschaffen werden. Durch Spezialisierung können bessere Leistungen erbracht werden und durch eine meist höhere Auslastung der Produktionskapazitäten kann effizienter gewirtschaftet werden. Durch den Zwang, marktgerechte Preise anbieten zu müssen, entsteht die Notwendigkeit zu ständigen Kostensenkungsmaßnahmen und Innovationen. Für das Mutterunternehmen entsteht oft ___________________________________________________________________________ 11 Vgl. Kinkel, Lay, Fraunhofer Institut Systemtechnik und Innovationsforschung, Fertigungstiefe - Ballast oder Kapital ?, S.1 ff.
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die Möglichkeit, über die outgesourcten Prozesse einen kostenmäßig besseren Überblick zu erhalten als vor dem Outsourcing.
Natürlich gibt es auch Nachteile bei einer Ausgliederung von Prozessen.) 12 So ist durch die mehr oder weniger gegebene Unabhängigkeit vom Mutterunternehmen eine Einwirkung auf den outgesourcten Bereich nicht mehr in dem Maße möglich, wie es vorher war. Oftmals entstehen Reibungsverluste durch das notwendige Abstimmen von Vorgängen. Des Weiteren können Kompetenzen und Know-How durch das Agieren am Markt abfließen. Durch Spezialisierung auf einen bestimmten Aufgabenbereich werden angrenzende Bereiche oftmals nicht mehr angeboten, da die Leistung nicht mehr kostendeckend angeboten werden kann.
Insgesamt gesehen hat also das Outsourcing viele Vor-, aber auch Nachteile, so dass es oft dazu kommt, dass eine Outsourcing-Maßnahme wieder rückgängig gemacht wird. Man spricht dann von Insourcing. Bei einer Umfrage des Fraunhofer Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung wurden im Jahr 2001 1.630 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland nach ihren Gründen für Out-/Insourcing von Entwicklungs-, Fertigungs- und EDV-Leistungen gefragt. Mehrfachnennungen waren möglich. Es sind für das Outsourcing Gründe wie Kosten, Flexibilität und Auslastung vorrangig. Beim Insourcing dominieren unzureichende Qualität, geringe Flexibilität und die geringere Kompetenz des ___________________________________________________________________________ 12 Vgl. Kinkel, Lay, Fraunhofer Institut Systemtechnik und Innovationsforschung, Fertigungstiefe - Ballast oder Kapital ?, S.1 ff. 13 Vgl. ebenda, S.4
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outgesourcten Bereiches.
Oftmals wird der Begriff Outsourcing mit der so genannten Fertigungstiefe in Verbindung gebracht. Ist die Fertigungstiefe eines Produzenten niedrig, so meint man damit, dass er viele Produktionsschritte bzw. Wertschöpfungsketten ausgliedert.
Bei einer Umfrage des Fraunhofer Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung wurden 1.630 Unternehmer aus dem verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2001 gefragt, welche Faktoren sie für wichtig erachten, eine Investition im Ausland zu tätigen. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich. Die Ergebnisse der Umfrage sind in Diagramm 4 dargestellt. ___________________________________________________________________________ 14 Vgl. Kinkel, Erceg, Lay, Fraunhofer Institut Systemtechnik und Innovationsforschung, Auslandsproduktion - Chance oder Risiko für den Produktionsstandort Deutschland ?, S.6
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Zu sehen ist, dass sich eine klare Tendenz zu einigen Faktoren abzeichnet. Die Kosten der Produktionsfaktoren spielen bei 65% der befragten Unternehmen eine Rolle, bei 60% ist auch die Markterschließung wichtig. Nach der Nähe zum Großkunden mit 34% kommen Steuern, Abgaben und Subventionen erst an vierter Stelle mit 21%. Werden durch Auslandsinvestitionen Unternehmensteile outgesourct, spricht man von Offshoring. Die dabei oftmals zwangsläufig auftretenden Sprachbarrieren werden in Kauf genommen wegen anderer überwiegender Vorteile. Der geographische Aspekt steht beim Offshoring im Vergleich zum Outsourcing im Vordergrund.
Der Stand der Eigenleistungsanteile im verarbeitenden Gewerbe wurde ebenfalls vom Fraunhofer Institut Systemtechnik und Innovationsforschung im Jahr 2001 in Deutschland untersucht. Es wurden Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe befragt. So liegt der Anteil bei Entwicklungsleistungen bei etwa 69% (von 1326 Unternehmen), in der Fertigung bei 75% (von 1322 Unternehmen) und in der EDV bei 62% (von 1228 Unternehmen).) 15
2.1.3 Globalisierung
Oftmals zwingt ein steigender Wettbewerbsdruck Unternehmen dazu, den Schritt zu einer Standortneuerrichtung in Ländern mit günstigeren Produktionsfaktoren und besseren Rahmenbedingungen zu tun.
So wird der Konkurrenzdruck für nahezu alle Unternehmen im produzierenden Gewerbe mit zunehmender Globalisierung immer stärker. Das Öffnen der Märke durch Wegfall von Handelshemmnissen ist ein Grund für steigenden Konkurrenzdruck aus dem Ausland. Dies nicht nur im Warenverkehr, sondern auch bei Dienstleistungen und Kapital. Der Abbau von administrativen Kapitalverkehrsbeschränkungen sorgt für eine Liberalisierung der Kapitalmärkte.) 16
Ein Indikator für diese Entwicklung ist der Anstieg der Direktinvestitionen. Ein Negativsaldo ist bei reifen, hochindustriellen Staaten normal, die Höhe dieses Saldos kann jedoch als Indiz für eine Standortschwäche gedeutet werden.
___________________________________________________________________________ 15 Vgl. Kinkel, Lay, Fraunhofer Institut Systemtechnik und Innovationsforschung, Fertigungstiefe - Ballast oder Kapital ?, S.6 16 Vgl. Le Monde diplomatique, Atlas der Globalisierung, S.6 ff.
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Ein weiterer Indikator ist der steigende Welthandel, wie aus Tabelle 2 hervorgeht. Nach Angaben der World Trade Organization wuchs der weltweite Export im Jahr 2003 um 16%, im Vorjahr um 5% und von 1995 bis 2000 durchschnittlich pro Jahr um 5%. Eine besonders starke Steigerung ist im Handel mit China und den osteuropäischen Ländern festzustellen. Der Export der Zentral- und Osteuropäischen Staaten stieg 2003 um 30%, der Import um 27%. Die Zahlen zu Nordamerika beziehen sich auf Nordamerika ohne Mexiko.
Der Globalisierung bedeutet aber nicht nur ein Öffnen der Märkte, sondern auch ein Aufholprozess zwischen den westlichen Industrienationen und der Dritten Welt. Gekämpft wird dabei auch um ökologische Ressourcen, die immer knapper werden. Die sich im Geschäftsleben entwickelnde Konzentration auf weniger verschiedene Sprachen, steigende Verbreitung dieser und auch weltumspannende Kommunikationsmöglichkeiten, was z.B. das rasante Wachstum der weltweiten Internetanschlüsse belegt, sorgen für eine ___________________________________________________________________________ 17 Vgl. World Trade Organization, Statistik i03.xls
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Globalisierung des Wissens und des Informationsaustausches. So stieg z.B. die Anzahl der Internetbenutzer weltweit von etwa 40 Mio. im Januar 1996 bis zu ca. 605 Mio. Nutzer im September 2002. Die Globalisierung des Wissens wird zwar u.a. durch das Internet vorangetrieben, oftmals werden jedoch Schlüssel- und Hochtechnologien der hochindustrialisierten Ländern durch Patente geschützt. Schwellenländer produzieren daher im High-Tech Bereich oftmals nur in Lizenz, was aber nicht immer ausreicht, um einen 100%-igen Schutz vor einem Kopieren der Technologien zu garantieren.) 18 So sind Produktpiraterie und Technologieklau im größeren Stil durch Joint-Ventures Deutscher Firmen in China in den letzten Jahren verstärkt bekannt geworden. Asiatische Firmen sind bekannt für das Kopieren von europäischen Produkten.
Der steigende Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft zwischen nahezu allen Punkten der Erde, welcher noch vor einigen Jahrzehnten als undenkbar galt, sorgt ebenfalls für wachsende Welthandelsbeziehungen. Sinkende Transportkosten sorgen dabei ebenfalls zu einem Wachstum der globalen Verkehrsleistung.
Anders formuliert führt die Globalisierung nicht nur zu einem globalen Wettbewerb der Produkte, sondern auch zu einem Wettbewerb der Standorte. Die Globalisierung der Produktion und der Wettbewerb um multinationale Investitionen haben Einfluss auf den Unternehmensstandort. Schwellenländer konkurrieren um Investitionen dabei oftmals mit besonderen Anreizen wie finanziellen oder steuerlichen Hilfen.
___________________________________________________________________________ 18 Vgl. Le Monde diplomatique, Atlas der Globalisierung, S.10ff
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2.2 Kriterien bei einer Standortplanung
Zuerst einmal müssen diejenigen Faktoren definiert werden, welche für den zukünftigen Standort wesentlichen Einfluss auf Ertrags- und Kostenseite haben. Diese Faktoren können natürlich von Unternehmensbranche zu Branche unterschiedlich sein. Man kann dabei wie folgt unterscheiden:) 19 2.2.1 Beschaffungsorientierte Faktoren
Der beschaffungsorientierte Faktor spiegelt alle Aspekte, die die Beschaffung der Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital einschließen, wieder. Dazu zählt das Beschaffungspotential von Immobilien, Arbeitskräften, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Betriebsmittel und Energie. Auch Faktoren wie Verkehrslage, Transportzeit und -kosten sowie Agglomerations- und Deglomerationsvorteile spielen eine Rolle. 2.2.1.1 Immobilien
Beim Auswahl einer geeigneten Immobilie sollte man beachten, dass Immobilien in Ballungszentren häufig teurer sind als in ländlichen Gebieten. Die Preise für Immobilien können sehr stark wegen unterschiedlich gutem Bauzustand, Qualität, Alter und Lage schwanken. Von Bedeutung ist dabei auch, wie groß die zu erwerbende Liegenschaft ist, ob eine spätere Expansion möglich ist, ob Altlasten vorhanden sind, ob die Eigentumsverhältnisse klar sind oder schon bestehende Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Vor dem Kauf einer unbebauten Liegenschaft sollte geprüft werden, inwieweit eine Bebauung des Grundstückes möglich ist. Dem Erwerb einer Immobilie kann man natürlich auch die Pacht oder Miete eines Anwesens vorziehen, wobei hier kurzfristig gesehen finanzielle Vorteile winken. Der Immobilienerwerb kann durch gesetzliche Vorschriften reglementiert sein. Die Besteuerung des Immobilienerwerbs und des Eigentums kann ein erheblicher Kostenfaktor sein. Die laufenden Kosten zum Gebäudebetrieb und -unterhalt, wie Reparaturen, Reinigung, Gas-, Wasser-, Strom-, Heizölkosten, etc. können ebenfalls je nach Investitionsstandort stark schwanken.
___________________________________________________________________________ 19 Vgl. von Corsten, Reiß, Becker, Betriebswirtschaftslehre, S.99
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Christian Finke, 2005, Osteuropäische Länder der EU als potentielle Standorte für Unternehmen des produzierenden Gewerbes, München, GRIN Verlag GmbH
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