Inhaltsverzeichnis
Seite 3
1. Fortschritt durch gesellschaftlichen Zwang Eine Einleitung
Seite 3
2. Vom Einzelnen zur Gesellschaft
Seite 5
3. Forderung nach Rollenkonformität
Seite 6
4. Prozess der Sozialisierung
Seite 7
5. Fazit
Literaturverzeichnis
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1. Fortschritt durch gesellschaftlichen Zwang? – Eine Einleitung
Schon immer ist es so gewesen, dass sich der einzelne Mensch an der Gesellschaft orientiert bzw. orientieren muss. Gesellschaftliche Zwänge, Normen, Regeln, Richtlinien gibt es in der ganzen zivilisierten Welt. Seien sie schriftlich festgehalten, wie z. B. im Gesetzbuch oder unausgesprochen, jeder kennt die Werte, Rechte und Pflichten nach denen er sich zu richten hat, um Ansehen in seinem Umfeld zu erreichen.
Aber was wäre, wenn es diese vorgeschriebenen Verhaltensweisen nicht gäbe? Hätte sich die Menschheit auch ohne sie so weit entwickelt, würde sie einen größeren Fortschritt ohne sie tun?
Um gesellschaftliche Prozesse wie diesen erklären zu können, wird das Modell des homo sociologicus verwandt. Der Begriff homo sociologicus wurde von Doktor Lord Ralf Dahrendorf in den 50er Jahren durch sein gleichnamiges Buch geprägt. Darin versucht er der Beziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, in der es sich befindet, auf den Grund zu gehen und wie man den Prozess der Sozialisierung mittels sozialen Rollen und Positionen erklären kann.
2. Vom Einzelnen zur Gesellschaft
Für amerikanische Soziologen, wie z. B. Cooley, ist die Gesellschaft nicht aus Individuen, sondern aus Gruppen aufgebaut. Diese Ansicht ist aber in sofern problematisch, dass in Menschengruppen der Einzelne untergeht. Andere Soziologen wiederum nehmen die Sozialpersönlichkeit eines Einzelnen als Anhaltspunkt, dabei ist schwer auf die Gesellschaft zu schließen. Aber es müssen der Einzelne und die Gesellschaft vermittelt werden. Talcott Parsons macht in dieser Hinsicht einen guten Anfang, in dem er von „sozialen Gebilden“ bzw. „sozialen Systemen “ als Struktureinheiten der Gesellschaft und „Rollen“ des Einzelnen spricht. Dahrendorfs homo sociologicus steht „am Schnittpunkt des Einzelnen und der Gesellschaft“ (1977: 20).
Um den Begriff soziale Rolle zu erklären, kann man zunächst einmal Bezug auf das Theater und das Schauspiel nehmen. Begriffe wie Maske, Charakter und Rolle sind in dem Zusammenhang ausschlaggebend. Schauspieler bekommen ihre Rolle
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vorgegeben und lernen diese bestimmten vom Drehbuchautor vorgegebenen Verhaltensweisen und Charakterzüge zu spielen, dabei können sie eine Vielzahl von Rollen übernehmen. Nachdem der Vorhang gefallen und das Stück zu Ende ist, setzt der Schauspieler seine Maske ab und „spielt“ wieder den Menschen, der er selbst wirklich ist. Denn im realen Leben des Individuums erscheint ebenfalls eine große Zahl von Rollen. Sie beinhalten Verhaltensansprüche an ihren Träger, deren Einhaltung oder Nichteinhaltung durch die Gesellschaft sanktioniert werden können. Das bedeutet, dass man sich den Verhaltensweisen stellen muss. Damit „gibt der Einzelne seine unberührte Individualität zwar auf, gewinnt aber das Wohlwollen der Gesellschaft, in der er lebt; sträubt der Einzelne sich gegen die Forderungen der Gesellschaft, dann mag er sich eine abstrakte und hilflose Unabhängigkeit bewahren, doch er verfällt dem Zorn und den schmerzhaften Sanktionen der Gesellschaft“ (Dahrendorf 1977: 27).
In einigen Rollentheorien (wie z. B. bei Linton) werden aber auch die Rechte und Pflichten einer Person mit der Rolle in Beziehung gesetzt. Dabei ist die Komplementarität der Rollen zu beachten, d. h. eine Rolle kann nicht getrennt von den anderen Rollen betrachtet werden. Diesen Zusammenhang kann man gut am Beispiel der Rollen von Vater und Sohn zeigen: die eine Rolle kann nur aufgrund der anderen existieren und umgekehrt.
Soziale Rollen hängen immer auch mit sozialen Positionen zusammen. Positionen sind z. B. Staatsbürger, Ehemann, Mutter, Autofahrer, Fußballspieler oder auch Mitglied eines Clubs zu sein. Positionen teilen mit, in welchen sozialen Bezugsfeldern die Person steht, aber sie sagen nichts über die Art der Beziehung aus. Ein einzelner Mensch kann und muss immer eine Mehrzahl von Positionen einnehmen, man vermutet auch, dass die Zahl der den Einzelnen betreffenden Positionen mit der Zunahme der Komplexität der Gesellschaft größer wird. Und selbst Positionen können komplex sein, denn man kann sie als Menge von Positionssegmenten verstehen. Jedes der Segmente aus dem Positionsfeld gibt eine Beziehungsrichtung an. Die Position „Verkäufer“ beispielsweise besteht aus den Positionssegmenten „Verkäufer-Kunde“, „Verkäufer-Vorgesetzter“, „Verkäufer-Kollegen“, die alle eine Beziehungsrichtung angeben. Positionen geben also nur den Ort in einer sozialen Struktur an, während die soziale Rolle „die Art der Beziehungen zwischen den Trägern von Positionen und denen anderer Positionen desselben Feldes“ (Dahrendorf 1977: 33) aufzeigt.
Quote paper:
Katja Nixdorf, 2005, Homo sociologicus - Fortschritt durch gesellschaftlichen Zwang?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Ralf Dahrendorf: "Homo sociologicus, ein Versuch zur Geschichte, ...
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