Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis .................................................................................................................... 3
1. Einleitung 4
2. Bedeutung der Begriffe Legasthenie und Lese- Rechtschreibschwäche 4
3. Ursachen für eine Lese- Rechtschreibschwäche 6
4. Wie macht sich eine Lese- Rechtschreibschwäche bei Kindern bemerkbar 9
5. Früherkennung einer Lese- Rechtschreibschwäche 12
6. Behandlungsmöglichkeiten und Förderkonzepte der Lese - Rechtschreibschwäche
bei Kindern in der ersten und zweiten Klasse 13
6.1 Die Wichtigkeit einer Förderung Lese- Rechtschreibschwacher Kinder 13
6.2 Wessen Aufgabe ist die Behebung der Lese- Rechschreibschwäche 14
6.3 LRS - Erlasse 16
6.4 Grundbedingungen für den Lese- und Schreibprozess 17
6.5 Beispiele von Förderungsmaßnahmen 18
6.5.1 Fördergruppen 18
6.5.2Übungen zum Beheben einer Lese-Rechtschreibschwäche 19
6.5.3 Die Spieltherapie 28
6.5.4 Auswahl der Übungsmaterialien 28
6.6 Der Übergang der verschiedenen Entwicklungsstufen 29
6.7. Was wird vom Lehrer bei der Förderung verlangt 30
7. Rolle der Eltern bei Kindern mit einer LRS 31
8. Außerschulische Maßnahmen 32
9. Schluss 32
Literaturverzeichnis 34
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1. Einleitung
In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Lese- und Rechtschreibschwäche oder kurz mit der LRS. Sie wird definiert als eine Minderleistung im Lesen oder / und im Rechtschreiben.
Ich versuche auf die Ursachen einer Lese- Rechtschreibschwäche einzugehen. Im weiteren Verlauf werde ich im Hauptteil der Hausarbeit versuchen auf die Therapie der Lese- Rechtschreibschwäche einzugehen.
Dabei werde ich mich besonders mit Förderungskonzepten für Schüler im ersten und zweiten Schuljahr beschäftigen.
2. Bedeutung der Begriffe Legasthenie und Lese-
Rechtschreibschwäche
Wörtlich übersetzt bedeutet Legasthenie Leseschwäche. Der Begriff stammt aus dem lateinischen: Legere heißt lesen und Asthenie bedeutet Schwäche. 1916 bezeichnete der Neurologe P. Ranschberg Kinder mit einer Störung beim Erwerb des Lesens und des Schreibens als Legastheniker. Bei Kindern spricht man von einem speziellen Versagen im Erlernen des Lesens und der Rechtschreibung bei normaler oder im Verhältnis zu dieser partiellen Schwäche zumindest relativ besseren Intelligenz. 1 1951 definiert die Schweizer Psychologin M. Linder Legasthenie als eine „spezielle, aus dem Rahmen der übrigen Leistung fallende Schwäche im Erlernen des Lesens bei sonst intakter Intelligenz.“ 2 Ihrer Meinung nach ist Legasthenie „eine partielle Lernstörung im Bereich Lesen und Rechschreiben, die im Missverhältnis steht zu einer relativ guten Allgemeinbegabung und mindestens durchschnittlichen Leistungen in anderen Schulfächern.“ 3 1 vgl.: Kossow: Zur Therapie der Lese- Rechtschreibschwäche; S. 12, Z. 33 2 vgl.: Valtin: Legasthenie- Theorien und Untersuchungen; S. 15, Z. 22 3 Aufrecht: Lese- und Rechtschreibschwächen; S.12, Z.13
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Frau Lindner brachte mit ihrem Zitat die Diskussion um die Legasthenie wieder ins Rollen. Sie untersuchte die Intelligenz von Schülern und Schülerinnen mit Leseschwächen. Das Ergebnis war erstaunlich. Es stellte sich heraus, dass diese Kinder durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent sind. Durch diese Untersuchung schaffte es die Schweizerin, betroffene Kinder aus der Isolation der Sonderschule herauszuholen und die Öffentlichkeit auf die Probleme der Kinder aufmerksam zu machen. Die Annahme vieler Leute, dass die Lese- Rechtschreibschwäche mit einem geringen Inte lligenzquotienten zusammen hängt, lässt sich also nicht bestätigen.
Dieser Begriffsbestimmung von M. Linder schließen sich die meisten Autoren an. Sie unterscheiden sich lediglich in der Abgrenzung des Versagens.
Schubenz versteht unter Legasthenie das Phänomen der bedeutsamen Inkongruenz von relativ guter allgemeiner Begabungshöhe und der relativ geringen Fähigkeit, das Lesen und orthographisch richtige Schreiben in der von der Schule dafür eingeräumten Zeit und mit dem vorgesehenen Maß an Training zu erlernen. 4
In den siebziger Jahren kam es zu einer kämpferischen Ablehnung des Begriffes Legasthenie. Denn Legasthenie wurde als eine Art Krankheit eingeschätzt, für die der Patient aber nichts konnte. Da man die Legastheniker nicht mehr schulisch benachteiligen wollte, entschied man sich den Begriff Legasthenie nicht mehr zu verwenden.
G. Scheerer-Neumann ist der Meinung, dass der Begriff Legasthenie weder theoretisch sinnvoll noch praktisch therapeutisch brauchbar ist.
Die Kultusministerkonferenz hat 1978 beschlossen den umstrittenen Ausdruck Legasthenie nicht mehr zu verwenden. Der Begriff Legasthenie sollte ersetzt werden mit „besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und des Rechtschreibens“, abgekürzt mit LRS. 5 In den neueren und didaktischen Diskussionen wird der Ausdruck auch in diesem Sinne behandelt. Aus diesem Grund spricht der Lese- Rechtschreiberlass in Nordrhein - Westfalen nicht von Legasthenie, sondern von Schülern mit isolierter Lese- Rechtschreibschwäche.
Außerdem einigten sich die Kultusminister in einer KMK – Empfehlung, Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben zu fördern. Nun dauerte 4 vgl.: Grissemann: Die Legasthenie als Deutungsschwäche; S. 16; Z. 6 5 vgl.: Heckt, Sandfuchs: Grundschule von A-Z; S. 173
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es wieder viele Jahre, bis sich diese Empfehlung in neuen LRS – Erlassen durchsetzte. Im Erlass von 1985 heißt es dann schließlich: „ Eine Legasthenie liegt vor, wenn bei mindestens durchschnittlicher Intelligenz erhebliche Ausfälle im Lesen und/oder in der Rechtschreibung auftreten.“ 6
Man ist der Meinung, dass der Begriff Legasthenie völlig unbrauchbar ist. Aus diesem Grunde sollte er ganz aus dem Sprachgebrauch der Schule gestrichen werden. Es existieren einfach zu vielen Definitionen der Wissenschaftler!
3. Ursachen für eine Lese- Rechtschreibschwäche
Von 1910 bis 1950 sprach man von einer allgemeinen Retardierung, was soviel heißt wie: Legastheniker sind eben dumm und daran gibt es auch nichts zu rütteln. Nach 1950 setzte in Deutschland und in Österreich eine intensive Suche nach den Ursachen der Legasthenie ein. 7 Viele Autoren sind der Meinung, dass ein Kind durch eine körperliche Entwicklungsverzögerung, gesundheitliche Auffälligkeiten sowie eine hirnorganische Schädigung zum Legastheniker werden kann. Ursachen für diese Schäden am Hirn sind z.B. Virusinfektionen, Ernährungsmängel, Antikörper des rhesus -negativen mütterlichen Organismus, mechanische Einwirkungen oder Anoxie bei einer komplizierten Geburt, Hirnblutungen bei Frühgeburten und Meningitis. 8 Von 1950 bis 1970 suchte man die Ursachen in der Erziehung und im Milieu. Man kam zu dem Ergebnis, dass Legasthenie nicht auf einem vererbten Gehirnschaden beruht, sondern ebenso auf Konflikten in der Beziehung des Betroffenen und auf seine Umwelt zurückzuführen sind. Gründe für eine Lese-Rechtschreibschwäche waren demnach das Leben in einem anregungsarmen Milieu mit ökonomischen Restriktionen, beengten Wohnverhältnissen, hoher Geschwisteranzahl, schlechter Schulbildung der Eltern und wenig Gesamteinkommen der Eltern. Es gab keine oder wenig Bücher und nur eine kleine Anzahl von Zimmern. So konnte dem Kind kein 7 vgl.: Bartnitzky, Christiani, Stumpenhorst: Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: vorbeugen und überwinden; S. 16, Z. 13- 21 8 vgl.: Grissemann: Die Legasthenie als Deutungsschwäche; S. 17; Z.3
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eigenes Zimmer zur Verfügung zu stellen. Dieses förderte das Desinteresse und den Mangel an Spielaktivität. 9 Doch diese milieutheoretischen Erklärungen stießen nicht immer auf Zustimmung. Man kam zu dem Entschluss, dass die milieutheoretischen Erklärungen im Zusammenhang mit der Lesefertigkeit des Kindes stehen. Bemerkenswert aber ist, dass ca. drei Viertel der Kinder mit LRS aus der Unterschicht stammen. Trempler vertritt einen extremen Standpunkt. Er ist der Meinung, dass lese-rechtschreibschwache Kinder, egal aus welcher Schicht sie kommen, emotional vernachlässigt werden. Er ist der Auffassung, dass sie keine Anerkennung und Selbstbestätigung finden und in vielen Fällen auch kognitiv zu wenig gefördert werden. 10 1970 bis 1980 begann man die Ursachen i n den Schulen selbst zu suchen, indem die Leselernmethoden angezweifelt wurden. Das Untersuchungsergebnis zeigte zwar, dass Lehrer mit mehr als zwölf Dienstjahren in ihren Klassen ein weitaus besseres Ergebnis erreichten als Lehrer mit wenigeren Dienstjahren. Diese Erkenntnis brachte die Legasthenieforschung aber nicht weiter.
Heute weiß man, dass viele angewande traditionelle Leselern- und Rechtschreibmethoden Legasthenie verursachende Faktoren beinhalten. Methoden, die eine LRS verursachen sind, dass Laut und Buchstabe unmittelbar aufeinander folgen. Es wird so getan, als wenn zwischen ihnen kein Unterschied liegt, obwohl der Laut ein Element des phonetischen Signals und der Buchstabe ein Element des graphischen Signals ist. Oft wird der Zusammenhang zwischen der gesprochenen Sprache und der Schrift nur auf der Buchstaben - Laut - Ebene, nicht aber auf der Wortebene dargestellt. Häufig stehen auch die methodischen Vorhaben so stark im Vordergrund, dass es den Kindern nicht deutlich wird, dass Lesen eine sinnvolle Beschäftigung ist. Die Untersuchung an den Schulen führte zu einer weiteren Definition der Legasthenie, in dem Sinne, dass man jetzt davon sprach, dass trotz eines sorgfältigen Lese- Rechtschreiblehrgangs beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens Schwierigkeiten auftreten können. Für diese Schüler und Schülerinnen kam man zu dem Entschluss, dass ein LRS – Erlass notwendig ist.
9 vgl.: Bartnitzky, Christiani, Stumpenhorst: Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: vorbeugen und überwinden; S. 17 10 vgl.: Castell: Lernbehinderung; S. 20
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Des weiteren fand man in den Schulen heraus, dass Gründe für LRS auditive Schwächen und visuelle Wahrnehmungsstörungen sind. Außerdem kann es z.B. durch ungenügende Übung, Krankheit, schlechter methodischer Anleitung und dem zu häufigen Wechsel von Methoden zu einer Lese- Rechtschreibschwäche kommen. Andere Gründe sind: geringe Verbalintelligenz, Wortschatzarmut, Sprachstörungen, Konzentrationsschwäche, geringe Belastbarkeit, geringe Erfolgserwartung, negative Einstellung zur Schule, emotionale - soziale Persönlichkeitsmerkmale, wie Lernmotivationsstörungen oder Impulsivität. Vokal- und Konsonantenfehler machen Kindern Probleme, weil sie Schwierigkeiten in der Unterscheidung von bestimmten Sprachlauten haben. Mangelhafte Kenntnisse von Buchstaben, Sprach- und Sprechfehler (Dialekt) lassen sie nur erraten, was sie lesen. Sie sind auch oft unfähig optische und akustische Symbole leicht zu assoziieren oder diese Assoziationen im Gedächtnis zu behalten. 11 In den angelsächsischen Ländern nimmt man eine erbliche Komponente der Lese - Rechtschreibschwäche an. Scarr und Kidd fanden 1983 durch Studien heraus, dass oft Eltern oder Geschwister Defizite im Lesen und Schreiben vorweisen. Des weiteren haben sie herausgefunden, dass 60-70% der Untersuchten männlich sind. 12
Die eigentliche Wende in der Legasthenieforschung fand statt, als man bemerkte, dass nicht nur nach den eigentlichen Ursachen gesucht werden muss, sondern auch danach welche Voraussetzungen Kinder benötigen, um erfolgreich Lesen und Schreiben lernen zu können.
LRS – Kinder haben eine geringe Lesegeschwindigkeit, die mit der verlangsamten Informationsverarbeitung zusammenhängt. Ursachen dafür sind die sog. phonologischen Schwächen. Diese Schwäche macht sich bemerkbar, da Kinder mit LRS mit Reimen, Alliterationen und der Lautersetzung Probleme haben. 13 Die Mediziner sind irrtümlicher Weise der Auffassung, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns in bestimmten Bereichen bei Legasthenikern reduziert ist. Psychologen und Pädagogen sind anderer Meinung. Nach ihrer Ansicht entsteht eine Lese- Rechtschreibschwäche durch schulische Lernstörungen.
11 vgl.: Kirchhoff, Pietrowicz: Neues zur Lese- Rechtschreibschwäche; S. 46, Z. 7-12 12 vgl.: Castell: Lernbehinderung; S. 20, Z. 61 13 vgl.: Castell: Lernbehinderung; S. 29, Z. 17
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Die einzelnen Ansätze möglicher Ursachen zeigen, wie schwierig es ist, in der Forschung weiter zu kommen. Auch die Wissenschaftler haben inzwischen den Überblick verloren.
Über die Ursachen einer Lese - Rechtschreibschwäche streitet sich die Wissenschaft. Was von dem einen Autor behaup tet wird, wird von einem anderen vermutet und von einem anderen Autor widerlegt. Demnach kann man sagen, dass es viele Faktoren gibt, die zu einer LRS führen können. Es ist nie ein Grund allein. Es wirken immer viele Ursachen wie psychologisch-funktionelle , konstitutionelle und milieubedingte Ursachen zusammen.
Das einzige, was man sicher weiß, ist, dass jede Lese Rechtschreibschwäche auf sehr komplexen Ursachen beruht. Man weiß auch, dass es keine organische, psychische oder soziale Bedingung gibt, die in jedem Fall zu einer Lese- Rechtschreibschwäche führt.
Außerdem wurde heraus gefunden, dass Kinder in allen Kulturen mit Schriftsprache Lese- Rechtschreibschwächen entwickeln. 14 Diese Punkte sind das Ergebnis jahrelanger Forschung.
4. Wie macht sich eine Lese- Rechtschreibschwäche bei
Kindern bemerkbar In der ersten Klasse kann der Lehrer erkennen, ob der Schüler eine Lese – Rechtschreibschwäche vorweist.
Die meisten Legastheniker haben etwa zu Beginn der zweiten Klasse eine Leseunlust und ein langsameres Lesetempo. Außerdem lesen sie sehr ungenau, was dem Kind oft als Flüchtigkeitsfehler vorgeworfen wird. Zwangsläufig führen die leichteren und schwereren Leseprobleme zu Rechtschreibschwierigkeiten. Die jungen Legastheniker verwechseln oft ähnlich klingende Laute, wie o-u, e -i, s-ß und sch-z. Diese Fehler sind Anzeichen für eine Hörverarbeitungsschwäche. 15 Die Schüler können aber auch Probleme haben ähnlich geschriebene Worte zu unterscheiden. Sie verwechseln b -g und p-d-q. Sie haben also eine visuelle Schwäche.
14 vgl.: Schlee: Legasthenieforschung am Ende ;S. 107, Z.10 15 vgl.: www.lrs.de
Des weiteren kann man ein LRS – Kind erkennen, weil es Schwierigkeiten hat die gesprochene Sprache in Schrift umzuwandeln. 16 In anderen Fällen kommt das Vertauschen von Buchstaben wie b-d-g, o-a und das Vertauschen der Reihenfolgen der Buchstaben vor. 17 „Kinder mit einer Lese- Rechtschreibschwäche lassen sich dadurch charakterisieren, dass sie die bei allen Lernanfängern zu beobachtenden Entwicklungsstufen beim Spracherwerb langsamer durchlaufen.“ 18 Die Kinder begreifen das alphabetische Prinzip nicht schlagartig, sondern in einem Entwicklungsprozess mit charakteristischen Stufen. Kinder mit einer Lese – Rechtschreibschwäche befinden sich auf den unteren Ebenen dieses Stufenmodells. Sie durchlaufen das Stufenmodell viel langsamer als normal lernende Kinder.
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Heckt, Sandfuchs: Grundschule A-Z; S. 174, Z. 10
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Quote paper:
Uta Brengelmann, 2002, Die Therapie der Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) bei Kindern, Munich, GRIN Publishing GmbH
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