Inhaltsverzeichnis
Kapitel: Thema: Seite:
1 Einleitung 3
2 Punk eine Bewegung gekennzeichnet durch Protest
und Provokation 4
2.1 Historische Perspektive: Entstehung und Entwicklung
der Jugendkultur der Punks 4
2.2 Der Stil von Punk Lifestyle und Mode 8
2.3 Punkmusik 12
2.4 Punk politisch oder nicht politisch 14
2.4.1 Punk und Anarchie 15
2.4.2 Punk und Sexismus 18
2.4.3 Punk als politische Provokation am Beispiel der
Chaos-Tage in Hannover 20
3 Punk eine Form von Jugend(sub)kultur 23
3.1 Begriffsbestimmung von Subkulturen 23
3.2 Jugend und Funktion von Jugendkulturen 24
3.3 Punk als Jugendkultur 27
4 Schluß 28
Literaturverzeichnis 29
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1. Einleitung
Der englische Begriff „punk“ bedeutet soviel wie: Dreck, Abfall, Schund, wertloses Zeug, miserabel etc. Der Begriff wurde ebenfalls für jugendliche Außenseiter, Vagabunden, Kriminelle oder für „einfältige Narren“ verwendet.
Das Thema meiner Hausarbeit ‚Punk‘ ist ein weitgefaßter Begriff und somit habe ich mich bei meiner Ausarbeitung speziell für ein Thema entschlossen, nämlich Punk - eine Bewegung gekennzeichnet durch Protest und Provokation. Hierbei werde ich darstellen, wie die Punkbewegung überhaupt entstanden ist und wie sie ihren Protest und ihre Provokation auslebte, sei es durch die Lebenseinstellung, durch Mode oder durch politische Auffassungen und Provokationen. Da es viele Aspekte zu diesem Thema gibt, mußte ich aussortieren, welche ich in der Hausarbeit verwenden werde. Dadurch habe ich mich entschieden, nicht ALLES, was es zum Thema Punk und Provokation gibt, aufzulisten, sondern speziell Themen auszuarbeiten, die ich für diese Hausarbeit für relevant halte, und diese ausführlich darzustellen, da es meiner Meinung nach mehr bringt, als wenn alle Themen nur kurz dargestellt werden und man letztendlich nicht die richtigen Hintergründe kennt.
Weiterhin habe ich mich dafür entschieden, die historische Perspektive der Entstehung und Entwicklung der Jugendkultur der Punks am Beispiel Englands darzustellen, obwohl man sich in der Literatur darüber nicht einig ist und auch die
USA als Ursprungsort der Punkbewegung angegeben wird.
Um der Vollständigkeit halber werde ich im letzten Teil allgemein auf Jugend(sub)- kulturen zu sprechen kommen, versuchen, diese zu definieren und ausführen, welche Funktionen diese überhaupt haben, wobei ich hier nur einige Aspekte ansprechen werde, da es sonst den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde. Ich habe mich dazu entschlossen, diesen Aspekt erst zum Schluß der Arbeit darzustellen, da es somit leichter ist, die Punkbewegung als eine Jugend(sub)kultur einzuordnen, da ich vorher ausführlich über Punk berichten werde.
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2. Punk - eine Bewegung gekennzeichnet durch Protest und Provokation
2.1 Historische Perspektive: Entstehung und Entwicklung der Jugendkultur der
„Die Hauptsache war (und ist hoffentlich), daß man Punk nicht als eine Mode sieht, sondern wirklich als ‚Weltanschauung‘ und Lebensform“ (Zitat eines Punk-Mädchens in Dahncke 1986, S. 31).
In der Regel wird England als Ursprungsland der Punk-Kultur angesehen, obwohl ebenfalls Einflüsse von Musikern aus der Kunst-Szene New Yorks wesentlich zur Entwicklung beitrugen.
Die ‚Sex-Pistols‘, eine der ersten und bekanntesten Punk-Musikgruppen, provozierten schon 1976 die britische Gesellschaft mit ihren ‚bissigen‘ Texten. Die Musiker der Band sprachen im britischen Fernsehen das Wort „fuck“ aus, fügten zum Thronjubiläum der Queen ihrem Song „God save the Queen“ den Satz „no future for you“ zu oder präsentierten sich in London öffentlich mit Hakenkreuz-T-Shirts (vgl. Geiling 2000, S. 168), was die Gesellschaft erheblich provozierte und schockierte. Die britischen Punks waren mehrheitlich zwischen 13 und 19 Jahren alt, und stammten hauptsächlich aus proletarischer Herkunft (vgl. Baacke 1999, S. 76). Die Entstehung der Punk-Kultur muß allerdings auf dem Hintergrund der gesamten wirtschaftlichen und sozialen Situation Jugendlicher in England betrachtet werden, welche infolge einschneidender Rezession und steigender Jugendarbeitslosigkeit eine Sinn- und Perspektivlosigkeit bei den Jugendlichen mit sich führte. Hauptsächlich davon betroffen waren Jugendliche aus der Arbeiterklasse und in Städten wie London, Liverpool oder Manchester entwickelte sich der Anfang eines Stils, der den Jugendlichen die Gelegenheit bot, ihre Wut und Aggressionen öffentlich zu präsentieren und „herauszuschreien“. Wut zum Beispiel über die Isolation und Langeweile, Ausweglosigkeit, Ohnmachtsgefühle oder Perspektivlosigkeit. „No future“ war DER Begriff der Bewegung und demonstrierte so die eingschränkten Zukunfts- und Berufsaussichten vor allem unterer Schichten (vgl. Müller-Wiegand 1998, S. 44f.). Die Jugendlichen versuchten, sich mit ‚Müll behängend‘, gegen die konventionellen Wertvorstellungen der britischen Industriegesellschaft anzukämpfen,
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in der einem arbeitslosen Jugendlichen die Rolle eines Versagers zugewiesen wurde. Zusätzlich zu der gesellschaftlichen Situation kam es zu einer Kommerzialisierung der gesamten Musikbranche in England. Platten und Konzertkarten waren teuer, so dass viele Jugendlichen es sich nicht leisten konnten und somit ausgeschlossen wurden. Ein weiterer Aspekt war, dass die meisten Musiktexte kaum noch einen realen Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen beinhalteten. Somit entwickelte sich Punk aus der ‚no future‘-Stimmung heraus und bot den Jugendlichen eine Ausdrucksform von Protest gegen die Zunahme staatlicher ‚Unterdrückung‘ und Einschränkungen, dem Leistungsgedanken sowie allgemeinen Mißständen innerhalb der Gesellschaft. Durch die Punk-Bewegung gab es eine Möglichkeit, den Lebensalltag aktiv zu verarbeiten (vgl. Müller-Wiegand 1998, S. 45). Ob in Modefragen, Musik, Tanz („Pogo“) oder der Alltagsethik der Jugendlichen, überall stand Dilletantismus vor Perfektion, Schäbigkeit vor Snobismus, Anarchie statt Ein- und Unterordnung und „no future“ vor Karrieredenken.
Das außerhalb der Lebenszusammenhänge der Arbeiterjugend entstandene Musikkonzept wurde aufgegriffen und bildete, zusammen mit der Müllsymbolik, die das von der Gesellschaft ‚Ausgekotzte‘ zum Kultgegenstand machte, den Rahmen der Jugendkultur. In ihr war es möglich, auch als arbeitsloser Jugendlicher ohne Zukunft ein Leben neben und mit einer konsumorientierten Gesellschaft zu führen (vgl. Stock/Mühlberg 1990, S. 163).
Musikbands wurden gegründet, in denen Jugendliche ohne große Ansprüche ihre Kreativität und Dynamik einbringen konnten, wobei es ihnen in erster Linie um das Ausdrücken eigener Gefühle und Bedürfnisse ging. Mit Hilfe der Musik protestierten sie gegen den Staat und seine Repräsentanten. Konzertkarten hatten niedrige Preise und waren somit, im Gegensatz zu anderen Konzerten, für jeden zugänglich.
Zusätzlich entstanden Fanzines (ergibt sich aus den Worten Fan und Szene = Fanzine). Dies waren unprofessionelle Magazine, Zeitungen oder ähnliches, die Mitteilungen über die Musikszene, Konzerttermine oder Informationen enthielten. Sie waren unabhängig und nicht kommerziell, oft handschriftlich geschrieben und wurden für wenig Geld im Freundeskreis oder in Kneipen weitergegeben. Somit schaffte sich die Punk-Szene ihr eigenes „Sprachrohr“, da sie von den großen Musikzeitschriften meist völlig ignoriert wurden. Jeder konnte seine Meinung in den Fanzines offen kundtun, da sie nicht zensiert wurden (vgl. Müller-Wiegand 1998, S. 45).
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Zusätzlich zur Musik, dem Pogo und den Fanzines prägte die Punkbewegung auch das äußere Erscheinungsbild der Punk-Anhänger, was in einem späteren Kapitel ausführlicher behandelt wird. Grell gefärbte, halbrasierte oder hochgestellte Haare (Irokesen), Sicherheitsnadeln durch Ohr und Wange, zerrissene Kleidung etc. sollten die Gesellschaft provozieren und waren Ausdruck von der Gesinnung der Jugendlichen und dem Protest gegen die Konsumgesellschaft. Die Punks machten sich ihre Klamoten selber, kauften sie aus Second-Hand-Läden oder holten sie aus dem Müll (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.46).
Gegen Ende der 70er Jahre schwappte die Punkbewegung auch nach Deutschland über.
Die gesellschaftlichen Bedingungen, die den Punk in England mit hervorgebracht hatten, waren mit denen in Deutschland zu vergleichen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mindestens 1,4 Millionen junger Menschen in sozial schwierigen Situationen. Entweder hatten sie keinen Ausbildungsplatz, bekamen nach der Lehre keinen Job, waren Sozialhilfeempfänger oder gar obdachlos (vgl. Geiling 2000, S. 170). Somit brachte die Punkbewegung gerade für diese Jugendlichen immer wieder aktualisierbare Anknüpfungspunkte, da diese Kultur reele Themen enthielt, die die Jugendlichen auch beschäftigten.
Auch hier wurden zahlreiche Musikgruppen gegründet, die entweder die englischen Texte ins Deutsche übersetzten oder eigene Texte kreierten. Labels wurden gegründet, Fanzines produziert und dem „no future“ Denken wurde ebenfalls mit eigener Kreativität begegnet. Bereits 1978 gab es zum Beispiel in Hannover erste Konzerte mit den Bands „Rotzkotz“ und „Hansaplast“ (vgl. Geiling 2000, S. 170).
Die Jugendlichen waren überwältigt von dem neuen Outfit und dem neuen Sound der Punks. Schon bald bildeten sich die ersten Punkbands und man traf sich in Clubs, um die Alben aus dem Ausland zu hören. So wurde zum Beispiel ein „Hippie-Treff“ zum Punk-Treff umgebaut. Die Punks in Deutschland wollten mit ihrem Outfit genauso provozieren wie ihre englischen und amerikanischen Vorgänger.
In einigen bundesdeutschen Städten besetzten Punks Häuser. In größeren Städten wie Hamburg oder Berlin engagierten sich die Punks aufgrund zunehmender Wohnungsnot in der Hausbesetzerszene und protestierten gegen den Abriß von preiswertem Wohnraum wie auch gegen eine Politik, die Häuser leerstehen oder
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verfallen ließ (vgl. Müller- Wiegand 1998, S. 47). Durch das verwegene Erscheinungsbild, das Mitführen von Ratten und später Hunden, dem unkonventionellen Verhalten, durch laute oder aggressive Sprache etc. wurde der Punker als ‚Bürgerschreck‘ empfunden, wobei sich die Gesellschaft regelrecht von ihnen bedroht fühlte (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.48), was allerdings von den Punks auch voll beabsichtigt war.
Die Struktur der Punker ist geprägt von der Ablehnung jeglicher Führungsrolle oder einer Leitungsposition. Hierarchie wird abgelehnt, was auch öffentlich kundgetan wird. Mit ihrer Einstellung, ihrem Erscheinungsbild und ihrer Kreativität drücken die Punker ihre Lebensgefühle aus, wobei die Musikbands diese in ihren Texten aufgreifen und somit Identifikationsmöglichkeiten bieten. Viele Jugendliche waren nicht nur Zuschauer, sondern selbst Akteure, worin ihr Austonomiebestreben unterstützt wurde (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.48).
Mit der Zeit schlossen sich auch Schüler und ‚Jungintellektuelle‘ der Punker-Szene an, da nun auch die Medien den Punk-Stil aufgriffen und zu einer Vermarktung beitrugen. Durch die einsetzende Kommerzialisierung (z.B. der Verkauf von ‚Punkmode‘ in Kaufhäusern oder Boutiquen oder die Vermarktung der Punkmusik durch große Plattenfirmen) verlor der Stil, bzw. die Subkultur der Punks an Eindeutigkeit und verließ die Ebene des kritischen Ausdrucks der gesellschaftlichen Lebenssituation und bewegte sich hin zu einem profitorientierten Interesse der Musikindustrie (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.48). Trotzdem ist auch die „no-future“ Haltung, die von den Londoner Punks geprägt wurde, auch teilweise in Deutschland authentisch. So kommen viele Punks aus unvollständigen Familien, sind entlaufene Heimzöglinge oder von zu Hause weggelaufen (vgl. Baacke 1999, S. 78). Jedoch muß man hierbei darauf achten, dass die Medien durch übertreibende Berichterstattung das Punk-Image mit aufgebaut haben, so dass es viele Jugendliche als attraktiv übernehmen konnten.
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2.2 Der Stil von Punk – „Lifestyle“ und Mode
Vorrangig bezeichnet Punk einen Musikstil. Eine sehr große Bedeutung haben jedoch die in den Lyrics transportierten Inhalte und die durch das äußere Erscheinungsbild der „Szenegänger“ ausgedrückten lebensstilistischen Statements. Punk wird von den „Szenegängern“ nicht nur als bloße Musikkultur verstanden, sondern als eine Art Lebensweise. Vom Protest gegen (vermeintlich reaktionäre und totalitäre) gesellschaftliche Konventionen ist die Punkkultur durchsetzt. Die grundsätzliche Lust und der Spaß an der Provokation speist sich aus dieser Haltung.
Die Punkbewegung wird oft als signifikante jugendkulturelle Protestsymbolisierung beschrieben, die hauptsächlich in den 80er Jahren in Deutschland DEN Jugendprotest ausmachte. Zuerst sorgten die aufsehenerregenden Selbstinszenierungen der Punker für öffentliches, mediales Interesse (vgl. Lindner 1996, S. 358). Indem wir in diesem Kapitel auf das Leben und den Stil der Punks eingehen, wird deutlicher, inwiefern sich der Protest der Punkbewegung ausdrückte.
Der ideologische Hintergrund des Punk beinhaltete den Bruch mit allen überkommenden Wertsystemen der modernen Gesellschaft. Er entlarvte deren Organisationsformen als institutionalisierte Lüge, die es durch Anarchie zu bekämpfen galt. Die Idee vom sich selbst organisierenden ‚Chaos‘, in dem keiner über dem anderen steht, setzte sich in der Punkszene um, in der hierarchische Strukturen keinen Platz hatten (vgl. Stock/Mühlberg 1990, S. 165). Weiterhin auffällig bei den Punks war bzw. ist die pessimistische Lebensauffassung wie: es gibt nur schwarz oder weiß, alles ist scheiße, alles geht kaputt (vgl. Lindner 1996, S. 360).
Im Gegensatz zu anderen jugendlichen Protestbewegungen richtet sich die Abgrenzung der Punks nicht nur gegen Erwachsene, sondern alle Phänomene von ‚Spießertum‘, also jede Art von ‚Konsumterror‘ und dem Leistungs- und Konkurrenzdenken, sowie dem ‚normalen‘ bürgerlichen Leben (vgl. Müller-Wiegand 1998, S. 47). Davon werden weder andere Jugendkulturen noch sogenannte „Pseudo- oder Hobbypunks“ ausgeschlossen, wenn sie sich nicht gleichermaßen kompromißlos von der Gesellschaft distanzieren. Die Lust am Schock und an der Provokation gelangte im Punk zu einem vorläufigen Höhepunkt. Alles, was zur ‚Brüskierung‘ Anderer bzw. der Gesellschaft geeignet schien, wurde von den Punks in das eigene
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Arbeit zitieren:
Barbara Kausch, 2004, Punk, München, GRIN Verlag GmbH
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