Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 3
2. Theoretische Grundlagen. 5
2.1 Definition und Gegenstandsbereich der Gesundheitspsychologie 5
2.2 Tätigkeitsbereiche der Gesundheitspsychologie. 7
2.2.1 Gesundheitserziehung 7
2.2.2 Gesundheitsförderung 8
2.2.3 Public Health 8
2.3 Definitionen von Gesundheit 9
2.4 Gesundheitsmodelle und gesundheitsbezogene Kognitionen 11
2.4.1 Gesundheitsbezogene Kognitionen 12
2.4.2 Variablenübergreifende Modelle zum Gesundheitsverhalten. 14
3. Tabakkonsum 20
3.1 Entwicklung des Zigarettenkonsums und DS-MIV Klassifikation
der Nikotinabhängigkeit 20
3.2 Gesundheitliche Folgen des Zigarettenrauchens 22
3.3 Epidemiologie. 23
3.4 Determinanten des Zigarettenkonsums. 24
3.4.1 Soziodemographische Merkmale 24
3.4.2 Umgebungsbedingte und personale Faktoren 25
3.5 Rauchen aus funktionaler Perspektive 29
4. Prävention und Intervention des Zigarettenkonsums 32
4.1 Allgemeine Grundlagen der Gesundheitsprävention und -
intervention 32
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4.2 Allgemeine Methoden der Prävention 34
4.2.1 Gesundheitsaufklärung 34
4.2.2 Gesundheitsberatung 35
4.3 Prävention des Zigarettenkonsums 36
4.3.1 Ansatz zur Veränderung von Einstellungen. 37
4.3.2 Ansatz zum sozialen Einfluss ( Social Influence Approach ) 38
4.3.3 Ansatz zur generellen Kompetenzentwicklung 40
4.4 Intervention bei manifestem Zigarettenkonsum. 41
4.4.1 Behandlung der physiologischen Tabakabhängigkeit. 42
4.4.2 Spezifische Interventionsansätze 42
4.4.3 Multimodale Interventionsansätze 43
4.4.4 Selbsthilfematerialien. 45
4.4.5 Einige Beispiele durchgeführter Interventionsmaßnahmen. 46
5. Fazit 50
6. Literaturverzeichnis. 53
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1. Einleitung
1. Einleitung
Die Tabakpflanze (Nicotana tabacum L., benannt nach Jean Nicot, der die Tabakpflanze in Frankreich einführte) wurde im Jahre 1492 von Christoph Columbus entdeckt und zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Europa importiert. Im deutschsprachigen Raum wird die Tabakpflanze erstmalig 1579 in Schriften über den Tabakanbau erwähnt (Immensack, 1996). Während Tabak bei den Einwohnern Nordamerikas vor allem bei religiösen und rituellen Zeremonien verwendet wurde, entwickelte sich Tabak in Europa zu einem weitverbreiteten Genuss- und Rauschmittel. Schon im 17. Jahrhundert wurde der Tabakkonsum mit Ruhe, Entspannung und Besinnlichkeit gleichgesetzt und viele versprachen sich durch den Tabakkonsum eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit und Schärfung der Gedanken. Während zu dieser Zeit der Tabakkonsum noch relativ aufwendig war, da der Tabak in einer Pfeife geraucht und beim Rauchen am Ausgehen gehindert werden musste, wurde der Tabakkonsum im 19. Jahrhundert durch die Einführung der Zigarre und der Massenanfertigung der Zigaretten erheblich vereinfacht, erhielt dadurch Einzug in immer mehr Gesellschaftsschichten und entwickelte sich zu einem globalen Genussmittel und zu der weitverbreitetsten Suchtform der westlichen modernen Kulturen.
Während dieser Jahrhunderte wurde der Schaden und der Nutzen des Tabakkonsums heftigst und kontrovers diskutiert. Zeitweilig wurde Tabak als Medizin genutzt, so zu Beginn des 17. Jahrhundert, als man sich dadurch vor der Pest zu schützen versuchte. Zu anderen Zeiten wurde der Tabakkonsum mit hohen Strafen verfolgt, seit Beginn des 20. Jahrhunderts wiesen Mediziner dann jedoch auf die erheblichen gesundheitlichen Schäden des Tabakrauchens hin. Als Folge des Tabakkonsums erkranken jährlich hundertta usende Menschen vor allem an Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen; Im Zeitraum zwischen 1950 und 2000 werden in Deutschland dem Tabakkonsum rund 4,8 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sein. Und obwohl in den entwickelten Ländern das Rauchen als die hä ufigste vermeidbare Todesursache bezeichnet wird, wird geschätzt, dass mehr als
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1. Einleitung
17 Millionen Deutsche, 46 Millionen Amerikaner sowie 300 Millionen Asiaten regelmäßig rauchen. Die Kosten, die durch Raucher den Trägern der Sozialversicherungen, den Krankenkassen sowie der Volkswirtschaft entstehen, sind immens (Kraus, 1996).
Diese erschreckenden Zahlen der Tabakkonsumenten und durch das Rauchen verursachten Krankheiten und Todesfälle machen deutlich, wie wichtig und bedeutsam eine effektive Raucherprävention und -Intervention ist, um sowohl den Beginn von Zigarettenkonsums zu verhindern als auch die Aufgabe des Rauchens zu fördern. Hierdurch könnten zum einen viele Krankheiten und Todesfälle vermieden und zum anderen Krankenkassen und Sozialversicherungsträger stark entlastet werden. Thema dieser Arbeit ist daher die Prävention und Intervention des Tabakkonsums aus gesundheitspsychologischer Sicht.
Im folgenden Kapitel dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen dieser Arbeit erläutert, zum einen werden d ie allgemeinen Grundlagen der Gesundheitspsychologie dargestellt, zum anderen Gesundheitsmodelle, die für die Erklärung und Vorhersage des Zigarettenkonsums von Bedeutung sind. Anschließend folgt ein Überblick über den Tabakkonsum. Hierbei geht es um die gesundheitlichen Folgen und die Epidemiologie des Rauchens, sowie um die Entwicklung einer Raucherkarriere und verschiedene Determinanten des Zigarettenkonsums. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit Konzepten der Prävention und Intervention von Zigarettenkonsum. Das letzte Kapitel dieser Arbeit bildet die Schlussfolgerung der zuvor vorgestellten Konzepte und Aspekte.
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2. Theoretische Grundlagen
2. Theoretische Grundlagen
Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen zu dieser Arbeit. Zunächst werden der Gegenstandbereich der Gesundheitspsychologie und deren Aufgaben dargestellt, gefolgt von einer Erläuterung der Tätigkeitsbereiche der Gesundheitspsychologie. Anschließend folgt ein Definitionsversuch des
Gesundheits- und Krankheitsbegriffes, welcher für die weitere Diskussion notwendig ist. Anschließend hieran werden die in Bezug auf den Zigarettenkonsum und dessen Prävention und Therapie wichtigen Gesundheitsmodelle und gesundheitsbezogene Kognitionen erläutert.
0.0 Definition und Gegenstandsbereich der Gesundheitspsychologie Ganz allgemein kann die Gesundheitspsychologie als ein Teilgebiet der Psychologie charakterisiert werden, das sich vor allem mit menschlichem Verhalten in Kontext zu Gesundheit und Krankheit beschäftigt (Weinman 1990). Eine spezifische Definition der Gesundheitspsychologie liefert Schwarzer in Anlehnung an eine Definition von Matarazzo (1980, S. 815):
„Gesundheitspsychologie ist ein wissenschaftlicher Beitrag zur
0. Förderung und Erhaltung von Gesundheit
0. Verhütung und Behandlung von Krankheit
0. Bestimmung von Risikoverhaltensweisen
0. Diagnose und Ursachenbestimmung (Ätiologie) von gesundheitlichen Störungen
0. Rehabilitation und
0. Verbesserung des Systems gesundheitlicher Versorgung.
Sie befasst sich vor allem mit der Analyse und Beeinflussung gesundheitsbezogener Verhaltensweisen des Menschen auf individueller und kollektiver Ebene sowie mit den psychosozialen Grundlagen von Krankheit und Krankheitsbewältigung“ (Schwarzer, 1990, S.3).
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2. Theoretische Grundlagen
Diese Definition des Gegenstandsbereichs der Gesundheitspsychologie lässt die Vielfältigkeit der Disziplin erkennen; die Gesundheitspsychologie befasst sich hiernach nämlich sowohl mit Gesundheit als auch mit Krankheit, mit Diagnose, Ätiologie, Behandlung und Prävention sowie mit anwendungsbezogenen und wissenschaftlichen Aspekten. Die Vielfalt der Themenbereiche und Fragestellungen der Gesundheitspsychologie lassen sich besser einordnen, wenn zwischen einer engen und einer weiten Definition der Gesundheitspsychologie unterschieden wird, wie Schmidt und Schwenkmezger (1992) vorschlagen. Die engere Definition begrenzt die Gesundheitspsychologie ganz auf Gesundheitsförderung und primäre Prävention, sie befasst sich also mit der Aufrechterhaltung von Gesundheit, sowohl auf gesellschaftlicher als auch individueller Ebene. Außerdem werden ökologische Aspekte d.h. die Beziehungen des Menschen zu dem Gesamt seiner biotischen und abiotischen Lebensbedingungen, mit in die Betrachtung einbezogen. Die wissenschaftliche Forschung im Rahmen des engeren Begriffs der Gesundheitspsychologie beschäftigt sich vor allem mit der Erhaltung und Förderung von Gesundheit, mit der Verbesserung des Gesundheitssystems sowie mit der Krankheitsverhütung und der Determination von Risikoverhaltensweisen. Die weitere Definition der Gesundheitspsychologie umfasst außerdem die Bereiche der Behandlung von Krankheiten und ihrer Bewältigung, der Diagnose von gesundheitlichen Störungen sowie psychologische Aspekte der Rehabilitation.
Der Gegenstandsbereich der Gesundheitspsychologie ist daher in einem engen Bezug zu vielen weiteren Teilgebieten, wie der allgemein-, sozial-, bio-, differential-, entwicklungs-, und ökopsychologischen Forschung zu sehen und umfasst zusätzlich noch Fragestellungen und Aufgaben, die ursprünglich zur Medizinischen und Klinischen Psychologie gehörte n. Während die Gesundheitspsychologie auch Überlappungen zu anderen Disziplinen und Teilgebieten der Psychologie, wie z.B. Verhaltensmedizin und Arbeits- und Organisations psychologie aufweist, ist es wichtig, eine Abgrenzung zur Klinischen Psychologie vorzunehmen. Die Klinische Psychologie bezieht sich - stärker als die Gesundheitspsychologie - auf die
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2. Theoretische Grundlagen
psychische Gesundheit, auf psychotherapeutische Intervention und erkrankte Menschen, während die Gesundheitspsychologie Individuen mit allen Krankheitszustä nden in ihren Themenbereich und ihre Fragestellung mit einschliesst. In der Klinischen Psychologie stehen Krankheitsmodelle im Zentrum der Betrachtung, während in der Gesundheitspsychologie präventivorientierte Modelle vorherrschend sind und vor allem die kompensatorischen und gesunden Anteile betont werden, was an den drei großen Themenbereichen der
Gesundheitspsychologie zu erkennen ist: der Gesundheitsförderung, Vermeidung von Risikoverhalten und Prävention von gesundheitlichen Störungen.
Zusammenfassend liegt der Unterschied zwischen der Klinischen und der Gesundheitspsychologie darin, dass bei der letzteren die Gesundheit, bei der Klinischen Psychologie hingegen die Entstehung von Krankheit im Fokus der Betrachtung liegt.
0.0 Tätigkeitsbereiche der Gesundheitspsychologie
Zu den spezifisch gesundheitspsychologischen Inhalten gehört die Prävention, d.h. das Vorbeugen von Krankheiten und ihren Folgen, sowie die Behandlung und Therapie von Krankheiten. Innerhalb des Aufgabenbereichs der Prävention und Behandlung gibt es drei Schwerpunkte der gesundheitspsychologischen Tätigkeit: die Gesund heitserziehung, die Gesundheitsförderung und Public Health.
0.0.0 Gesundheitserziehung
Die Maßnahmen der Gesundheitserziehung, die älter sind als die Gesundheitspsychologie selbst, haben heute vor allem zum Ziel, über gesundheitlich relevante Themen aufzuklären und zu informieren, vor allem in Bezug auf gesundheitliches Risikoverhalten. Diese Maßnahmen könne sich sowohl an Individuen als auch an kleinere Gruppen von Personen richten.
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2. Theoretische Grundlagen
0.0.0 Gesundheitsförderung
Der Bereich der Gesundheitsförderung erweiterte die Maßnahmen der Gesundheitserziehung und ist daher mehr als bloße Aufklärung und Informations vermittlung. Gesundheitsförderung zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene erzieherische Bemühungen und Maßnahmen zu Förderung der Gesundheit kombiniert werden und Unterstützung auf organisatorischer, ökonomischer und Umweltebene vorhanden ist (vgl. Green, 1984). Die Maßnahmen der Gesundheitsförderung sprechen Individuen, Gruppen von Individuen und Organisationen an und sind durch gemeindeorientierte Aktivitäten gekennzeichnet. Vor allem konzentrieren sie sich auf Individuen und Gruppen von Individuen die entweder ein gesundheitliches Risiko eingehen, z.B. durch falsche Ernährung, B ewegungsmangel oder Suchtmittelkonsum (Alkohol, Tabak, illegale Drogen), einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt sind, wie z.B. durch Umweltverschmutzung oder toxischen Substanzen am Arbeitsplatz oder aber auf Menschen, die einer bestimmten Risikogruppe angehören, wie z.B. Raucher oder Bluthochdruckpatienten. Im Unterschied zur Prävention liegt ihre Zielsetzung nicht nur in der Vorbeugung von Krankheiten und deren Folgen, sondern darin, Gesundheit aktiv zu fördern und zu erhalten. Zu den thematischen Hauptbereichen auf deren Veränderung die Maßnahmen der Gesundheitsförderung abzielen, gehören vor allem der Alkoholkonsum, Stress, Ernährung, Tabakkonsum, Bewegung, und Unfälle (vgl. Matarazzo et al., 1984). Diese Aspekte stehen deshalb besonders im Zentrum der Maßnahmen, da sie verhaltensbedingt und daher grundsätzlich modifizierbar sind.
0.0.0 Public Health
Der Begriff ‚Public Health’ ist in seiner Bedeutung vor allem im deutschen Raum noch nicht hinreichend definiert worden. Rosenbrock (1992) definiert Public Health als: „Theorie und Praxis der auf Gruppen bzw. Bevölkerungen bezogenen Maßnahmen und Strategien, der Verminderung von Erkrankungs- und Sterbewahrscheinlichkeiten sowie der Gesundheitsförderung. Dazu gehört auch die Steuerung der Krankenversorgung. Publ ic Health analysiert und beeinflusst hinter
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2. Theoretische Grundlagen
den individuellen Krankheitsfällen epidemiologisch fassbare Risikostrukturen, Verursachungszusammenhänge und Bewältigungsmöglichkeiten.“ (Rosenbrock, 1992, S.82). Public Health weist also Überlappungen mit der Gesundheitsförderung auf. Ein Unterschied besteht darin, dass die Gesundheitsförderung auf bestimmte Zielpopulationen gerichtet ist, während die Maßnahmen im Rahmen der Public Health eher auf institutioneller und organisatorischer Ebene angesetzt sind (z.B. Verordnungen, Gesetze, strukturelle Maßnahmen), wobei Gesamt- und Teilpopulationen angesprochen werden (Runyan, 1985) und vor allem die kollektiven Anteile an der Verantwortung für Gesundheit analysiert. Zusammenfassend wird deutlich, dass die Gesundheitspsychologie vor allem im Rahmen der Förderung der Gesundheit, somit auch der Prävention von gesundheitlichen Störungen und Vermeidung von Risikoverhalten tätig wird.
0.0 Definitionen von Gesundheit
Vor einer Diskussion über Interventions- und Präventions maßnahmen scheint die Wahl der Definition von Gesundheit von grundlegender Bedeutung zu sein, da die Definition von Gesundheit (mehr oder weniger) implizit über die
Interventionsstrategien, Maßnahmen und Herangehensweisen zur Erreichung dieses Zustandes entscheidet. Je nach Fokus und Standpunkt lässt sich eine große Vielfalt von Definitionen des Gesundheits- und Krankheitsbegriffes unterscheiden. Im Folgenden werden daher nur einige wenige Definitionen exemplarisch vorgestellt und diskutiert.
Frühe Definitionen charakterisierten Gesundheit als das Fehlen und die Abwesenheit von Krankheit (Hartman et al. 1959). Dies ist eine negative Begriffsbestimmung, denn Gesundheit wird nicht als ein eigenständiger Zustand definiert, sondern nur vom Krankheitszustand abgegrenzt. Fragestellungen und Aufgaben der Gesundheitspsychologie zur Gesundheitsförderung sind nach dieser Definition überflüssig, Maßnahmen zur Krankheitsvermeidung stehen im Vordergrund. Wichtig und wegweisend für die gesundheitspsychologische Arbeit war die von der World Health Organisation (WHO) 1946 formulierte Definition in Abgrenzung zu einer
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2. Theoretische Grundlagen
rein medizinischen Sichtweise: Gesundheit ist ein „Zustand des vollkommenen geistigen, sozialen und körperlichen Wohlbefindens, und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“ (WHO, 1947). Diese Gesundheitsdefinition stellt eine positive Begriffsbestimmung dar, und betont ausserdem neben der rein körperlichen bzw. medizinischen Dimension auch die psychische und soziale Seite des Wohlbefindens. Trotzdem weist auch diese Definition einige Schwachstellen auf. Zum einen betont sie einen Zustand, obwohl auch die Dynamik von Gesundheit von großer Bedeutung ist (Sassen, 1987). Zum anderen wird der Zustand als ‚vollkommenes Wohlbefinden‘ hervorgehoben, womit der Geltungsbereich der Definition erheblich eingeschränkt ist; d.h. wenn z.B. irreparable gesundheitliche Schäden vorliegen, würde dies nicht als Gesundheit gelten, sondern nur in relativer Annäherung als solche verstanden werden. Außerdem wird sowohl auf die mangelnde Operationalisierbarkeit der Definition (Brandstädter, 1982) als auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die die Hervorhebung der subjektiven Aspekte von Gesundheit in dieser Definition bereitet. Denn es kann auch bei einer subjektiv als vollkommen empfundenen Gesundheit eine gravierende Gesundheitsgefährdung vorliegen (wie z.B. beim Rauchen).
Diese Probleme werden in einer Gesundheitsdefinition von Hurrelmann (1990) umgangen, weshalb diese als theoretische Grundlage des weiteren Textes verwendet wird. Gesundheit ist hiernach ein ‚Zustand des objektiven und subjektiven Befindens einer Person der gegeben ist, wenn diese Person sich in den psychischen, physischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung im Einklang mit den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äusseren Lebensbedingungen befindet.‘ Weiterhin wird Gesundheit definiert als ein ‚aktuelles Ergebnis der jeweils aktiv betriebenen Herstellung und Erhaltung der sozialen, psychischen und körperlichen Aktionsfähigkeit eines Menschen im gesamten Lebenslauf.‘ (S.62).
Positiv an dieser Definition ist vor allem die Vermeidung des Anspruchs eines ‚vollkommenen Wohlbefindens’, aber auch die Relativierung des subjektiven Wohlbefindens. Dass auch die persönlichen Möglichkeiten eines Menschen und
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2. Theoretische Grundlagen
dessen Handlungsfähigkeit miteinbezogen werden, ist außerdem positiv zu beurteilen. Hiernach wäre somit auch ein Individuum, welches irreparable gesundheitliche Schäden hat, sich aber im Einklang mit seinen Möglichkeiten und Lebensbedingungen befindet, gesund. Ausserdem wird durch die Relativierung des subjektiven Wohlbefindens das Problem gelöst, dass auch bei subjektiver Gesundheit Gefährdungen vorliegen können, wie z.B. beim Konsum von Tabak oder anderen Drogen.
0.0 Gesundheitsmodelle und gesundheitsbezogene Kognitionen Die theoretischen Grundlagen der Gesundheitspsychologie sind vielfältig und gut ausgearbeitet, sie unterscheiden sich in ihrer Zielsetzung und ihren zugrundeliegenden Ansätzen. Die Modelle und Theorien lassen sich im wesentlichen drei Hauptkategorien zuordnen: Modelle der Gesundheit, Modelle des Gesundheitsverhaltens und Modelle zur Planung von Gesundheitserziehung,förderung und -beratung. Für die vorliegende Arbeit zur Gesundheitsprävention und -intervention in Bezug auf den Konsum von Tabak ist vor allem die zweite Kategorie von Bedeutung. Denn Modelle und Theorien des Gesundheitsverhaltens geben Hinweise darauf, wie Risikoverhalten zustande kommt und versuchen Gesundheitsverhalten zu erklären. Hierbei lassen sich zwei verschiedene theoretische Herangehensweisen unterscheiden: Zum einen gibt es Modelle und Theorien, die variablenübergreifend verschiedene Faktoren integrieren. Zum anderen gibt es einige Ansätze die kognitiven Konstrukten den entscheidenden Einfluss auf gesundheitsbezogenes Verhalten und Handeln zuschreiben. Im folgenden werden zuerst solche, als ausschlaggebend bezeichnete kognitive Variablen wie Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugungen und Risikowahrnehmung dargestellt. Im Anschluss daran folgt die Vorstellung von Modellen zur Analyse, Vorhersage und Veränderung von Gesundheitsverhalten.
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Arbeit zitieren:
Judith Katenbrink, 2001, Tabakkonsum: Konzepte der Gesundheitsprävention und -intervention, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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