Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Der Neo-Realismus 4
1.1 Der Einfluß der epistomologischen Kontroverse 4
1.2. Die Kritik am Realismus Morgenthaus 5
1.3. Die Gemeinsamkeiten der Theorien 5
2. Annahmen über den Menschen 6
2.1. Das Streben zu Herrschen 6
2.2. Der egoistische Nutzenmaximierer 6
2.3. Der Mensch: alt vs. Neu 7
3. Die Internationale Gesellschaft und ihre Akteure 7
3.1. Die Mannigfaltigkeit der Nationen 7
3.2. Die Staaten als like units 8
3.3. Die Staaten: einander gleich oder ungleich? 8
4. Das nationale Interesse 9
4.1. Interesse an Macht 9
4.2. Interesse an Sicherheit 10
4.3. Macht oder Sicherheit ? 10
5. Die Theorie vom Gleichgewicht der Mächte 11
5.1. Gleichgewic ht für den Machterhalt 11
5.2. Gleichgewicht für den Selbsterhalt 12
5.3. Macht- oder Selbsterhalt? 13
6. Kooperation und Konflikte 13
6.1. Kooperation für die Macht 13
6.2. Verzicht auf Kooperation für die Sicherheit 14
6.3. Kooperation: Machtmittel oder Sicherheitsgefahr? 14
7. Der Systemfaktor bei Waltz 15
7.1. Das System und seine Einheiten 15
7.2. Die Struktur des Systems 16
7.3. Der Einfluß der Struktur 16
8. Die Neuerungen 16
8.1. Analogie zur Mikrotheorie 17
8.2. Sicherheit statt Macht 17
8.3. Der strukturelle Realismus 17
Literaturverzeichnis 18
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Einleitung
In den internationalen Beziehungen entstand die realistische Schule als Antwort auf den „... Totalkonkurs des idealistischen Weltbildes“ (Meyers 1979: 372) im Zweiten Weltkrieg. Hans J. Morgenthaus Realismus, den er in seinem Hauptwerk Macht und Frieden entwickelt, behält noch im Nachkriegsjahrzehnt die vorherrschende Stellung in der IB-Theorie. Ende der Siebziger Jahre konzipiert Kenneth N. Waltz in seinem Buch Theory of International Politics den Neorealismus. Es ist bis Ende der achtziger Jahre der „... einflußreichste theoreti-sche Ansatz" (Rittberger 1987: Seite 24).
„Der Neorealismus [Waltz] hat mit der realistischen Schule Morgenthaus auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam“ (Hartmann 2000: 34, Hinzufügung Autorin). Dennoch fasse ich ihn als Weiterentwicklung des Realismus auf. Ich werde beide Großtheorien hinsichtlich ihrer Aussa-gen über die Beschaffenheit des internationalen Systems und seiner Akteure vergleichen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch nicht darauf, die Gemeinsamkeiten beider Theorien herauszu-stellen. Vielmehr werden die Unterschiede betont.
Obwohl der Neorealismus in der IB-Theorie explizit als Nachfolger des Realismus benannt wird, ist die Beschäftigung mit dem Verhältnis beider Theorien in den Hintergrund getreten. 1 Ein Vergleich ist hauptsächlich in Einführungswerken zu den Internationalen Beziehungen zu finden. 2 Waltz selbst nimmt in seinem Essay Realist Thought and Neorealist Theory eine Gegenüberstellung der Theorien vor, doch hauptsächlich mit dem Anspruch Kritik, am Neorealismus zurückzuweisen, und die ‚Verbesserungen‘ gegenüber dem Realismus hervor-zuheben (vgl. Waltz 1995). In diesen Abhandlungen wird deutlich, daß Morgenthau und Waltz die gleichen Begriffe verwenden, ihnen aber andere Bedeutungen zuweisen. Ich verspreche mir von dem Vergleich der Theorien eine Erhellung dieser Unterschiede.
Ich werde die in Morgenthaus und Waltz Werk herangezogenen Beispiele aus der Geschichte, deren Ausdeutungen und daraus abgeleiteten Empfehlungen und Prognosen ebenso vernach-
1 DieUrsache hierfür ist zum einen in der Erklärungsnot der realistischen Schule angesichts des Endes des Kalten Krieges zu sehen. Zum anderen verdrängen die neueren Theorieansätze Konstruktivismus und Postpositivismus den Realismus. (vgl. Smith 2001: 225)
2 Darunter zum Beispiel Jürgen Hartmann Internationale Beziehungen, Gert Krell Weltbilder und Weltordnungen. Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen und Xuexu Gu Theorien der internationalen Beziehungen. Einführung.
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lässigen, wie das zugrundeliegende Theorieverständnis. Der Schwerpunkt liegt auf dem Vergleich der Theorieaussagen.
Der Neorealismus Waltz baut auf das Begriffsinstrumentarium des Realismus Morgenthaus auf, verwirft und verändert jedoch entscheidende inhaltliche Aspekte. Mit meiner zentralen Fragestellung danach, was ‚neu‘ ist am Neorealismus ziele ich auf diese Unterschiede ab. Ich frage im einzelnen danach, welches Menschenbild Morgenthau und Waltz entwerfen, wie das internationale System beschaffen ist und welche Akteure agieren; welche Ziele sie verfolgen und welche Beziehungen sich zwischen Ihnen entwickel n.
Da ich dabei, wie oben bereits erwähnt, nur die Aussagen über die Beschaffenheit der internationalen Gesellschaft heranziehe, bietet sich ein Vergleich geradezu an. Dem voran stelle ich Gründe für Waltz, den Realismus weiterzuentwickeln sowie die Gemei nsamkeiten beider Theorien. Darauf folgt die Gegenüberstellung der Unterschiede. Ausgehend vom Menschenbild und den in den Theorien dargelegten Eigenschaften des internationalen Umfeldes und seiner Akteure, komme ich zu den Zielen der Staaten. Die Anschauungen zum Mächtegleichgewicht und die Wahrscheinlichkeiten für Kooperationen und Kriege werde ich ebenfalls gegenüberstellen. Der Neorealismus Waltz , der den Beinammen ‚Struktureller Realismus‘ führt, beinhaltet zudem eine systemische Komponente, die ihn vom Morgen-thauschen Realismus unterscheidet. Den Abschluß des Vergleichs stellt eine Zusammenfassung der Neuerungen im Neorealismus dar.
Ein Klärung zentraler Begriffe erübrigt sich hier, da dies den Inhalt der Arbeit darstellt. Bezüglich der Materiallage läßt dich sagen, daß ich bereits bei der Beschaffung der Primär-literatur auf Schwierigkeiten stieß. Waltz Theory of International Politics wird nicht mehr verlegt. Für den Rahmen der Arbeit habe ich oben genannte Einführungswerke zumeist neueren Datums herangezogen.
1. Der Neo-Realismus
1.1 Der Einfluß der epistemologischen Kontroverse
Kenneth N. Waltz benennt in seinem Werkes Theory of International Politics als eines seiner
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Anliegen, „to construct a theory of international politics that remedies the defects of present theories” (Waltz 1979: 1).
Dies zeugt davon, daß die älteren Theorien der Internationalen Beziehungen als nicht mehr angemessen gelten. Als Ergebnis der epistemologische Kontroverse der sechziger und siebziger Jahre (Meyers 1998: 416-417 ), erfolgt „...den Sozialwissenschaften [...] die Übernahme naturwissenschaftlicher [...] Theoriebildungsverfahren...“ (Meyers 1979: 378, Auslassungen Autorin). Statt bisher induktiver Theorien mit anthropologischen und historischen Prämissen, werden nun „... kategorial sparsame[...], elegante[...] und deduktiv-formale[...] Theorien...“ (ebenda, Auslassungen Autorin) gefordert.
1.2. Die Kritik am Realismus Morgenthaus
Er wirft Morgenthau speziell vor, daß dessen Theorie der internationalen Beziehungen nur „[e]lements of a theory ...” (Waltz 1995: 71, Veränderung Autorin) enthalte, aber keine in sich geschlossene Theorie darstelle. Denn es wäre ihm nicht gelungen, die Entwicklung einer Theorie der Internationalen Beziehungen vom Versuch, national e Außenpolitik erklären zu wollen, zu trennen. (vgl. ebenda: 71) Darüber hinaus hätte Morgenthau nicht beachtet, daß sich eine Theorie nur mit „... regularities and repetitions ...“ (ebenda: 71) befassen könne. Er habe zudem versucht, die Unregelmäßigkeiten in den internationalen Beziehungen, oder wie Waltz sie nennt, die „unexpected events“ (ebenda: 71) zu erfassen.
1.3. Die Gemeinsamkeiten der Theorien
Trotz der veränderten methodologischen Anforderungen an Theorien der Sozialwissenschaften und der Kritik Waltz an seinem Vorgänger Morgenthau, weisen Realismus und Neorealismus punktuelle Gemeinsamkeiten auf.
So stellen beide fest, daß das internationale Umfeld durch das Fehlen einer den Staaten über-geordneten Autorität gekennzeichnet ist. 3 Sie charakterisieren diesen Zustand als anarchisch und dezentralisiert. (vgl. Morgenthau 1963: 246; vgl. Waltz 1979: 88) Der dominierende
3 Morgenthaus spricht davon, daß “... es eine zentrale politische Autorität über den Staaten nicht gibt und niemals geben kann” (Morgenthaus 1963: 246), während Waltz für das internationale System “... the absence of government” (Waltz 1979: 102) feststellt.
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Akteur im internationalen Geschehen ist der souveräne Staat. 4 Sein Hauptanliegen sei die Durchsetzung des nationalen Interesses. 5 In der internationalen Gesellschaft gilt das Gebot der Selbsthilfe. (Morgenthau 1963: 263; Waltz 1979: 111) Die Kräfte des internationalen Systems befördern die Ausbildung eines Mächtegleichgewichts. (vgl. Morgenthau 1963: 145ff.; Waltz 1979: 116ff.)
Abgesehen von diesen Übereinstimmungen gibt es Unterschiede, auf die ich in den folgenden Kapiteln näher eingehe.
2. Annahmen über den Menschen
2.1. Das Streben zu Herrschen
Das Menschenbild des Realismus wird von anthropologischen Prämissen bestimmt. 6 Von den Trieben des Menschen sei der „... zu herrschen“ (Morgenthau 1963:76) der dominanteste. Denn der Drang nach Einfluß und Macht stelle „... ein Merkmal [...] alle[r] menschliche[r] Gemeinschaften...“ (ebenda, Auslassung und Veränderung Autorin) dar.
Die Ursache des Machttriebes ist in der feindlichen Umwelt des Menschen zu sehen, die ihn mit seiner eigenen Schwäche konfrontiere. 7 (vgl. Kindermann 1963: 25) Da der Machttrieb tief in der menschlichen Natur verwurzelt sei, könne er nicht überwunden werden.
2.2. Der egoistische Nutzenmaximierer
4 Laut Morgenthau setze sich die “internationale[...] Gesellschaft [...] aus souveränen Staaten zusammen[..]” (Morgenthau 1963: 246, Auslassungen Autorin) Für Waltz ist die „... international-political structure in terms of states“ (Waltz 1979: 94) zu definieren, wobei er hervorhebt, daß die agierenden Staaten souverän sind. (vgl. ebenda: 96)
5 “Das höchste Ziel der [nationalen] Außenpolitik ...” (Morgenthau 1963: 284) besteht für Morgenthau in der „... Förderung der eigenen Interessen ...“ (ebenda) eines Staates. Waltz sagt aus, daß die Staaten „... their combined capabilities ...” (Waltz 1979: 131) einsetzten, „... in order to serve their interests” (ebenda).
6 Das Menschenbild Morgenthaus lehnt an die Annahmen Reinhold Niebuhrs an, die dieser in seinem Werk „moral man and immoral society” entwickelte. (vgl. Gu 2000: 43)
7 Vor Morgenthau erläuterte bereits John H. Herz in seinem Buch „Politischer Realismus und politischer Idealismus“, wie das Bewußtsein des Menschen von seiner eigenen Verwundbarkeit den Drang nach Macht auslösen kann.
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Arbeit zitieren:
Sarah Weier, 2002, Was ist 'neu' am Neorealismus? Ein Vergleich der Theorien Morgenthaus und Waltz, München, GRIN Verlag GmbH
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