Barker empirisch zu untersuchen: Ist ein demokratischer Frieden ein echter Frieden? Wird es mehr sein als nur die Abwesenheit von Krieg?
In den einleitenden Worten zu seinem Aufsatz „Demokratischer F rieden? Unfriedliche Demokratien? Überlegungen zu einem theoretischen Puzzle“ wirft er die Frage auf, was eigentlich hinter dem Postulat „demokratischen Frieden“ steht und wie es sich mit der Realität verträgt. Wie unterscheiden sich Demokratien von autoritären Staaten? Warum sind Demokratien zu einem foedus pacificum (Kant´scher Friedensbund) befähigt, Diktaturen aber nicht? Thomas Risse-Kappen argumentiert zu Anfang seines Essays folgendermassen, „dass Demokratien in ihrer Außenpolitik von der Gewalthaltigkeit der innenpolitischen Konfliktregelungsmodi auf das Außenverhalten politischer Systeme schließen.“ Die Friedfertigkeit von Demokratien wird mit der Perzeptionsdifferenz zu erklären versucht: Demokratien nehmen sich untereinander als friedfertig war, autoritären Systemen gegenüber wählen Demokratien andere Verhaltensmuster, die unter bestimmten Umständen zu einer kriegerischen Konfrontation ausarten können. Die Perzeptionsdifferenz unterscheidet zwischen Verhaltenskodizes zwischen Demokratien (friedfertig, friedliche Konfliktaustragung, Herausbildung einer stabilen Friedensordnung) und zwischen Verhaltensnormen zwischen Demokratien und Nicht-Demokratien („Prämisse der Feindseligkeit“). Thomas Risse-Kappen teilt seinen Aufsatz in drei Teile. Am Anfang fasst er den gegenwärtigen Stand der empirischen Forschung in der Thematik „Demokratie und Frieden“ zusammen. In seinen weiteren Ausführungen begründet er die Unvollkommenheit der liberalen Theorien zur Erklärung des „Demokratischen Friedens“ und schließlich versucht der Autor im letzten Teil seines Werkes das Defizit der liberalen Theorien zu beheben.
Der empirische Befund: demokratischer Frieden - unfriedliche Demokratien In diesem Abschnitt wird die Friedfertigkeit von demokratischen Systemen untersucht. Ist es Realität, dass Demokratien keine Kriege gegeneinander führen? Unter Zuhilfenahme des Datensatzes des Correlates of War Projektes von Zeev Maoz und Nasrin Abdolali der University of Michigan wird festgestellt, dass Demokratien zwischen 1816 und 1976 in genauso viele Krisen, Konflikte und Kriege verwickelt waren, wie Anokratien und Autokratien. Diese Fakten begründen für Risse-Kappen, dass demokratisch verfasste Staaten genauso aggressiv agieren können wie nicht demokratische Staaten, der deutliche Unterschied liegt aber darin, dass der „demokratische Frieden“ nur im Zusammenhang mit mindestens zwei demokratischen Ländern zu funktionieren scheint. Die
2
empirischen Fakten von Maoz und Abdolali falsifizieren die Aussage der generellen Friedfertigkeit von Demokratien.
Im weiteren wird betont, dass die Daten der Universität von Michigan keine Aussagen über Angreifer und Angegriffenen treffen. Dieses „Nicht-Ergebnis" stellt für den Autor einen wichtigen Befund dar: „Die These von der generellen Friedfertigkeit demokratischer Systeme ließe sich nämlich nur dann aufrechterhalten, wenn nachgewiesen werden könnte, dass sie in militärischen Auseinadersetzungen mit autoritären Systemen überproportional häufig auf der verteidigenden Seite zu finden sind.“ Die Faktenlage lässt nur einen Schluß zu, dass die These der generellen Friedfertigkeit von Demokratien nicht zu halten ist. In weiteren Beispielen und Falländerungen (Diaden-Konstellation) wird die These weiter geprüft und letztendlich fallengelassen.
3
Der demokratische Frieden
In diesem Abschnitt wird festgestellt, dass Demokratien seit 1816 (fast) keine Kriege gegeneinander geführt haben. Passenderweise vergleicht er den demokratischen Frieden als „eine Insel der Gewaltarmut in einem Meer von Konflikten“. Die Daten der Universität Michigan lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sich Demokratien in Konfliktfällen mit anderen Demokratien (fast) immer friedlich oder ,besser, nicht-kriegerisch verhalten. Es gab zwar „Drohgebärden, Mobilisierung von Truppen und kleine Scharmützel“, aber keine bewaffneten zwischenstaatlichen Kriege.
Zur weiteren Begründung des demokratischen Friedens zieht der Autor Ergebnisse von Randall Schweller mit ein. In seinen Studien untersucht Schweller die außenpolitischen Aktionen zweier unterschiedlicher Typen von Hegemonialmächten im Niedergang, nämlich demokratischen und autoritären Hegemonialkräften. Beide Diaden unterscheiden sich empirisch in ihren Handlungen. Die nicht-demokratischen Mächte führen häufig einen Präventivkrieg um ihren Niedergang zu beenden, die demokratischen Hegemonialmächte hingegen versuchen durch Kooperationen und durch einen „modus vivendi“ ihren Status beizubehalten. Zum weiteren wurde eine „deutliche Korrelation zwischen internem Partizipationsgrad und F riedfertigkeit gegenüber den Nachbarstaaten festgestellt.“ Im nächsten Schritt stellt Risse-Kappen andere Erkenntnisse vor, die die These des demokratischen Friedens stützen:
- Allianzen sind das bevorzugte Mittel von Demokratien
- Gewaltsamen Auseinandersetzungen gehen Vermittlungsversuche Dritter einher
- Grenzfälle, die die These des demokratischen Friedens falsifizieren wollen, sind bei genauerer Betrachtung aufgelöst
In der weiteren Betrachtung des demokratischen Friedens wird das Argument beseitigt, dass die Mitgliedschaft in einem Verteidigungsbündnis die Friedfertigkeit eines Mitgliedes erhöht. Im Gegenteil. Die gesammelten Fakten lassen darauf schließen, dass die Mitgliedschaft in einer Verteidigungsallianz die Friedfertigkeit senkt und das Aggressionspotential erhöht. Ebenfalls wird der Zusammenhang zwischen Reichtum/Wohlstand und Konfliktverhalten in den Kontext seiner Untersuchung mit eingenommen. Es stellt sich aber fest, dass vermehrter Wohlstand das Konfliktpotential eines Landes eher steigen lässt als das es das vermindert. Zweitens wird die fehlende geographische Nähe zwischen zwei Staaten als Erklärungsmuster für den demokratischen Frieden als nicht ausreichend dargestellt. Als einen wichtigen Indikator, der die These des Friedens
4
Arbeit zitieren:
Sebastian Buciak, 2005, Zu: Thomas Risse-Kappen: Demokratischer Frieden? Unfriedliche Demokratien? Überlegungen zu einem theoretischen Puzzle, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Türkeidebatte: Die Türkei in die EU?
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 19 Seiten
Eine Begründung für die Menschenrechte
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Zwischenprüfungsarbeit, 22 Seiten
Die Problematik des Einsatzes ...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Magisterarbeit, 130 Seiten
Arbeitskräftemigration: Ursachen und Folgen am Beispiel der EU-Osterwe...
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Seminararbeit, 19 Seiten
Der Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo - ein 'neuer'...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Arbeitsmigration in der Europäischen Union
Die Einschränkung der Arbeitne...
Kulturwissenschaften - Osteuropa
Seminararbeit, 20 Seiten
Eine "Welt der Farce" in Samuel Becketts Warten auf Godot
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Nationalstaatliche Interessen und internationale Interdependenz
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 26 Seiten
Die Demokratietheorien von Jean-Jacques Rousseau und Joseph A. Schumpe...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
Über Cyrano de Bergerac und seine Utopie L'histoire comique conten...
Hausarbeit, 23 Seiten
Warten - aber worauf? (Über Samuel Beckett - En attendant Godot )
Romanistik - Französisch - Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Charles Sorels L'histoire comique de Francion und der Roman als Me...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Warum hat sich die Europäische Union – entgegen eigener Erwartungen un...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Ist die Elitedemokratie eine Hydra aus Berufspolitikern? -Joseph A. Sc...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Sebastian Buciak hat den Text Zu: Thomas Risse-Kappen: Demokratischer Frieden? Unfriedliche Demokratien? Überlegungen zu einem theoretischen Puzzle veröffentlicht
Sebastian Buciak hat einen neuen Text hochgeladen
Erosion im Demokratischen Frieden: innerstaatliche ethnische Kriege
Eine neue Theorie
Tanja Mayrgündter
Die internationale Organisation des Demokratischen Friedens
Studien zur Leistungsfähigkeit...
Matthias Dembinski, Andreas Hasenclever
Schattenseiten des Demokratischen Friedens
Zur Kritik einer Theorie liber...
Anna Geis, Harald Müller, Wolfgang Wagner
0 Kommentare