Inhaltsverzeichnis
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Kapitel Seite
1. Darstellung der Untersuchung 3
1.1. Forschungsleitende Überlegungen 3
1.2. Problemstellung 3
1.3. Definitionen und theoretische Grundlagen 5
1.3.1. Medienkonkurrenz nach Neil Postman 5
1.3.2. Das alte Medium Buch 8
1.3.3. Das neue Medium Internet 9
1.3.4. Ergänzung statt Ersatz 11
1.3.5. Probleme bei der Definition des Freizeitbegriffs 12
1.3.5.1. Studentische Freizeitdefinition 13
1.4. Untersuchungskonzept 14
1.4.1. Untersuchte Gruppe 14
1.4.2. Vergleichsgruppen 14
1.4.3. Fragebogengliederung 15
1.4.3.1. Fragen zur Person und zum Freizeitverhalten 16
1.4.3.2. Fragen zum Freizeitleseverhalten 16
1.4.3.3. Fragen zum Internetnutzungsverhalten in der Freizeit 16
1.4.3.4. Fragen zur Änderung des Freizeitverhaltens 17
2. Freizeitverhalten - Stellenwert von Buch und Internet
18
2.1. Österreichs User im Überblick 18
2.2. Besitz und Nutzung eines Internetanschlusses bei Salzburger
SoziologiestudentInnen 18
2.3. Vergleich der Besitzer- bzw. Nutzergruppen 19
2.4. Wer ist der/die Salzburger SoziologiestudentIn? 20
2.5. Über die Gestaltung der Freizeit 21
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Inhaltsverzeichnis
3. Buch versus Internet?
23
3.1. Motivforschung: Gründe für Lesen und Internetnutzung 26
4. Änderung des Freizeitverhaltens
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5. Geschlechterspezifische Leser- und Nutzerstrukturen
31
6. Resümee 34
Anmerkungen
36
Literaturverzeichnis
37
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1. Darstellung der Untersuchung
1.1. Forschungsleitende Überlegungen
„Wer redet heute noch vom Lesen, wo man - im Zeitalter der Computertechnologie-längst auf den Benutzeroberflächen der besseren Software nicht mehr nur Texte,
sondern hauptsächlich Icons entziffern muss, um die notwendigen Informationen zu
erhalten? Am Ende der „Gutenberg-Galaxis“ (Marshall McLuhan), [...], scheint ein
bereits in Gang gesetzter Verdrängungsprozess innerhalb unserer medialen Umwelt
stattzufinden, der nicht nur zu Lasten des Gedruckten, sondern sogar der Schrift
gehen wird.“ (Eicher 1996, 9)
Derartig buch- und lesepessimistisch beginnt Thomas Eichers Untersuchung zum Leseverhalten von Studienanfängern der Germanistik. Wieder einmal, nach dem „Angriff“ von Radio und Fernsehen, scheint das Medium Buch durch ein neues elektronisches Medium bzw. gleich mehrere Medien in seiner Existenz bedroht zu sein. Einerseits wird die Weiterentwicklung von Computer, Internet und neuen Medien euphorisch begrüßt und man sieht in Ihnen schon die Zukunft, andererseits fürchtet man um die weitere Existenz des alten Mediums Buch und sogar der Kultur (vgl. Tauss 1996, 40f).
„Die totale Vernetzung der Computerwelt, verkörpert durch das Internet, wird seit
einigen Jahren von solch einer defekten Rhetorik begleitet. Da entsteht ein neues
Medium und als solches greift es ständig irgendein anderes an oder droht es
garstigerweise gleich zu zerschmettern. Die Menschen wollen offenbar Krieg s ehen
im Medienland.“ (Polatschek 1998, 103)
Doch in wie weit trifft dieser „Kriegszustand“ wirklich zu? Schafft es das Internet (ganz abgesehen von der Frage, will und kann es das überhaupt?) das Buch zu verdrängen oder zu ersetzen? Dieser Frage widmet sich, natürlich im kleinerem Rahmen, die folgende Arbeit.
1.2. Problemstellung
Die ursprüngliche Ausgangsaufgabe dieser Arbeit war die Untersuchung des Freizeitleseverhaltens Salzburger StudentInnen. Um diesen Themenbereich mit aktueller Brisanz zu füllen, entschied sich die Gruppe dazu, die Nutzung zweier „(Lese)Medien“ zu vergleichen: das Buch und das Internet, ein „altes“ und ein „neues“ Medium. Das Buch als, ein im Vergleich zum Internet, relativ altes L esemedium zu definieren erscheint logisch. Aber auch das Internet ist - wenn auch nur zum Teil - ein Lesemedium, denn „ohne ausreichende Lesekompetenz ist der Umgang mit den neuen Bildschirmmedien in der
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Regel gar nicht möglich“ (Vorderer 1998, 184). Darüber hinaus bietet das Internet zahlreiche zum Buch äquivalente Möglichkeiten zur Wissensbeschaffung. Man denke hier nur an sämtliche themenbezogene Magazine und Interestgroups im Net.
In dieser Arbeit soll also die Rolle untersucht werden, die Buch und Internet bei der Freizeitgestaltung Salzburger StudentInnen spielen. Dabei gehen wir von der Forschungsfrage, ob der Computer und die damit verbundenen „Neuen Medien“ (=Internet), das „gute alte“ Buch als Freizeitlektüre Salzburger StudentInnen verdrängt, aus. Uns interessiert konkret, welchen Platz das Internet sich in der Freizeitgestaltung „erobert“ hat, und ob dieser auf Kosten des Stellenwerts des Buches ging. Oder anders ausgedrückt, ob die StudentInnen nun die (Frei)zeit, die sie einmal damit verbrachten Bücher zu lesen, nun dazu nutzen, vermehrt im Internet zu surfen, zu chatten, etc. Die Vermutung dieses Zusammenhangs bezieht sich also auf zwei Ebenen: 1 auf den Aspekt, dass die Tätigkeiten im Internet einen derart enormen Zeitaufwand benötigen, dass dieser auf Kosten anderer Freizeitaktivitäten - insbesondere des Buches - gehen könnte, der Ebene der Zeitökonomie und 2. auf die Ebene der konkret inhaltlichen Konkurrenz und der daraus folgenden Frage, welches Medium dann den tatsächlichen (quantitativ messbaren) Vorzug erhält.
Wir werden letztendlich die These aufstellen, dass das Internet das Buch bei der Freizeitgestaltung nicht völlig verdrängt (zumindest nicht vollständig), da Buch und Internet zwei Medien mit großteils verschiedenen Funktionspotentialen sind und daher zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Es ist einleuchtend, dass jemand, der bisher ein begeisterter Bücherleser in seiner Freizeit war, diese Gewohnheit nicht aufgrund der Verfügbarkeit eines neuen Mediums aufgibt, zumal das Internet nur teilweise die gleichen Eigenschaften wie das B uch besitzt und bei dieser Person nie eine derart dominante Rolle in der Zeitökonomie einnehmen wird, da das Lesen einen besonders hohen Routinewert besitzt, der Griff zum Buch gewissermaßen internalisiert ist.
Um die große Anzahl der Salzburger StudentInnen einzugrenzen wurde beschlossen, die Stichprobe nur einer Studentengruppe zu entnehmen und auch nur diese Studentengruppe zu untersuchen. Die Wahl fiel auf Salzburger SoziologiestudentInnen (für die Gründe dieser Wahl siehe Kapitel 1.4.1).
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1.3. Definitionen und theoretische Grundlagen
1.3.1. Medienkonkurrenz nach Neil Postman
Das Internet scheint also, wie dem Eingangszitat zu entnehmen ist, eine Bedrohung für das Buch darzustellen. Angeblich versucht es, das Buch zu verdrängen, steht mit ihm in Konkurrenz um Leser bzw. Nutzer, also eine Art Medienkonkurrenz. Doch was kann man sich unter dieser Medienkonkurrenz vorstellen?
Neil Postman (1995, 221ff) geht von drei Prinzipien, welche einen Wandel im Mediensystem bewirken, aus:
1. „Immer wenn sich ein neues Medium in eine Kultur drängt, konkurriert es mit einem älteren Medium um Zeit, Aufmerksamkeit, Geld, Prestige und - vor allemum die psychischen Gewohnheiten der Menschen.
2. [...] dass in diesem Wettstreit zwischen altem und neuem Medium, das alte fast immer dem neuen unterliegt“ und
3. dass es zwei Möglichkeiten der Niederlage für das alte Medium gibt, nämlich erstens, „dass das alte Medium völlig verschwindet“ oder zweitens, dass sich das alte Medium gezwungenermaßen den neuen Bedingungen anpassen muss.
Postman (1995, 223) räumt zwar ein, dass „ein altes Medium [...] den Angriff eines neuen überleben kann“ und hofft dies für die Printmedien, prognostiziert jedoch gleichzeitig, dass „das Lesen [...] durch die Beschäftigung mit elektronischen, visuellen Medien ersetzt wird 1 “ (Postman 1995, 226).
Wiederum eine sehr pessimistische Sicht zur Zukunft von Buch und Lesen. Doch wie sehen nun diese drei Prinzipien im konkreten Fall von Medienkonkurrenz zwischen Buch und Internet aus?
Zum ersten Prinzip: Es ist belegt, dass das neue Medium Internet zunehmend einen festen Platz im Leben und in der Freizeit der Menschen einnimmt. So verfügt die Hälfte der österreichischen B evölkerung im (1. Quartal 2000) laut dem AIM, Integral/Fessel Institut über einen PC pro Haushalt, 57 % d avon wiederum über einen Zugang ins Internet. Ein erheblicher Anteil der darin benutzten Angebote dient rein der Unterhaltung und Entspannung, Tätigkeiten die eindeutig der Freizeitgestaltung von Personen zugeschrieben
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werden dürfen, außer deren Aufmerksamkeit richtet sich aus beruflichem Interesse auf gerade diese Angebote.
Es ist Tatsache, dass die Zeit, Aufmerksamkeit, etc., die man dem Internet nun widmet, von i rgendwo anders weggenommen werden muss. Weniger logisch erscheint es da, anzunehmen, dass das Internet dabei die Zeit für seine Nutzung nur oder überhaupt dem alten Medium Buch wegnimmt. Es gäbe ja auch andere Erklärungsmöglichkeiten: das Internet könnte die Zeit nicht dem Medium Buch, sondern anderen Medien, wie etwa dem Fernsehen, oder mehreren Medien gleichzeitig wegnehmen. Oder aber der vermehrte Zeitbedarf für die Nutzung des Internets ist durch ein Ansteigen der generellen Mediennutzungszeit während der Freizeit gedeckt. So ermittelten etwa Ronald Brandstetter und Ivo Schärmer in ihrer Untersuchung zum Kultur-, Medien- und Freizeitverhalten von Salzburger Germanistik- und PublizistikstudentInnen, sowie von Innsbrucker StudentInnen der Politikwissenschaft, dass in deren Freizeitgestaltung die Indoor- Aktivitäten überwiegen und hierbei die Mediennutzung von Zeitung, Zeitschrift, Radio, Fernsehen und auch Büchern im Spitzenfeld rangieren (vgl. Brandstetter/Schärmer 1995, 72f, 94f, 113f).
Auch in verschiedenen allgemeineren Studien, die nicht nur das Freizeitverhalten von StudentInnen untersuchen, wird b estätigt, dass die Mediennutzung in der Freizeitgestaltung einen hohen Stellenwert innehat (vgl. Böck 1998, 321ff; Berg/Kiefer 1996, 115ff) und der Freizeitforscher Horst W. Opaschowski (1992, 13) bezeichnet Freizeit als „Medienzeit“.
Der vermehrte Z eitbedarf kann also auch durch andere Quellen gedeckt sein und muss nicht (ausschließlich) vom Buch getragen werden. Es sei hier jedoch darauf hingewiesen, dass sich diese U ntersuchung nicht damit beschäftigen wird, welche Freizeitaktivitäten durch das Internet an Zeit verlieren, sondern lediglich die Auswirkungen des Zeitbedarfs des Internet auf die Nutzungszeit des Buches während der Freizeit, also die Frage nach eventuellen signifikanten Zusammenhängen zwischen dem gestiegenen Stellenwert des Internets und dem vielfach behaupteten Niedergang des Buches.
Zum zweiten Prinzip ist zu sagen, dass Postman (1995, 222), durchaus eingesteht, dass ein „triviales, neues Medium“ ein „mächtiges, altes Medium“ nur schwer verdrängen können wird, wenn jedoch beide Medien gleich stark sind, das jüngere „gewinnen“ wird. Als Beispiel für „den Kampf David gegen Goliath“ nennt Postman die Konkurrenz zwischen dem schwachen, neuen, dreidimensionalen Film und dem starken, alten, zweidimensionalen Film. Doch man kann hier eigentlich nicht sagen, dass der 3D-Film ein
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eigenes Medium wäre. Vielmehr beschreibt Postman hier, wie sich zwei Medienformen -2D und 3D - um ein Medium - den Film - streiten. Um nun zum Thema Internet/Buch zurückzukehren, kann man nicht behaupten, dass das Internet dazu entwickelt wurde, um das Buch zu ersetzen (vgl. Polatschek 1998, 103), sondern es ist ein eigenständiges Medium, mit eigenen spezifischen Funktionen, Nutzungsweisen, Vor- bzw. Nachteilen und nicht eine elektronisch- digitale Version des Buches (vgl. Kapitel 1.3.3).
Hinzu kommt noch, dass man die „Macht des Buches“ nicht unterschätzen sollte: die Buchverlage freuen sich über jährliche Verkaufszuwächse (vgl. Vorderer 1998, 182; Wössner 1997, 79f) und die Buchlesehäufigkeit ist bislang noch nicht zurückgegangen (vgl. Schön 1998, 46; Wössner 1997, 80). Selbst das Internet zeigt, wie wichtig das Buch noch immer ist: der größte Online- Buchhändler, Amazon.com, gilt als das „flagship of ecommerce“ (Levy/Stone 2000, 37). Das Interesse an Büchern ist also keineswegs erloschen 2 .
Nun zu den zwei Möglichkeiten, wie das alte Medium dem Neuen „unterliegen“ kann. Erstens, wie bereits erwähnt, durch das vollständige Verschwinden oder durch den Ersatz des alten durch das neue Medium. Wiederum erklärt Postman (1995, 222) diesen Vorgang anhand von Beispielen: so hat etwa das Alphabet die Hieroglyphen und andere Formen der Bilderschrift ersetzt. Und wiederum sind es zwei Formen, Alphabet und Hieroglyphen, die sich um ein Medium - die Schrift - „streiten“. Dabei sollte bedacht werden, dass das Alphabet ja geradezu erfunden wurde, um die Hieroglyphen abzulösen und um das Schreiben zu vereinfachen. Das Internet wurde jedoch nicht erfunden bzw. entwickelt, um das Buch zu ersetzen und seine Funktionen zu übernehmen (vgl. Polatschek 1998, 103), sondern ursprünglich für militärische Zwecke, nämlich um nach einem etwaigen Atomschlag weiterhin kommunizieren zu können (vgl. Vesper 1998, 12). Es ist außerdem fraglich, ob das Internet das Buch überhaupt ersetzen kann (vgl. Kapitel 1 .3.2, Kapitel 1.3.3 und Kapitel 1.3.4), auch wenn wir kurz vor der Verbreitung des e-Books stehen, einem letztendlich weiteren Internettool, da die darauf zu lesenden Bücher vom Internet heruntergeladen werden sollen. Ob sich dann das Buch oder das sogenannte e -Book in Zukunft durchsetzen wird, werden letztendlich affektive (die Freude am U mblättern), habituelle (das „Schmökern“ in diversen Büchern vor dem Kauf, wie auch die simple Gewohnheit in den Buchladen oder in die Bibliothek zu gehen und sich von räumlich aufgestellten Kategorien leiten und inspirieren zu lassen) sowie ästhetische Gründe, welche
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Arbeit zitieren:
Martin Hasenöhrl, Iris Fritsch, Stefanie Grünangerl, Philipp Penetzdorfer, Astrid Rauchenwald, 2000, Buch versus Internet - Zur Frage der Konkurrenz zwischen den beiden Medien in der Freizeitgestaltung Salzburger StudentInnen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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