Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis…………………………………………………………………….. 1
1. Problembenennung und Konkretisierung des Forschungsinteresses 2
2. Forschungsfragen und Hypothesen 2
3. Begriffsdefinitionen 3
3.1 Definition von Theorie 4
3.2 Definition von Verschwörungstheorie 5
3.3 Rahmenbedingungen von Verschwörungstheorien 8
4. Der Reichstagsbrand 9
4.1 Die politische Situation in Deutschland 1932/33 9
4.2 Der Brand 10
4.3 Unmittelbare Folgen 12
4.4 Marinus van der Lubbe 12
4.4.1 Kindheit und Jugend 13
4.4.2 Politische Einstellung und Aktivitäten 13
4.4.3 Von der Verhaftung bis zur Hinrichtung 15
4.5 Reaktionen aus dem Ausland und Gegenprozess 17
4.6 Die Folgen des Reic hstagsbrandes 18
4.7 Die Reichstagswahl 20
5. Thesen, Unklarheiten und Widersprüche rund um den Reichstagsbrand 21
5.1 Zum Brand 21
5.2 Zum mutmaßlichen Täter van der Lubbe 22
6. Zusammenfassung 24
7. Conclusio 25
8. Literaturverzeichnis 26
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1. Problembenennung und Konkretisierung des Forschungsinteresses
Wir schreiben das Jahr 1933. Adolf Hitler ist seit einem Monat deutscher Reichskanzler. Trotz Minderheit im Parlament ist er neben Reichspräsident Paul von Hindenburg der wichtigste Mann im Staat. Die bevorstehende Wahl, die den Nationalsozialisten die ersehnte Mehrheit bringen soll, wird auf allen Ebenen vorbereitet. Die Propaganda läuft auf Hochtouren. In der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933, eine Woche vor der Wahl, rückt die Berliner Feuerwehr zum Großeinsatz aus. Der Reichstag steht in Flammen. Seit diesem Tage ist die Kontroverse um die Urheberschaft des Brandes nie mehr abgebrochen.
Die vorliegende Arbeit soll sich, eingebettet in Vor- und Nachgeschichte bzw. politischen Kontext, mit dem Ereignis des Reichstagsbrandes vor dem Hintergrund der Verschwörungstheorie beschäftigen.
Dazu wird eingangs anhand von Begriffsdefinitionen versucht, das Wesen von Verschwörungstheorien zu kennzeichnen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse auf das konkrete Beispiel Reichstagsbrand zu projizieren.
Weiterhin soll der von den Nationalsozialisten als Reichstagsbrandstifter präsentierte und zum Tode verurteilte holländische Anarchist Marinus van der Lubbe vorgestellt und die Frage seiner Täterschaft einer intensiven Prüfung unterzogen werden. Hauptziel der Arbeit soll es sein, die zahlreichen mit dem Ereignis verbundenen Widersprüche und Unklarheiten zu erörtern und damit den Wahrheitsgehalt der von der Regierung und den Medien propagierten Stellungnahme zum Tatbestand in Frage zu stellen. In einer Abschlussbetrachtung werden die wichtigsten Aspekte der Arbeit zusammengefasst und der Bezug zu den Forschungsfragen und Hypothesen hergestellt.
2. Forschungsfragen und Hypothesen
F1: Was ist das Wesen von Verschwörungstheorien? Sind die normalerweise charakteristischen Merkmale einer Verschwörungstheorie auch auf die
Reichstagsbrandstiftung übertragbar?
H1: Verschwörungstheorien funktionieren prinzipiell nach dem gleichen Prinzip und so wurden spezifische Kennzeichen wie Erstellung eines Feindbildes und Stereotypenhaftigkeit auch beim Reichstagsbrand geschaffen.
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F2: Was sind die politischen Voraussetzungen in der Vorgeschichte des Reichstagsbrandes? Wie „passt“ das Ereignis in den zeitgeschichtlichen Hintergrund und wem könnte es von Nutzen sein?
H2: Bei der Betrachtung der Ära Hitler ist es durchaus denkbar, dass der Reichstagsbrand durch Inszenierung bzw. propagandistische Umsetzung zur Machtergreifung der Nationalsozialisten beitragen sollte.
F3: Was sind die unmittelbaren, sowie die langfristigen Folgen des Reichstagsbrandes? Wie wurde von Seiten der Obrigkeit auf das Ereignis reagiert?
H3: Das Ereignis bildete mit seinen unmittelbaren Folgen eine der Grundlage n des NS-Terrors und verursachte einen bis heute anhaltenden Historikerstreit um die Frage der Urheberschaft.
F4: Kommt der angebliche Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe wirklich als (Allein)Täter in Frage? Von welchem politischen Hintergrund kommt der Holländer? Welche Indizien sprechen für und gegen ihn?
H4: Die tatsächliche (Allein)Schuld des angeblichen Kommunisten Marinus van der Lubbe ist anzuzweifeln.
3. Begriffsdefinitionen
Um den dieser Arbeit zugrunde liegenden Aspekt der Verschwörungstheorie zu veranschaulichen, sollen an dieser Stelle, basierend auf den Aussagen zahlreicher Literaturfunde, die Definitionen einiger relevanter Begriffe das gedankliche Fundament des empirischen Teils bilden. Des Weiteren soll der Punkt 3.3 Rahmenbedingungen, der Erklärungsmuster für das Auftreten des Phänomens Verschwörungstheorie erläutert, als Grundlage für die darauf folgende Beschäftigung fungieren.
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3.1 Theorie
Begonnen mit dem Begriff „Theorie“, stößt man bei der Recherche als Allererstes auf den griechischen Ursprung des Wortes. Demnach bedeutet der Terminus theôreîn soviel wie beobachten, betrachten, schauen und charakterisiert in der wissenschaftlichen Anwendung ein Konzept zur Bezeichnung der Welt.
Die Betrachtung der Wahrheit reduziert sich dabei auf eine rein gedankliche; unabhängig von ihrer Nutzbarmachung, was vermutlich zu der unbestimmten Tatsache beiträgt, dass das Wort „Praxis“ fortwährend als Antonym von Theorie verwendet wird. 1 Diese Definition aus dem Lexikon Medizin im Internet deckt sich weitestgehend mit der Begriffserklärung der Suchmaschine des Bundeszentrum für Politische Bildung(bpb), die aussagt, dass „Theorie“ im Allgemeinen „das systematische, nach bestimmten Prinzipien geordnete Beobachten und Erklären der Realität“ bezeichnet. Der Prozess dieses Beobachtens und Erklärens läuft gleichermaßen gedanklich ab, jedoch wird an dieser Stelle noch hinzugefügt, dass die aus der Theorie gewonnenen Erkenntnisse durchaus als „Instrument zur Ordnung und Bewältigung des Alltags(Praxis) eingesetzt werden können“ 2 . Weiterhin verweist diese Quelle auf eine s pezielle Definition, nach der zwischen reiner Theorie, die nur auf den bloßen Erkenntnisprozeß ausgerichtet ist, und einem
wissenschaftlichen Aussagesystem, das aufgrund empirischer Befunde fähig ist, Prognosen für das Eintreten von Ereignissen zu machen, unterschieden wird. 3 Eine zusätzliche Deutung des Ursprungsbegriffs beinhaltet die Verwandtschaft mit dem griechischen Wort für Gott, théos, derjenige der unablässig auf die Menschheit herabschaut, was nach Ansicht von Andreas Müller kein Zufall ist.
Auch er bescheinigt, dass Theorie einen anderen Anspruch hat als Praxisnähe: nämlich „Bewegtes in Form eines gedanklichen, in sich schlüssigen Gerüstes zu erklären“. 4 Dieser Gegensatz von Theorie und Praxis, den alle hier aufgeführten Versuche der Definition gemein haben, ist es, der zu einer ganzen Reihe humoristischer Wortspiele mit den beiden Begriffen und der Wortbedeutung geführt hat.
So flachste beispielsweise Albert Einstein mit dem Sprichwort „Es gibt nichts praktischeres als eine gute Theorie“. Dies ist nur ein Beispiel zahlreicher Abhandlungen zu diesem Thema, die trotz ihres komischen Charakters auf den Kern der rationellen Erklärung stoßen.
1 http://www.medizinerboard.de/lexikon/Theorie,erklaerung.htm (19.10.04).
2 http://www.bpb.de/popup_lemmata.html?guid=GEIQ39 (18.10.04); zit. nach Schubert/Klein (2001): Das Politiklexikon, Verlag J.H.W. Dietz, Bonn, O.S.
3 Ebenda.
4 http://www.isw.uni-heidelberg.de/users/amueller/theorie.html (20.10.04).
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Ein Zitat des bedeutenden britischen Physikers Stephen William Hawking, welches alles bisher Gesagte wunderbar zusammenfasst, soll die Thematik abschließen: „Eine Theorie existiert nur in unserer Vorstellung und besitzt keine andere Wirklichkeit(was auch immer das bedeuten mag). Gut ist eine Theorie, wenn sie zwei Voraussetzungen erfüllt: Sie muss eine große Kl asse von Beobachtungen auf der Grundlage eines Modells beschreiben, das nur wenige Elemente enthält, und sie muss bestimmte Voraussagen über die Ergebnisse künftiger Beobachtungen ermöglichen.“ 5
3.2 Verschwörungstheorie
Während sich die Definitionen des „Theorie“ - Begriffs weitestgehend durch klar formulierte und inhaltlich meist analoge Sinndeutungen auszeichneten, fiel bei der Beschäftigung mit der Thematik „Verschwörungstheorien“ auf, dass es dem Anschein nach keine generell gültige Bestimmung des Terminus, sondern nur etliche unterschiedliche Zugänge zu diesem Gegenstand gibt.
In die Recherche wurden Zitate von Philosophen, wissenschaftliche Abhandlungen in Form von Büchern und einer Diplomarbeit, sowie allgemein gehaltene Begriffserklärungen aus Internet Lexika miteinbezogen, wobei das offensichtlich werdende Ausmaß und die Vielfältigkeit der Thematik, eine Eingrenzung schwierig gestaltete. Da der Terminus „Verschwörungstheorie“ suggeriert, dass es sich um „Theorien“ über „Verschwörungen“ handelt, ist es für notwendig, zuerst den Begriff der „Verschwörung“ zu definieren. „Verschwörung“ bzw. „Konspiration“ kommt aus dem lateinischen(conspirare) und heißt gemeinsam Atmen, das Wort spiritus bedeutet Geist. Daraus lässt sich Verschwörung als gemeinsamer Geist, oder anders gesagt, als ein kollektives, soziales Phänomen deuten. 6 Im Gegensatz dazu beziehen sich die meisten Definitionen aus Lexika auf (straf-)rechtlich relevante Tatbestände: In der Encyclopædia Britannica als „… an agreement between two or more persons to commit an unlawful act or to accomplish a lawful end by unlawful means“ 7 bezeichnet, versteht das NSB Universal Lexikon unter einer „Verschwörung“ eine „Form des
5 http://de.wikipedia.org/wiki/theorie (20.10.04); zit. nach Hawking, Stephen William(O.J.): O.T., O.S.
6 Bröckers, Mathias (2003): Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnis se des 11.9. Zweitausendeins, Frankfurt am Main, 33. Auflage, S. 66 .
7 Steinmayer, Bernhard (2001): Das „Wesen“ von „Verschwörungstheorien“. Eine strukturelle Auseinandersetzung mit Konspirationismen. Univ. Dipl. Wien, S. 14; zit. nach The New Encyclopædia Britannica, Micropædia Ready Reference (1995), Vol. 3 Ceara - Deluc , Chicago / Auckland / London / Madrid / Manila / Paris / Rome / Seoul / Sydney / Tokio / Toronto, 15. Auflage, S. 554.
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Hochverrats“ bzw. „… das auf die gewaltsame Beseitigung der bestehenden staatl. Ordnung gerichtete Verbrechen gegen den Staat. 8
Gugenberger, Petri und Schweidlenka fügen ihrer Sinndeutung noch die immer vorhandene „Inkaufnahme von Gewalt“ hinzu. 9
Oder mit den Worten von Mathias Bröckers gesagt, veranschaulicht der Begriff eine Absprache von A und B um sich gegenüber C, der von dieser nichts weiß, einen Vorteil zu verschaffen. 10
Zusammenfassend ist eine „Verschwörung“ demnach das geheime, planvolle Zusammenspiel mehrerer Personen, zu dem Zwecke des Erreichens eines bestimmten Zieles mit weitestgehend illegalen Mitteln. 11
Der Terminus „Verschwörungstheorien“ (also „Theorien“ über „Verschwörungen“) ist zunächst einmal irreführend, da es sich nicht um eine Theorie im wissenschaftlichen Sinne handelt. Denn wie oben erklärt impliziert eine Theorie bestimmte wissenschaftliche Kriterien, wie das Merkmal der empirischen Nachprüfbarkeit, das auf konspirationistische Behauptungen nicht zutrifft. Deshalb ist in manchen Quellen die Rede von „Verschwörungsthesen“, „Verschwörungsmythen“ oder „Verschwörungstheoremen“. 12 Genauso vielseitig wie die Bezeichnungen sind auch die Definitionen. Karl Popper gibt in seinem Buch „Die Gesellschaft und ihre Feinde“ eine knappe, aber präzise Sinndeutung: „Diese Theorie behauptet, dass die Erklärung eines sozialen Phänomens in dem Nachweis besteht, dass gewisse Menschen oder Gruppen an dem Eintreten dieses Ereignisses interessiert waren, um es herbeizuführen. Ihre Interessen sind verborgen und müssen erst enthüllt werden.“ 13
Er sieht in einem solchen Ereignis eine moderne Form der „Verweltlichung eines religiösen Aberglaubens“, die nach dem Abschaffen von Göttern an deren Stelle „mächtige Männer oder Verbände“ setzt. 14
Der Historiker Armin Pfahl-Traughber bezeichnet den „Verschwörungsmythos“ als eine Ideologie, „die von der Existenz einer angeblichen konspirativen Subversion ausgeht, ohne eine solche empirisch begründen zu können“. 15
8 Ebenda, S. 15; zit. nach NSB (Neue Schweizer Bibliothek) Universal Lexikon, Nachschlagewerk in drei Bänden (1974), Band II, Zürich, S. 810.
9 Ebenda, S. 15; zit. nach Gugenberger et al., Weltverschwörungstheorien, S. 22.
10 Bröckers, Mathias (2003), S.35.
11 Steinmayer, Bernhard (2001), S. 15.
12 Ebenda, S. 17.
13 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/196387/ (19.10.04); zit. nach Popper, Karl (O.J.): Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.
14 Ebenda; zit. nach Popper, Karl (O.J.): Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.
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Arbeit zitieren:
Anna Fritzsche, Yvonne Glaser, Dieter Holzer, Gerold Breier, 2004, Die Verschwörungsthesen um den Reichstagsbrand, München, GRIN Verlag GmbH
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