Inhaltsverzeichnis
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Literaturverzeichnis
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In der folgenden Arbeit möchte ich den Aufstieg liberalen Gedankengutes im England des 17. Jahrhunderts näher betrachten. Dort bildete sich zu dieser Zeit erstmals eine moderne konstitutionelle Monarchie, in der die Gewalt des Monarchen durch eine Verfassung (Konstitution) begrenzt und das Parlament unter anderem an der Gesetzgebung beteiligt wird. Einzelne liberale Ideen bündelten sich schnell zu einer neuen politischen Denkrichtung, die heute unter dem Namen politischer Liberalismus bekannt ist. Der politische Liberalismus hält die Freiheit des Individuums grundsätzlich nur in einem Rechtsstaat für gesichert, der nach dem Prinzip der Gewaltenteilung konstruiert ist und Grundrechte, Versammlungs- und Pressefreiheit, Freizügigkeit, Gewerbefreiheit sowie Religionsfreiheit garantiert. (vgl. Benton 1973 15 , 846ff)
Ich möchte in meiner Arbeit besonders die Ursachen für den Aufstieg des politischen Liberalismus herausarbeiten indem ich sowohl die damals vorherrschenden Ideen beleuchte, als auch auf die Frage eingehe, warum sich die demokratische Entwicklung gerade in England so stark durchsetzte. Außerdem möchte ich den Einfluß religiöser Gedanken auf die Politik untersuchen, da ich der Meinung bin, je tiefer ein Konflikt in religiösen Vorstellungen verwurzelt ist, desto intensiver und verbissener wird er ausgefochten. Zusätzlich möchte ich in meiner Arbeit die Frage stellen, ob die Theorien von Thomas Hobbes und John Locke die Realität beeinflußten, oder ob es eher umgekehrt war, da ich davon ausgehe, daß theoretische politische Ansätze sich nur dann erfolgreich durchsetzen können, wenn sie „Unterstützung“ von der realen politischen Entwicklung erhalten und umgekehrt.
In der Arbeit beziehe ich mich ausschließlich auf Bücher und Sammelwerke, da in aktuellen politikwissenschaftlichen Zeitschriften zum Thema politischer Liberalismus im klassischen politischen Sinn sehr wenig bis gar nichts zu finden ist. Dort wird eher die ökonomische Seite des Liberalismus behandelt.
Die Arbeit selbst ist zwar chronologisch aufgebaut, sie soll aber trotzdem nicht nur eine Aufzählung historischer Begebenheiten sein, sondern auch die Hintergründe und Verbindungen einzelner Ereignisse behandeln, was für eine Beantwortung meiner Forschungsfragen unbedingt notwendig ist.
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Im Gegensatz zum europäischen Kontinent gab es auf den Britischen Inseln schon seit der Zeit der Eroberung durch die Normannen (1066) erste Ansätze eines demokratischen Regierungssystems in Form eines Hoftages, welcher über Staatsausgaben entschied und zum Teil Rechtsprechung ausübte. 1215 wurden in der 0DJQD&KDUWD/LEHUWDWXP erstmals Regeln niedergeschrieben, an die sich die Regierenden zu halten hatten. Betroffen war davon besonders die Einhebung von Steuern, da diese ab 1215 nur in Absprache mit dem Rat der großen Lehensträger durchgeführt werden durfte.
Später wurde dieser Rat, der dann als Parlament bezeichnet wurde, auch für den niederen Landadel und das Bürgertum geöffnet, was eine Trennung in ein +RXVH RI &RPPRQV und ein +RXVHRI/RUGV zur Folge hatte. (vgl. Hartwig 1999, 30)
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Es gab in England jedoch auch Versuche, absolut zu regieren, besonders unter der Herrschaft der Tudors (1485-1603). Die Stärke dieses Königshauses bestand jedoch darin, die Verfassung und die Rechte des Parlaments bis zu einem gewissen Grad zu akzeptieren und so Kritik zu unterdrücken. Dieses „ungeschriebene Gesetz“ brach jedoch Charles I., als er versuchte, das Parlament auszuschalten und so seine Macht zu erweitern. Dadurch, vor allem aber aufgrund seiner offenen Sympathie für den Katholizismus, stieß er bei den englischen Bürgen, die fast ausschließlich protestantischen Glaubens waren, auf großen Widerstand und entfachte so den englischen Bürgerkrieg.
Englands calvinistisch geprägte Protestanten, die glaubten, daß am Erfolg im Diesseits bereits erkennbar sei, wer himmlisches Heil erlangen werde, flochten die Ideen der Reformation weitaus stärker in ihre politische Kultur ein, als dies am Kontinent der Fall war. Beeinflußt von den Vorstellungen der Hugenotten und der Jesuiten, die für ein dezentrales politisches System und für Volkssouveränität standen, sahen sie das Königtum als ein notwendiges Übel an, das vom Parlament kontrolliert werden müsse. Was die Engländer damals schon von ihren Rechten als Individuen hielten, zeigt sich auch in der Sprache:
„Die Puritaner verstehen unter Volk immer nur die Summe der einzelnen Individuen
(typisch daher die Großschreibung von „ich” - „I” im Englischen, während im
Französischen nur „l’État” - „der Staat” großgeschrieben wird). [...] Das Individuum
sieht demnach im Common Law die Garantie seiner Lebens- und Besitzrechte (OLIH
OLEHUW\DQGSURSHUW\) und kann diese vor unabhängigen Gerichten einfordern. [...] Im
puritanischen Verständnis ist der König nur ein Teil des politischen Systems, das
Recht zur Gesetzgebung aber liegt beim Volk.” (Hartwig 1999, 31)
Um auf Charles I. zurückzukommen ist zu sagen, daß in dieser stark religiös motivierten Auseinandersetzung zwischen König und Parlament, welche ja dadurch entstand, daß der König das Parlament ausschalten wollte, letzteres die Oberhand behielt und seinen bisherigen Machtstatus sogar erweiterte. Der Konflikt ging so weit, daß die königliche Armee Karls I. gegen das Heer des Reformers Oliver Cromwell, welcher später die Macht in England übernimmt, unterliegt und der König 1649 enthauptet wird. Vor allem gibt es in dieser Zeit der Revolution einen Boom neuer, demokratisch orientierter, revolutionärer politischer Ideen, den vor allem die Independenten für sich zu nutzen wissen. (vgl. Hartwig 1999, 31)
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Die Independenten, eine von der Staatskirche unabhängige Gruppe von radikalen Puritanern, gingen davon aus, daß ein gewisser „Sozialvertrag“ zwischen den einzelnen Individuen besteht. Daraus leiteten sie Gewissens- sowie Religionsfreiheit ab und forderten deshalb radikale Demokratie auf der Grundlage von Selbstverwaltung. Wie bereits erwähnt waren diese radikalen Forderungen der Puritaner eng mit ihrer Religion und ihrer Geschichte verknüpft. Laski (1936, 94) meint dazu:
„For them (Anm. d. Verf.: Puritaner), the state meant imprisonment, confiscation of
goods, poverty for themselves and their dependents. [...] How should they not argue
from their experience that the less power it (Anm. d. Verf.: der Staat) possessed, the
smaller the sphere of its operations, the greater the freedom they might enjoy? For
them to urge the desirability of toleration was a simple lesson from the teaching of
their daily lives.”
Eine besonders radikale Gruppierung innerhalb der Independenten waren die sogenannten Levellers, die besonders die Politik Oliver Cromwells nach 1647 beeinflussten. Sie traten für ein individualistisch- demokratisches Staatsmodell ein und formulierten zu den klassischen Grundrechten (OLIHOLEHUW\DQGSURSHUW\) zusätzlich die Forderung nach Rede-und Meinungsfreiheit sowie politischer Gleichheit. Zu dieser Zeit wurde erstmals die Forderung nach ein Parlament aus gewählten Repräsentanten laut.
Arbeit zitieren:
Martin Hasenöhrl, 2000, Die Entwicklung des politischen Liberalismus in England. Von der Bill of Rights bis zur konstitutionellen Monarchie., München, GRIN Verlag GmbH
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