Inhalt
1. Einleitung 3
2. Entwicklung und Bedeutung der Kollegien
2.1. Kontinental 4
2.2. England 6
3. Gründung der Kollegien in Oxford am Beispiel
der drei ältesten Colleges:
3.1. Merton 9
3.2. University College 11
3.3. Balliol 13
4. Fazit 16
5. Literaturverzeichnis 18
2
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll die Gründung der drei frühesten Kollegien der Universität Oxford - Balliol, Merton und University College - untersucht werden. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf zwei Aspekten: Zum einen sollen die wesentlichen Gründungsmotive vorgestellt werden, zum anderen wird die Frage gestellt, welches der drei genannten Colleges das älteste ist. An dieser Stelle wird zu klären sein, welcher Aspekt für die Gründung entscheidend ist: die tatsächliche Aufnahme eines College-Betriebs oder die Festlegung von Statuten für das College. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, kann auf die Ausgestaltung des täglichen Lebens der Scholaren und die Weiterentwicklung der Colleges nicht eingegangen werden.
Vorangestellt wird diesen Ausführungen ein Kapitel über die Bedeutung und Entwicklung der Kollegien bzw. der Colleges 1 auf dem Festland und in England. Ferner wird in diesem Kapitel eine Begriffsabgrenzung College - Hall vorgenommen.
Zur Literaturlage ist zu sagen, dass ausreichend Fachliteratur über die Universität Oxford wie auch über den Beginn der Universitäts- und Collegeentwicklung allgemein vorhanden ist, so dass die Fragen der Bedeutung, Entwicklung und wesentliche Gründungsmotive hinreichend beantwortet werden können. Da eine Vielzahl der Literatur jedoch sowohl in Oxford verlegt als auch von College-Angehörigen verfaßt worden ist 2 , ist die Literatur zu einem bestimmten Grad von Selbstdarstellung gefärbt. Dies erschwert die Frage nach dem ältesten College, da jedes der dreien für sich beansprucht, das älteste zu sein.
1 im nachfolgenden wird der Begriff „Kolleg“ für eine kontinentales und „College“ für eine
englisches Kolleg verwendet
2 siehe Literaturverzeichnis
3
An Quellenmaterial konnte für das Balliol College auf die Quelle der Statuten zurückgegriffen werden, die in dem entsprechenden Abschnitt besprochen wird. 3 Für Merton College ist eine Übersetzung der Statuten von 1274 vorhanden. 4 Leider sind für University College keinerlei Quellen aus der Gründungszeit editiert.
2. Entwicklung und Bedeutung der Kollegien
2.1. Kontinental
Seinen Ursprung findet das Kollegiensystem in Paris, wo die ersten Kollegien bereits Ende des 12. Jahrhunderts auftauchen, wie beispielsweise das Collège des Dix-Huit, das um 1180 entstand. Weitere folgten bald darauf. Ziel dieser ersten Kollegien war es, armen Studenten, die sich anderweitig Kost und Logis während ihres Studiums nicht leisten konnten, eine Stiftung zukommen zu lassen. 5 Mit der Gründung des Kollegs der Sorbonne (gegründet von Robert de Sorbon ca. 1257/58) änderte sich das Kollegiatensystem Paris dahingehend, dass es nun für graduierte Studenten geplant war, d.h. für Scholaren, die bereits den Grad eines Magister Artium erworben hatten und nun fortgeschrittene Studien, wie z.B. der Theologie, anstrebten. Dieses Kolleg sollte den größten Einfluss auf die Colleges von Oxford wie auch Cambridge ausüben. 6 Trotz der vielen existierende Kollegien 7 hatte das Kollegiensystem in Paris nicht die gleiche
3 Devorguilla’s charter to Balliol College. In: Douglas, David C. (Hrsg.): English Historical
Documents, Bd. III 1189-1327, hrsg. von Harry Rothwell, London 1975, S. 687-689
4 Walter de Merton’s Preamble: from the Merton College Statutes of 1274 (translation). In: Jebb,
Miles: The Colleges of Oxford, London, 1992, S. 253 f.
5 Cobban, Alan B.: The Medieval Universities: their development and organization, London,
1975, S. 126
6 Cobban, Alan B.: The Medieval English Universities. Oxford & Cambridge to c. 1500,
Cambridge, 1988, S. 115
7 etwa 19 Kollegiengründungen in Paris vor 1300; Cobban 1975, S. 128
4
Bedeutung wie in England, wichtigere Bedeutung kam den Nationen und Fakultäten zu. 8
Auch verfassungsgemäß unterschieden sich die Pariser Kollegien beträchtlich von den englischen Colleges, die in der Regel selbstregierende Gemeinschaften waren. Das Recht der Intervention durch externe kirchliche oder universitäre Mächte war auf ein Minimum reduziert. 9 Das typische Pariser Kolleg war jedoch kein unabhängiges Gebilde, sondern unterlag in der obersten Regierung externen Autoritäten und wurde von der Universität überwacht. 10
Im südlichen Europa, z.B. in Bologna, Padua oder Salamanca, spielten die vorhanden Kollegien weder organisatorisch noch pädagogisch eine so bedeutende Rolle wie in Paris oder Oxford/Cambridge. Hier wurden die Kollegien einzig zur finanziellen Absicherung bedürftiger Studenten gegründet, eigenständiger Unterricht wurde nicht angeboten. Oftmals wurden die Studenten nach ihrer Herkunft ausgewählt, ein Beispiel hierfür ist das Spanische Kolleg in Bologna von 1367. 11
Deutsche Kollegien zeigen noch eine andere Ausprägung des Begriffes. Hier bezeichnen Kollegien fast ausschließlich Häuser, die für die Professoren der Fakultät reserviert waren. Die Scholaren waren weitestgehend in undotierten Bursen untergebracht, d.h. sie mussten für Kost und Logis bezahlen, waren also nicht bestiftet. Diese Auffassung deckt sich im weitesten Sinn mit dem Begriff der englischen hall. 12
8 Rexroth, Frank: Oxford. Vom “langen Mittelalter” der englischen Wissenschaft. In: Demandt,
Alexander (Hrsg.): Stätten des Geistes. Große Universitäten Europas von der Antike bis zur
Gegenwart, Köln (u.a.) 1999, S. 99
9 Eine Ausnahme stellt University College dar, dass, da von der Universität ins Leben gerufen,
zunächst in einem stärkeren Ausmaß unter universitärer Leitung stand als seine Zeitgenossen;
siehe 3.2
10 Cobban 1975, S. 129
11 Gieysztor, Alexander: Organisation und Ausstattung. In : Rüegg, Walter (Hrsg.): Geschichte
der Universität in Europa, München 1996, S. 109-138; S. 117
12 Rexroth, 1999, S. 99
5
Arbeit zitieren:
Tanja Bernsau, 2004, Die ältesten Colleges in Oxford, München, GRIN Verlag GmbH
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