Hebbels Maria Magdalena
von Katja Hertel
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Gegenstand der Betrachtungen
2. Gesellschaftsstrukturen und Zeitgeist Hebbels
2.1. Industrieller Wandel
3. Zur Darstellung von Bürgerlichkeit in Hebbels Maria Magdalena
3.1. Die Mutter
3.2. Klara, die Tochter
3.3. Meister Anton, der Vater
3.4. Karl, der Sohn
3.5. Leonhard, der vermeintliche Bräutigam
3.6. Friedrich, der Sekretär
4. Schlussbetrachtungen
5. Literatur
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
5.3. unveröffentlichte Literatur
1. Zum Gegenstand der Betrachtungen
Die deutsche Literatur ist arm an großen Dramatikern. Friedrich Hebbel ist einer von ihnen. Er bildet den Schlussstein einer Entwicklung des klassischen Dramas, die mit Lessing 1755 einsetzte und mit Hebbel ihren Abschluss fand. Dieses große klassische Drama war Ideendrama, und es war der Tradition des klassischen Dramenaufbaus antiker Dramen verpflichtet. Hebbels brennendstes Anliegen war die Verkündung der Menschenwürde und der Menschenrechte.
Friedrich Hebbel, geboren am 18. März 1813 als Sohn eines Maurers, betrieb autodidaktische Studien in Hamburg, studierte dann Jura in Heidelberg und München. Hebbel bewahrte sich in seinem Gesamtwerk den strengen Stil der Tragödie, nahm aber bereits viele Züge des modernen Theaters vorweg. Durch die geschichtliche Dialektik seiner Dramen , die den Untergang des Helden zur Bedingung der Überwindung einer überalterten und des Aufstiegs einer neuen Geschichtsepoche machte, suchte Hebbel der tragischen Notwendigkeit einen überindividuellen Sinn zu geben. Einen versöhnlichen Trost für das tragische Individuum wie in der Klassik gibt es bei Hebbel nicht mehr. Das bürgerliche Trauerspiel Maria Magdalena (1844) gibt ein detailreiches Bild des deutschen Kleinbürgertums und gestaltet wie auch das biblische Drama Judith (1841) das Zeitproblem der Emanzipation der Frau in psychologischer Eindringlichkeit.
Mit dem 1844 entstandenen Stück Maria Magdalena schuf Friedrich Hebbel das erste moderne bürgerliche Trauerspiel. Ging es bei Schiller noch um die unüberwindbare Kluft zwischen der adligen und der bürgerlichen Welt , so wendete sich Hebbel ausschließlich der dumpfen, prüden Welt des Kleinbürgertums zu, die er aus eigener schmerzlicher Erfahrung kannte und deren Vorurteile, Ehrbegriffe und unmenschliche Moral er in sozialer Anklage brandmarkte. Allem Niederdrückenden in diesem Drama zum Trotz ging es ihm aber auch um eine neue menschliche Sittlichkeit, die eine untergehende bürgerliche Welt abzulösen vermag.
Klara, die Tochter des Tischlermeisters Anton, hat sich Leonhard, dem ungeliebten Verlobten, hingegeben - aus Verzweiflung, dass der Jugendfreund zur Akademie in eine ferne Stadt zog, sie vergessen zu haben scheint. Leonhard verlässt sie, die ein Kind von ihm erwartet, als ihr Bruder des Diebstahls angeklagt wird. Der zurückgekehrte Jugendfreund ersticht Leonhard in einem Duell, kann sich aber auch nicht für Klara entscheiden. Klara ertränkt sich im Brunnen. Sie will dem Vater keine Schande machen und keine Vatermörderin werden. In erschütternder Einsamkeit bleibt Anton zurück und klagt, nachdem er seiner bedingungslosen Moral alle Opfer gebracht hat.
[...]
Arbeit zitieren:
Katja Jeziorowski, 2001, Gesellschaftsstrukturen und Zeitgeist in Hebbels "Maria Magdalena", München, GRIN Verlag GmbH
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