Inhalt
Einleitung 1
Was ist ein Menschenbild? 1. 2
Notwendigkeit und Gefahr eines Menschenbildes 2. 2
Das Menschenbild - eine Glaubenssache 3. 4
Menschenbilder 4. 4
Was ist der Mensch? 4.1 5
Menschenbilder in der griechisch-christlich ausgerichteten Anthropologie: 4.2 5
Leib - Seele - Geist
Menschenbilder in der philosophisch ausgerichteten Anthropologie: 4.3 6
Leben - Position - Handlung
4.3.1 Deskriptive und präskriptive Menschenbilder 6
Menschenbilder in der psychologisch ausgerichteten Anthropologie: 4.4 7
Denken - Fühlen - Wollen
Menschenbilder in der pädagogisch ausgerichteten Anthropologie: 4.5 7
Kopf - Herz - Hand
Menschenbilder in der sozio-kulturell (soziologisch) ausgerichteten 4.6 8
Anthropologie : Handlung - Sozietät - Kultur
Das Anthropologische Orientierungs-Modell 4.7 9
4.7.1 Dimensionen des Menschen 9
4.7.2 Bedeutung des anthropologischen Orientierungs-Modells für die Soziale Arbeit 10
Das christliche Menschenbild 4.8 11
Das anthroposophische Menschenbild 4.9 12
Menschenbild und Leitbild von sozialen Einrichtungen 5. 13
Beispiele von Menschenbildern einiger Wohlfahrtsverbände hinsichtlich 5.1 14
behinderter Menschen
Ist das Menschenbild eine Privatangelegenheit? 6. 15
Res ümee 7. 16
Literatur 18
II
Einleitung
Soziale Berufe haben mit Menschen zu tun. Sich auf einen anderen Menschen einzulassen, kann nur in der Art und Weise geschehen, wie wir uns selbst verstehen. Ohne ein Selbstverständnis können Begegnungen nicht stattfinden. Es geht hier um das Menschenbild, das jeder hat und mit dem wir uns selbst und andere Menschen betrachten. Unser Menschenbild bestimmt unser Handeln. „In einer demokratischen, überkonfessionellen Gesellschaft wird dieses - vor allem in ihrer Begründung - pluralistisch sein. Im Ergebnis muss sich eine gemeinsame Wertorientierung ergeben.“ 1
„Wir reden gern vom Menschenbild, haben aber unter Umständen große Probleme, es begrifflich zu fassen und anderen zu erklären.“ 2
In dieser Hausarbeit möchte ich die verschiedenen Aspekte des Themas „Menschenbilder in der Sozialen Arbeit“ beleuchten. Muss sich ein Sozialarbeiter Gedanken über sein Menschenbild machen? Ist das Menschenbild eine private Angelegenheit oder muss es öffentlich diskutiert werden? Ich werde verschiedene Menschenbilder vorstellen, wobei das Anthropologische Orientierungs-Modell einen größeren Raum bekommt. Damit verbunden ist die Frage, ob es ein allgemein- verbindliches Bild gibt, das sozialen Berufen als verlässliche Richtschnur dienen könnte? Außerdem werde ich hinsichtlich behinderter Menschen das Menschenbild einiger Wohlfahrtsverbände vorstellen.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werde ich auf eine geschlechtsspezifische Unterscheidung der Personengruppen verzichten. Ich meine immer Personen beiderlei Geschlechts und auch diejenigen, die den Berufsabschluß (Dipl.-)Sozialpädagoge haben, wenn die Rede von Sozialarbeitern, Mitarbeitern etc. ist.
1 Schümann, Bodo: „Menschenbild“ - Womit begründen wir unsere Arbeit mit behinderten Menschen? In:
Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit 4/2002, S.260
2 Schilling, Johannes: Anthropologie. Menschenbilder in der Sozialen Arbeit, Neuwied 2000, S.1
1
1. Was ist ein Menschenbild?
Der Fremdwörterduden übersetzt ánthropos (griech.) mit „Mensch, Mann“. Anthropologie ist demnach die „Wissenschaft vom Menschen, besonders unter biologischem, philosophischem, pädagogischem und theologischem Aspekt.“ 3
Das Menschenbild, das wir haben, drückt aus, wie wir uns selbst und unsere Mitmenschen sehen. Die Annahme über den Menschen kann z.B. in der Auseinandersetzung über die Frage zum Ausdruck kommen, ob Begabung vererbt oder erworben ist (Anlage versus Umwelt), oder ob der Mensch individuell oder gesellschaftlich bestimmt ist (Individualität versus gesellschaftliche Determination). 4 Weiter bestimmt unser Menschenbild unser Handeln.
2. Notwendigkeit und Gefahr eines Menschenbildes
Braucht der Sozialarbeiter ein fest umrissenes, klar definiertes Menschenbild als richtungweisende Zielvorstellung? Hier gilt es festzustellen: Soziale Berufe betreffen direkt Menschen und sind von daher ganz besonders auf ein Menschenbild angewiesen, um zielorientiert und verantwortungsbewusst ausgeübt zu werden. Des weiteres haben soziale Berufe es nicht nur direkt mit Menschen zu tun, sondern sie betreffen ihn auch in einer äußerst komplexen, ganzheitlichen Form. Denn es geht i.d.R. um die Lösung von Problemen, die existentiell sind und den ganzen Menschen berühren.
Interveniert ein Sozialarbeiter im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit, so muss erkennbar sein, welche r ationalen Erwägungen der jeweiligen Entscheidung für seine Handlung zugrunde liegen. Zwei zentrale Fragen sind dabei zu unterscheiden: Zum einen die Frage nach dem Sinn der Ziele des Verfahrens, das er einsetzt. Zum anderen die Frage, ob das Verfahren in d er bestimmten Situation für die jeweilige Zielerreichung auch die zweckmäßigste Intervention darstellt. Das bedeutet, der Sozialarbeiter soll seine Intervention rechtfertigen. Die Antwort auf die zweite Frage begründet das professionelle Handeln. Der Sozialarbeiter soll also das Konzept, die Methode und das Verfahren seiner Entscheidung rechtfertigen. Denn seine Intervention kann nicht beliebigen unreflektierten Interessen und
3 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden. Das Fremdwörterbuch, Mannheim 2001 7 , S. 71
4 Oswald, Hans: Der Jugendliche. In: Lenzen, Dieter (Hrsg.): Erziehungswissenschaft. Ein Grundkurs, Reinbek
2000 4 , S. 389
2
Ansprüchen entspringen. Und eben in der Rechtfertigung offenbart sich das Mensche nbild des Sozialarbeiters.
Sobald ein Sozialarbeiter wegen Arbeitsüberlastung und Zeitmangel keine Rechenschaft über sein Menschenbild ablegt, welches sein Handeln leitet, so kann er jederzeit Opfer von Vorurteilen oder Ideologien werden.
Damit ein Sozialarbeiter zielorientiert und verantwortungsbewusst dem Menschen gerecht werden kann, braucht er ein „Bild von einem Menschen“, ein Deutungsmuster auch über sich selbst und andere Menschen. Er braucht ein leitendes Motiv, das ihn leitet, ein Leitmotiv im wahrsten Sinne des Wortes. Aus diesem Grund halte ich die bewusste Reflexion eines solchen Menschenbildes nirgendwo so notwendig wie im sozialen Bereich. Im Unterbewusstsein existiert bei jedem ein (Ideal-)Bild einer anderen Person der sozialen Umwelt. Die Psychologie nennt dieses Bild „Imago“.
In der sozialarbeiterischen Praxis wären die Professionellen handlungsunfähig, würden sie ihr Tun nicht durch den Filter eines bestimmten Menschenbildes vorsortieren. Schilling merkt an: „Sozialpädagogen verfolgen Ziele. Warum aber streben sie gerade diese und nicht andere an? Woher nimmt der Sozialpädagoge den Wertmaßstab für seine Beurteilung, was für einen Menschen angebracht ist und was nicht? ... Es stellt sich die Frage: Wer gibt einem Sozialpädagogen das Recht, einen anderen Menschen durch Erziehungsmaßnahmen verändern zu wollen? Es geht um das Grundproblem aller Pädagogik: die Legitimation erzieherischen Handelns. Wir kommen zu der allgemeinen und grundsätzlichen Aussage, dass Erziehung und Bildung ohne ein Menschenbild des Pädagogen nicht möglich ist. Jedes pädagogische System ist von einer ganz bestimmten Auffassung vom Menschen getragen. Das Bild vom Menschen muss dem Sozialpädagogen nicht bewusst sein, oft handelt er unbewusst danach. ... Der Sozialpädagoge muss sich nicht nur seiner Ziele bewusst werden, sondern auch über sein Menschenbild nachdenken, das entscheidend für seine Zielfindung ist.“ 5
Aus welchen Gründen ein Sozialarbeiter seine Entscheidung für eine bestimmte Handlung rechtfertigen sollte, werde ich in Kapitel 7 erörtern.
5 Schilling, Johannes: Didaktik/Methodik der Sozialpädagogik, Neuwied 1993, S.172
3
3. Das Menschenbild - eine Glaubenssache
Es gibt Menschen, die die philosophischen Menschenbilder für reine Spekulation halten oder gar für Phantasie. Sie halten den Menschen für ein Produkt chemischer Prozesse. Oft glauben sie nicht an ein Jenseits, schon gar nicht an eine Wiedergeburt. In der Psychoanalyse Sigmund Freuds liegt eine Glaubensvorstellung vor: Die Ödipus-Komplex-Situation beruht nicht auf empirischen Tatsachen, ist nicht verifizierbar, sondern ist eine Glaubensvorstellung. In allen Menschenbildern sind empirisch nicht beweisbare Voraussetzungen oder Bestandteile enthalten. Ohne Menschenbilder als Glaubensvorstellungen vom Menschen geht es in der Sozialen Arbeit jedoch nicht. Auch Erziehung setzt den Glauben vo raus, dass der Mensch erziehbar ist. Die Erziehung wäre sinnlos, wenn der Mensch in allem vorprogrammiert wäre oder wie eine Marionette gesteuert würde.
4. Menschenbilder
Es gibt eine Vielzahl von Menschenbildern. Vorstellen möchte ich zunächst fünf Menschenbilder von verschieden ausgerichteten Anthropologien. Das sechste Menschenbild, das ich darstellen möchte, ist das von Schilling entwickelte Anthropologische Orientierungs-Modell. Das siebte und letzte ist das anthroposophische Menschenbild. Es wurde in keinem der vielen Literaturquellen, die ich durcharbeitete, erwähnt. Und trotzdem möchte ich es vorstellen, denn die vielzähligen sozialen Einrichtungen auf anthroposophischer Basis sind potentielle Arbeitgeber für jeden Sozialarbeiter.
4
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz.arb. (FH)/Dipl.-Soz.päd. (FH) Roswitha Köble, 2004, Menschenbilder in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Möglichkeiten und Grenzen der Sozialpädagogischen Familienhilfe
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 32 Seiten
Kooperation und Vernetzung von Kirchengemeinden und kirchlichen Wohlfa...
Theologie - Praktische Theologie
Diplomarbeit, 267 Seiten
Auf einmal waren Sie da - ältere Menschen mit einer geistigen Behinder...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Diplomarbeit, 105 Seiten
Bindung - Pionier der Bindungstheorie: Bowlby
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Referat (Ausarbeitung), 10 Seiten
Genogrammarbeit in der Familienberatung und -therapie - Zentrale Famil...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
SGB IX - Ziele und Umsetzungsstand
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Empowerment – Schlagwort oder realistische Perspektive?
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Jugendliche Lebenswelten und schichtbedingte Chancenungleichheit
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 17 Seiten
Kindeswohl - ein unbestimmter Rechtsbegriff und Kindeswohlgefährdung a...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Praktikumsbericht / -arbeit, 20 Seiten
Menschenbild in der Heilpädagogik
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 14 Seiten
Theoretische Erklärungsansätze der Erscheinungsform Nichtsesshaftigkei...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Studienarbeit, 15 Seiten
Kultur und Gesellschaft - Kultur als schichtenspezifisches Problem
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Seminararbeit, 16 Seiten
Das anthroposophische Menschenbild Rudolf Steiners als Grundlage der W...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 21 Seiten
Politische, institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen sowie Met...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Vordiplomarbeit, 51 Seiten
Die Pflege chronisch Kranker: Das Corbin-Strauss-Pflegemodell
Referat (Ausarbeitung), 28 Seiten
Qualitätsmanagement in der sozialen Arbeit - nur Pflicht oder auch ein...
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 39 Seiten
Der Habitus und der soziale Raum bei Pierre Bourdieu
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Vordiplomarbeit, 26 Seiten
Roswitha Köble's Text Menschenbilder in der Sozialen Arbeit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Roswitha Köble hat den Text Menschenbilder in der Sozialen Arbeit veröffentlicht
Roswitha Köble hat einen neuen Text hochgeladen
Basiswissen Soziale Arbeit. Lebensalter und Soziale Arbeit. 6 Bände
Bd.1:Eine Einführung. 2:Kindhe...
Hans Günther Homfeld, Jörgen Schulze-Krüdener, Thomas Swiderek, Michael Galuske, Sven Stiehler, Ute Karl
Soziale Arbeit im Dialog gestalten
Theoretische Grundlagen und me...
Hans Ullrich Krause, Regina Rätz-Heinisch
Soziale Arbeit nach dem Sozialpädagogischen Jahrhundert
Positionsbestimmungen Sozialer...
Birgit Bütow, Karl August Chassé, Rainer Hirt
Sozialer Ausschluss und Soziale Arbeit
Positionsbestimmungen einer kr...
Roland Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr
Communityorientierung in der Sozialen Arbeit
Die Aktivierung von sozialem K...
Sandra Landhäußer
Soziale Arbeit in der Rehabilitation
(Soziale Arbeit im Gesundheits...
Norbert Gödecker-Geenen, Albert Mühlum
0 Kommentare