Inhaltsübersicht
1. Der Dichter Terenz. 3
1.1. Das Leben und die Werke des Terenz. 3
2. Die römische Komödie. 5
2.1. Die Entwicklung der römischen Komödie. 5
2.2. Die Themen der römischen Komödie. 5
2.3. Spannung und Ironie in den Komödien. 7
2.4. Die Charakterdarstellung in den Komödien. 7
2.5. Die Sprache in den Komödien. 7
2.6. Die Bedeutung der römischen Komödie. 8
3. Die Adelphen. 8
3.1. Die Überlieferungslage der Adelphen. 8
3.2. Allgemeine Darstellung der Adelphen. 9
3.2.1. Der Inhalt der Adelphen. 9
3.2.2. Der Aufbau der Adelphen. 10
3.2.3. Die sprachlichen Eigentümlichkeiten des Terenz in den Adelphen. 12
3.2.3.1. Die Orthographie in den Adelphen. 13
3.2.3.2. Die Wortwahl des Terenz in den Adelphen. 13
3.2.3.3. Die Wortstellung in den Adelphen. 14
3.2.4. Das Metrum in den Adelphen. 14
3.3. Die Interpretation der Adelphen. 15
3.3.1. Die Problematik der Adelphen. 15
3.3.2. Das Problem der Kontamination in den Adelphen. 19
3.3.2.1. Definition von Kontamination. 19
3.3.2.2. Der Vorgang der Kontamination. 20
4. Schlussbetrachtung: Aktualität der Problematik. 23
2
1. Der Dichter Terenz
1.1. Das Leben und die Werke des Terenz
Publius Terentius Afer 1 war, wie sein Beinamen Afer (Africanus) zeigt, kein Punier, sondern gehörte einer von den Carthagern unterworfenen afrischen Völkerschaft an und war wohl ein Berber. Er war um 195 v. Chr. geboren, wenn man nach der aus Sueton stammenden Vita mit den Handschriften geht. 2
Terenz kam zwischen dem 2. und 3. Punischen Krieg als junger Sklave nach Rom in das Haus des Senators Terentius Lucanus. Dieser ließ Terenz sehr sorgfältig erziehen - unter Anderem in hellenistischer Kultur - und schenkte ihm bald die Freiheit. Die Beziehungen mit adeligen Leuten, die Terenz in diesem Haus knüpfte, bewirkten, dass er auch weiterhin in diesen Kreisen Roms verkehrte. Er stand somit in der Gunst der höchsten Familien und fand zudem Zugang zum hochkultivierten Kreis der Scipionen. Zu den adeligen Freunden des Terenz zählten Scipio Africanus der Jüngere, Gaius Laelius und Lucius Furius Philus. Vom dichterischen Schaffen des Terenz ist uns Folgendes bekannt:
Terenz entwickelte sich zu einem Komödiendichter, blieb aber dem eigentlichen Dichterkreis seiner Zeit fern.
Der Dichter litt unter seinem Auftreten sehr, denn er zog sich nur Neid und Hass von gewissen Gegnern zu. So warfen diese ihm vor, dass ihn adelige Freunde beim dramatischen Arbeiten unterstützten, ja sogar ganze Teile seiner Dramen dichteten. Dies würde seine Sprache, die die Sprache der gebildeten und vornehmen Gesellschaft war, beweisen. Ebenso warfen seine Gegner ihm vor, dass er von der griechischen Vorlage abweiche und sogar andere griechische Stücke mit denen des Menander verwebe. Auf diesen Vorwurf werde ich später noch genauer eingehen.
In den Jahren 166 v. Chr. bis 160 v. Chr. wurden die sechs Komödien des Terenz aufgeführt. Im Jahre 160 v. Chr. hat er nach der dritten Aufführung der Hecyra, eines seiner Dramen, Ro m verlassen und hat sich auf eine Bildungsreise nach Griechenland begeben, wo er dann im Jahre 159 v. Chr. gestorben ist.
Die schriftstellerische Richtung der Zeit und die eigene Neigung führten Terenz zur Palliatkomödie. 3 Unter Palliatkomödien versteht man griechische Komödien, die ins Lateinische übertragen wurden. 4
1 Vgl. Hauler, E.: Ausgewählte Komödien des P. Terentius Afer, Bd. I: Phormio, Leipzig 1913, S. 12 ff.
2 Vgl. Büchner, K.: Das Theater des Terenz, Heidelberg 1974, S. 11.
3 Vgl. Hauler, S. 17.
4 Vgl. Kauer, R.: Ausgewählte Komödien des P. Terentius Afer, Bd. II: Adelphoe, Leipzig 1903, S. 8.
3
Terenz hat folgende Komödien geschrieben:
Andria, Hautontimorumenos, Eunuchus, Phormio, Hecyra
und
Adelphoe.
Vor die Öffentlichkeit hat er sich zuerst im Jahre 166 v. Chr. mit der
Andria
an den
ludi Megalenses
begeben. Zu den Aufführungen ist zu bemerken, dass diese im alten Rom hauptsächlich seit Livius Andronicus (240 v. Chr.) an den
ludi Romani
oder an den
ludi maximi
stattfanden, welche die Ädilen seit dem Jahre 214 v. Chr. an vier aufeina nderfolgenden Tagen im September veranstalteten. Später - um 204 v. Chr. - kamen dann die im April der
Magna mater
zu Ehren gefeierten
ludi Megalenses
hinzu. Es schlossen sich schließlich noch die
ludi funebres
oder
ludi funerales
an. Auf die
Andria
folgten die Aufführungen seiner weiteren Stücke in dieser zeitlichen Reihenfolge: Im Jahre 165 v. Chr.:
Hecyra,
an den
ludi Megalenses
-
ImJahre 163 v. Chr.:
Hautontimorumenos,
an den
ludi Megalenses
-
ImJahre 161 v. Chr.:
Eunuchus,
an den
ludi Megalenses
-
Phormio,
anden
ludi Romani
-
ImJahre 160 v. Chr.:
Hecyra,
die zweite missglückte Aufführung, an den
ludi
-
Einedieser Komödien des Terenz, die Adelphoe, möchte ich als Thema meiner wissenschaftlichen Arbeit genauer interpretieren:
Ich habe diese Komödie gewählt, da sie das Problem der Erziehung behandelt, das heute noch aktuell ist. Außerdem bietet sich dieses Stück an, um die römische Komödie sowie das Verfahren der Kontamination näher kennenzulernen. Aus den eben genannten Gründen werde ich das Problem der Adelphen, das Wesen der römischen Komödie und die Kontamination als Hauptgedanken in me iner Arbeit ausarbeiten.
4
2. Die römische Komödie
2.1. Die Entwicklung der römischen Komödie
Die Ursprünge der lateinischen Komödie 5 liegen in der griechischen Komödie. Diese hat sich im engen Zusammenhang mit dem Dionysoskult entwickelt, dessen heitere Seite sie darstellt. Um 500 v. Chr. fand Epicharm mit seinem dem Menschenleben entnommenen gedankenreichen Lustspiel bei den Griechen und Römern große Anerkennung. Die Komödie hat sich dann folgendermaßen entwickelt:
1. Die attische Komödie: Der Hauptvertreter dieser Art von Komödie war Aristophanes (427
- 388 v. Chr.). Andere Dichter dieser Zeit waren Cratinus, Eupolis und Phrynichus.
2. Die neue attische Komödie: Den Hauptvertreter dieser Komödie stellte Menander (342 -291 v. Chr.) dar, den Goethe für den einzigen Menschen hielt, in dem, „wie der Grieche sagen würde, die Komödie ihre Natur erreicht hat“. 6 Neben Menander sind Philemon, Diphilus aus Sinope und Appollodor aus Carystos als Vertreter der neuen attischen Komödie zu nennen.
3. Die neue Komödie: Es handelt sich hier um die comoedia palliata. Ihren Anfang hatte sie
bei Livius Andronicus (ca. 270 - 200 v. Chr.), dem Cn. Naevius (ca. 250 - 200 v. Chr.), Maccius Plautus (250 - 184 v. Chr.), Q. Ennius (239 - 169 v. Chr.), Caecilius Statius (ca. 180 v. Chr.) und schließlich Terentius Afer folgten.
2.2. Die Themen der römischen Komödien
Die römische Komödie hat sich - wie schon erwähnt - aus dem griechischen Vorbild entwickelt. Ihre Hauptvertreter waren Plautus und Terenz. Diesen Dichtern dienten griechische Originale als Vorlage für ihre Werke, jedoch nahmen sie zahlreiche Änderungen vor, über die wir durch die Dichter selbst unterrichtet werden. Von den Änderungen des Terenz erfahren wir besonders viel durch den Donatkommentar. 7
Das Problem der Originalität in den einzelnen Stücken möchte ich jedoch an dieser Stelle noch nicht diskutieren.
Die Schauspiele der römischen Komödie sind keine Problemstücke im modernen Sinne und sie sind keineswegs in erster Linie belehrend. Nur die Adelphen des Terenz mit ihrer ausgeprägten Beschäftigung mit dem Problem der Erziehung ähneln einem Drama mit einer
5 Vgl. Hauler, S. 1 ff.
6 Büchner, S. 10.
7 Vgl. Kauer: Ausgewählte Komödien, S. 6 f.
5
gewissen Tendenz. Jedoch gibt es bei Plautus und Terenz viele Dialogszenen, in denen eine Person moralische Vorschriften erläutert : praeceptorum plenust istorum ille (vgl. Ad. 412 f) („Von solchen Lehren ist er voll“ 8 ) tamquam in speculum in patinas, (...), inspicere iubeo (vgl. Ad. 428 f)
(„Wie in einen Spiegel heiß ich sie in die Pfannen zu schauen“ 9 ) Man kann also feststellen, dass die römische Komödie reich an lehrhaften Passagen war, die den Zuschauern moralische Belehrungen bringen sollten. Die meisten derartigen Aussagen enthielten jedoch kaum Neues. Die Vorschriften waren entweder ein Teil einer Alltagsweisheit oder schon von der griechischen Philosophie her vertraute Lehren. So werden bei Plautus und Terenz viele Regeln kurz in Form von Sprichwörtern oder Maximen ausgedrückt: (vgl. Ad. 221) 10 verum ego numquam adeo astutus fui
(„Doch war ich nie so überschlau, dass Hoffnung auf dem Dach mir lieber wär’ als Bargeld in der Hand“ 11 )
Die Missverständnisse und Komplikationen der Handlung entstehen in den Komödien entweder aus der Verwechslung oder einer Täuschung oder aus der Verbindung von beiden. Die Komödien des Plautus zeigen so eine große Verschiedenheit der Themen und umfassen ruhige Stücke (vgl. Captivi, Trinumus), sentimentale Stücke (vgl. Cistellaria), Romanzen (vgl. Rudens), mythologische Travestie (vgl. Amphitruo) oder derbe Possen (vgl. Asinaria, Casina).
Bei Terenz sind die Handlungen einförmiger. Seine Stücke haben mit Ausnahme der Hecyra eine doppelte Handlung: Den Inhalt bilden zwei Liebesgeschichten, die mehr oder weniger miteinander verbunden sind. Meistens handelt es sich um zwei jüngere Männer, zwei Geliebte und um zwei grundverschiedene Väter. 12
2.3. Spannung und Ironie in den Komödien
Plautus und Terenz machen freigebig Gebrauch von Vorausdeutungen und Vorahnungen während des Ablaufs der Handlung. Dabei leitet sich das Interesse der Zuschauer zum Teil gerade vom Warten auf Ereignisse ab, die schon bekannt sind, oder auf die schon angespielt
8 Rädle, H.: Adelphoe/Die Brüder. Lateinisch und deutsch, Stuttgart 1977, S. 46f.
9 Rädle, S. 48f.
10 Vgl. Duckworth, G. E.: Das Wesen der römischen Komödie, in: Lefèvre, E.: Die römische Komödie: Plautus
und Terenz, Darmstadt 1973, S 29.
11 Rädle, S. 26f.
12 Vgl. Duckworth, S. 46 f.
6
Arbeit zitieren:
Christina Hinterleitner, 2004, Die Adelphen des Terenz als Beispiel einer Antiken Komödie, München, GRIN Verlag GmbH
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