Inhaltsverzeichnis
I Einleitung Seite 3
II Allgemeines Seite 4
1. Kurze Biografie Erich Kästners Seite 4
2. Überblick: Emil und die Detektive Seite 5
III Analyse Seite 6
1. Emil und seine ambivalente Einstellung
zur Metropole Seite 6
1.1 Emils Berlin-Bild vor seiner Ankunft Seite 6
1.2 Das reale Erlebnis der fremden Großstadt Seite 10
1.3 Berliner Bekanntschaften Seite 11
1.4 Fortgang der Handlung:
Das neue Verhältnis zur Stadt Seite 15
2. Neustadt und Berlin:
Zwei gegensätzliche Städte Seite 19
IV Schlussbewertung Seite 21
Quellenverzeichnis Seite 23
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I Einleitung
In der Zeit der Weimarer Republik entwickelte sich Berlin zu einer der modernsten Metropolen Europas. Durch den Anschluss zahlreicher umliegenden Städte und Gemeinden, die Erneuerungen im Städtebau und den – schon mit der Industrialisierung eingeleiteten – Fortschritt der Technik wandelte sich das Stadtbild Berlins wie in keiner anderen deutschen Stadt.
Die Großstadt stellte einen neuen Lebensraum für den Menschen dar, in dem er nicht länger als Individuum in der traditionellen kleinen Gemeinschaft, wie z. B. im Dorf, sondern in der modernen Massengesellschaft integriert war.
Diese äußere Urbanisierung stellte die Bedingung einer inneren, die sich in der Anpassung des Bewohners an das Tempo seiner Stadt ausdrückte. Um mit der vom Menschen entwickelten, fortschreitenden Technik, z. B. Telefon, Radio, elektrisches Licht, mithalten zu können, musste er sich selbst ständig auf das neueste technische Niveau begeben. Die Veränderungen waren mit einer Schnelllebigkeit verbunden, die gerade für das Berlin der zwanziger Jahre kennzeichnend war.
Viele zeitgenössische Berliner Schriftsteller versuchten, die neue Stadt und das durch sie verursachte Lebensgefühl festzuhalten und machten sie zum Thema unzähliger Romane, Gedichte, Feuilletons und Bilder.
Einer der bedeutenden Literaten dieser Epoche war der Wahl-Berliner Erich Kästner. Er schrieb anfangs vorwiegend für Erwachsene, bis er im Jahr 1929 mit ‚Emil und die Detektive’ seinen ersten Kinderroman publizierte.
Diese Kriminalgeschichte stellte eine Neuerung im Bereich der Kinderliteratur dar, da der Schauplatz der Handlung nicht – wie typischerweise in den bis dahin erschienenen Kinderbüchern – die Natur oder das Dorf war, sondern auf die Straßen der modernen Großstadt verlegt wurde. Die Idylle trat zugunsten der Alltagsrealität in den Hintergrund – daher wird der Roman auch zur ‚Asphaltliteratur’ gezählt.
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Kästner lässt Berlin allerdings nicht lediglich als austauschbare Stadtkulisse fungieren, sondern bindet es realistisch in das Geschehen ein und macht die Stadt selbst zum Thema, so dass das völlig neue Bild der Metropole unmittelbar erlebbar wird.
Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, auf welche Weise sich das Erlebnis Berlins am Ende der zwanziger Jahre in der Kinderliteratur darstellt. Jedoch können die Ergebnisse der Analyse des Beispiels ‚Emil und die Detektive’ nicht verallgemeinernd für die Kinderliteratur der Weimarer Republik betrachtet werden.
II Allgemeines
1. Kurze Biografie Erich Kästners
Am 23. Februar 1899 wird Erich Kästner (eigentlich Emil Erich Kästner) offiziell als Sohn der als Friseuse arbeitenden Ida Kästner und dem Sattlermeister Emil Kästner in Dresden-Neustadt geboren. Sein leiblicher Vater stellt sich später als der Hausarzt der Familie, Sanitätsrat Dr. Zimmermann, heraus. Kästner hat von Anfang an ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter, was nach seinem Auszug mit täglichen Briefen aufrechterhalten wird. Im Jahr 1906 wird er in die Volksschule in Dresden eingeschult und tritt anschließend 1913 ins Freiherrlich-von-Fletscher’sche-Lehrerseminar ein.
Zwischen 1917 und 1918 leistet er seinen Militärdienst und kehrt herzkrank aus dem Krieg zurück. Daraufhin schließt er die Lehrerausbildung ab, hospitiert am König-Georg-Gymnasium, dessen Schulzeitung aus dem Jahr 1919 Kästners erste Veröffentlichung enthält, und absolviert im gleichen Jahr das Kriegsabitur, für welches er mit dem ‚Goldenen Stipendium der Stadt Dresden’ ausgezeichnet wird. Im Wintersemester 1919/1920 nimmt er sein Studium in Leipzig auf und belegt Germanistik und Theatergeschichte sowie Philosophie, Geschichte und Zeitungskunde. Zwei Semester studiert Kästner in Rostock und Berlin, um dann nach Leipzig zurückzukehren und 1925 zum Doktor der Philosophie zu promovieren. 1927 siedelt er nach Berlin über; dort arbeitet er als Theaterkritiker, freier Mitarbeiter verschiedener Zeitungen und Buchautor (z.B. des Romans ‚Fabian’). Seinen ersten Kinderroman ‚Emil und die Detektive’ veröffentlicht er im Oktober 1929.
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Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erhält Kästner ein Publikationsverbot; sämtliche Arbeiten mit Ausnahme des ‚Emil’-Romans werden verboten und am 10. Mai 1933 auf öffentlichen Plätzen verbrannt. Er bleibt während des Krieges bis auf einige kurze Reisen in Berlin und wird zweimal kurzfristig verhaftet. Nach Kriegsende 1945 zieht Kästner nach München, gründet das erste Kabarett der Nachkriegszeit (‚Die Schaubude’) und wird Feuilletonredakteur der ‚Neuen Zeitung’.
In den darauf folgenden Jahren erhält er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. das Große Bundesverdienstkreuz im Jahr 1959. Am 29. Juli 1974 stirbt Erich Kästner in München an Speiseröhrenkrebs.
2. Überblick: Emil und die Detektive
Bei ‚Emil und die Detektive’ handelt es sich um einen Kriminalroman für Kinder, der in 18 Kapitel gegliedert ist und einen auktorialen Erzähler aufweist, der das Geschehen kommentiert und unterschiedliche Perspektiven einnimmt.
Der Protagonist des Kinderromans ist der etwa zwölfjährige Emil, der mit seiner Mutter in Neustadt wohnt und ihr zuliebe ein vorbildlicher Mustersohn ist. Allerdings war er an einem harmlosen Jungenstreich beteiligt und hat seither Angst vor der Polizei. Seine Mutter schickt ihn in den Ferien zum ersten Mal zur Großmutter nach Berlin und gibt ihm 140 Mark für sie mit. Im Zug sichert er das Geld in seiner Anzugjacke mit einer Stecknadel und sitzt später allein mit einem Mann mit Melone im Abteil, der sich als Herr Grundeis vorstellt. Emil schläft ein und hat einen aufwühlenden Traum. Als er aufwacht und feststellt, dass der Mann und die 140 Mark verschwunden sind, informiert er aus Angst nicht die Polizei, sondern steigt sofort hinter dem Dieb in dem ihm völlig fremden Berlin aus, um diesen zu verfolgen. In seiner Verzweiflung trifft er auf den Berliner Jungen Gustav, der seine Freunde mobilisiert und zusammen mit dem Professor die Verfolgung durch die Straßen Berlins organisiert. Herr Grundeis übernachtet in einem Hotel, in das sich Gustav zur Spionage als Bediensteter einschleicht. Am nächsten Tag umzingelt Emil mit hundert anderen Kindern des Stadtviertels den Dieb, der sich auf dem Weg durch Berlin zur Bank befindet. Dort entlarvt Emil ihn anhand der durch die Stecknadel verursachten Löcher in den Geldscheinen; er fährt mit auf das Polizeirevier. Der Dieb stellt sich als
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gesuchter Bankräuber heraus, woraufhin Emil eine Belohnung von 1000 Mark erhält und von dem Journalisten Kästner für eine Zeitung interviewt wird. Daraufhin reist Emils Mutter nach Berlin, um mit ihrem Sohn, ihrer Familie und den Detektiven den Erfolg zu feiern.
III Analyse
1. Emil und seine ambivalente Einstellung zur Metropole
Das moderne Berlin wird Emil schon vor seiner Reise als eine Stadt mit mehreren Gesichtern präsentiert; zum einen zeigt es sich positiv und beeindruckend, zum anderen negativ und beängstigend.
Um welche Bilder es sich im Einzelnen handelt und wie sich die jeweiligen Betrachtungsweisen in Berlin selbst bestätigen bzw. verworfen werden, zeigt die folgende Analyse.
1.1 Emils Berlin-Bild vor seiner Ankunft
Noch bevor Emil aus seiner gewohnten, kleinstädtischen Umgebung nach Berlin fährt, bekommt er einen ersten Eindruck der Metropole. Im Dialog zwischen Frau Tischbein – Emils Mutter – und ihrer Kundin, die sich von ihr die Haare frisieren lässt, wird Emil und auch dem Leser die Stadt Berlin zum ersten Mal vorgestellt. Seine Mutter erzählt von Emils bevorstehender Reise, woraufhin der Erzähler die Kundin in direkter Rede von ihrem Erlebnis dieser Stadt, das sie anderthalb Jahre zuvor hatte, berichten lässt: „‚Berlin wird ihm sicher gefallen. Das ist was für Kinder. Wir waren vor anderthalb Jahren mit dem Kegelklub drüben. So ein Rummel! Da gibt es doch wirklich Straßen, die nachts genauso hell sind wie am Tage. Und die Autos!’“ 1
Berlin wird zu Beginn des Romans im positiven Sinn eingeführt. Die aufregende, vor allem für Kinder erlebnisreiche Metropole hat ihr ganz eigenes Leben, das durch die große Anzahl an Menschen als „Rummel“ 2 erscheint, in diesem Sinne also an ein überdimensionales und fortwährendes Vergnügungsfest erinnert. Was vor allem hervorgehoben wird, ist der für den Kleinstädter unglaubliche Fortschritt der Technik,
1 Erich Kästner: Emil und die Detektive. In: Ders.: Emil und die Detektive. Emil und die drei Zwillinge.
Zwei Romane für Kinder, S. 29.
2 Ebd.
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Quote paper:
Lena Langensiepen, 2004, Abenteuer Berlin - Die Stadt der Moderne um 1929 im kindlichen Erleben, Munich, GRIN Publishing GmbH
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