INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
1. Definitionen und Grundlagen 4
1.1 Investmenttheorie der Kreativität 4
1.2 Kulturbegriff 5
2. Unterschiedliche Konzeptionen von Kreativität 5
2.1 Westliche Perspektive 5
2.2 Östliche Perspektive 5
2.3 Herkunft der verschiedenen Kreativitätskonzeptionen 6
3. Kulturelle Unterschiede beim kreativen Prozess 6
4. Kanalisierung der Kreativität durch Kultur 7
4.1 Formen und Bereiche der Kreativität 8
4.2 Soziale Strukturen und Kreativität 8
4.3 Sprache und Kreativität 9
5. Einfluss der Kultur auf das allgemeine Niveau von Kreativität 10
6. Resümee und Kritik 12
LITERATURVERZEICHNIS 14
2
Einleitung
Bereits seit langer Zeit beschäftigen sich Menschen mit dem Phänomen Kreativität. Die wissenschaftliche Betrachtung der Kreativität begann jedoch erst Anfang des 20. Jahrhunderts. In der Psychologie gilt als Beginn der Kreativitätsforschung der Vortrag von Joy Paul Guilford mit dem Titel „Creativity“, den er 1950 hielt.
Bis heute hat die Kreativitätsforschung die verschiedensten Ansätze zur Definition, Messung und Förderung von Kreativität hervorgebracht.
Besonderes Interesse galt dabei der Entwicklung von Tests, welche das Ausmaß von Kreativität einer Person bestimmen sollten.
Dennoch gibt es bisher keine einheitliche Vorstellung davon, was Kreativität eigentlich ist, wodurch sie bestimmt oder beeinflusst wird.
Im Rahmen dieser Arbeit soll der kulturvergleichende Ansatz der Kreativität von Robert J. Sternberg und Todd I. Lubart näher betrachtet werden. Die Frage, warum es überhaupt einen kulturvergleichenden Ansatz für die Kreativität geben sollte, beantworten Sternberg und Lubart so : Um einen umfassenden Eindruck von einem so komplexen und vieldiskutierten Konstrukt, wie der Kreativität zu gewinnen, müssen auch interkulturelle Unterschiede betrachtet werden. Dieser Perspektivwechsel könnte für Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kreativität insofern von Bedeutung sein, als das eine eindimensionale Betrachtung vermieden wird und sich daraus neue Ansätze ergeben könnten.
Die kulturvergleichende Perspektive entwickelten Sternberg und Lubart auf der Grundlage ihrer Investmenttheorie der Kreativität. Am Anfang dieser Arbeit steht deshalb ein Exkurs zur Investmenttheorie. Im Anschluss daran werden die Positionen Sternbergs und Lubarts hinsichtlich der unterschiedlichen Konzeptionen von Kreativität, der Kanalisierung der Kreativität durch die Kultur und des Einflusses der Kultur auf das Gesamtniveau der Kreativität näher untersucht. Abschließend sollen noch einmal die wesentlichen Ergebnisse zusammenfassend dargestellt werden.
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1. Definitionen und Grundlagen
1.1 Investmenttheorie der Kreativität
Die Investmenttheorie der Kreativität, welche von Sternberg und Lubart 1991 erstmals veröffentlicht wurde, kann kurz in einer Formel ausgedrückt werden : „Buy low, sell high.“ 1 Dieses Prinzip, welches eher aus der Wirtschaft bekannt ist, wenden Sternberg und Lubart nun auf die menschliche Kreativität an. Dahinter steht die Annahme, dass ein Mensch eine Idee besitzt, welche zunächst noch neu und unpopulär ist. Investiert er aber in diese Idee, steigt sie in ihrem Wert, sie gewinnt Anerkennung und kann teuer verkauft werden. Dennoch kann nicht in jede Idee auf diese Weise gewinnbringend investiert werden. Ähnlich wie in der Wirtschaft obliegt es dem Investor (in diesem Falle der kreativen Person) ein Gespür für die richtige Problemstellung zu entwickeln.
Weiterhin erstellten Sternberg und Lubart ein Strukturmodell ihrer Investmenttheorie der Kreativität. Darin unterscheiden sie vier Ebenen der Kreativität : die Ressourcen, die domänenspezifischen Fähigkeiten, die kreativen Projekte und die Bewertungen der kreativen Produkte.
Die Entstehung eines kreativen Produkts beginnt also auf der Ebene der Ressourcen. Als relevante Ressourcen gelten dabei : Intelligenz, Wissen, Denkstile, Persönlichkeit, Motivation und die Umgebung. Die Interaktionen dieser Ressourcen erzeugen die verschiedensten domänenspezifischen Fähigkeiten. Aus einigen dieser Fähigkeiten können jetzt kreative Projekte entstehen. Einzelne kreative Projekte bringen schließlich kreative Produkte hervor. Die entstandenen Produkte werden nun von Experten bewertet. Sie legen fest, ob ein Produkt neu, innovativ und letztendlich kreativ ist, wobei die Bewertungen auch immer von äußeren Faktoren, wie z.B. der Kultur, der jeweiligen Epoche oder aber vom Sachverständnis der Experten abhängig sind.
Der Vorteil der Investmenttheorie gegenüber anderen Theorien ist, dass sie nicht versucht, Kreativität von einer einzigen Fähigkeit abzuleiten. Vielmehr wird Kreativität als Zusammenspiel von Fähigkeiten und anderen Faktoren gesehen. Ebenso wird der Wechselbeziehung von kreativer Person und kreativem Produkt mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
1 Sternberg, R.J. & Lubart, T.I. (1991). An investment theory of creativity and ist development. Human
Development, 34, S. 1
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1.2 Kulturbegriff
Unter dem Begriff “Kultur” verstehen Sternberg und Lubart ein gemeinsames System, welches aus Kognitionen, Verhaltensweisen, Werten, Regeln, Bräuchen und Symbolen besteht. Dieses System betrifft die Art und Weise, wie eine Gruppe von Personen mit ihrer sozialen und physikalischen Umwelt interagiert. 2
2. Unterschiedliche Konzeptionen von Kreativität
Zunächst wenden sich Sternberg und Lubart den kulturellen Unterschieden in den Konzeptionen von Kreativität zu. Dabei unterscheiden sie eine westliche und eine östliche Perspektive.
2.1 Westliche Perspektive
In westlich geprägten Ländern wird Kreativität definiert als die Fähigkeit eine Arbeit hervorzubringen, die neu (originell) und angemessen (nützlich) ist 3 . Die kreative Betätigung ist im Prinzip in allen Domänen möglich. Allerdings ist die Kreativität aus westlicher Perspektive sehr stark an ein beobachtbares Produkt gebunden, weswegen Sternberg und Lubart diese Sichtweise als produktorientierte und originalitätsbasierte Definition von Kreativität bezeichnen. Als Beispiel dafür wird der Torrence Test of Creative Thinking angeführt, bei welchem ein höherer Grad an Originalität auch mit einer höheren Punktzahl ge wertet wird und die getestete Person somit auch als kreativer gilt.
In der westlichen Perspektive beinhaltet Kreativität häufig auch einen Bruch mit bestehenden Traditionen. Vor allem auf den Gebieten Malerei, Musik und Film gilt die Verwendung neuer Techniken oder die totale Negierung aller bestehenden Konventionen als höchst kreativ. Das Konstrukt Kreativität wird in der westlichen Perspektive durchaus als positiv angesehen, was unter anderem an dem Versuch erkennbar wird, Schulkinder zur Kreativität zu ermuntern oder aber auch an den zahlreichen Büchern im Handel, die sich dem Erlernen von Kreativität widmen.
2.2 Östliche Perspektive
Im Vergleich zur westlichen Perspektive scheint das östliche Verständnis von Kreativität weniger Interesse an originellen, innovativen Produkten zu haben. Vielmehr scheint es sich bei
2 Vgl. Lubart, T.I. & Sternberg, R.J. (1998). Creativity across time and place : Life span and cross-
cultural perspectives. High ability studies, 9, S. 66
3 Definition nach Sternberg und Lubart
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Arbeit zitieren:
Susanne Hartung, 2005, Eine kulturvergleichende Perspektive der Kreativität, München, GRIN Verlag GmbH
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