Lisa Hann WS 2004 PS Lebens - und Arbeitsbedingungen
0305496
393/ 317
Kontakt: lisas_e@yahoo.de; 0650/8103632
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. ZEITLICHE EINORDNUNG UND
BEEINFLUSSUNG DURCH DEN ZEITGEIST 3
3. MARTIN LUTHER ALS ÜBERSETZER 5
5 3.1 Vorraussetzungen
7 3.2 Übersetzungsstil
9 3.3 Was heißt Übersetzer sein? – Der Bedeutungswandel.
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3.4 Die Arbeitsweise
4. SCHLUSSBEMERKUNG 12
5. ANHANG 13
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5.1 Biographie
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5.2 Bibliographie
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1. EINLEITUNG
Das Leben Martin Luthers unterscheidet sich schon in Grundzügen von den heutigen Lebensbedingungen. Daher ist eine Zusammenfassung des Zeitgeschehens, welches ich an den Anfang der Arbeit gestellt habe, für das umfassendere Verstehen seiner Situation notwendig.
Doch nicht nur allgemeine Rahmenbedingungen des Alltags bzw. der Zeitgeist haben sich verändert, sondern auch die konkreten Arbeitsbedingungen von Übersetzern. Besonders deutlich spürbar wird dies beim Lesen des Fragenkatalogs, den die ProseminarteilnehmerInnen zu Beginn des Semesters zusammenstellten. Mit Hilfe einer Auswahl aus diesem möchte ich erklären, was Übersetzen ist bzw. für Luther war, welche besonderen Umstände – im Vergleich zu heute – sich aus den veränderten Bedingungen für die Definition des Berufs Übersetzer ergeben. Wenn nicht anders zitiert, dienten mir als Hauptquellen die Diplomarbeit von Carola Florianschütz 1 und die Biographie von Roland Bainton 2 .
2. ZEITLICHE EINORDNUNG UND
BEEINFLUSSUNG DURCH DEN ZEITGEIST 3
Schulzeit und Studium Luthers (1483- 1546) waren noch von der Scholastik geprägt. Der „juristische Magistergrad hätte Luther genauso gut für den geistlichen Stand vorbereiten können“ 4 . Welch eine tragende Rolle die Kirche spielte ist an dem Schlüsselerlebnis ersichtlich, das der Grund für den Eintritt Luthers ins Kloster war: Die Kirche erzeugte ambivalentes Gottesbild. Der Herr war gleichzeitig unversöhnlicher Richter und liebender Vater. Nur Jesus Mutter Maria oder noch 1 Carola Florianschütz. Martin Luther als Übersetzer. Wien: Dipl.- Arb., 1986. 2 Roland Bainton. Martin Luther. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1980. 3 Zu diesem Kapitel vgl. Wolfgang Greisenegger. Die Realität im religiösen Theater des Mittelalters: ein Beitrag zur Rezeptionsforschung. Wien: Braumüller, 1978.
Aron Ja Gurevic. Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen. München: Beck, 1997. Hartmut Boockmann. Einführung in die Geschichte des Mittelalters. München: Beck, 1996. 4 Carola Florianschütz. S. 1.
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besser die Großmutter, die heilige Anna 5 , konnten ihn milde stimmen. Die Lehre bestimmte, dass man, um sicher in Himmel zu kommen, jede Hilfe der Kirche (Sakramente, Wallfahrten, Ablässe,…) annehmen musste. Am Sichersten war es jedoch dem Kloster beizutreten.
Nach diesen Erläuterungen wird die Todesangst, die Luther bei einem Gewitter - welches stets als Ausdruck von Gottes Zorn gedeutet wurde – verspürte, verständlicher. Da er glaubte eine Stimme aus dem Himmel gehört zu haben, die ihm zornig den richtigen Weg wies, wählte er den Sichersten um zu Gott zu kommen, brach seine weltliche Karriere ab und ging ins Kloster: „Heilige Anna, hilf mir, ich will ein Mönch werden.“ 6 Zur selben Zeit zeichnete sich bereits eine zur bisherigen Darstellung sehr konträre Entwicklung ab: Der Durchbruch zu einer neuer Zeit, der Humanismus, der in den unterschiedlichsten Bereichen wirksam wurde; Kolumbus entdeckte 1492 Amerika, womit sich der geographisch vorstellbare Raum maßgeblich vergrößerte. Zweifel an dem geozentrischem Weltbild, im 17. Jahrhundert durch Galilei endgültig bestätigt, taten sich auf. Ebenfalls machte sich ein anderes Bild Gottes breit. An ebendieser Ausformung des Humanismus sollte Martin Luther vorerst ungewollt als Reformator teilhaben.
Ein wichtiges Merkmal des Humanismus ist, dass er nicht auf Universitäten, sondern in Wohnungen entstand und somit nicht von der Hochkultur initiiert schien, sondern eher einer Untergrundbewegung glich und sich langsam durchsetzte. Für Luthers Schaffen dürfte vor allem die Doktrin „zurück zu den Quellen“ eine wichtige Vorraussetzungen gewesen sein, da dadurch Bibliotheken gegründet, (alte) Handschriften gesammelt, Übersetzungen angefertigt wurden und somit auch das Griechisch mehr Bedeutung bekam.
Nicht zu vergessen sind außerdem die Erfindung des Buchdrucks 1450 und wichtige Geister der Zeit wie Erasmus von Rotterdam, ein Humanist und Theologe, der das „Lob der Torheit“ schrieb, in dem er Missstände in Wissenschaft und Geistlichkeit 5 Es gibt zahlreiche Darstellungen aus der Zeit Luthers der so genannten „Anna selbdritt“, die sie mit Maria und Jesus abgebildet zeigen, was ihren damaligen Bekanntheitsgrad (im Gegensatz zu heute) zeigt.
6 Zit. nach: Roland Bainton. S. 20.
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aufzeigt. Sein Streit mit Luther aufgrund dessen Äußerungen zum Bauernkrieg führte zur Trennung von Humanismus und Reformation.
Als abschließendes Beispiel soll noch der italienische Prediger Savonarola genannt werden, dessen Leben das Ineinanderfließen von Mittelalter und Humanismus verdeutlicht: Die Verderbtheit der Gesellschaft unter Androhung auf das Strafgericht Gottes anprangernd, landete er auf dem Scheiterhaufen.
3. MARTIN LUTHER ALS ÜBERSETZER
3.1 Vorraussetzungen
Die erforderlichen Sprachkenntnisse erwarb sich Martin Luther wie folgt: Latein lernte er bereits in der Schule. Günstigerweise wohnte er in Eisenach bei Verwandten, einer kirchlichen Familie, bei der er sehr gute Lateinkenntnisse erwarb. Später verbesserte er diese durch intensives Bibelstudium. Bereits für seine erste Vorlesung verfasste Luther Übersetzungen aus Hebräischen, genauer aus dem Psalter im Alten Testament und leistete damit bereits eine Vorarbeit für seine spätere Verdeutschung der Bibel. 1516 wurde der hebräische Psalter in Basel gedruckt. Diesen erhielt er als Geschenk von Johann Lang, seinem langjährigen Ordensbruder und Gefährten.
1516 erschien das griechische Neue Testament. Zum ausführlichen Studium der Sprache kam es unter Melanchthon, der ab 1518 Griechisch – Professor in Wittenberg war. Luthers Sympathie für Sprache kam zum Ausdruck, indem er in Briefen griechische Wendungen einfügte.
Eine weitere wichtige Vorraussetzung für diese Art der Übersetzung war die Kenntnis
über Größe, Umfang und Inhalt gewesen. Als Mönch – ab 1505 – besaß er ein Vollexemplar der Vulgata
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, welche er derart intensiv studierte, dass er den Wortlaut perfekt kannte. Leider ist unklar, ob er deutsche Bibeln kannte, die seit 1466 gedruckt worden waren.
7 Septuaginta heißt die griechische Übersetzung des Alten Testaments, Itala die lateinische Übersetzung der Vollbibel und Vulgata die ab dem 5. Jahrhundert verwendete lateinische Übersetzung.
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Lisa Hann, 2005, Martin Luther: der Übersetzer, Munich, GRIN Publishing GmbH
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