Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung und Vorgehen 3
2. Herkunft 4
2.1 Was sind Utopien 4
2.2 Die Bedeutung von Utopien 5
2.3 Charakteristika 6
3. Kritik 8
3.2 Selbstkritik: Die Antiutopien (Dystopien) 8
3.3 Totalitarismuskritik 10
3.4 Ökologiekritik 11
4. Die Utopie als Motor der westlichen Welt 13
5. Welche Art von Utopie wäre heute noch vertretbar und wie könnte
eine adäquate Form von Planung aussehen 15
6. Fazit 18
II Literaturverzeichnis 19
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1. Einleitung und Vorgehen
"Utopien bedeuten ungefähr soviel wie Möglichkeiten; darin, dass eine Möglichkeit nicht Wirklichkeit ist, drückt sich nichts anderes aus, als dass die Umstände, mit denen sie gegenwärtig verflochten ist, sie daran hindern, denn andernfalls wäre sie ja nur eine Unmöglichkeit; löst man sie nun aus ihrer Bindung und gewährt ihr Entwicklung, so entsteht die Utopie." (Musil 1978: 246)
In dieser Hausarbeit, die auf dem Referat vom 22.11.05 basiert, sollen im Rahmen des Themas „Das Utopieproblem“ besonders die kollektivistischen Utopien betrachtet werden. Der Aufbau der Arbeit hat sich an der Frage orientiert, warum Utopien als Antizipation von Zukünftigem und Wünschbarem in ihrer kollektivistischen Form für unsere Gegenwart und Zukunft nicht mehr als Orientierungen bzw. Leitbilder dienen können.
Am Anfang wird deshalb versucht, die Wurzeln der Utopien ausfindig zu machen, worauf eine Art „Definition“ folgt. Weiterhin werden ihre Bedeutung, mit besonderem Fokus auf den Städtebau, und ihre Charakteristika Teile des ersten, eher allgemeineren Schwerpunktes sein. Den zweiten Schwerpunkt bildet die Kritik an den Utopien: Selbstkritik, Totalitarismus- und Ökologiekritik, wobei besonders die beiden letzten wegen ihrer geäußerten Häufigkeit in der Literatur ausgewählt worden sind. Während vor allem die Totalitarismuskritiker vom Ende der Utopien sprechen, werden hier noch weitere Utopieforscher/–kritiker angeführt, die lediglich von der Erschöpfung utopischer Energien ausgehen und die Ursachen dafür auch in anderen gesellschaftlichen Kontexten, statt nur den Utopien selbst sehen.
Das alles führt in letzter Konsequenz zu der Frage, was für eine Art von Utopie für die heutige Gesellschaft noch vernünftig und vertretbar sein könnte. Was wäre noch möglich angesichts ihres durchaus problematischen Gehaltes, besonders im Bereich der Ökologie? Brauchen wir Utopien oder kann Planung auch ohne die Idee einer besseren Gesellschaft als Kompass auskommen?
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2. Herkunft
Utopien reichen in ihrer Traditionen bis in die griechische Literatur zurück. Sie verdanken ihren Namen dem 1516 entstandenen Werk „Utopia“ von Thomas Morus. Als alternative und kollektiv glücklichmachende Gegenentwürfe zu ihrer Gegenwart wurden sie wegen ihres kritischen Potentials meist in die literarische Form des Staatsromans gebracht. Bis ins 18.Jh. war der „Gut“- oder „Nicht“ - Ort (Vorsilbe „Eu“ [engl.] bzw. „Ou“ [griech.], „Topie“ = Ort) durch das Motiv des Schiffbrüchigen, der auf einer entlegenen Insel strandet, räumlich ausgelagert. 1 Die Wurzeln der Utopien sind in der Mythologie und in religiösen Eschatologien zu finden. (vgl. Brockhaus 1994: 15ff) Schon im Alten Testament finden sich Ankündigung eines messianischen Friedensreiches und die Lehre von der Vollendung des Einzelnen und der Schöpfung nach dem Ende der Welt. Religiöse Eschatologien rechnen mit dem überraschenden Hereinbrechen der Endereignisse aus dem Jenseitigen in die reale Gegenwart und Geschichte. (vgl. Brockhaus 1988: 576) Mit der vollständigen Entdeckung der Welt wurde der vorab zeitgleich existierende Ort „Utopia“ in die Zukunft, also zeitlich, verlagert. Die Utopie wird zur Uchronie, was an Merciers Roman „Das Jahr 2440“ festzumachen ist. Damit wird die Utopie als Alternative zur Gegenwart in ihrer möglichen Realisierbarkeit, nämlich durch den historischen Fortschritt, erstmals in einen innerweltlichen Möglichkeitsbereich verlagert und verliert in der Folge auch ihren romanhaften Charakter. Mit dem „Eindringen“ der Utopien in die Geschichte fand die Abkehr von den Eschatologien statt, die durch ihre Welttranszendenz historisches Fortschrittsdenken verhindern. Utopien handeln also nicht von den „letzten Dingen“ sondern unterwerfen alles dem bewussten, vernünftigen menschlichen Willen.
2.1 Was sind Utopien?
Utopien entwerfen eine neue Weltordnung und versprechen mit deren Umsetzung kollektiven Frieden, Wohlstand und Glück für alle. Hunger, Elend und Krieg - alles Schlechte dieser Welt, verschwindet in der neuen. Im Mittelpunkt ihrer kritischen Gegenentwürfe steht dabei 1 Die verwendete Quelle sind die Aufzeichnungen zur Vorlesung „Geschichte der Sozialutopien“ von Prof. Dr. Herfried Münkler, gehalten im Wintersemester 02/03 an der HU Berlin.
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die Triade der menschlichen Bedürfnisse, der Arbeit, Wissenschaft und Technik. Utopien gehen von ihrer eigenen Zeit und Gesellschaft aus und erschließen Handlungsmöglichkeiten und Alternativen, die über die geschichtliche Kontinuität ihrer Gegenwart hinausschießen. Ihre Basis bilden soziale Brüche, wie z. B. die tiefgreifende Säkularisierung, die die Hochzeit der utopischen Schriften – ab der Renaissance - eingeleitet hat. Utopien, als Resonanzphänomen auf soziale Krisen, standen daher auch häufig mit Revolutionen in Verbindung.
Blieben Utopien bis ins 18.Jh. die Beschreibung eines idealen und in sich geschlossenen Gesellschaftsmodells, das dem Leser nur noch dargelegt werden musste, so konnte dieser in späteren Schriften miterleben, wie das ideale Gemeinwesen entstand. Der skizzierte Entwurf wurde somit zur konkreten, und durch den historischen Fortschritt auch zu bewältigenden Aufgabe. Dieser Wandel im Denken, der sich in der veränderten Form der Utopien niederschlug, war Ausdruck einer säkularisierten, überindividuellen Vernunft, die zu Gunsten eines kollektiven und gesellschaftlich organisierten Glücks genutzt werden sollte. Er symbolisierte aber auch das gewachsene menschliche Selbstbewusstsein, als unvollkommen erkannte gesellschaftliche Zustände mittels Vernunft und Fortschritt rational und zukunftswirksam gestalten zu können. (vgl. Brockhaus 1994: 16ff)
2.2 Die Bedeutung von Utopien
Die Bedeutung des utopischen Denkens reichte weit und fand ihren Ausdruck in der Entstehung einer Reihe sozialer Institutionen und Bewegungen, z.B. dem Täuferreich vo n Münster, dem Jesuitenstaat, aber auch in den realsozialistischen Staatsmodellen. Utopien hatten aber im Gefolge neuer Sozialordnungen auch in anderen Bereichen, wie z.B. der Architektur oder Malerei einen enorm hohen Einfluss.
Gerade der Städtebau stand und steht immer im Zusammenhang mit großen sozial- revolutionären Projekten oder gesellschaftlichen Idealvorstellungen, die sich in der Stadt, als gesellschaftlichem und baulich- räumlich realisiertem Ordnungssystem widerspiege ln. Die ersten Idealstädte, die Thurioi (444 v.Chr.), wurden im Auftrag von Perikles mit der Einführung einer neuen Staatsverfassung nach einem Entwurf des Stadtplaners Hippodamos von Milet in Süditalien umgesetzt. Die Idealstadt der Utopie ist Raum gewordene, tatsächlich existierende Materie, die ein von der Intellektualität ihrer Epoche getragenes Weltbild und die Kultur ihrer Zeit demonstriert. Seit Hippodamos ist die utopische Stadt nach rational geometrischen Prinzipien konstruiert, wobei diese klare geometrische Ordnung eine neue Ordnung der Vernunft und die Beherrschung der Umstände ausdrücken soll. Ebenso wie sich
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das verfassungsrechtlich neu verankerte Gleichheitsideal in den griechischen Kolonien in Süditalien auch über die Gleichheit der Häuser und Straßen, also im Städtebau ausdrücken sollte, entwickelte jede Epoche neben den für sie spezifischen Utopien auch eigene städtebauliche Vorstellungen. (vgl. Münkler 2002/2003) Bereits in der Antike strebte man für die Schaffung einer "Civitas humana" eine Stadtstruktur an, die die Kommunikation zwischen den Bürgern, das Bürgerbewusstsein und die Gemeinschaftsbildung befördern sollte. (vgl. Habermann 2005: 104) Die Bauweise in der Renaissance dagegen war vollkommen funktionalistisch und rationalistisch. Mit ihren geometrischen Grundmustern spiegelte sie das instrumentelle Naturverständnis ihrer Zeit. Fourier und Owen stellten ihre Pläne mehr in den Dienst der sozialen Bedürfnisbefriedigung des Menschen und griffen dazu auf die Beton- und Stahlbauweise italienische Futuristen zurück. (vgl. Brockhaus 1994: 18) Städtebau und Planung sind, gegenwärtig im Rahmen von Projekten zur „sozialen Stadt“ oder dem Quartiersmanagement, i n allen Epochen nur in Verbindung mit sozialen Strukturvorschlägen zu denken und heute, nach dem Scheitern der kollektivistischen Utopien, in einer zunehmend individualisierten, liberalen Welt, mehr denn je nur eine Lösung von Problemen im Detail - lokal oder regional.
2.3 Charakteristika
Utopien sind gekennzeichnet durch einen Dualismus: Sie sind Kritik an zeitgenössischen Umständen, Institutionen und konstruieren gleichzeitig hypothetische und alternative Lösungsmöglichkeiten. Utopien vereinen als Entwurf einer Gesamtgesellschaft literarische, philosophische, politische, soziologische und historische Elemente in sich. Sie stehen grundsätzlich in einem Spannungsverhältnis zu ihrer Zeit und sind stark vom sozialpolitischen Kontext geprägt.
Morus, Campanella und Andreä reagieren z.B. mit ihren Utopien auf die starke Polarisierung zwischen Arm und Reich, die feudale und frühkapitalistische Ausbeutung oder die Beherrschung der Regierung und Justiz durch die Oberschicht; während die im Absolutismus entstandenen Entwürfe von Diderot und Mercier vor allem die Monarchie und deren Stützmächte Adel und Kirche kritisieren.
Der Geltungsanspruch der Utopien kann daher also nur ein epochenspezifischer sein, besonders wenn sie in ihrem Entwurf in den Möglichkeiten ihrer Epochen verhaftet bleiben. Dies lässt sich besonders gut an der Triade Wissenschaft/Technik, Arbeit und Bedürfnisse erkennen, die die Triebkraft der materiellen Reproduktion der jeweiligen utopischen
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Arbeit zitieren:
Claudia Meiling, 2005, Das Utopieproblem, München, GRIN Verlag GmbH
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